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Independent Collectors presents: THOMAS RUSCHE IN CONVERSATION WITH CORNELIA SCHLEIME

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung  ,,Ein Wimpernschlag'', die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag”, die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

In collaboration with Thomas Rusche from the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin, we present the new video-series “Thomas Rusche in Conversation With…”, where the German art collector, textile entrepreneur and economist meets personalities from the arts and cultural scene.

For our first instalment , Rusche met with the artist Cornelia Schleime at her exhibition “Ein Wimpernschlag” at the Berlinische Galerie. Schleime, who recently won the Hannah-Höch Prize for her life-work, speaks to Rusche about her insatiable passion for painting, the punk that is still present in her, and how limitations in her life made her stronger – such as the ban on work in the GDR, the spying by the Stasi, all serving as an engine to release artistic energy.

The video is currently only available in German.

 

http://instagram.com/soer_rusche

https://independent-collectors.com/on-site/thomas-rusche-in-conversation-with-cornelia-schleime

http://soer.de

KUNST IST LEBENSLUST – Thomas Rusche trifft die Künstlerin Cornelia Schleime

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.'' Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.” Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Foto, Lars Beusker

Die Hannah-Höch-Preisträgerin Cornelia Schleime gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen Deutschlands. Von der Stasi bespitzelt hat sie noch vor der Wende rübergemacht. Bei der Ausreise musste sie ihr Frühwerk zurücklassen; die über 90 Werke sind bis heute verschollen. Im Westen wird Cornelia Schleime in namhaften Museen ausgestellt. Cornelia Schleime ist nicht nur eine meisterhafte Malerin, sondern zugleich auch experimentelle Performancekünstlerin, Punkrockerin und erfolgreiche Buchautorin. In der SØR Rusche Sammlung befinden sich einige Lieblingswerke der Künstlerin. Kunstsammler und SØR Inhaber Thomas Rusche traf die zarte Powerfrau in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag” in der Berlinischen Galerie zum Gespräch.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung  ,,Ein Wimpernschlag'', die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag”, die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist. Foto, Lars Beusker

TR: Was bereitet Dir im Leben besondere Lust?

CS: Das Reisen in ferne Länder. Für die ersten drei Tage buche ich immer ein festes Quartier, um mental anzukommen, die Distanz zu realisieren, mich auf das Klima einzustellen, aber dann geht es ins Floating, voller Neugierde ins Ungewisse. Zu jeder Reise nehme ich immer ein leeres Buch mit und zeichne, aquarelliere, collagiere dort hinein. Ich bin grade aus Kreta zurückgekommen wo es nur geregnet hat, das hat meinem Buch aber keinen Abbruch getan. An die zweihundert Seiten sind entstanden, Zeichnungen von Klöstern, Skulpturen, Hafenanlagen, Tagebuchnotizen,übermalten Fotografien usw. Ich habe bislang sehr viele dieser Reisetagebücher gemacht, die so etwas wie Trophäen für mich sind. Andere gehen zur Großwildjagd. Ich gehe auf Bilderjagd.

TR: Welche Bedeutung spielt die Kunst in Deinem Leben?

CS: Jeder der mich kennt, weiß, dass die Kunst nicht nur eine Rolle in meinem Leben spielt. Sie ist mein Raum, meine Luft zum Atmen. Leben und Kunst lassen sich bei mir nicht trennen. Denn alles was ich wahrnehme, erzeugt Bilder in mir, die ich umsetzen muss. Durch sie kann ich mich von der realen Welt abgrenzen, die ich manchmal nur schwer ertrage. Ich schaffe mir durch die Kunst meine eigene Welt. Ich habe ein Bildgehirn, alles bleibt gespeichert. Ganz anders mit Namen, sie pulverisieren sich in meinem Kopf und fallen wie das Mehl durchs Sieb.

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

TR: Bereitet Dir die Kunst Lust?

