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KUNST IST LEBENSLUST – Thomas Rusche trifft die Künstlerin Cornelia Schleime

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.'' Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.” Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Foto, Lars Beusker

Die Hannah-Höch-Preisträgerin Cornelia Schleime gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen Deutschlands. Von der Stasi bespitzelt hat sie noch vor der Wende rübergemacht. Bei der Ausreise musste sie ihr Frühwerk zurücklassen; die über 90 Werke sind bis heute verschollen. Im Westen wird Cornelia Schleime in namhaften Museen ausgestellt. Cornelia Schleime ist nicht nur eine meisterhafte Malerin, sondern zugleich auch experimentelle Performancekünstlerin, Punkrockerin und erfolgreiche Buchautorin. In der SØR Rusche Sammlung befinden sich einige Lieblingswerke der Künstlerin. Kunstsammler und SØR Inhaber Thomas Rusche traf die zarte Powerfrau in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag” in der Berlinischen Galerie zum Gespräch.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung  ,,Ein Wimpernschlag'', die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag”, die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist. Foto, Lars Beusker

TR: Was bereitet Dir im Leben besondere Lust?

CS: Das Reisen in ferne Länder. Für die ersten drei Tage buche ich immer ein festes Quartier, um mental anzukommen, die Distanz zu realisieren, mich auf das Klima einzustellen, aber dann geht es ins Floating, voller Neugierde ins Ungewisse. Zu jeder Reise nehme ich immer ein leeres Buch mit und zeichne, aquarelliere, collagiere dort hinein. Ich bin grade aus Kreta zurückgekommen wo es nur geregnet hat, das hat meinem Buch aber keinen Abbruch getan. An die zweihundert Seiten sind entstanden, Zeichnungen von Klöstern, Skulpturen, Hafenanlagen, Tagebuchnotizen,übermalten Fotografien usw. Ich habe bislang sehr viele dieser Reisetagebücher gemacht, die so etwas wie Trophäen für mich sind. Andere gehen zur Großwildjagd. Ich gehe auf Bilderjagd.

TR: Welche Bedeutung spielt die Kunst in Deinem Leben?

CS: Jeder der mich kennt, weiß, dass die Kunst nicht nur eine Rolle in meinem Leben spielt. Sie ist mein Raum, meine Luft zum Atmen. Leben und Kunst lassen sich bei mir nicht trennen. Denn alles was ich wahrnehme, erzeugt Bilder in mir, die ich umsetzen muss. Durch sie kann ich mich von der realen Welt abgrenzen, die ich manchmal nur schwer ertrage. Ich schaffe mir durch die Kunst meine eigene Welt. Ich habe ein Bildgehirn, alles bleibt gespeichert. Ganz anders mit Namen, sie pulverisieren sich in meinem Kopf und fallen wie das Mehl durchs Sieb.

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

TR: Bereitet Dir die Kunst Lust?

CS: Natürlich, ich arbeite ja aus dem Lustprinzip heraus, aus der Sinnlichkeit, die der Umgang von Farben mit sich bringt, aus den Strukturen die dabei entstehen, aus den Schichten hinter denen sich etwas verbergen kann. Malerei ist für mich ein gro.es Geheimnis, was sich nie lüftet, wie Schalen, die man Stück für Stück freilegt, um auf einen Kern zu treffen.

TR: Leidest Du auch an der Kunst?

CS: Ich habe noch nie an der Kunst gelitten. Nur an schlechter Kunst, die ich manchmal sehe und wenn sie größer sein will als sie ist.

TR: Wie entstehen Deine Werke? Schnell und intuitiv oder – als geplanter Prozess?

CS: Meine Arbeiten entstehen immer intuitiv. Wenn ich jedoch länger an einem Thema dran bleibe, kommen Überlegungen hinzu, Grenzen auszureizen.

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

TR: Du sprühst vor Leidenschaft. Was ist die Quelle Deiner Leidenschaft?

CS: Die Quelle ist die Suche nach innerer Schönheit, nicht der geschenkten Schönheit, sondern jener, die durch Erfahrung entsteht. Leidenschaft bedeutet für mich, sich einer Sache voll hinzugeben, jegliches Risiko in Kauf zu nehmen. Als ich vor ein paar Jahren meine Porno-Erotik-Zeichnungen gemacht habe, hatte ich in dieser Zeit keinen Sex. Beides würde für mich nicht gehen. In dem ich keinen Sex hatte, wurden diese Zeichnungen zwingend für mich. Das ist für mich Dialektik: ich kann nicht hier ein bißchen fummeln und da ein bißchen kritzeln. Das was ich tue, muss ich absolut tun. Ich hasse Ambivalenzen!

