“Eros & Thanatos” Bilder einer Ausstellung und Pressestimmen

Photo by SØR

Die folgenden Links beinhalten zwei sehr gelungene Artikel über unsere Ausstellung Eros & Thanatos:

http://www.art-magazin.de/kunst/51267/sammlung_rusche_leipzig

http://www.kunst-magazin.de/liebe-und-tod-in-leipzig/

 

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Die Ausstellung “Eros & Thanatos” ist noch bis zum 02. Juni in der Baumwollspinnerei Leipzig zu sehen.

Werkschau Halle 12

Baumwollspinnerei Leipzig

Di. – Sa. 11:00 – 18:00 Uhr

Wir bedanken uns ganz herzlich bei all denen, die dazu beigetragen haben, dass diese Ausstellung so ein Erfolg geworden ist. Ein ganz besonderer Dank geht an Prof. Dr. Ullrich und seine Studentinnen und Studenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, die diese Ausstellung kuratiert haben. Ein weiteres großes Dankeschön richtet sich an die Baumwollspinnerei Leipzig und die SpinnereiGalerien für ihr Engagement und ihre Unterstützung, sowie Herrn Dr. Hans-Werner Schmidt vom Museum der Bildenden Künste in Leipzig. Nicht zu vergessen; Claudia Gehre, Uwe-Karsten Günther, Josef Filipp und Jochen Hempel.

 

SØR Meisterkonzerte: Antonio Vivaldi “Die vier Jahreszeiten”

 

Agnes Farkas Photo by Kulturdirektion Dr. Löher

Die Reihe der Internationalen SOR Meisterkonzerte auf Schloss Vornholz wird fortgesetzt am Sonntag, 13. Mai 2012, um 17 Uhr und um 19 Uhr mit der traditionellen Serenade. In diesem Jahr erklingen Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ mit Agnes Farkas als Solistin, die nach ihrer Tätigkeit als 1. Violinisten im berühmten Gewandhausorchester nun die Stelle der 1. Konzertmeisterin im berühmten Leipziger Operettentheater angenommen hat. Es spielt das Kammerorchester der Westfälischen Philharmonie unter der Leitung von Burkhard Löher.

Serenade des Kammerorchesters der Westfälischen Philharmonie Solo-Violine: Agnes Farkas Konzertmeister: Lajos Farkas Dirigent: Dr. Burkhard Löher

Sonntag, 13. Mai 2012, 17 und 19 Uhr Rittersaal Schloss Vornholz zu Ostenfelde

 

www.kulturdirektion.de 

Tickets: forum@oelde.de

Werke der SØR Rusche Sammlung in Ausstellungen

Atelier + Küche =

Labore der Sinne

12. Mai bis 16. September 2012

Sie sind Orte der Produktion sinnlicher Erlebnisse und Stätten von Experiment und Krea- tivität: Künstleratelier und Küche verbindet als „ Labore der Sinne“ eine bemerkenswerte Nähe. Erstmals führt Marta Herford diese beiden Arbeitssphären in einer rund 400 Jahre Kunstgeschichte umspannenden Ausstellung zusammen. Zeitgleich zur dOCUMENTA (13) in Kassel untersucht das Team um Roland Nachtigäller die Bedeutungen und Darstellun- gen von Atelier und Küche quer durch die Kunstgeschichte bis in die Gegenwart.

Otto Marseus van Schrieck Küchenstilleben mit Fischen und Blumenkohl, 1654 Öl auf Zinnplatte 14,6 x 19,5 cm SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Frederike Walter & Dieter Mammel, Atelierziege, 2007, mixed Media, 120 x 400 x 50 cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Gehry Galerien Marta Herford Gobenstraße 2–10, D-32052 Herford

Di – So und an Feiertagen 11-18 Uhr, jeden 1. Mi im Monat 11-21 Uhr

Martin Kobe – Abstract Confusion 

Kunsthalle Erfurt, 15.04.-27.05.2012

                                                     http://kunsthalle-erfurt.de

Martin Kobe, Untitled, 2009

Eros & Thanatos 28. April verlängert bis zum 02. Juni 2012

WERKSCHAU Spinnereistraße 7 / Halle 12, 04179 Leipzig Di bis Sa 11 bis 18 Uhr

www.spinnerei.de

Erotik und Tod, Liebe und Gewalt sind nicht nur zwei Pole menschlicher Existenz und Welterfahrung. Vielmehr verschränkt sich beides auch vielfältig und ist dann in subtilen Mischformen gleichzeitig präsent. Immer wieder gibt es Kippmomente zwischen Eros und Thanatos. Und viele Künstler haben sich gerade dafür interessiert.

Die SØR Rusche Sammlung bietet mit ihren zwei Schwerpunkten, der Niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst, eine besondere Möglichkeit, die Inszenierung solcher Kippmomente über die Zeiten hinweg zu zeigen. Dabei lassen sich sowohl überzeitlich gültige Motive entdecken als auch epochenspezifische Konstellationen als solche erkennen. Die Ausstellung wird sich einerseits klassischen Themen wie der Angst vor vanitas – der Vergänglichkeit des Schönen und Erotischen – oder dem Rausch und seinen Folgen widmen. Andererseits aber stellt sie ein Motiv wie den Wald vor, das auf den ersten Blick wenig mit Liebe oder Tod zu tun hat, bei genauerer Betrachtung aber umso vielschich­ tiger Aspekte von beidem zum Ausdruck bringt.

Kuratiert wird die Ausstellung von Studierenden der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Ullrich. Die Ausstellung findet auf Ein­ ladung der SpinnereiGalerien statt.

SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Gelton Toussaint Die Göttin Diana, um 1660, öl auf Holz, 13,6 × 16,6 cm © SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 

Johannes Hüppi o.T., 2010, öl auf Holz, 16×20 cm © SØR Rusche Sammlung Berlin/Oelde

Positionen der Ausstellung von folgenden Künstlern:

Nobuyoshi Araki / Elvira Bach / Tilo Baumgärtel / Jacobus Biltius / Christoph Blawert / Abraham Bloemaert/ Katia Bourdarel / Richard Brakenburgh / Cecily Brown / Rafał Bujnowski /Jochem Govertsz Camphuysen / Jacques Adolphsz Claeuw / Pieter Codde / Joos van Craesbeek / Philip van Dijk /  Martin Eder / Marcel van Eeden / Marcel Eichner / Wolfgang Ellenrieder / Tom Ellis / Joachim Elzmann / Tracey Emin / Pavel Feinstein / Pius Fox / Pieter Fris / Martin Galle / Alexander Gering / Johannes Glauber / Petrus van Hattich / Reinier de la Haye /  Samuel van Hoogstraten / Julius Hofmann / Helge Hommes / Johannes Hüppi / Michał Jankowski / Oda Jaune / Sabrina Jung / Ruprecht von Kaufmann / Thomas de Keyser / Michael Kirkham / Kai Klahre / Anna Kott / Marianna Krueger / Paweł Książek / Zofia Kulik / Alicja Kwade / Corinne von Lebusa / Dominik Lejman / Via Lewandowsky / Carina Linge / Johannes Lingelbach / Dirck van der Lisse / Rosa Loy / Christoffel Lubieniecky / Martin Lütke / Gerrit Lundens / David Lynch / Cornelis van Meulen / Franz van Mieris II / Willem van Mieris / Markus Muntean & Adi Rosenblum / Michiel van Musscher / David Nicholson / Adriaen van Nieulandt / Hanna Nitsch / Jürgen Noltensmeier / David O’Kane / David Ostrowski / Justine Otto / Jochen Plogsties / Agnieszka Polska / Hendrik Gerritsz. Pot / Jan Anthonisz van Ravensteyn / Louis Renzoni / Arno Rink / Matthieu Ronsse/ Nadin Rüfenacht / Rigo Schmidt / Norbert Schwontkowski / Tanja Selzer / Hendrik Martensz. Sorgh / Johannes Spilberg d. J. / Adriaen van Stalbemt / Norbert Tadeusz / Tal R / Jan Tengnagel / David Teniers d. J. / Alexander Tinei / Jacob Toorenvliet / Gelton Toussaint / Rombout Jansz. van Troyen / Werner Tübke / Markus Uhr / Pieter Verelst / Daniel Vertangen / Steve Viezens / Miriam Vlaming / Herbert Volkmann / Cornelis van der Voort / Gerrit van Vucht / Moyses Wtenbrouk / Jürgen Wolf /

