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Gute Kunst? Wollen! – Das Making of!

 

Am 19/20. September eröffnet die Ausstellung Gute Kunst? Wollen! Auf AEG in Nürnberg. 500 Kunstwerke der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin werden auf 6.000 qm Ausstellungsfläche gezeigt. Dr. Teresa Bischoff kuratiert die Ausstellung gemeinsam mit Studierenden der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Dabei untersuchen sie Alte Meister und Zeitgenossen an Hand von fünf Kriterien:

Handwerkliches Können

*

Schönheit

**

Kunstwollen

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Innovation

****

Diskurswürdigkeit

*****

Der Film eröffnet uns die Dimension dieser Ausstellung und macht große Lust auf das Resultat!

Zur Ausstellung erscheint die Publikation Gute Kunst? Wollen! im MMKoehn Verlag mit Texten von Dr. Teresa Bischoff und einem Vorwort von Prof. Dr. Horst Bredekamp, herausgegeben von Prof. Dr. Ulrich Großmann, Prof. Dr. Lars Blunck und Thomas Rusche.

,,Die Kunst negiert immer neu, was ihr in ermüdender Wiederholung als Hauptbestimmung zugesprochen wird: als permanenter Ursprung die Geschichte abzustreifen und gleichsam bedingungslos das jeweilige Jetzt zu spiegeln. Sie hat jedoch immer neue Absagen an die Ideologie des Nullpunkts formuliert, und hierfür ist die Ausstellung ein Zeugnis.”  

Prof. Dr. Horst Bredekamp 

Cover der Publikation Gute Kunst? Wollen! erschienen im MMKoehn Verlag, Cover Photo by Lars Beusker

Cover der Publikation Gute Kunst? Wollen! erschienen im MMKoehn Verlag, Cover Photo by Lars Beusker

 19. September bis 17. Oktober 2015

Öffnungzeiten Do. – So. 12:00 – 19:00 Uhr

Auf AEG, Muggenhofstraße 132/135

Fürther Str. 244-254

90429 Nürnberg

 

Bildgewitter – Struck by Pictures

 

Bildgewitter, eine Arbeit des Künstlers Jonathan Meese ziert das Cover, Photo by SØR

Eine gewitterähnliche Eruption muss Thomas Rusche an seinem 50. Geburtstag im September 2012 widerfahren sein, 115 Künstler und Künstlerinnen, die in der SØR Rusche Sammlung Oelde / Berlin vertreten sind, schenkten ihm eine Zeichnung, Collage oder Fotografie. Letztendlich kamen dabei Arbeiten von einer großen Mannigfaltigkeit an Techniken und Materialien zusammen, die in zwei handgebundenen Büchern versammelt wurden und dem Jubilar auf seiner Feier in Berlin als Geschenk überreicht wurden. Was im ersten Augenblick wie ein Sammelsurium erscheinen konnte, entfaltete sich zu einem kleinen Schatz, der zum einen Ausdruck der engen Bindung ist, die der Sammler zu den Künstlerinnen und Künstlern hat, zum anderen entstand gewissermaßen ein Kompendium der Kunst des frühen 21. Jahrhunderts.

Bildgewitter, eine Zeichnung des Künstlers Jonas Burgert, Photo by SØR

Bildgewitter, ein titelgebendes Zitat des Sammlers Thomas Rusche, Photo by SØR

 

 

 

 

 

 

 

,,Wachsen im geistigen Sinne bedeutet nicht, größer werden, sondern kleiner werden.‘‘

( Søren Kierkegaard )

Thomas Rusche gilt als großer Verfechter des kleinen Formats. Dies verwundert kaum, bilden doch die Kabinettstücke der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts das Fundament seiner Sammlung, die die zeitgenössischen Werke der Sammlung zu einem lebendigen Dialog herausfordern. White Cubes hingegen mit ihren Zehn-Meter-Gemälden lassen ihn kalt. Mit der Kunst zu leben, sie ständig um sich haben und sich an ihr erfreuen, ist das Credo des Sammlers Rusche. Der größte Teil der Arbeiten in diesem Buch entspricht im Original diesem geschätzten kleinen Format.

Bildgewitter, eine Arbeit von Ulf Puder, Photo by SØR

Bildgewitter, eine Beitrag der Leipziger Künstlerin Corinne von Lebusa, Photo by SØR

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich gibt es auch die eine oder andere Ausnahme, nicht nur in ihren Maßen. Zu den zeitgenössischen Bildern gesellen sich eine kunsthistorische Einführung von Mark Gisbourne, ein literarischer Text des Schriftstellers Clemens Meyer und die Festrede des Journalisten Harald Wieser. Jene drei bestärkten Thomas Rusche in dem Entschluss, diese Würdigung zu veröffentlichen, um sie mit anderen zu teilen, deren große Leidenschaft ebenfalls die Kunst ist.

Bildgewitter, eine Collage des Filmemachers Peter Sempel, Photo by SØR

Bildgewitter, eine kleine Zeichnung von Julius Hofmann, Photo by SØR

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die Gestaltung von Bildgewitter war Maria Magdalena Koehn verantwortlich, die dem ungewöhnlichen Projekt eine außergewöhnliche Form verlieh. Das Umschlagmotiv dieses Buches ist dem Künstler Jonathan Meese zu verdanken. Er schuf in seinem Beitrag den Begriff „Erzgeburtstag“ und treffender hätte man diesen besonderen Tag nicht bezeichnen können.