TR: Erkennst Du in Deinem Kunstschaffen einen roten Faden?

CS: Mein roter Faden ist die Poesie, das Provokante, Irritierende, das Düstere, das Lichte, mit der Umschiffung der Mitte, die mir nicht liegt.

TR: Hat er sich im Laufe Deiner wechselvollen Lebensgeschichte verändert?

CS: Nein, ich wußte schon mit 18 Jahren was ich wollte, hatte nur noch nicht die künstlerischen Mittel dies auch umzusetzen. Aber wo ich diesen roten Faden hinspinnen soll, dass war mir damals schon klar.

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

TR: Wie haben die Schicksalsschläge, aber auch die lebenslustigen Ereignisse Deines Lebens Dein Kunstschaffen beeinflusst?

CS: Ich habe mal gesagt: „Das Leben ist mein Goldkoffer“ und damit meinte ich auch die negativen Erfahrungen, die ich machen musste, denn gerade sie wollte ich durch Kunst verwandeln in etwas Positives, Fantastisches. Hätte ich nur Positives erlebt, ich wüsste nicht, wie meine Kunst aussehen sollte, glatt, harmlos, beliebig, einfallslos? Nein, gerade das Negative war der stärkste Motor und hat in mir eine Kraft mobilisiert, dem etwas entgegenzusetzen.

TR: Du bist Ende des vergangenen Jahres mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für Dein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Wie fühlt sich das für Dich an und hat sich etwas dadurchin Deinem Leben und Schaffen verändert?

CS: Der Preis hat mich sehr geehrt, vor allem, dass ich ihn in meiner Heimatstadt Berlin bekommen habe. Es ist für mich auch eine Bestätigung, dass mein Weg der richtige war. Ich erinnere mich noch an Zeiten Ende der 80iger Jahre, wo Malerei als out galt, wo man mir sagte, ich sei von vorgestern. Es war die Zeit von Konzeptkunst. Ich hatte mir einfach die Ohren zugehalten und natürlich weitergemalt.

Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

,, In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert.” Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

TR: Was für eine Beziehung hast Du zu Deinen Bildern? Viele befinden sich in Deinem Privatbesitz  so, als würdest Du sie ungern los lassen?

CS: Die Beziehung zu meinen Bildern ist so eng, dass ich sie als meine Brüder und Schwestern empfinde, die ich nie hatte. Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich. Für Dich habe ich eine Ausnahme gemacht und Dir mein Lieblings Papstbild (Woitila) und ein Mädchenporträt verkauft, was ich für mich zurück gelegt hatte, weil ich Deine Kunstsammlung so hervorragend finde. Ich wusste, das sie bei Dir ein gutes zu Hause bekommen, so konnte ich sie loslassen. Das war wirklich eine einmalige Ausnahme und ich habe mich sehr gefreut, sie immer mal wieder in Deinen Ausstellungen zu sehen und mir wurde dabei klar, dass dies genau die richtige Entscheidung war.

Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

,,Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich.” Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

TR: Du hast ein Atelier in Berlin und eines auf dem Land bei Neuruppin. Wo bist Du mehr und wo bist Du lieber? Und nehmen die zwei unterschiedlichen Orte Einfluss auf Deinen Schaffensprozess?

CS: Ich bin mehr auf dem Land, da ich mir dort ein Refugium geschaffen habe, wo ich absolut konzentriert arbeiten kann. Ohne Störungen, ohne viel Besuche. Ich habe dort sehr große lichte Räume, mit bis zum Teil 7m Deckenhöhe. Das brauche ich auch, um an meinen größeren Leinwandbildern zu arbeiten. In Berlin habe ich ein Wohnatelier und verbinde meine Aufenthalte gerne mit Terminen, die ich in der Stadt habe. In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert. Würde ich auf dem Land zeichnen, hätte ich das Gefühl, meine Energie verfängt sich im Deckenbalken, ehe ich den ersten Strich gemacht habe. Aber hier in Berlin kann ich gut switchen, zwischen spitzer Feder und einem Meeting in der Stadt. Die Papierarbeiten entstehen bei mir sehr schnell, hingegen die großen Leinwände über Monate bearbeitet werden.