 

Keep an eye on…

Hardcover mit Schutzumschlag, 420 Seiten, 24 x 28,7 cm Photo by daab

Sie sind jung, inspirierend und irritierend. Sie überraschen und überzeugen. Sie sind unverwechselbar. Dennoch haben die 100 jungen Künstlerpersönlichkeiten, die der Daab Verlag in seinem neusten Buchprojekt „Rising“ präsentiert, eines gemeinsam: Ihr Werk weckt schon jetzt große Hoffnungen auf eine viel beachtete Position im Kunstbetrieb. Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich ist die Auswahl subjektiv. Und es sei erlaubt, hier die Frage anzuschließen: Kann ein kleiner Ausschnitt aus der so vielfältigen jungen Kunstszene überhaupt objektiv sein? Nein! Und das hat das Kuratorium dieses Projektes bewusst in Kauf genommen, als es seine Auswahl festlegte. Glücklicherweise, denn dem angreifbaren Vorgehen ist ein außergewöhnliches Buch zu verdanken.

Sabrina Jung, Carrie, 17 x 12 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Herausgeber Olaf Salié und der Beirat, der die Künstlerauswahl begleitete, sind bestens vertraut mit den so unterschiedlichen Positionen zeitgenössischer Kunst: Alexandra Wendorf, Chefredakteurin von „Junge Kunst“, die Galeristen Dr. Rupert Pfab und Thomas Rehbein, der Sammler Dr. Dr. Thomas Rusche, der Unternehmer und Mitbegründer der Kirschenpflücker e.V. Fritz Conzen, der Künstler, Designer und Kurator Mike Meiré sowie Gérard Goodrow, der ehemalige Direktor der Art Cologne, gehören dazu. Letzterer zählt auch zum Autorenteam, so wie die Kunsthistoriker Rebecca Maria Jäger, Thomas W. Kuhn, Sabine Elsa Müller und Julia Ritterskamp. Das Vorwort in Rising schrieb Prof. Harald Falckenberg. Organisatorisch und redaktionell betreut wurde das Projekt von der erfahrenen Kölner Lektorin Christiane Blass. Sie alle haben ihre Kenntnisse und ihr Urteilsvermögen eingebracht.

Mitja Ficko, Mirror, 100 x 65 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Shannon Finley, Violet Execution, 60 x 50 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herausgekommen ist ein Kompendium über Persönlichkeiten und Positionen aller künstlerischen Disziplinen, die man buchstäblich im Auge behalten sollte. Diese jungen nationalen und internationalen Künstler haben alle einen Bezug zu Deutschland. Und ihr gestalterischer Wille, ihre Ernsthaftigkeit sowie ein spannendes, relevantes Werk verdienen publizistische Aufmerksamkeit. Unter ihnen sind sowohl sehr junge, noch unbekannte Absolventen der Akademie, als auch solche Künstler, die bereits Erfolge zu verzeichnen haben. Dieser Spannungsbogen war den Mitwirkenden wichtig, um die Bandbreite auszuloten, die unterschiedlichen Positionen miteinander in Beziehung zu setzen und so einen möglichst aussagekräftigen Blick auf die aktuelle Kunstszene zu werfen. Die Publikation ist eine Watchlist – unverzichtbar für Kunstinteressierte, Sammler, Galeristen und Kuratoren. Unbeeinflusst von jeglichem Hype schlägt sie eine Schneise in die nahezu unüber- schaubare, lebendige und faszinierende Welt junger Kunst am Rande der etablierten Szene. Hier finden sich alphabetisch geordnet äußerst beeindruckende Persönlichkeiten, deren Werke ein breites Spektrum der bildenden Kunst abdecken. Ob abstrakt oder figürlich, ob bunt oder monochrom, anregend, impulsiv, provokant oder verträumt, sie alle eröffnen dem Betrachter neue Perspektiven. Das zurückgenommene Design von Mike Meiré lässt den Arbeiten den Raum, den sie benötigen, um dem Betrachter das Eintauchen in die Welt junger Kunst zum Vergnügen zu machen.

Julius Hofmann, Walderdbeere, 18 x 24 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

http://daab-shop.com/featured-products/rising.html

 

Spuren der Vergangenheit: Barbour rockt! Ein Interview mit Jens Bakker

Barbour International Jacket, 2012, Photo by Barbour

Kräftiges Lime-Green, knalliges Lollipop-Pink oder leuchtendes Palatinate-Blue – eine Farbpalette die man nicht auf den ersten Blick mit dem britischen Label Barbour in Verbindung bringt. Dort wo der typische englische Country-Style schon seit einigen Jahren eine Renaissance erfährt, geht Barbour noch einen Schritt weiter und transformiert diesen Look. Die Traditionsmarke hat erkannt, dass junge Urban-Hunter sich in ihrem Revier nicht tarnen möchten, ganz im Gegenteil, ihre Trophäe ist die Aufmerksamkeit und Resonanz die ihrem Stil entgegengebracht wird. Der Gegenentwurf zum Farb-Spektakel ist der Vintage-Look. Die beliebte Patina, die eine Barbour Beaufort erst nach mehrjährigem Tragen erhält, ist zum Beispiel bei dem Vintage-Cape oder dem Duralinen Force Parka direkt mit eingearbeitet. Preppy-Look, Vintage-Style oder Glamour-Collection, das alles hört sich für den traditionellen Barbour Fan erst einmal gewöhnungsbedürftig an, dabei schöpft Barbour einfach nur weiter aus der knapp 120jährigen Unternehmens-Geschichte. Und Tradition kann manchmal ganz schön rocken!

Herr Bakker, wie würden Sie das Lebensgefühl beschreiben, welches die Marke Barbour vermittelt?

Unsere Marke steht in erster Linie für den britischen Lifestyle und die britische Countryside. Zudem wird Barbour immer wieder mit Attributen wie Langlebigkeit, Stilbewusstsein, Beständigkeit, Authentizität und Tradition assoziiert.

Jens Bakker Geschäftsführer Barbour (Europe) Limited, Photo by Barbour

Wenn Sie die Entwicklung der letzten Jahre rückblickend betrachten, wie hat sich der Stellenwert von Barbour, gerade bei jüngeren Käufern zum Positiven verändert?

Barbour-Produkte werden in letzter Zeit immer häufiger von jüngeren Käufern entdeckt bzw. wiederentdeckt. Besonders im Mutterland Großbritannien hat unser Label in den vergangenen zwei, drei Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Neben den loyalen Barbour-Kunden kommen immer häufiger auch jüngere Käufer in unsere Stores. Nicht selten hören wir Geschichten von jungen Leuten, die ihren Eltern die 20 Jahre alte Barbour-Wachsjacke aus dem Kleiderschrank stibitzen. Einer solchen Jacke sieht man ihre Geschichte an, sie ist immer modern, authentisch und damit „cool“.