Bildgewitter, eine Zeichnung des britischen Künstlers Michael Kirkham, Photo by SØR

Bildgewitter, eine Arbeit von Jochen Plogsties, Photo by SØR

Bildgewitter, Photo by SØR

Christian Achenbach | Tilo Baumgärtel| Daniel Behrendt | BEZA | Ina Bierstedt | Heiner Binding | Irene Bisang | Norbert Bisky | Peter Böhnisch | Paolo Bottarelli | Birgit Brenner | Jonas Burgert | Carlos De los Ríos | Birgit Dieker | Jan Dörre | Stephanie Dost | Hartwig Ebersbach | Martin Eder | Marcel Eichner | Wolfgang Ellenrieder | Joachim Elzmann | Holmer Feldmann | Carsten Fock | Marc Fromm | Martin Galle | Axel Geis| Kristina Girke | Sebastian Gögel | Andreas Golder | Maike Gräf | Marc Gröszer | Amélie Grözinger | Philip Grözinger | Günther Meyer | Paule Hammer | Katrin Heichel | Uwe Henneken | Bernd Hoffmann | Julius Hofmann | Feodora Hohenlohe-Oehringen | Helge Hommes | Nicolai Huch | Johannes Hüppi | Leiko Ikemura | Gunilla Jähnichen | Michał Jankowski | Jens Joneleit | Aris Kalaizis | Mandy Kardinal | Ruprecht von Kaufmann | Inga Kerber | Michael Kirkham | Kai Klahre | Andrey Klassen  | Henning Kles | Alexander König | Anna Kott | Uwe Kowski | Clemens Krauss | Sven Kroner | Markus Matthias Krüger | Alicja Kwade | Corinne von Lebusa | Edgar Leciejewski | Via Lewandowsky | Carina Linge | Rosa Loy | Martin Luetke | Dieter Mammel | Oliver Mark | Jonathan Meese | Sebastian Meschenmoser | Ingo Mittelstaedt | Ulrik Møller | Jochen Mühlenbrink | Hanna Nitsch | David O’Kane | Justine Otto | Florian Pelka | Jochen Plogsties | Ulf Puder | Neo Rauch | Johannes Rochhausen | Claudia Rößger | Dennis Rudolph| Nadin Maria Rüfenacht| Nicola Samori | Fumie Sasabuchi | Rainer Schade | Titus Schade | Cornelia Schleime | Moritz Schleime | Sandra Schlipkoeter | Rigo Schmidt | Uta Schotten | Norbert Schwontkowski | Robert Seidel | Tanja Selzer | Peter Sempel | Hans-Peter Stark | Rosi Steinbach | Sophie von Stillfried | Stefan Stößel | Alex Tennigkeit | Kathrin Thiele | Gert & Uwe Tobias| Anya Triestram | Michael Triegel | Markus Uhr | Steve Viezens | Miriam Vlaming | Steffen Volmer | Steffi Weigel | Matthias Weischer |Marlon Wobst |

 

Bildgewitter, 2013 Kerber Verlag
MK Projekte (Maria Magdalena Koehn)
www.mkprojekte.de

Eros & Thanatos: Eines der 5 schönsten deutschen Kunstbücher 2013!

 

Tagträume von Begehren und Erfüllung
Zeitgenössische Kunst der SØR Rusche Sammlung im Dialog mit Alten Meistern

Prämiert von der Stiftung Buchkunst als eines der 5 schönsten deutschen Kunst Bücher 2013
Herausgegeben von Matthias Bleyl, Mark Gisbourne, Wim Pijbes, Thomas Rusche, Hans-Werner Schmidt, Wolfgang Ullrich
Sammlungskatalog mit 76 schwarz-weißen Abbildungen, gedruckt von Photopolymerklischees, gestaltet von Maria Magdalena Koehn mit einem Text von Mark Gisbourne und einem Vorwort von Hans-Werner Schmidt/ Direktor MdbK Leipzig (dt./ engl.)
Broschur, 104 Seiten, 38×30 cm, Auflage 1500
Erschienen 06/2012
ISBN 978-3-941601-59-8
http://www.lubok.de/index.php?id=1&L=0

Eros & Thanatos, Abbildung zeigt Werke von Christoph Ruckhäberle & George Condo, Photo by Lubok Verlag

Der Katalog Eros und Thanatos der SØR Rusche Sammlung stellt die Verlagsausgabe eines gleichnamigen Sammlungsbuches dar, dessen umfangreicher Bildteil im Verfahren der Photogravüre realisiert wurde und das in Kleinstauflage als bibliophiles Sammlerstück entstanden ist.

Eros & Thantos, Detail-Aufnahme, Photo by Lubok Verlag

Auch im Verlagsband schlägt der Essay des Kunsthistorikers Mark Gisbourne über Sexualität und Vergänglichkeit eine Brücke zwischen 50 zeitgenössischen Arbeiten der Sammlung Rusche und der Tradition der niederländischen Barockmalerei mit ihren Vanitas-Darstellungen und Memento-Mori-Motiven, die einen Schwerpunkt der Sammlungstätigkeit ausmacht.
Für den Verlagsband, der sich in gestalterischer und typographischer Hinsicht an historischen Sammlungskatalogen orientiert, wurden der Text mit Referenzabbildungen, der umfangreiche Bildteil sowie das Marmorpapier, das die bibliophile Originalausgabe begleitete, mithilfe von Nyloprintklischees, d.h. im Hochdruckverfahren, und in schwarz-weiß reproduziert.

Eros & Thantos, Abbildung zeigt Werke von Paule Hammer & L.C. Armstrong, Photo by Lubok Verlag

 

http://www.stiftung-buchkunst.de/de/die-schoensten-deutschen-buecher/2013/wettbewerb/

SØR Rusche Sammlung: Europäischer Monat der Fotografie – Artist Talk mit Carina Linge

Europäischer Monat der Fotografie

Carina Linge und Katja Reich Photo by Wolf D. Hoffmann

Barbara Probst, Exposure#70,2009 Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin Photo By Wolf D. Hoffmann

Thomas Rusche & Carina Linge Photo by Wolf D. Hoffman

Krzysztof Zielinski, Millenium School#23, 2007 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Anna Kott, Beza & Carina Linge Photo by Wolf D. Hoffmann

Pieter Hugo, Messina/Musina Pieter and Maryna Vermeulen with Timana Phosiwa, 2007 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Katharina Mantel, Vasen Ekstasen, 2012 Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Carina Linge & Thomas Rusche Photo by Wolf D. Hoffmann

Stanislaw Ignacy Witkiewicz or Witkacy, Improvised Scenes, 1932 Courtesy of the SØR Rusche Collection Photo by Wolf D. Hoffmann

Lois Renner, Küchenstillleben, 2008 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