TR: Welche Bedeutung spielt für Dich die Mode in Deinem Leben? Steigert sie Deine Lebenslust?

CS: Es ist nicht der Begriff der Mode, der eine Bedeutung für mich hat, sondern ich liebe es, mich durch Kleidung zu verwandeln, aus den Malklamotten heraus eine Andere zu werden. Wie ich mich grade fühle: mal rockig in Leder, mal in Seide elegant, mal verspielt, mal streng, wie es mir grade passt. Ich habe vier Kleiderschränke, welche Schande!! Die schönste Mode ist für mich immer noch im Film „Jenseits von Afrika“ zu sehen.

Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

,, Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte.” Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

TR: Du hattest früher eine Punkband, wie viel Punk steckt heute noch in Dir?

CS: Wieviel Punk in mir steckt würde jeder merken, wenn er mich akustisch mit meiner Reibeisenstimme hört. Ich bin auch noch widerspenstig, wie ich es als Jugendliche war und habe meinen eigenen Kopf, sage frei heraus was mir nicht passt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte. Ich finde das Glatte oft eisig. Ich bin aber warm und will es vom Herzen auch bleiben. Harte Schale, weicher Kern, so würde ich mich beschreiben. Und auch was meine Kleidung angeht, mixe ich manchmal Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören: ein Pailettenkleid mit derben Boots.

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Cornelia Schleime im Shooting mit dem Fotografen Lars Beusker. Hut von Ellen Paulssen https://shop.soer-online.de/WOMAN/ACCESSOIRES/Ellen-Paulssen-Hut_16366.html, Blazer von NVSCO https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17835/sCategory/489 , Bluse von Herzensangelegenheit https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17761 und eine Jeans von Cambio https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17677, Foto SØR

TR: Was sind für Dich die wichtigsten Fashion-Items im Frühjahr/ Sommer 2017?

CS: Ich liebe Muster und Materialmix – Jeans mit feinem Kaschmir, Spitze mit groben Leinen und Streifen- mit Blumenmuster zu kombinieren. Bevorzugt werden bei mir körpernahe Schnitte wie bei den aktuellen schmalen Cambio Hosen.  Tiefe Einblicke ins Dekollet. sind nicht mein Ding, lieber kleine Stehkragen oder opulente Schleifen und Schluppen. Kleine freche Hüte mag ich besonders, die frischen jedes Outfit auf.  Pink ist ist in meinem Schrank verboten, lieber ein verwaschenes rosé, Blautöne von dunkel bis hell und vor allem viel weiß- altweiß.  Na, ja, ich bin auch nicht mehr die Jüngste! Schuhe am liebsten spitz, im Germaschen- Stil, mit einem mittelhohen Absatz. Mädchenhaft, elegant, ich will ja jünger aussehen als ich bin…

Und eines hoffe ich ganz besonders für den Modesommer 2017, dass bald die Brikettsohlen an den Frauenfüßen verschwinden. Nichts gegen Plateau, aber bitte elegant abgeschrägt!

TR: Vielen Dank liebe Cornelia!

Cornelia Schleime - Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung) ISBN 978-3-7356-0293-0 23,00 x 27,00 cm 156 Seiten 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch Kerber Verlag 35,00 € Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin www.berlinischegalerie.de

Cornelia Schleime – Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung)
ISBN 978-3-7356-0293-0, 23,00 x 27,00 cm, 156 Seiten, 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch
Kerber Verlag 35,00 €
Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in
der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de

https://shop.soer-online.de/

https://shop.soer-online.de/Storefinder

http://instagram.com/soer_rusche

http://www.cornelia-schleime.de/

https://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen-berlin/aktuell/cornelia-schleime/

//www.kerberverlag.com/de/cornelia-schleime-ein-wimpernschlag.html?gclid=CjwKEAjwtbPGBRDhoLaqn6HknWsSJABR-o5s1RLeMU78eHhS8CRz3yu6DKx6MZEdUT8y-Eb-iuk1yhoCBk_w_wcB