Alexa Chung Photo by Snapfashion

Und wenn dann noch ein It Girl wie Alexa Chung auf Glastonbury Festival in der Beaufort, Noel Gallagher von Oasis in der International Jacket oder noch weitergehend, Kate und William im kompletten Babour Look beim Strand spazieren gehend gesichtet werden, dann sind das doch bestimmt Faktoren die eine positive Resonanz hervorrufen?

Natürlich haben Persönlichkeiten, die häufig in der Presse erscheinen, einen gewissen Einfluss auf den Kunden und vor allem auf den jüngeren Käufer. Als diverse Sänger bzw. Bands auf dem Glastonbury Festival vor fünf, sechs Jahren in Barbour-Jacken auftraten, hatte das schon einen gewissen Einfluss auf die Marke – ohne dass wir das in irgendeiner Form forciert haben.

 

Die aktuelle Sommerkollektion besticht durch knallige Farben und einer großen Frische oder durch einen sehr schönen Vintage Style, wie zum Beispiel das Vintage Cape, wovon ist diese Kollektion beeinflusst?

Unsere wichtigste Inspirationsquelle ist und wird immer unser eigenes Archiv sein. Seit 1894 stellen wir Bekleidung her – anfangs für Seeleute und Hafenarbeiter, für Motorradfahrer und das britische Militär, später für Menschen, die berufs- oder freizeitbedingt robuste Outdoor-Bekleidung tragen. Jede Kollektion weist „Spuren“ aus unserer Vergangenheit auf – sei es durch Details wie die Sturmklappe am Kragen, die geräumigen Fronttaschen, das Patch für den Anglerhaken oder das robuste, wetterfeste Material. Gewachste Baumwolle kommt nach wie vor zum Einsatz – inzwischen auch vorgewaschen wie bei dem Vintage Cape. Natürlich gibt auch die jeweilige Saison der Kollektion Impulse – sei es bei den Farben oder bei den Materialien. Zum Frühjahr/Sommer haben wir eine breite Palette an frischen Farben im Programm und setzen eher leichte Materialien ein.

Barbour Vintage Cape, 2012, Photo by Barbour

Die Marke Barbour ist Hoflieferant des britischen Königshauses und ganz klar, international zu einem Kultlabel avanciert, wie wichtig ist es dabei der Tradition und der unvergleichlichen Qualität treu zu bleiben? 

Tradition und Qualität spielen für uns als Unternehmen mit langer Historie eine sehr wichtige Rolle. Wir haben unsere Kollektionen weiterentwickelt, dabei jedoch nicht unsere Wurzeln aus dem Auge verloren. Vieles nimmt Bezug auf die Vergangenheit, also unser Erbe bzw. „Heritage“. Sämtliche Neuentwicklungen müssen unseren Qualitätsstandards genügen, egal ob es sich dabei um ein Accessoire oder eine Jacke handelt. Nur so können wir unserem Ruf als Label, das für Qualität und Langlebigkeit steht, gerecht werden.

Was glauben Sie warum der British Style so beliebt in Deutschland ist?

Ich denke, die Deutschen haben generell eine hohe Affinität zu Großbritannien. Der britische Stil stellt eine hervorragende Mischung aus scheinbar gegensätzlichen Attributen dar: kultiviert und dennoch „cool“, traditionell und gleichzeitig innovativ und originell. Aus Großbritannien kamen in den vergangenen Jahrzehnten einige der wichtigsten Modeströmungen, die sich europaweit durchsetzten.

Barbour International Jacket Woman, 2012, Photo by Barbour

Eine letzte Frage, haben Sie persönlich einen Favourite aus der klassischen Barbour Kollektion und wenn ja warum?

Mein „All Time Favourite“ ist das Barbour International Jacket. Die Biker-Jacke haben wir mittlerweile seit 76 Jahren in nahezu unveränderter Form in der Kollektion, und sie ist noch immer topaktuell.

Barbour International Jacket, 2012, Photo by Barbour

http://www.soer.de/BARBOURSHOP/

http://www.barbour.com/de

22 Jahre durch Dick und Dünn; Bekenntnis eines Modebloggers

 

Wann und wie ich auf die Marke Barbour gestoßen bin, kann ich nicht mehr genau nachvollziehen. Ich weiß allerdings, dass ich vor genau 22 Jahren den damaligen Barbour-Katalog in Händen hielt und wie gebannt auf den charismatischen Herrn mit dem grauen Vollbart und vor allem dessen Jacke starrte: Wassertropfen auf gewachstem Tuch mit einer Patina, die ich so noch nie gesehen hatte. Das englische Landleben schien zum Greifen nah. Genau so wollte ich leben.Für mich stand fest: Solch eine Jacke öffnet Dir die Tür in diese Welt. Keine 2 Wochen später kaufte ich beim Herrenausstatter meines Vertrauens eine Barbour Beaufort in grün, nachdem ich mich durch die zahlreichen Modelle gekämpft und eine Entscheidung getroffen hatte. Einen Webpelz und eine Kapuze kaufte ich noch dazu.                                                                                                 Meine Beaufort und ich haben in diesen 22 Jahren Einiges durchgemacht. Wir besuchten London, und meine Jacke durfte sich über echten, englischen Regen freuen. Wir brachten Pferde auf die Weide, misteten Ställe aus, gingen mit Hunden Gassi, widerstanden Stacheldrahtzäunen, Hecken und Schlamm. Ich nutzte meine Beaufort als Picknickdecke, verstaute Möhren, Hundeleckerli und so manche Zeitung in ihr. Bei Spaziergängen an Rhein, Ruhr und am Tegernsee war sie meine ständige Begleiterin. Nässe und Kälte konnten uns nicht anhaben, dank regelmäßigen Nachwachsens, was ich mit eigener Hand erledigte. Mit der Zeit zeigten sich immer mehr Verschleißerscheinungen: Risse und Löcher in Futter und Oberstoff. Ein schwergängiger Reißverschluss und viele Stellen ohne Wachsschicht. Aber dafür hat die Jacke eine unfassbare Patina, die nur durch die lange Nutzungszeit entstand und nicht zu kaufen ist. Zwar spiele ich hin und wieder mit dem Gedanken, mir ein neues Modell zuzulegen. Jedoch halten mich das neue Tartan-Muster und die Tatsache, dass der Markenname nun sehr indiskret auf der Flappe der linken Ballontasche aufgestickt ist, bislang davon ab. Ich werde mich wohl nie von meiner Beaufort trennen. Zu viele Erinnerungen stecken in diesem Gewebe, das 1894 von John Barbour erfunden wurde. Ob ich wohl jemals solch eine charismatische Erscheinung wie der Herr auf dem 1990er Cover werde, weiß ich nicht. Aber ich bin auf einem guten Weg.

Die richtige Jacke habe ich jedenfalls schon.