FOTOGRAFIE IM DIALOG MIT ALTEN MEISTERN

Nobuyoshi Araki, Beza, Pieter Hugo, Vandy Rattana

Der ungewöhnliche Dialog von Alten Meistern und zeitgenössischer Fotografie erklärt sich nicht zuletzt aus der Geschichte der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Deren Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück als der Urgroßvater des Sammlers Thomas Rusche im Münsterland mit Pferd und Wagen Textilhandel betrieb und alte Bilder, Hausrat und Herdplatten in Zahlung nahm. Über Generationen wurde dieser Besitz westfälischer Kunst und Antiquitäten vererbt. In den 1960er Jahren übernahm Thomas Rusches Vater Egon den Bestand und konzentrierte sich auf die Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Zunächst gemeinsam mit seinem 1996 verstorbenen Vater baut Thomas Rusche die Sammlung Alter Meister bis heute kontinuierlich weiter aus und ermöglicht deren wissenschaftlichen Aufarbeitung. Seit 2005 wird die Sammlung des Modeunternehmens um zeitgenössische Positionen ergänzt. Der Fokus liegt auf Malerei im Kabinett-Format. Jedoch befinden sich neben Zeichnungen und Druckgraphiken, Skulpturen und Medienkunst heute über 100 Fotografien in der Sammlung. Das Medium der Fotografie fasziniert den Sammler auf Grund seiner Augenblickhaftkeit und dem fortwährenden Spiel zwischen Schein und Sein
An drei Samstagen im November werden ausgewählte fotografische Arbeiten im Dialog mit der Malerei Alter Meister in den Räumen der SØR Repräsentanz in Berlin-Charlottenburg gezeigt.

Vandy Rattana, Rattanakiri I Bomb Ponds, Courtesy of the SØR Rusche Collection

SØR RUSCHE SAMMLUNG OELDE/BERLIN

3.11. – 17.11.2012

AUSSTELLUNGSORT

SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin
Schlüterstraße 53
10629 Berlin

Sa 3. + 17.11.2012 14-16 Uhr

ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL

S5, S7, S75 Savignyplatz

EITRITTSPREISE

Eintritt frei

Anmeldung
m.kuehn@kleidungskultur-soer.de
(jeweils bis 1 Woche vor Veranstaltungsbeginn möglich)

VERANSTALTER

SØR Rusche Markengesellschaft mbH
Wiedenbrücker Str. 1
59302 Oelde

T 02522 8260

www.kleidungskultur-soer.de

KURATOREN

Thomas Rusche

Innen, außen, hülle, kern – ein interview mit der künstlerin birgit dieker

Birgit Dieker, Anita, 187 cm, 2011, Photo by Jürgen Baumann

Woher kommt die große Faszination am menschlichen Körper?

Eigentlich ist es das klassische Thema der Bildhauerei. Es macht mir Spaß, mich mit so sinnlichen Formen zu beschäftigen. Der Körper hat skulptural gesehen, einfach so wahnsinnig viel zu bieten. Auf der anderen Seite, kommt dem Körper heutzutage so viel Bedeutung zu. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft: Jung sein, fit sein, das Beste aus sich rausholen – darauf kommt es an. Da bleibt der Körper nicht unverschont – ganz im Gegenteil! Alt werden wollen alle, aber nicht alt aussehen. Der Körper wird längst nicht mehr als unveränderbar hingenommen. Er muss sich an Bildern messen, wird von äußeren Einschreibungen bestimmt. Mich interessiert das Verhältnis von Körper und “Seele”, von äußerer Form und innerem Zustand.

Die Materialien die Du benutzt sind meistens Stoffe, Haare und Leder, also alles Materialien die den Körper schützen.

Das stimmt. Alles was der Haut ähnelt, mit ihr zu tun hat oder ihr nah ist. Wobei es auch eine Reihe anderer Materialien gibt, wie z.B. Rettungsringe, Tauwerk, Bojen, Gehörne oder Klempnerrohr.

In den letzten Jahren habe ich besonders viele Skulpturen aus Klamotten gemacht. Kleidung als Inbegriff für die zweite Haut, als Grenzmetapher zwischen Innen und Außen, zwischen Selbst und Welt ist für mich ein passender Werkstoff. Körper und Kleid stehen in einem sehr engen Verhältnis, so dass man sie auch als wechselseitige Stellvertreter sehen kann. Körper und Kleid berühren sich, der Körper gibt seine Form an das Kleid ab, und das Kleid umspannt, umspielt die Körperformen. Die Kleidung dient aber auch als Schutz und zur Inszenierung des Selbst. In der frühen Volksmedizin, im Aberglauben oder Voodoo sind Ersetzungshandlungen mit Klamotten gang und gäbe. Je näher ein Kleidungsstück am Körper war, desto mehr Kräfte hat es. Kleider von Heiligen oder Helden haben besonders viel Heilkraft, weshalb sie auch in Reliquien aufbewahrt werden.

Birgit Dieker, Seelenfänger, 2005, ca. 350 cm, Photo by Jürgen Baumann

 

Anita heißt eine Arbeit von Dir. Was hat es mir dieser Anita auf sich?

Anita ist eine Poserin. Will die Blicke auf sich ziehen, was ihr auch gelingt. Sie ist glamourös, sexy. Doch gibt es auch die aufgebrochenen Stellen, die Löcher, die wie Verletzungen anmuten. Die Blicke gehen tief, tiefer, als ihr lieb ist. Sie wird bloß gestellt. Der kokonhafte große Kopf – ist das ein Helm, eine Frisur oder das Ende einer Raupe? Anita hat was Insektenhaftes. Das Prinzip der Verpuppung, der Metamorphose, dass im Inneren etwas anderes sich entwickeln kann, als außen gezeigt wird, finde ich spannend. Die schillernden Pailletten, die auch wie Schuppen anmuten oder eine Rüstung stehen im Gegensatz zu dem immer dunkler und stumpfer werdenden Stoffklumpen innen. Die Hände stecken fest in diesem Raupenkopf, Beine struppig und haarig wie bei Spinnen, sitzt Anita wie ein aufgespießtes Insekt auf ihrem Barhocker.