CS: Natürlich, ich arbeite ja aus dem Lustprinzip heraus, aus der Sinnlichkeit, die der Umgang von Farben mit sich bringt, aus den Strukturen die dabei entstehen, aus den Schichten hinter denen sich etwas verbergen kann. Malerei ist für mich ein gro.es Geheimnis, was sich nie lüftet, wie Schalen, die man Stück für Stück freilegt, um auf einen Kern zu treffen.

TR: Leidest Du auch an der Kunst?

CS: Ich habe noch nie an der Kunst gelitten. Nur an schlechter Kunst, die ich manchmal sehe und wenn sie größer sein will als sie ist.

TR: Wie entstehen Deine Werke? Schnell und intuitiv oder – als geplanter Prozess?

CS: Meine Arbeiten entstehen immer intuitiv. Wenn ich jedoch länger an einem Thema dran bleibe, kommen Überlegungen hinzu, Grenzen auszureizen.

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

TR: Du sprühst vor Leidenschaft. Was ist die Quelle Deiner Leidenschaft?

CS: Die Quelle ist die Suche nach innerer Schönheit, nicht der geschenkten Schönheit, sondern jener, die durch Erfahrung entsteht. Leidenschaft bedeutet für mich, sich einer Sache voll hinzugeben, jegliches Risiko in Kauf zu nehmen. Als ich vor ein paar Jahren meine Porno-Erotik-Zeichnungen gemacht habe, hatte ich in dieser Zeit keinen Sex. Beides würde für mich nicht gehen. In dem ich keinen Sex hatte, wurden diese Zeichnungen zwingend für mich. Das ist für mich Dialektik: ich kann nicht hier ein bißchen fummeln und da ein bißchen kritzeln. Das was ich tue, muss ich absolut tun. Ich hasse Ambivalenzen!

TR: Erkennst Du in Deinem Kunstschaffen einen roten Faden?

CS: Mein roter Faden ist die Poesie, das Provokante, Irritierende, das Düstere, das Lichte, mit der Umschiffung der Mitte, die mir nicht liegt.

TR: Hat er sich im Laufe Deiner wechselvollen Lebensgeschichte verändert?

CS: Nein, ich wußte schon mit 18 Jahren was ich wollte, hatte nur noch nicht die künstlerischen Mittel dies auch umzusetzen. Aber wo ich diesen roten Faden hinspinnen soll, dass war mir damals schon klar.

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

TR: Wie haben die Schicksalsschläge, aber auch die lebenslustigen Ereignisse Deines Lebens Dein Kunstschaffen beeinflusst?

CS: Ich habe mal gesagt: „Das Leben ist mein Goldkoffer“ und damit meinte ich auch die negativen Erfahrungen, die ich machen musste, denn gerade sie wollte ich durch Kunst verwandeln in etwas Positives, Fantastisches. Hätte ich nur Positives erlebt, ich wüsste nicht, wie meine Kunst aussehen sollte, glatt, harmlos, beliebig, einfallslos? Nein, gerade das Negative war der stärkste Motor und hat in mir eine Kraft mobilisiert, dem etwas entgegenzusetzen.

TR: Du bist Ende des vergangenen Jahres mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für Dein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Wie fühlt sich das für Dich an und hat sich etwas dadurchin Deinem Leben und Schaffen verändert?

CS: Der Preis hat mich sehr geehrt, vor allem, dass ich ihn in meiner Heimatstadt Berlin bekommen habe. Es ist für mich auch eine Bestätigung, dass mein Weg der richtige war. Ich erinnere mich noch an Zeiten Ende der 80iger Jahre, wo Malerei als out galt, wo man mir sagte, ich sei von vorgestern. Es war die Zeit von Konzeptkunst. Ich hatte mir einfach die Ohren zugehalten und natürlich weitergemalt.

Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

,, In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert.” Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

TR: Was für eine Beziehung hast Du zu Deinen Bildern? Viele befinden sich in Deinem Privatbesitz  so, als würdest Du sie ungern los lassen?