M. Koenigs (Inner City Style)

Internationale SØR Meisterkonzerte: Unser März Highlight

Justus Frantz Internationale SØR Meisterkonzerte

Justus Frantz spielt Beethoven: Recital, Mondscheinsonate, Pathétique, Apassionata

Termine:

Samstag 24. März 2012 um 20:00 Uhr im Schloss Vornholz Ennigerloh-Ostenfelde

Sonntag 25. März 2012 um 20:00 Uhr im Schloss Vornholz Ennigerloh-Ostenfelde

Justus Frantz - ein Name, den man mit großartigen Orchestern und absoluter Hin- gabe zur Musik assoziiert. Seit dreißig Jahren ist Justus Frantz ein international erfolgreicher Pianist und Dirigent. Um die klassische Musik hat er sich unzählige Male verdient gemacht: Immer wieder entdeckt und fördert er junge Musiktalente. Daher nehmen auf den Gastspielreisen der Philharmonie der Nationen Vorspiele in zahlreichen Ländern einen festen Platz in seinem Terminkalender ein – für junge Musiker weltweit eine hervorragende Chance auf den Beginn einer musikalischen Karriere. Zu seinen Entdeckungen zählen die Geiger Midori und Maxim Vengerov und der Pianist Evgeny Kissin.

Weitere Termine und Kartenvorverkauf: http://www.kulturdirektion.de/index.php?option=com_content&view=article&id=90&Itemid=9&sel=1

artnet Sammler-Interview mit Thomas Rusche

SØR Repräsentanz Berlin, SØR Rusche Sammlung

 

 

SAMMLERINTERVIEW THOMAS RUSCHE

VERSUCHEN SIE ES MAL!

HENRIKE VON SPESSHARDT
27. Januar 2012

„Immer wieder diese alten Pötte!“, rustikale Betten und Bilder, Bilder, Bilder. Die brachte Thomas Rusches Urgroßvater Heinrich sehr zum Ärger seiner Frau von seinen Touren übers westfälische Land als Handelsvertreter für Kleidung mit. Denn bezahlen konnten viele der auf den Verkaufsfahrten bedienten Bauern nicht und so räumten sie zu Mitte des 19. Jahrhunderts für Urgroßvater Rusche ihre Böden leer. Was einst Kummer der Urgroßmutter war, bildete schon bald den Grundstock für eine der reizvollsten europäischen Sammlungen holländischer Kunst des 17. Jahrhunderts. Und auch mit dem textilen Handelshaus ging es aufwärts, so dass Thomas Rusche heute in vierter Generation den bundesweit tätigen Damen- und Herrenausstatter SØR führt. Viel Zeit verwendet der 1962 geborene Unternehmer, der einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften und einen in Philosophie besitzt, auch auf den Kunstkauf. Sein profundes Wissen über die Alte Kunst ergänzt er seit einem Erweckungserlebnis 2004 durch umtriebige Ausflüge in die Welt der Zeitgenossen. Dass beide Sammelgebiete mittlerweile oft nicht ohne einander auskommen, erklärt er im Interview mit artnet.

Herr Dr. Dr. Rusche, wieso wenden sich alle den Zeitgenossen zu und der Markt für Alte Kunst klagt über Nachwuchsprobleme?

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass es den klassischen Bildungsbürger nicht mehr gibt. Der vermögende Rechtsanwalt, Zahnarzt, Oberstudiendirektor hatte vor 30, 40 Jahren noch die Kaufkraft, sich zwei, drei gute Alte Meister leisten zu können. Für 20.000 Deutsche Mark konnte man auch in renommierten Galerien schon einen erstehen. Wenn Sie sich aber heute die Einkommensverhältnisse anschauen: Das Bildungsbürgertum tut sich damit nun schwer. Und die, die Geld haben, die wollen so richtig, deutlich, heftig konsumieren, großformatig und modern. Man soll möglichst sofort erkennen können, dass da ein Warhol oder ein Richter oder lassen Sie es einen Polke sein an der Wand hängt.

Zumal heute die Idee des Wertzuwachses eines Kunstwerkes einen viel höheren Stellenwert einnimmt als früher? Der Preis als Qualitätskriterium?

Ähnliches beobachte ich auch in der Kleidung. Ich frage mich nur, woran dieser Verlust in der Wahrnehmung liegt. Es scheint da einen Riss, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, zu geben. Ich könnte mir vorstellen, dass der in ähnlicher Weise das bildungsbürgerliche Privatsammeln geprägt hat. Die ungebrochene Kontinuität ist weg. Die familiär weitergegebene Sammlungskultur, wie man sie beispielsweise in England oder Italien oder auch in Frankreich häufiger findet, hat in Deutschland stark gelitten. Einrichten, Kleiden, Essen, Kunstsammeln – nach dem 68er-Ideologiesprung interessierte sich in den1970er-Jahren einfach niemand mehr für nichts. Und dann haben wir ab den Achtzigern eine Wende erlebt. Beim Wein zum Beispiel. Zu Anfang unterschied man in Deutschland vielleicht gerade zwischen Rot- und Weißwein. Ein paar Jahre später wollten junge Männer Rotweine im Blindtest zu unterscheiden wissen. Ein differenziertes Konsumieren hat da eingesetzt. Und man wendete sich auch der Kunst wieder zu. Aber eben nicht der dunklen, vermeintlich langweiligen, altmeisterlichen.

Aber klingt das nicht nach arger Attitüde?

Ach was. Und selbst wenn. Sehen Sie sich doch mal das 17. Jahrhundert in den Niederlanden an. Da kam es zu Spekulationsblasen in der Kunst, die hatten mindestens das heutige Ausmaß. Vom Hühnerhof zum pissenden Bauern – alles wurde plötzlich ‚schilderartig‘, also es wert, gemalt zu werden. Was man vorher nicht gemalt hatte, wurde nun zum Bildsujet. Und warum war das Ganze so erfolgreich? Weil nach Bildersturm und Revolution die wichtigsten Auftraggeber, Kirche und Adel, wegfielen und die Künstler anfingen, das Alltägliche abzubilden, um sich damit neue Käuferschichten zu erschließen. Die Bauern und Bürger sahen erstmalig ihre Realität abgebildet. Alle kauften Kunst. Auf Kirmessen, Jahrmärkten und Lotterien. Solche Markthypes auf Kunst hat es also immer gegeben.

Was sind die Konsequenzen?

Einmal sind wir zur totalen Freiheit befreit, das ist das große Geschenk des 20. Jahrhunderts und die gute Seite am Ganzen. Doch wenn man sich die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anschaut, so kommen wir mit noch mehr Freiheit gar nicht weiter. Die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die Verantwortung. Jetzt nehmen Sie den Künstler im Atelier. Der ist total befreit. Der ist nicht mehr in irgendwelchen Schulen, in irgendwelchen Traditionen oder klar definierten Moden gefangen. Alles ist gleichzeitig möglich. Und so muss auch er sich, wenn er sich nur vors Blatt setzt, schon fragen, will ich lieber malen, oder will ich lieber collagieren oder will ich zwischen den Medien springen? Aus dieser Auflösung aller Bewertungskategorien entsteht eine große Unsicherheit am Kunstmarkt. Auch in der Bewertung der Qualität der Kunst.

Was sind für Sie, der Sie mit den Alten Meistern aufgewachsen sind, Kriterien für Qualität in der Kunst des 21. Jahrhunderts?

Der Preis ist es jedenfalls sicherlich nicht. Gelegentlich kommt mir der ein oder andere Galerist oder Künstler entgegen mit den Worten: Ich kann doch so gut altmeisterlich malen oder ich hab hier einen, der würde doch so gut neben die Altmeister passen. Als Sammler, der ich ja groß geworden bin mit dem Kanon der Alten Kunst, musste ich erst einmal lernen, dass das zwar schon ganz viel ist, so malen zu können wie ein Alter Meister, aber eben auch nicht alles. Eine Zeit lang habe ich gedacht, dass sei zumindest eine notwendige Voraussetzung für gute Kunst, auch wenn da noch sehr viel mehr dazukommen muss, Kreativität, Fantasie, die Fähigkeit, mit Vorstellungen zu brechen. Heute, muss ich sagen, stell ich auch das infrage. Man braucht es gar nicht. Man kann trotzdem gute Kunst schaffen, auch ohne im klassischen Sinne Malerei zu beherrschen. Bacon konnte das schließlich auch nicht. Aus dem Inneren heraus eine Ausdrucksweise finden kann man auch so.