Birgit Dieker, Anita, Detail-Aufnahme, 2011, Photo by Jürgen Baumann

Wer stand Muse für die Anita?

Anita Berber. Die berühmte Nacktänzerin aus den 1920er Jahren. Ein Leben voller Drogen und Skandale. Die Leute waren heiß auf sie, wollten Entertainment, und ihre nackte Haut. Dabei hatte sie hohe künstlerische Ansprüche, an diesem Paradox ist sie letztendlich auch zerbrochen.

Birgit Dieker, Bob, 2004, Menschenhaar, Schafwolle, Füllmaterial Styropor, Photo by Thomas Jautschus

Beschäftigt Dich auch das Innere des Körpers, wie z. B. das Gehirn?

Klar. Innen, Außen, Hülle, Kern – das ist mein Thema. Die Organe sind für mich Metaphern für unser Innenleben. Kulturhistorisch gesehen, zumindest in Europa, galt lange Zeit das Herz als Sitz der Seele. Heutzutage wird der Kern unseres Selbst eher im Gehirn gesucht. Wobei er sich doch im tiefsten Inneren des Brustkorbs oder auch mal in der Magengrube anfühlt, verborgen, unter Schichten, Schalen, oder Mauern. Neurophysiologisch gesehen ist auch das Gehirn nichts anderes als eine Rinde. Unser Kern befindet sich also an der Peripherie. Beim Embryo bilden sich Haut und Hirn aus der gleichen Membran, dem so genannten Ektoderm. Streng genommen sind beide Oberflächen. Das finde ich enorm spannend. Wie wichtig die Haut ist! Für den Embryo und den Säugling ist sie das wichtigste Kommunikations- und Kontaktorgan. Hier macht er die Erfahrung seiner eigenen Begrenzung, aber auch erste Lust- und Unlustgefühle. Auf diese Erfahrungen basiert die enge Verbindung von Hautempfindungen und seelischen Zuständen.

Ist es denn so, dass Du für Deine Skulpturen nur von Dir getragene Kleidung nutzt?

Nein, überhaupt nicht. Bisher gibt es nur zwei Skulpturen mit meinen Klamotten. Eins davon ist das Selbstporträt “Ei Ei Ei”. Ich mache Porträtarbeiten aus den Kleidungsstücken der Porträtierten – persönlicher kann es gar nicht sein! Ich habe mal ein Familienporträt gemacht. Säckeweise sind mir die Altkleider der Eltern und ihrer zwei Kinder ins Atelier gebracht worden. Schwierig war nicht nur die Porträtähnlichkeit, sondern vor allem die Schnitte, die wie Verletzungen anmuten können. Bei meinem Selbstporträt war ich natürlich viel freier.

Birgit Dieker, Ei Ei Ei, 2010, Kleidung, Draht, Photo by Jürgen Baumann

Denkst Du das Künstlerinnen mehr Emotionen in ihre Arbeiten einfließen lassen als Künstler?

Mhm – kann ich nicht sagen… Aber Arbeiten von Künstlerinnen als überwiegend emotional und von Künstlern als rational einzustufen, ist meiner Meinung nach zu pauschal.

Wenn man den weiblichen Körper geschichtlich unter der Lupe nimmt, dann hat sich doch das Schönheitsideal in den letzten 300 Jahren sehr stark verändert, bei den alten Meistern war alles rund und weich und heute sind die Frauen zwanghaft schlank

Die hatten damals auch Zwänge, andere. Aber Spass hatten die Frauen auch nicht, wenn sie sich in die Klamotten zwängen mussten, sind sie reihenweise ohnmächtig geworden. Die eng geschnürten Korsetts, oder zu unbequeme Schuhe und die mächtigen Perücken haben die Frauen damals komplett bewegungsunfähig gemacht. Das war genauso bescheuert.

Birgit Dieker, Big Mummy, 2005, Leder, Nieten, Füllmaterial, Barhocker, Photo by Jürgen Baumann

Klar, aber heute malträtieren sich die Frauen doch mit ihren Diäten, Sportwahn und am Ende legen sie sich unters Messer

Männer mittlerweile auch.
Da muss man sich eigentlich mal überlegen, wie viel Zeit dabei drauf geht.

Wie steht Du zu Deinem Körper?

Mal so, mal so. Zwischen “alles halb so wild” und “Notstand”.

Demnächst kann man einen großen Auszug Deiner Arbeiten in Friedrichshafen sehen

Ja. Im Kunstverein Freihafen, in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Münsterland und der Stadtgalerie Saarbrücken. In dem Zusammenhang wird es auch einen Katalog geben, der im Distanz Verlag erscheint. Der Titel der Ausstellung ist “The Big Striptease”, eine Leihgabe von Sylvia Plath geliehen.

Literatur inspiriert Dich, gibt es bestimmte Autoren die Dich bewegen?

Das ist ganz unterschiedlich. Wie auch die Genre sehr unterschiedlich sind. Ob Lyrik, Romane, Märchen, Psychologisches, Anthropologisches oder das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.

Du beschäftigst Dich ja unumgänglich mit Stoffen und Klamotten, ist Dir das denn privat noch wichtig?

Auf Second-Hand-Läden habe ich einfach keine Lust mehr. Das hat mit dem Geruch zu tunMein Atelier ist voll von alten Klamotten. Und zum Shoppen habe ich einfach zu wenig Zeit, leider. Mit anderen Worten, mein Kleiderschrank ist beschämend leer!

Birgit Dieker, 2012, Phot by Uwe-Karsten Günther

http://www.birgit-dieker.de/

le salon! die sør rusche sammlung in der aktuellen ausgabe des Sleek Magazins

Salonnières ensemble: from left, vicky wang, galerie Jochen Hempel; Jan-Philipp Sexauer, lawyer; dr. dr. Thomas rusche, SØr Collection; Stephanie von dallwitz, artist; Philipp grözinger, artist; uwe-karsten günther, galerie Laden für nichts, with daughter olga; Marianne esser, patron; Christian Achenbach, artist (Photo by Sleek/Belaid Le Mharchi)

LE SALON

Make friends, drink wine, talk about art: why the re- surgent salon circuit is the best reason to stay in.