Floris Van Bommel: Tradition & Punk

Floris Van Bommel Photo by Belaid le Mharchi

Floris Van Bommel ist immer einen Schritt voraus. Noch bevor ein Trend zum Trend wird, hat der 37jährige ihn schon längst entdeckt – genau das macht seine innovativen Kollektionen so einmalig und fast schon revolutionär. Er ist der kreative Kopf bei dem niederländischen Traditions-Schuhersteller van Bommel, mit seinen beiden Brüdern Reynier und Pepijn leitet er das Familienunternehmen in der 9. Generation, welches auch Hoflieferant des Niederländischen Königshauses ist. Wir trafen Floris Van Bommel zum Interview und Fotoshooting in einer Berliner Tapas Bar. Diese Tapas Bar ist allerdings keine x-beliebige, sondern sie gehört dem Schauspieler Daniel Brühl und heißt “Bar Raval”. Damit hat sich der Film Star, der übrigens ein halber Spanier ist, einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Original spanische Küche, eine große Auswahl an Weinen, im puristischen Look und das Ganze in Berlin Kreuzberg. Floris van Bommel trinkt am liebsten Bier!  Der sympathische Niederländer trägt ein T-Shirt von der schwedischen Punkband Refused, eine lässige Jeans und natürlich Turnschuhe aus der eigenen Kollektion und offenbart ganz ungeahnte Seiten von sich:

Floris in Ihrer aktuellen Kampagne sind Sie gemeinsam mit Daniel Brühl zu sehen, wie war das Shooting mit ihm?

Ich war doch recht fasziniert von dem Leben eines Stars (lacht). Als wir uns das erste Mal trafen war uns klar, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind. Wir hören die gleiche Musik, ich mag seine Filme und er mag es das wir seit 1734 Schuhe machen. Er ist echt cool. Ich finde es auch bemerkenswert, dass ein so erfolgreicher Star wie Daniel so natürlich und entspannt geblieben ist. Es hat großen Spass gemacht mit ihm zu arbeiten. Und so war es auch kein steifes Fotoshooting. Der Fotograf Thomas Rabsch hat uns einfach eine Nacht lang begleitet wie Daniel und ich durch die Kölner Club Szene streifen.

Floris van Bommel & Daniel Brühl Photo by Thomas Rabsch

Sie sind sonst eher ein zurückhaltender Mensch der nicht auf jeder Party rumspringt oder in den Klatschspalten diverser Magazine zu finden ist, sehen Sie da auch Parallelen zwischen sich und Daniel?

Also ich schätze diese Zurückhaltung an Daniel sehr. Über mich selber zu urteilen finde ich schwierig, aber natürlich mache ich einfach mein Ding und ich lasse mich nicht fremdbestimmen, weder im Job noch im Privatleben. Es gibt weitaus wichtigere Dinge, wofür man seine Popularität einsetzen sollte.

Genau da sind wir beim nächsten Thema, Sie haben gemeinsam mit Daniel Brüh einen Sneaker entworfen?

Genau, der Charity Sneaker. Der Erlös eines verkauften Paares geht zu 100% an die deutsche Aidsstiftung für das Projekt Dream. Dieses Projekt setzt sich in Afrika dafür ein, das HIV positive Mütter ihre Babys nicht bei der Geburt oder in der Stillzeit mit dem Virus infizieren. Daniel ist ein internationaler Star, der schon gemeinsam mit Stars wie Clive Owen, Brad Pitt, Jane Fonda oder Lady Judy Dench vor der Kamera stand. Und wenn man wie Daniel seine Popularität für den guten Zweck einsetzt, ist das bestens, denn man gewinnt dadurch Aufmerksamkeit. Ich denke es ist sehr wichtig, das Leute die in der Öffentlichkeit stehen, auch was bewegen und sich für Hilfsorganisationen und Andere einsetzen.

Charity Sneaker by Floris Van Bommel & Daniel Brühl

Sie sind gelten auch sonst als sehr sozialer Mensch der gerne hilft oder?

Die meisten Leute denken doch ein Engagement für Charity Projekte sei letztendlich nicht mehr als einen Tropfen auf dem heißen Stein. Ich persönlich sehe das ganz anders; wenn jeder Mensch sich mehr in Hilfsprojekten engagieren würde oder aufmerksam durchs Leben geht und einfach mal mit anpackt, sei es bei den Nachbarn oder bei Bedürftigen, dann wäre dieser Planet ein Paradies.

Neben Ihrem Beruf Designer sind Sie auch noch Musiker, stimmt das?

Na ja, ich würde mich eher als Amateur beschreiben, es ist mehr oder weniger ein Hobby. In meiner Band spiele ich Gitarre. Manchmal singe ich oder spiele auch Schlagzeug, aber nur im Studio wenn wir mal ein paar Songs aufnehmen.

Wie würden Sie den Stil Ihrer Musik beschreiben und welche Bands haben Sie inspiriert?