Was war Ihr erster zeitgenössischer Kunstkauf?

Auf dem Akademierundgang Düsseldorf habe ich mir 2004 die Paranoisch-zölibatäre Maschine vonAlexander Gehring gekauft, von dem ich seitdem nicht mehr viel gehört habe. Ich wusste damals noch nicht, wie wichtig der Galerist als Stabilisierungsfaktor für die Biografie eines jungen Künstlers ist. Auch den Lifteffekt der Galerien gibt es bei den Altmeistern so nicht. Das musste ich auch erst einmal lernen: Welche Bedeutung es für einen zeitgenössischen Künstler hat, von welcher Galerie er vertreten wird. Nehmen Sie beispielsweise die TEFAF Maastricht. Da gibt es immer drei bis vier Bilder von Van Goyen, mal beim einen, mal beim anderen Händler. Es spielt keine Rolle, wer sie anbietet. Das ist bei den Zeitgenossen vollkommen anders.

Um wie viele zeitgenössische Arbeiten haben Sie die Sammlung seit Ihrem ersten Kunstkauf 2004 mittlerweile erweitert?

Über 1.000 zeitgenössische Bilder sind es.

Das ist eine Menge. Sie müssen furchtbar gerafft haben.

Das sagt sich so. Wenn Sie sich aber den Erwerbszeitraum von bedeutenden Privatsammlungen angucken, ist der Nukleus von fünf bis zehn Jahren typisch. So ungewöhnlich ist das nicht. Ich musste mir ja auch das Handwerkszeug des Sammelns nicht mehr beibringen und brauchte keine Warmlaufphase. Allerdings ist mir letztlich noch nicht klar, nach welchem Kriterium ich in meiner Sammlung des 21. Jahrhunderts selektionieren könnte. Ich bin auf der Suche. Wenn ich mir die Kriterien erschlossen habe, werde ich mich auch von Bildern trennen. Unterbewusst findet das vielleicht schon statt. In Oelde bespielen wir vier Häuser mit Kunst, in Berlin hängt viel und wir leihen oft aus. Andere Werke stehen im Keller. Vermutlich ist das schon meine Art der Selektion.

Selektieren Sie beim Kunstkauf nach finanziellen Aspekten? Darf Kunst auch Geldanlage sein?

Meinen Freunden, die immer so herum mäandern, auch gerne einmal ein Kunstwerk kauften aber Angst vor der Geldausgabe haben, sage ich immer: Jetzt fangt doch erst mal an! Wenn Ihr den ersten Schritt macht, kommt alles auf Euch zu. Dann wird das Bild Signale senden, Ihr wollt mehr wissen, dann kauft Ihr irgendwann das zweite Bild. Wenn man ständig darüber nachdenkt, welches Bild irgendwann einmal mehr wert sein wird, dann kauft man doch gar nichts. Ich habe großes Verständnis dafür, dass man, wenn man denn einen fünf-oder sechsstelligen Betrag für ein Kunstwerk einzutauschen bereit ist, auch nach der Wertentwicklung fragt. Ob man das jemals wiedersehen wird? Die Frage ist total legitim. Aber dies ist nur eine von mehreren Fragen, die dann in einen Entschluss münden müssen. Auch mit wenig Geld kann man große Kunst kaufen – in der Druckgrafik beispielsweise oder bei noch jungen Künstlern, die gerade von der Akademie kommen. Da muss man sich dann auch nicht ständig die Frage stellen, ob man das Geld jemals wiedersieht.

In ihren eigenen Kaufaktivitäten konzentrieren Sie sich seit 2004 vornehmlich auf die Zeitgenossen?

Ja, diese frechen zeitgenössischen Bilder von beispielsweise Daniel Richter, Neo Rauch, Gabi HammMoritz Schleime, Norbert Schwontkowski, Jonas Burgert, Martin Eder oder Katharina Otto haben mir ganz viel Input gegeben. Ich hatte eine große Bildungslücke und kannte die zeitgenössische Szene überhaupt nicht. Nach meinem Erlebnis in Düsseldorf bin ich dann zu all jenen Galeristen und in all jene Museen gegangen, die mir nicht so vertraut waren. Und so landete ich in einer Sonderausstellung von Ruprecht von Kaufmann in der Kunsthalle Mannheim. Die hat mich unglaublich beeindruckt, so dass ich Kontakt zu von Kaufmanns Galeristen Christian Ehrentraut aufgenommen habe. Der hat mir dann den Spiegel vorgehalten.

Hat er das?

Ja, Christian Ehrentraut hat zu mir gesagt: „Thomas, mit Deinen Alten Meistern mache ich eine Ausstellung in der Berliner Brunnenstraße.“ Dann hat er sich zwölf Alte Meister von uns genommen und hat sie mit Zeitgenossen kontrastiert. Das hat bei mir einen Katalysatoreffekt ausgelöst. Was man mit den Alten Meistern im Dialog mit den Zeitgenossen alles tun und machen kann, war mir bis dahin nicht bewusst. Bald darauf folgte auf meinem Vorschlag hin die erste Dialogausstellung in Gera, die eigentlich erst eine Altmeisterausstellung werden sollte.

Der dortige Kurator hat nicht düpiert auf Ihren Vorschlag reagiert?

Das habe ich auch erst befürchtet. Was sagt der jetzt zu meinen zeitgenössischen Landschaften? Deine Alten Meister zeige ich ja gerne, aber die Zeitgenossen kannst Du Dir in den Keller hängen? Aber nein, er war begeistert. Ein halbes Jahr später kommt dieAnhaltische Gemäldegalerie in Dessau auf mich zu und fragt nach Stillleben. Ich hab wieder den Kloß im Hals und zeige denen auch die Zeitgenossen. Und wieder Begeisterung. Und so haben mittlerweile ein halbes Dutzend dieser Dialogausstellungen realisiert.

Wie reagiert das Publikum auf die Ausstellungen?

Mir wird immer versichert, es seien die bestbesuchten Ausstellungen. Weil sie mit einem Mal die beiden Gemeinden, einmal die große Gemeinde, die sich für die Zeitgenossen interessiert, aber dann eben auch die immer noch sehr lebendige, kleine, bildungsbürgerliche Gemeinde, die sich für Alte Kunst interessiert, ansprechen. Auf einer Ausstellungseröffnung auf Schloss Corvey beispielsweise hatte ich ein mittlerweile legendäres Kloerlebnis. Da hat mich ein älterer Herr am Pissoir angesprochen, der offenbar niemals zuvor in einer Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst gewesen war. Die Ausstellung sei ein Seherlebnis, wie er sich das überhaupt nicht habe vorstellen können, sagt der mir an diesem merkwürdigen Ort.

Auf der letztjährigen Biennale von Venedig ist der Versuch, Alte Kunst mit aktueller in den Dialog treten zu lassen gründlich misslungen.