Text: Jeni Fulton. Portrait: Belaid Le Mharchi

EARLY EVENING IN West Berlin, and the sharp-dressed art collector Dr. Dr. Thomas Rusche is standing in the kitchen of his Charlottenburg apartment preparing for the arrival of his salon guests. Busy opening bottles of sekt, he presses glasses into the hands of new arrivals. Small groups of people begin to congregate in the apartment; they’re here to see the entrepreneur’s personal SØR Rusche collection, and to engage in informal conversation with fellow artists, curators, and critics.

“These gatherings started organically,” Rusche says. “Many people wanted to see the collection i have in my Berlin apartment, and i then decided to invite them all at a set time. I wanted to give them the opportunity to discuss the collection, and their reactions to it, as part of a larger group.” The painter Jonas Burgert is a regular guest, as are collectors Thomas olbricht and Jan-Philipp Sexauer, along with gallerists such as Gerd “Judy” Lybke and Christian Ehrentraut. The antique furniture and oriental rugs impart an atmosphere redolent of the Belle Epoque, but the contemporary German art on display – Alicja Kwade’s pile of gold bricks, Daniel Richter’s devil painting – situate the group firmly in the present.

Rusche has been hosting salons since 2008, modelled on the lines of gertrude Stein’s Paris gatherings of the early Twentieth Century. Gertrude and her brother Leo Stein were early impressionist collectors, and guests would turn up to see the Steins’ collection of Cézannes on Saturday evenings. The salon was attended by Picasso, Matisse and the poet Guillaume Apollinaire, among others; the focus lay on conversation, food and the Stein’s art.

Rusche’s collection, meanwhile, pairs dutch old Masters with contemporaary German painters and one or two YBAs, and amply fills his spacious flat. The study features Ruprecht von Kaufmann’s dis- turbing surrealist paintings and Katharina Otto’s sleeping Thanatos, while in the dining room a Martin Eder girl lustily lifts her dress and a disconsolate boy by Neo Rauch perches on the bookcases.

“I think it’s important that people come together to exchange views on contemporary issues,” Rusche reflects. “There are few structured opportunities to discuss significant issues. Good art for me is not just decorative, but inspires people to talk about the subjects contained within it.”

The salon, then: gatherings like these – friendly but gladiatorial, exclusive yet broad-minded – command a particular appeal today. in the post-social media era, intimacy, talk and contact have a value that can be can’t be matched by the tweet. in the spirit of the artistic gatherings popularised in eighteenth-Century Paris, the new hunger for debate has spawned a number of private salons from New York to London to Berlin. Hosted by art collectors, curators or gallerists, guests mingle in private settings to talk art and ideas. Here, art is resuscitated from the blur of half-remembered images and impressions formed during the latest round of vernissages, and can be enjoyed in surroundings more conducive to meaningful interaction. Guests actively seek conversation that goes beyond the usual thumbs up/ thumbs down exchanges characteristic of the gallery circuit. Salons present a forum for the exchange of ideas with like-minded individuals, with hosts eager to open up their personal art collections to a wider platform of debate.

“We are constantly invited to large public events, where we are expected to behave in a certain way. The groups are always very large, and this discourages close debate,” notes Anna-Jill Lüpertz, galler- ist and co-hostess of a quarterly salon in Berlin’s Moabit, which she founded with her brother Justus Werner. Werner is the son of the renowned art dealer Michael Werner, and the siblings have close family ties to the art world. Their salons take place on a quarterly basis, and for each salon, they select artists whose works are shown in Werner’s 200sqm apartment. These have included olaf Hajek, Nina Hoffmann, Kerstin Schröder and Bettina Ebel. “I wanted to provide a situation where art could be experienced in a private context, and hopefully thus encourage a more intimate level of debate. For a long time, people met in restaurants, or bars, or during exhibitions – they were un- willing to open their homes. I sensed that there was a desire to return to the private, to a more personal level of discussion,” Lüpertz says. Seasoned “salonnière” rachel rits-volloch agrees: “Salons work because of the intimacy, and the setting. You can achieve a different sort of communication.”

Cassandra Bird and Rits-Volloch started a salon as an extension of their Momentum space, a multi-disciplinary forum in Kreuzberg dedicated to international time-based art. “Openings have become networking events, so the content of the art retreats into the background. When we host these salons, people are very happy to finally talk about the show they saw last week,” Rits-Volloch says.

The consensus of the salon hosts is that the right selection of guests is key to the event’s success. Salons tend to be invitation-only, and guests are carefully selected and change regularly. “You don’t want to be having the same discussion over and over again,” Lüpertz says. One of the main challenges for the contemporary salonnière is to invite a creative, interesting mix of guests, to ensure a varied debate. The brother and sister duo hand-pick around 100 guests, ranging from Charlottenburg and dahlem architects, businesspeople and lawyers, to academics, the literati and Justus Werner’s younger art world and club kid friends. “I wanted to mix things up a bit, keep it lively, bringing together certain groups, while including all ages and social classes,” she says. The guest list varies each time, and is geared around the art being presented. “There are people whom i would like to get to know better in the context of the salon; i do have a wish-list,” she confesses. “It’s important that novel aspects and perspectives are introduced, and this of course comes through the constellations of people we invite. We want to provoke, and stimulate, so it’s important that we invite people who hold opposing views and come from diverse professional backgrounds.”

***

For ALL iTS resurgent appeal, the salon is hardly new. An invention of Seventeeth-Century France, salons were usually maintained by aristocratic women who hosted informal, private debates among politicians, intellectuals and artists. The first took place at the Hôtel de Rambouillet, and its hostess, Catherine de Vivonne, Marquise de Rambouillet (1588 – 1665), wanted to provide a space for open discussion away from the strictures of courtly life. The salon is said to have been a critical factor in the advancement of the enlightenment, and played a key part in cultural life in Europe and the United States until after the First World War. Notable salonnières included the philosopher Madame de Staël, and Johanna Schopenhauer, who held twice-weekly gatherings in her Weimar house for the German Romantic novelists and poets Wolfgang Goethe, the Schlegel brothers and Ludwig Tieck.