Wir machen Rock Musik! Angefangen hat bei mir alles mit Pearl Jam, da war ich noch sehr jung, doch die haben mich quasi über Musik aufgeklärt. Heute höre ich vieles Rock-, Punk- und Indipendent- Musik.

Floris Van Bommel Photo by Belaid Mharchi

Sie stammen aus einer sehr traditionellen Familie mit einem Stammbaum der bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, würden Sie sich als Rebell der Familie bezeichnen? 

Nur weil ich Rockmusik höre und gerne Bier trinke? Ich ziehe jeden Tag frische Klamotten an, kann mich gut ausdrücken und mache meine Arbeit. Nein, ein Rebell bin ich bestimmt nicht.

Das Floris Van Bommel Design hebt sich sehr von anderen Kollektionen ab. Spielt dabei die Musik als Inspirations-Quelle eine Rolle?

Auf jeden Fall, schließlich macht die Musik den größten Teil meines Privat Lebens aus. Aber ich reise auch sehr viel und gehe mit offenen Augen durch das Leben, dabei stoße ich immer wieder auf Dinge, die ich dann in die Arbeit einfließen lasse. Zum Beispiel war ich gerade einige Zeit in den USA, da habe ich extrem viele Eindrücke sammeln können. Rockfestivals in Kalifornien, die Wüste von Nevada, die Geschichte der Goldgräber in Sacramento oder der Indianer in Colorado, aus all dem schöpfe ich Ideen für Farben, Formen, Prints oder Applikationen.

Wie wird die Herbst/Winterkollektion bei Floris Van Bommel aussehen?

Wer gefallen an der letzten Kollektion gefunden hat, wird die Neue auch mögen, es ist eine Art Weiterentwicklung. Bei der Casual Kollektion sieht man dann auch welchen Einfluss das Amerika um 1850 genommen hat, derbes gebürstetes Leder, goldene vintage Effekte, die Form ist angelehnt an die typischen Boots und Stiefel dieser aufregenden Ära. Gebürstete Materialien sind grundsätzlich ein großes Thema. Aber auch stark glänzende Leder, sehr gentlemen-like mit starkem Antique-Effekt. Die Sneaker haben wir für den Winter mit gedeckten Farben und warmem Fellfutter angepasst. Aber natürlich wird es auch wieder Überraschungen geben, die einen wesentlichen Unterschied zu anderen Sneakerbrands machen. Aber das wird noch nicht verraten.

Floris van Bommel Herbst/Winter 2012

 

Floris Van Bommel Herbst/Winter 2012

Floris Van Bommel Herbst/Winter 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie sind Vegetarier, ist das nicht ein wenig paradox im Zusammenhang mit dem Material mit dem Sie arbeiten?

Ja, dass hört sich erstmal komisch an, aber die Tiere werden getötet weil Menschen ihre Fleisch essen wollen. Wegen des Leders werden keine Rinder und Kälber geschlachtet. So benutze ich den Abfall der vom Fleischkonsum übrig bleibt. Aber ich will nicht den Moralapostel spielen, denn auch Vegetarier zu sein ist nicht viel besser. Für Käse zum Beispiel benötigt man Milchkühe, werden jedoch Bullen geboren, werden diese einfach getötet weil sie für die Milchproduktion wertlos sind. Es ist also auch nicht wirklich korrekt Vegetarier zu sein. So ist es mit allen Dingen im Leben, es gibt auch immer die Kehrseite. Wenn wir bei jedem unserer Schritte und Handlungen über die Konsequenzen nachdenken, werden wir immer etwas entdecken was vielleicht nicht in Ordnung ist.

Wenn man touristisch an die Niederlande denkt fällt einem als erstes Amsterdam ein, aber es muss ja noch mehr geben was eine Reise wert ist?

Also Amsterdam ist schon richtig cool, aber Rotterdam auch und nicht zu vergessen Utrecht, viel kleiner aber echt sehenswert.

Ok, aber welches ist denn Ihr Lieblingsort?

Zuhause! Meine Heimatstadt Tilburg, Touristen gibt es dort nicht so viele, aber es ist richtig schön dort, tolle Plätze und echt coole Bars (lacht).

Floris Van Bommel vor der Bar Raval Photo by Belaid le Mharchi

 

http://www.florisvanbommel.com/en/ 

http://www.barraval.de/

http://soer.de/

http://www.belaidlemharchi.de/