Ja, aber das hatte einfach Gründe. In Venedig haben sie klassische, ganz handwerkliche Fehler gemacht, die Dialogausstellungen immer zum Platzen bringen: Die White Cube-Hängekultur, die riesige weiße Wand, funktioniert da nicht. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich hat vor Kurzem geschrieben, die Bilder müssten in Dialogausstellungen „einem Augenblick wahrnehmbar sein“ und ich gebe ihm recht. Und was machen die in Venedig? Zeigen Tintoretto und schaffen den Dialog nicht, weil in dem Saal kein einziges zeitgenössisches Werk hängt. Dass man es auch anders machen kann, hat die letzte documenta bewiesen. Bei meinen lieben alten Holländern des 17. Jahrhunderts auf der Wilhelmshöhe hing da erstmalig zeitgenössische Kunst. Die waren so mutig und haben in die klassische Altmeisterhängung den Zeitgenossen gehängt. Der Dialog war in einem Augenblick möglich. Die antiseptische White Cube-Atmosphäre ist nichts für Dialogausstellungen.

Öffnet sich die zeitgenössische Szene denn auch den Alten Meistern?

Ich habe den Eindruck, dass die zeitgenössische Kunstszene die Dialogausstellungen sehr goutiert und sich die jungen Leute der Altmeisteratmosphäre öffnen, ja. Junge Künstler, die sich vor der Tabula-rasa-Situation befinden mit dem quälenden Gedanken, wo anzusetzen, finden diese klassischen Themen zum Teil so herausfordernd, dass sie damit arbeiten oder sie weiter bearbeiten. Die zeitgenössischen Künstler lieben zum Beispiel unsere Ausstellungskataloge mit Alter Kunst als Quelle kunsthistorischen Anschauungsmaterials. Auch meine Führungen durch die Sammlung erfreuen sich bei denen großer Beliebtheit.

Bekommen Sie da keinen Schrecken? Davon, dass manch Künstler offenbar erst nach dem Abschluss des Hochschulstudiums mit derlei Themen in Kontakt kommt?

In einem knappen Kanon der Zeit bekommen die jungen Künstler an manchen Hochschulen das entsprechende Handwerkszeug der Kunstgeschichte ja noch vermittelt, bei Professor Matthias Bleyl in Weißensee beispielsweise. Aber die müssen auch so viel lernen. Und sich am Ende eben auch dafür interessieren und sich wirklich angesprochen fühlen. Isoliert in einem Hörsaal Alte Meister als Fotos anschauen? Ich kann mir auch Spannenderes vorstellen.

Was sind die Unterschiede zwischen dem zeitgenössischen und dem Markt für Alte Meister?

Das soziokulturelle Biotop ist ein ganz anderes, die Codes des Miteinanderumgehens ganz unterschiedlich. Bei den Altmeistern wird immer alles ganz diskret behandelt, ganz zurückhaltend. Wenn man als Sammler dort einen anderen Sammler besucht, bekommt man manchmal gar nicht alle Bilder zu sehen. Bei der Armory Show in New York wird man beim Private View von Susan und Micheal Hort ins Schlafzimmer geführt, um dort die Arbeit von Matthias Weischer zu bewundern.

Bei den Zeitgenossen findet man eine ganz andere Herzlichkeit und Offenheit, die vermutlich damit zu tun hat, dass die Künstler noch leben. Bei den Altmeistern kenne ich die Künstler nur aus den Lexika. Der Künstler gibt der zeitgenössischen Kunstszene eine große Dynamik.

Und ganz konkrete wirtschaftliche Unterschiede?

Bei den Alten Meistern gibt es ein sehr heikles Kriterium, das des Erhaltungszustandes eines Bildes. Dieses Thema spielt in der zeitgenössischen Kunst überhaupt keine Rolle. In der zeitgenössischen Kunst darf man grenzwertigerweise, wenn man einen Künstler kennt, schon mal nach einem Foto kaufen. Aufgrund von Fotos oder Digitalabbildungen kann ich persönlich allerdings keine Bilder von Künstlern reservieren, deren Arbeitsweise ich nicht kenne. Bei den Alten Meistern verbietet sich das aber vollkommen.

Weitere Unterschiede?

Für einen Altmeistersammler ist es kommerziell schlichtweg unverständlich, dass in der zeitgenössischen Kunst Preise, wie bei einer Salami in der Metzgerei, nach der Länge eines Bildes definiert werden. Je größer das Bild, desto teurer. Altmeistersammler würden vom großen Schinken sprechen, den keiner will. Das kleinere Kabinettformat ist hier das gesuchte Stück. Zumal das große Format, wenn es dann in einer Auktion einmal auftauchen sollte, sich oft als schlechter weiterverkäuflich erweist. Und überhaupt! Ihr Meisterschüler von morgen, wer soll das ganze Zeug eigentlich einmal ausstellen, wenn Ihr immer nur drei mal vier Meter malt? So ähnlich hat es Eduard Beaucamp kürzlich formuliert. Nehmt Euch ein Beispiel an Max Ernst und Paul Klee und versucht, Euch am kleinen Format zu vervollkommnen!

Am kleinen Format hängt Ihr Herz. Auch bei den Zeitgenossen?

Gute Bilder machen die Räume weit, schlechte machen die Räume eng. Und große Bilder machen die Räume eng, das ist meine Meinung. Darüber könnte man sich auch einmal mit dem Sammler Harald Falckenberg unterhalten. Der sagt immer, die Kunst im White Cube, die müsse ihn direkt anspringen. Ich glaube, es ist wie bei der Popmusik. Die Lieder, die die Charts füllen, die einen anfangs sofort von den Bänken reißen, kann man bald schon nicht mehr hören. Anders ist es bei der klassischen Musik. Die Stücke, die ewig währen, auf die muss man sich einlassen, da muss man sich öffnen, Ruhe haben und zuhören. Und so ähnlich ist es in der Bildenden Kunst. Das kleine Format bietet mir ein ganz anderes Erleben.

Die Zeitgenossen kaufen Sie beim Galeristen, die Alte Kunst auf Auktionen?

Vorwiegend, ja. Seit meiner frühesten Kindheit bin ich auf Auktionen unterwegs und habe überhaupt keine Berührungsängste. Mein Vater und ich haben früher eigentlich immer nur auf Auktionen gekauft. Sehr zum Ärger der Händler übrigens. Die mögen es gar nicht, wenn der Sammler auf Auktionen kauft. Das war früher noch stärker, als die Auktionen noch der Großhandel der Kunstwelt waren. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren haben sich die Auktionshäuser auf den Endverbrauchermarkt gestürzt. Die nehmen den mit Vernissage und Cocktails an die Hand, Beratungsgesprächen und kostenlosen schriftlichen Expertisen. Bis vor zwanzig Jahren hieß es hammerhart „wie gesehen, so gekauft!“. Kundenservice war da nicht.

Und wie haben sich die Händler der neuen Situation angepasst?

Die Händler waren früher zersplitterter, jeder hat da sein Ding gemacht und konnte sich das auch leisten. Nachdem die Alte Kunst aber so teuer geworden ist, die wenigen guten Objekte so selten, stürzen sich die Händler nun weltweit auf diese wenigen, hervorragenden Objekte und machen etwas, was die Sammler erst noch erfinden müssen: Sie bilden Ringe. In den meisten Fällen wirklich auch legale, gemeinsame Partnerschaften. Nun bieten sich der Londoner, der Pariser und der New Yorker Händler sich nicht gegenseitig hoch, sondern sie kaufen gemeinsam. Je nach Kapitaleinsatz gehört dann jedem ein Anteil an dem Bild. Nach einer gewissen Marschroute wird dieses Gemälde dann an den verschiedenen Handelsorten gezeigt. Von dem Erlös partizipiert man, je nachdem, wie hoch der Einsatz war.

Geht es nur um die Bündelung der finanziellen Kraft?