Following Horace’s definition of the aims of poetry, “either to please or to educate”, contemporary art salons emphasise structured conversation among their guests, and provide that structure either through introductory talks or a moderated discussion among the participants. To set the stage for the evening, Thomas Rusche gives guests a guided tour of his collection, while Lüpertz invites an art historian to talk about the works on show. Bird and Rits-Volloch ask artists or curators to moderate a discussion, which either focuses on an aspect of their programming for Momentum, or tackles the wider background of a contemporary event. “The quality of the debate is very important to us,” they say. Topics discussed at their salon included “what is Time-based art?” and a discussion of the art presented at the upcoming Biennale in Kiev. Participants include curators from the Hamburger Bahnhof, the Neue Nationalgalerie and the Museum of Islamic Art, all with a vested interest in the subject. “Our intention isn’t to make this high-brow academic to the point of not being accessible, but nevertheless trying to engender a level of discussion with enough depth to it, so everyone can benefit,” Rits-Volloch says.

Rits-Volloch and Bird’s programming changes regularly. The last salon was based around a full meal cooked by an artist and a curator having a conversation. Performance and video artist Steve Schepens presented a cooking performance which was originally conceived for a Michelin-starred restaurant, while conducting a discussion on the forthcoming Kiev Biennale with artistic director David Elliott. The title of the piece was “If you can’t stand the heat, get out of the kitchen.” The menu featured “Blue Mussels (Hommage à Marcel)” and “Cheese, wine and discussion”. Guests included artists from the Biennale, such as the kazakh video artist Almagul Menlibayeva, the gallerist Asia Zak, and Jennifer Allen of frieze magazine.

Food is also a feature at the Lüpertz/Werner gatherings, encouraging informality between strangers: a large cheese sits atop the kitchen table, waiting to have slices gouged out of it, and guests are free to help themselves to traditional Berlin potato soup. wine circulates freely. People who wouldn’t normally encounter one another are brought into contact, and are expected to talk about the art, breaking through social and professional boundaries.

That, of course, is the other side of the salon: despite their formal structure, they can be raucous occasions that last until the small hours. “Some of ours go on until 3am… with such a cross-section of knowledge and professionals, people are fighting and arguing, and don’t want to leave,” Cassandra Bird smiles. Rusche’s salons are similar: guests perch on the Chesterfield sofas and armchairs, nibbling on cheese and being sketched by the artist Andreas Golder, until it gets too late and everyone decamps to a nearby restaurant. Rusche draws his inspiration from the cultural life of Berlin – its open- ness, inventiveness and creative freedom, and the salon provides a platform to reflect on all this. “Berlin is a melting pot which attracts a very diverse group of people from all over the world. it’s a very dynamic, open city where people meet easily and freely, unconstrained by social hierarchies or groups,” he says. “I really enjoy the exchange of thoughts and arguments, bringing people into a space where they can unfold their potential and advance their ideas. Habermas calls it the noncoercive force of the better argument.”

In Berlin at least, the popularity of salons suggests that these days, the argument for staying in is strong, whether it’s noncoercive or otherwise.

It also begs another question: does all this mean that theory is fashionable again?

Sleek Cover Issue 34

Eröffnung “Alles Wasser” in der Galerie Mikael Andersen

Photo by SØR

“Wasser” ein Sujet fasziniert die Kunst! Ein Dialog zwischen Niederländischen Meistern des 17. Jahrhunderts und zeitgenössischer Kunst in der Galerie Mikael Andersen Berlin.

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Der Quell allen Lebens ist das Wasser. Gerade weil es ein so existenzielles Element ist, fasziniert es die Menschheit seit Jahrtausenden und lieferte schon immer reichlich Nahrung für die Mythologie, Poesie, Musik und die bildende Kunst.

 

 

Der menschliche Körper besteht aus einem überwiegenden Teil aus Wasser und 70 % der Erde sind mit Wasser bedeckt, den Ozeanen, Meeren, Seen und Flüssen. Gerade die Ambivalenz die uns das Meer assoziiert, auf der einen Seite die Ruhe, die Weite und Freiheit, auf der Anderen die unbeherrschbare Urgewalt, das Unergründliche und das Geheimnisvolle, polarisieren die Fantasie und den Pioniergeist des Menschen.

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Nur in der christlichen Religion wir das Meer von Gott beherrscht, Moses kann es teilen, Jesus darauf wandeln und die Kirche instrumentalisiert das Wasser als symbolisches Glaubens-Werkzeug für die Taufe.

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Als im 17. Jahrhundert die Macht der Kirche und des Adels abschwellt und die Aufträge der Hierarchen für Portrait- und Auftragsmalerei abnimmt, wenden sich die Künstler der Genremalerei zu und entdecken das Wasser als Sujet. Bedeutsam sind dabei die Vielzahl von entstanden Wasserstücken der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Bis heute spielt das Wasser als Motiv eine wichtige Rolle. Die Urgewalt ist unberechenbar, lässt Luxusliner wie die Titanic sinken, überschwemmt als Tsunami ganze Küsten und reißt Menschen in den Tod. Die bizarre Gewalt befeuert die Faszination. Das Element Wasser darzustellen ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern bleibt nach wie vor ein Anliegen und Bedürfnis der Künstlerinnen und Künstler. Damals und heute.