CS: Die Beziehung zu meinen Bildern ist so eng, dass ich sie als meine Brüder und Schwestern empfinde, die ich nie hatte. Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich. Für Dich habe ich eine Ausnahme gemacht und Dir mein Lieblings Papstbild (Woitila) und ein Mädchenporträt verkauft, was ich für mich zurück gelegt hatte, weil ich Deine Kunstsammlung so hervorragend finde. Ich wusste, das sie bei Dir ein gutes zu Hause bekommen, so konnte ich sie loslassen. Das war wirklich eine einmalige Ausnahme und ich habe mich sehr gefreut, sie immer mal wieder in Deinen Ausstellungen zu sehen und mir wurde dabei klar, dass dies genau die richtige Entscheidung war.

Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

,,Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich.” Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

TR: Du hast ein Atelier in Berlin und eines auf dem Land bei Neuruppin. Wo bist Du mehr und wo bist Du lieber? Und nehmen die zwei unterschiedlichen Orte Einfluss auf Deinen Schaffensprozess?

CS: Ich bin mehr auf dem Land, da ich mir dort ein Refugium geschaffen habe, wo ich absolut konzentriert arbeiten kann. Ohne Störungen, ohne viel Besuche. Ich habe dort sehr große lichte Räume, mit bis zum Teil 7m Deckenhöhe. Das brauche ich auch, um an meinen größeren Leinwandbildern zu arbeiten. In Berlin habe ich ein Wohnatelier und verbinde meine Aufenthalte gerne mit Terminen, die ich in der Stadt habe. In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert. Würde ich auf dem Land zeichnen, hätte ich das Gefühl, meine Energie verfängt sich im Deckenbalken, ehe ich den ersten Strich gemacht habe. Aber hier in Berlin kann ich gut switchen, zwischen spitzer Feder und einem Meeting in der Stadt. Die Papierarbeiten entstehen bei mir sehr schnell, hingegen die großen Leinwände über Monate bearbeitet werden.

TR: Welche Bedeutung spielt für Dich die Mode in Deinem Leben? Steigert sie Deine Lebenslust?

CS: Es ist nicht der Begriff der Mode, der eine Bedeutung für mich hat, sondern ich liebe es, mich durch Kleidung zu verwandeln, aus den Malklamotten heraus eine Andere zu werden. Wie ich mich grade fühle: mal rockig in Leder, mal in Seide elegant, mal verspielt, mal streng, wie es mir grade passt. Ich habe vier Kleiderschränke, welche Schande!! Die schönste Mode ist für mich immer noch im Film „Jenseits von Afrika“ zu sehen.

Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

,, Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte.” Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

TR: Du hattest früher eine Punkband, wie viel Punk steckt heute noch in Dir?

CS: Wieviel Punk in mir steckt würde jeder merken, wenn er mich akustisch mit meiner Reibeisenstimme hört. Ich bin auch noch widerspenstig, wie ich es als Jugendliche war und habe meinen eigenen Kopf, sage frei heraus was mir nicht passt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte. Ich finde das Glatte oft eisig. Ich bin aber warm und will es vom Herzen auch bleiben. Harte Schale, weicher Kern, so würde ich mich beschreiben. Und auch was meine Kleidung angeht, mixe ich manchmal Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören: ein Pailettenkleid mit derben Boots.

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Cornelia Schleime im Shooting mit dem Fotografen Lars Beusker. Hut von Ellen Paulssen https://shop.soer-online.de/WOMAN/ACCESSOIRES/Ellen-Paulssen-Hut_16366.html, Blazer von NVSCO https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17835/sCategory/489 , Bluse von Herzensangelegenheit https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17761 und eine Jeans von Cambio https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17677, Foto SØR

TR: Was sind für Dich die wichtigsten Fashion-Items im Frühjahr/ Sommer 2017?