Nein, das hat auch ganz andere Gründe. In Kontinentaleuropa finden jedes Jahr auf dem Land hunderte von kleinen Auktionen statt, die, gerade in Deutschland, noch viel Substanz zutage bringen. Da fahren nicht alle Händler hin, da macht sich einer aus der Clique auf den Weg. Und diese Händler haben eben eine gewisse Aversion gegen Sammler, die sich selber in die Auktion setzen. Der soll doch bitte in der Galerie kaufen. Oft führt das dazu, dass sehr hoch geboten wird und der Sammler seine Lust verliert. Der Händlerring kauft dann manchmal zu immensen Preisen ein Bild.

Und verkauft es auf der Kunstmesse mit einem kräftigen Aufschlag?

Naja, das ist verständlich. Das Bild wird dann schließlich bestenfalls kunsthistorisch aufgearbeitet, gesäubert, transportiert. Und lange nicht jedes Bild, das eingekauft wird, kann auch mit hoher Marge weiterverkauft werden. Der Galerist hat immer Gemälde, die sich nach der Reinigung als schlecht erhalten herausstellen. Die muss er auch noch irgendwie wegdrücken. Auf der Messe zeigt er ja nur die Crème de la Crème und keine Durchschnittsware.

Trotzdem ist die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis gelegentlich extravagant. Wie verhandelt man da?

Es ist ja so: Bei den zeitgenössischen Galerien bekommt jeder zehn Prozent, wenn er sich nicht ganz dumm anstellt. Es bedarf dort aber schon einer gewissen Überzeugungskraft, um bei 20 Prozent anzukommen. 25 bis 30 Prozent zu erreichen gelingt mir nur, wenn ich mich auf die eben genannte, verrückte Preisgestaltung beziehe und sage, nur weil das Format jetzt so groß ist, bezahl ich doch nicht so viel. Bei den Altmeistern geht das Spiel ganz anders. Da ist das Handeln in der Preisangabe des Händlers von Vorneherein inbegriffen. Zehn Prozent bekommt da jeder, 20 Prozent auch. 30 Prozent bekommt derjenige, der nicht herumlaviert sondern mit den Worten „das ist ein bindendes Angebot!“ das Geld auf den Tisch legt. Rumreden hilft hier nicht viel.

Gilt das nur für den ganz hochpreisigen Bereich? Oder kann das auch der Anfänger wagen?

Versuchen Sie es mal! Es ist auch eine Frage des Zeitpunktes. Ganz am Anfang der Messe kann man gut handeln, denn der Händler möchte seine Kosten wieder rein bekommen, am Ende, wenn die Messe vielleicht nicht gut gelaufen ist, sind die Aussichten auch gut. Was die Händler für Alte Kunst aber scheuen ist, sich in Preisgespräche zu verstricken, nachzugeben und nachzugeben und am Ende kommt es nicht zum Kauf. Wer sich von Anfang an bindet, kommt auch an die 50 Prozent heran.

Ist es nicht ungehörig, den Preis derart zu drücken?

Ich kenne es nicht anders und frage mich, was der Maßstab für die Gehörigkeit wäre.

Sie sind gläubiger Christ, bezeichnen sich selber als „katholischen Unternehmer“ und haben Bücher zum Thema Wirtschaftsethik veröffentlicht. Wie ist es um die Ethik im Kunstmarkt bestellt?

Wenn Sie mich als Christen ansprechen: Ich habe kein Problem damit, dass ich auch im Kunstmarkt ständig auf Sünder treffe, weil ich selber einer bin. Ein Problem habe ich eher damit, auf viele Menschen zu treffen die glauben, sie könnten sich in unserer Konsumwelt, und dazu gehört auch der Kunstmarkt, selbst erlösen. Sie könnten sich mit der zeitgenössischen Kultur selber auf immer und ewig ein glückliches Leben erschaffen. Früher wussten die Menschen noch um ihre eigene Sündhaftigkeit und um ihre Erlösungsbedürftigkeit. Es gibt wenige Religionen, die erkennen, dass wir uns nicht selber erlösen können. Ich bin ja nun auch kein Gutmensch, der über alle Schlangengruben erhaben ist. Aber ich erkenne mich in meiner Sündhaftigkeit und weiß, dass es die Erlösungstat Christi gibt, der mich aus den Mühsalen dieser Welt errettet. Daraus kann ich befreit leben. Ich kann befreit leben und aus der christlichen Befreiung mit meiner eigenen Sündhaftigkeit umgehen. Das sind die Lebenskräfte, die heute in der Kultur so walten wie vor Jahrhunderten.

Und die Kunst hält eine Antwort auf das alles bereit?

Ja, das meine ich! Sie entsteht aus dem Spannungsverhältnis, aus der meines Erachtens alle große Kunst entsteht: aus dem von Eros und Thanatos. Begierde, Werden, Leben schaffen. Dieser Kreislauf waltet in allem. In allem Schönen, Coolen, Geilen, Tollen ist immer auch schon das Vergehen, das Sterben angelegt. Dieser Gedanke ist unserer Kultur verloren gegangen. Dem entgegenzuwirken scheint mir aber der größte Auftrag der Kunst, ihre größte Bedeutung zu sein. Natürlich kann man jedem und auch mit Abweichungen von proklamierten Idealen vorwerfen, aber wer das tut, verkennt, dass das ganze Leben voll davon ist. Sonst hätte sich Jesus nicht für uns ans Kreuz nageln lassen müssen. Ich habe eine große heitere Gelassenheit durch meine christliche Überzeugung. Letztlich kann nichts schief gehen.

http://www.artnet.de/magazine/sammlerinterview-thomas-rusche/

Adriaen von Nieulandt, Der Kampf der Tugendhelden gegen die Laster, 1655 Öl auf Leinwand 96,5 x 79,3 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Ruprecht von Kaufmann Die Erbschaft, 2007 Öl auf Leinwand 180 x 230 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Edwaert Collier Trompe-l'Oeil mit dem Porträt von Erasmus von Rotterdam, 1690/1700 Öl auf Leinwand 35,5 x 30,5 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Daniel Richter Bühnenhölle, 2006 Öl auf Leinwand 41 x 32 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jos van Craesbeek Paar beim Wein, um 1650 Öl auf Holz 28,5 x 19,5 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Neo Rauch Pendel, 2009 Öl auf Leinwand 35 x 50 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Martin Eder Masstab, 2009 Öl auf Leinwand 100 x 70 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Jonas Burgert Trotzer, 2008 Öl auf Leinwand 120 x 100 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

Ganz sicher nicht halbseiden: ASCOT- seit über 100 Jahren feinste Krawatten made in Germany

 

Jan Moese ASCOT Photo by Lars Beusker

Seit 1908 krönt ASCOT mit seinen handgenähten Krawatten und Schleifen die Garderobe des stilvollen Herrn. In der über einhundertjährigen Unternehmensgeschichte haben sich Farben, Muster und Formen unzählige Male der Mode anpassen müssen, aber ASCOT ist sich und der Seiden-Stadt Krefeld treu geblieben. “Made by hand in Germany” steht seit 1908 auf dem Etikett der Krawatten und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Jan Moese führt in der vierten Generation das Familienunternehmen mit seinen 60 Mitarbeitern. Zeiten, in denen das erbarmungslose Modediktat die Krawatte in die Verbannung schicken wollte, wurden überstanden weil die ASCOT Produkte von so hoher und exzellenter Qualität sind und ein Mann mit Stil einen guten Anzug nicht ohne Krawatte trägt!