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Die Ausstellung “Alles Wasser” in der Galerie Mikael Andersen widmet sich ganz diesem klassischen Sujet. Kuratiert wird die Ausstellung von dem Künstler Philip Grözinger, der in Zusammenarbeit mit Dr. Dr. Thomas Rusche, ausgewählte Positionen von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern und Werke der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, in einen Dialog stellt. Ausstellungsdauer: 25. Mai bis 13. Juli 2012 Verlängert bis zum 25. August 2012

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Amelie & Philip Grözinger Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Dr. Dr. Thomas Rusche Photo by SØR

Marcel Eichner Photo by SØR

Beza Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Mark Gisbourne Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Thomas Rusche, Stefanie Hillich & Moritz Schleime Photo by SØR

Andrei Loginov Photo by SØR

Annette Weber Photo by SØR

Thorleif Griess-Nega & Philip Grözinger Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht "Alles Wasser" Photo by SØR

Frederic & Stephanie von Dallwitz Photo by SØR

Mikael Andersen Photo by SØR

Künstler der Ausstellung "Alles Wasser"

http://www.mikaelandersen.com/berlin/exhibitions/current/

Taktik Doppelpaß! Die neue Aufstellung vom Galeristen Jochen Hempel: Leipzig und Berlin

Galerie Jochen Hempel Berlin Photo by Uwe Walter

Jochen Hempel ist nach dem Mauerfall einer der ersten der die Leipziger Schule in die Welt hinausträgt. Bis Ende der 1990er Jahre prägte er gemeinsam mit Judy Lybke die Berliner Kunstszene und entschied sich dann passend zum großen Leipzig Hype Mitte 2000 für die Baumwollspinnerei. Jetzt ist er wieder nach Berlin zurück gekommen ohne dabei Leipzig den Rücken zu zukehren. Und vielleicht bläßt er damit, der brach liegenden Leipzig – Berlin – Connection wieder frischen Wind in die Segel.

Was hat Sie nach Berlin bewegt?

Ich glaube das in Deutschland nach wie vor das Reihnland und Berlin den Ton angeben. Natürlich mit kleinen interessanten Satelliten wie Leipzig und München. Doch die Zentren sind nach wie vor Köln, Düsseldorf und Berlin. Nur in Leipzig zu sein reicht mir nicht mehr aus, ich brauche für meine Künstler eine neue Plattform. Ich habe lange über verschiedene Orte nachgedacht und Berlin war von Anfang an draussen und ist dann letzten Endes doch geworden!

Jochen Hempel Photo by Bertram Schultze

Hört sich an als würde Leipzig nur noch in der 2. Liga spielen?

Der richtige Hype war 2004, das war toll, da hatte man das Gefühl das Leipzig eine Großstadt ist. Es ist schon erstaunlich das es Leipzig überhaupt geschafft hat auf die Landkarte zu kommen. Und da ist es auch drauf und kommt auch nicht wieder runter. Aber es haben natürlich auch alle die kamen, alles gesehen und jetzt fehlt ein Wandel. Um die Leute dazu zu bewegen wieder zu kommen braucht es gerade Bewegung und Entwicklung. Es gibt zu wenige Galerien die einen wirklich internationlen Standard haben, so das es für Kunstinteressierte wieder wichtig wird nach Leipzig zu kommmen. In Berlin kommen sie sowieso vorbei und für einen gewissen Zeitraum hatten wir es auch geschafft die Leute nach Leipzig zu lotsen, aber das wird zunehmend schwerer.

Und wie verhält es sich mit den Sammlern?

Die Sammler kommen nach Leipzig um Leipzig zu kaufen, bietet man keine Leipziger anbietet dann kaufen sie nicht oder kommen erst gar nicht. Wenn zum Beispiel eine Neo Rauch Ausstellung ist, dann kommen heute keine 100 Sammler mehr, sondern nur noch 12 und hoffen eines von 10 Bildern zu bekommen. Da ist so eine Verknappung im Spiel und die sind dann ja auch sauer wenn sie keine Bilder mehr abbekommen. Also man muss ganz konkret Leipziger Schule  anbieten und dann kommen sie auch. Aber nach Berlin kommen sie sowieso, auch wenn es immer heißt “In Berlin wird nichts verkauft”.

Leipziger Schule, ist das nicht der Begriff von dem man sich ich Leipzig befreien möchte?

Ich finde es gut das es sie gibt, diese Leipziger Schule. Und wir Galerien haben davon ja auch wahnsinnig profitiert. Sie wird eher von außen nicht gemocht, innerhalb Leipzig ist die Leipziger Schule das Non plus Ultra. Sie ist ja auch sehr erfolgreich in diesem Sujet; Malerei mit einer erzählerischen Komponente, dann vielleicht noch mythologisch aufgeladen, handwerklich gut gemacht und letztendlich einem internationalen Standard entsprechend. Dieses Erzählerische mögen sehr viele, denn es ist ja auch eine einzigartige Auseinandersetzung mit figurativer Malerei.

Vertreten Sie auch Leipziger Künstler?

Ich habe natürlich Leipziger Künstler im Programm, nur noch zwei von denen leben in Leipzig, die 5 anderen haben in Leipzig studiert und leben mittlerweile in Berlin. Bei mir gibt es ein Programm Kriterium, ich möchte natürlich nicht 10 Künstler haben die das gleich Programm bedienen. Es ist im Grunde wie beim Fussball; eine Aufstellung der Mannschaft mit Verteidigern und Angreifern. Ich brauche ein paar internationale Künstler, ein paar Leipziger, einige die mit Fotografie arbeiten. Insgesamt ein sehr breites Programm, dass aber bewusst aufgestellt ist um verschiedene Sammler ansprechen zu können.

 

Galerie Jochen Hempel Berlin Photo by Uwe Walter

Warum haben Sie sich als erstes für eine Gruppenausstellung in Ihren neuen Räumen entschieden?

Die erste Ausstellung sollte Richtungshinweis sein, um zu zeigen wo ich mit meinem Programm hin will. Seit 18 jahren arbeite ich mit dem Künstler Tilo Schulz zusammen, der mir sehr wichtig ist und der auch sehr viel Erfahrung als Kurator hat. In die Neuausrichtung Berlin, hatte ich mir gedacht die erste Ausstellung von ihm kuratieren zu lassen. Er hatte schon vor zwei Jahren in der temporären Kunsthalle Berlin eine gute Ausstellung auf die Beine gestellt. Tilo wiederum hatte den Wunsch mal mit Marc Glöde, den ich auch sehr schätze,  eine Ausstellung zusammen zu kuratieren. Natürlich wollte ich auch die Energie und Synergie die Marc Glöde umgeben, für mich nutzen. Drei Künstler hatte ich den beiden vorgegeben und Tilo und Marc haben dann die Ausstellung darum herum gebaut.

Was geht Ihnen durch den Kopf wenn Sie hier in Ihren neuen Räumen stehen?

Ich habe auf jeden Fall das Gefühl mich hier wohlzufühlen. Und  ansonsten geht mir natürlich durch den Kopf, dass man das jetzt rocken muss.