Photo by ASCOT

Herr Moese, Sie leiten in der vierten Generation Ihr Familienunternehmen ASCOT, muss man sich Ihre Kindheit ungefähr so vorstellen: während andere noch versuchten mit Bauklötzen Türme zu bauen, beherrschten Sie schon den doppelten Windsorknoten?

Nein, überhaupt nicht! Meine Kindheit verbrachte ich weitgehend krawattenfrei, allerdings trug ich bei gewissen Anlässen eine schöne ASCOT-Strickkrawatte, die gut zu den Knicker-Bockers passte, in denen meine Mutter mich so gerne sah! Ich fand die Strickkrawatte gut, die Hosen hätte ich persönlich auf jeden Fall länger gewählt. In diesem Outfit baute ich dann auch Türme aus Legoklötzchen! Im Gegensatz zu meinem Sohn beherrschte ich in diesem Alter den doppelten Windsorknoten jedenfalls nicht!

Stand für Sie schon früh fest, einmal das Unternehmen zu übernehmen?

Nein, nicht wirklich! Ich hatte zu gewissen Zeiten ganz andere Dinge im Sinn, habe viel ausprobiert und bin erst über Umwege in die Firma gekommen. Während meines Betriebswirtschaftstudiums kam mir der Gedanke, mit Fahrrädern mein Geld zu verdienen. Der in den Achtziger Jahren aufkommende Mountainbike-Boom schwappte zu dieser Zeit über den großen Teich und faszinierte mich so, dass ich einen Bike-Store eröffnen wollte. Mein Vater fand die Idee auch gut, allerdings fragte er mich damals, ob ich nicht zunächst einige Monate in das Familienunternehmen kommen wollte. Danach könnte  ich ja immer noch meine Ideen verwirklichen. Aus einigen Monaten werden dieses Jahr zwanzig Jahre. Die Fahrradleidenschaft ist geblieben, aber ich kann mir bis heute keinen schöneren Beruf vorstellen, als denjenigen, den ich jetzt ausübe!

ASCOT Produktion Photo by Lars Beusker

ASCOT produziert Krawatten und Schleifen ausschließlich in Deutschland, besser gesagt direkt in Krefeld. Ich denke sie besetzen damit eine recht einsame Position in Deutschland auf die Sie aber sehr stolz sein können oder?

Dies ist gleichzeitig eine Bauch- und Kopfentscheidung. Wir sind heute mehr denn je vom Produktionsstandort Krefeld überzeugt. Auf der einen Seite verkaufen wir ein Produkt mit einer authentischen Philosophie, die bei uns lautet: Familienunternehmen in vierter Generation produziert seit über 100 Jahren in Deutschland! Auf der anderen Seite führen wir ein effizientes Unternehmen mit hochqualifizierten Mitarbeitern, das weltweit Seinesgleichen sucht!

Wie denken Sie, wird sich die Zukunft entwickeln, glauben Sie, dass Deutschland irgendwann einmal Produktionsstätten ins Land zurückholt? Wie schätzen Sie diesbezüglich den Markt ein?

Ich glaube, im Moment ist weltweit die Wertschätzung von “Made in Germany” sehr hoch, allerdings hauptsächlich bei Automobilen und Maschinen. Ich bin der Meinung , dass man dieses Vertrauens- und Qualitätsgefühl auf weitere Produkte übertragen kann. Für mich steht außer Zweifel, dass ein Qualitätsvorsprung bereits seit Langem besteht. Da kommt es am Ende auch nicht mehr darauf an, dass die Produktionskosten in Deutschland höher sind. Dafür ist die Produktivität und das Know-how auf einem sehr hohen Niveau!

Stimmen Sie zu, wenn man sagt ein Mann ohne Krawatte ist eine Beleidigung an das Oberhemd?

Ich bin eher der Meinung, dass ein Mann sich selber beleidigt, sobald er Businessanzug und Oberhemd ohne Krawatte ausserhalb seiner Behausung trägt. Mich erinnert das an Servicepersonal, das seinen Gästen in Birkenstocks gegenübertritt. In beiden Fällen muss das Selbstwertgefühl leiden! Aber, ein schönes, kariertes Hemd zu Kordhose und Pullover getragen, verlangt abhängig von der Situation sicher nicht unbedingt nach einer Krawatte!

Photo by ASCOT

Keiner kann es besser beurteilen als Sie: geht die Tendenz wieder zur Krawatte und Schleife? 

Ja, bitte unbedingt! Nein, Spass beiseite, ich bin nach langen Jahren des Zweifelns wieder mehr denn je davon überzeugt, dass der Krawatte ein grosses Comeback bevorsteht. Ein untrügliches Zeichen ist, wenn junge, Indie-Bands wieder Krawatte und Schleife tragen, weil sie Ihre Väter seit 20 Jahren nicht mehr mit einem solchen Kleidungsstück gesehen haben. Dadurch setzt man sich ab vom Bekannten und Etablierten. Außerdem ist die Krawatte noch immer der einzige männliche Schmuck, neben einer schönen Armbanduhr!

 

Was macht eine gute Krawatte aus?

Eine gute Krawatte zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Träger es als überaus angenehm empfindet, sie zu tragen! Idealerweise schaut er in den Spiegel und findet sich und seine Krawatte super, ja unwiderstehlich! Außerdem vervollständigt die Krawatte das Outfit, was aber auch heißt, dass sie dazu passen muss. Nichts schlimmer als eine Satinkrawatte zum Tweedsakko oder eine Regimentalkrawatte zum Nadelstreifenanzug.

Was halten Sie von kuriosen Erscheinungen wie Holz-, Leder- oder sonstigen absurden Krawatten-Erfindungen?

Diese Entgleisungen sind genauso gruselig wie ein Spoiler an einem Vintage-Oldtimer vom Schlage eines Porsche 356! In beiden Fällen gilt: Modernität ist da oder nicht, sie kann aber nicht erzwungen werden!

Wie wichtig sind für Sie Traditionen? Gerade im Bereich Partnerschaften, wie zum Beispiel zu SØR,  für  die Sie seit über 75 Jahren Krawatten produzieren oder  Ihre Strickkrawatten für Hermès?  

ASCOT & SØR Photo by Lars Beusker

Diese Partnerschaften bedeuten für uns auch immer Vertrauen und das entsteht nicht über Nacht! Vertrauen wächst auf beiden Seiten erst mit dem Erfolg, den man über die Jahre miteinander erzielt. Deswegen ist Tradition eines der wichtigsten Stichworte, die unsere Unternehmens-philosophie prägen.

Sie kommen gerade von der Pitti in Florenz, wie wird Herbst/Winter 2012 an den Hälsen der Herren aussehen?

Für mich gibt es da drei Stichworte: Wollkrawatten, Strickkrawatten und Schleifen. Idealerweise sieht der Mann aus, als ob er zur Jagd, zum Angeln oder zum Holzhacken geht! Dabei trägt er allerdings Krawatte, Strickweste und Sportsakko. Perfektioniert wird der Look mit Nerdbrille, einer Kopfbedeckung und einem gepflegten Vollbart! Smart Gentlemen Outdoors eben! Halten Sie mal Ausschau nach solchen Typen im nächsten Herbst und suchen Sie nicht unbedingt im Wald nach Ihnen!

  http://www.ascot.de

http://www.soer.de

http://www.beusker.com

 

Das Binden von Krawatten und Schleifen

Die Mutter aller zeitgenössischen Krawattenknoten ist der Four-in-hand. Ausweis seiner Eleganz ist die kleine Falte unterhalb des Knotens: Dazu steckt man den Zeigefinger beim Zuziehen von unten in den Knoten! Weiterlesen →