Privat leben Sie in Leipzig und nicht in Berlin, warum?

Zum leben ist Leipzig für mich einfach besser. Es ist eine fantastische Stadt, man hat sehr viel kulturelle Angebote, es gibt keine Sperrstunden, alles ist überschaubar und sehr entspannt. Doch Aufgrund dieser sehr angenehmen Lebensverhältnisse, ziehen immer mehr  alte Leute aus ganz Deutschland hierher um in Leipzig ihren Lebensabend zu verbringen. Jetzt muss man halt sehen wie sich das entwickelt; wird Leipzig eine Rentner Stadt oder bleibt es eine Studententstadt.

Jochen Hempel und seine Mitarbeiterin Vicky Wang Photo by Lars Monshausen

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Baumwollspinnerei?

Ich denke für die Baumwollspinnerei war es ein großes Glück, das Leipzig keine total angesagte Metropole geworden ist. Denn dann würden jetzt auf dem Spinnerei Gelände hippe Designershops, Bars und Restaurants stehen und hätten die kleinen Galerien und Künstler verdrängt. Doch so ist und bleibt die Baumwollspinnerei ganz klar das kreative Zentrum von Leipzig.

Was macht denn ein Galerist privat?

Eigentlich setzt man sich ja ununterbrochen mit Kunst auseinander und jetzt mit den beiden Galerien, in Leipzig und Berlin, bleibt das Privatleben wortwörtlich auf der Strecke. Da brauch ich dann einen Ausgleich und für mich ist das Fussball.

Und dann auch noch FC Bayern Fan?

Für mich gibt es da einen ganz schönen Vergleich: Für den Fussball bedeutet der FC Bayern genauso viel wie Gerhard Richter für die Kunst. Beide sind einfach richtig gut!

http://www.jochenhempel.com/#/de

 

 

 

 

Keep an eye on…

Hardcover mit Schutzumschlag, 420 Seiten, 24 x 28,7 cm Photo by daab

Sie sind jung, inspirierend und irritierend. Sie überraschen und überzeugen. Sie sind unverwechselbar. Dennoch haben die 100 jungen Künstlerpersönlichkeiten, die der Daab Verlag in seinem neusten Buchprojekt „Rising“ präsentiert, eines gemeinsam: Ihr Werk weckt schon jetzt große Hoffnungen auf eine viel beachtete Position im Kunstbetrieb. Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich ist die Auswahl subjektiv. Und es sei erlaubt, hier die Frage anzuschließen: Kann ein kleiner Ausschnitt aus der so vielfältigen jungen Kunstszene überhaupt objektiv sein? Nein! Und das hat das Kuratorium dieses Projektes bewusst in Kauf genommen, als es seine Auswahl festlegte. Glücklicherweise, denn dem angreifbaren Vorgehen ist ein außergewöhnliches Buch zu verdanken.

Sabrina Jung, Carrie, 17 x 12 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Herausgeber Olaf Salié und der Beirat, der die Künstlerauswahl begleitete, sind bestens vertraut mit den so unterschiedlichen Positionen zeitgenössischer Kunst: Alexandra Wendorf, Chefredakteurin von „Junge Kunst“, die Galeristen Dr. Rupert Pfab und Thomas Rehbein, der Sammler Dr. Dr. Thomas Rusche, der Unternehmer und Mitbegründer der Kirschenpflücker e.V. Fritz Conzen, der Künstler, Designer und Kurator Mike Meiré sowie Gérard Goodrow, der ehemalige Direktor der Art Cologne, gehören dazu. Letzterer zählt auch zum Autorenteam, so wie die Kunsthistoriker Rebecca Maria Jäger, Thomas W. Kuhn, Sabine Elsa Müller und Julia Ritterskamp. Das Vorwort in Rising schrieb Prof. Harald Falckenberg. Organisatorisch und redaktionell betreut wurde das Projekt von der erfahrenen Kölner Lektorin Christiane Blass. Sie alle haben ihre Kenntnisse und ihr Urteilsvermögen eingebracht.

Mitja Ficko, Mirror, 100 x 65 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Shannon Finley, Violet Execution, 60 x 50 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herausgekommen ist ein Kompendium über Persönlichkeiten und Positionen aller künstlerischen Disziplinen, die man buchstäblich im Auge behalten sollte. Diese jungen nationalen und internationalen Künstler haben alle einen Bezug zu Deutschland. Und ihr gestalterischer Wille, ihre Ernsthaftigkeit sowie ein spannendes, relevantes Werk verdienen publizistische Aufmerksamkeit. Unter ihnen sind sowohl sehr junge, noch unbekannte Absolventen der Akademie, als auch solche Künstler, die bereits Erfolge zu verzeichnen haben. Dieser Spannungsbogen war den Mitwirkenden wichtig, um die Bandbreite auszuloten, die unterschiedlichen Positionen miteinander in Beziehung zu setzen und so einen möglichst aussagekräftigen Blick auf die aktuelle Kunstszene zu werfen. Die Publikation ist eine Watchlist – unverzichtbar für Kunstinteressierte, Sammler, Galeristen und Kuratoren. Unbeeinflusst von jeglichem Hype schlägt sie eine Schneise in die nahezu unüber- schaubare, lebendige und faszinierende Welt junger Kunst am Rande der etablierten Szene. Hier finden sich alphabetisch geordnet äußerst beeindruckende Persönlichkeiten, deren Werke ein breites Spektrum der bildenden Kunst abdecken. Ob abstrakt oder figürlich, ob bunt oder monochrom, anregend, impulsiv, provokant oder verträumt, sie alle eröffnen dem Betrachter neue Perspektiven. Das zurückgenommene Design von Mike Meiré lässt den Arbeiten den Raum, den sie benötigen, um dem Betrachter das Eintauchen in die Welt junger Kunst zum Vergnügen zu machen.

Julius Hofmann, Walderdbeere, 18 x 24 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 

Martin Galle, Schein, 40 x 30 cm, Courtesy of SØR Rusche Collection Oelde/Berlin

http://daab-shop.com/featured-products/rising.html