CS: Ich liebe Muster und Materialmix – Jeans mit feinem Kaschmir, Spitze mit groben Leinen und Streifen- mit Blumenmuster zu kombinieren. Bevorzugt werden bei mir körpernahe Schnitte wie bei den aktuellen schmalen Cambio Hosen.  Tiefe Einblicke ins Dekollet. sind nicht mein Ding, lieber kleine Stehkragen oder opulente Schleifen und Schluppen. Kleine freche Hüte mag ich besonders, die frischen jedes Outfit auf.  Pink ist ist in meinem Schrank verboten, lieber ein verwaschenes rosé, Blautöne von dunkel bis hell und vor allem viel weiß- altweiß.  Na, ja, ich bin auch nicht mehr die Jüngste! Schuhe am liebsten spitz, im Germaschen- Stil, mit einem mittelhohen Absatz. Mädchenhaft, elegant, ich will ja jünger aussehen als ich bin…

Und eines hoffe ich ganz besonders für den Modesommer 2017, dass bald die Brikettsohlen an den Frauenfüßen verschwinden. Nichts gegen Plateau, aber bitte elegant abgeschrägt!

TR: Vielen Dank liebe Cornelia!

Cornelia Schleime - Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung) ISBN 978-3-7356-0293-0 23,00 x 27,00 cm 156 Seiten 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch Kerber Verlag 35,00 € Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin www.berlinischegalerie.de

Cornelia Schleime – Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung)
ISBN 978-3-7356-0293-0, 23,00 x 27,00 cm, 156 Seiten, 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch
Kerber Verlag 35,00 €
Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in
der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de

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https://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen-berlin/aktuell/cornelia-schleime/

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Van Laack: Das königliche Hemd!

Der Klassiker – das weiße van Laack Hemd, Photo by van Laack

Erfolgreiche Kaufleute, angesehene Richter und renommierte Ärzte hatten Heinrich van Laack und seine Partner Wilhelm Schmitz und Gustav Eltschig vor Augen, als sie 1881 in Berlin an einem Konzept für ihre erste Hemden- Marke tüftelten. Ein feines Hemd für den eleganten Herrn wollten sie schneidern. Eines, das aus der Masse herausragt und sich abhebt von schnell angefertigter Fabrikware. Schließlich verriet damals die Kleidung die gesellschaftliche Position ihres Trägers. Über die Erkennungsmerkmale der Marke waren sich die Herren schnell einig: Feinste Materialien, meisterliche Verarbeitung und exklusive Schnitte. Ihre Maxime: „Die innere Einstellung bestimmt immer auch die äußere Erscheinung.“ Das Ziel war hochgesteckt, doch die Vision hatte erfolg: Schon bald ratterten die Nähmaschinen in einer Fabrik an der Greifswalderstraße. Frauen mit Hochsteckfrisur und Männer mit Schirmmützen nähten Kragen, Ärmel und Body zusammen. Die Textilien wurden schon damals aus den besten Webereien Italiens und der Schweiz geliefert. Als die Näherinnen zusätzlich mit flinken Händen auf jedes Hemd eine Krone über den van Laack-Namenszug stickten – das weltweit erste gestickte Markenzeichen – und es mit dem Slogan „Das königliche Kemd“ kombinierten, avancierte die Marke in den goldenen 1920er-Jahren zum Statussymbol. Es dauerte dann rund 50 Jahre, bis die erste Damenkollektion 1972 in die Läden kam.

van Laack Werbung von 1972, Photo by van Laack

Damals waren besonders figurbetonte Modelle mit Schleifenkragen und eingenähten Biesen en vogue. Inzwischen umfasst die detailverliebte Damenlinie Kollektionsteile vom Anzug über die Tunika bis zur Shorts. nach über 130 Jahren Firmengeschichte steht van Laack immer noch für sicheres Stilempfinden, hochwertigste Stoffe und beste Verarbeitung. Das Herz des Unternehmens ist heute ein glasummantelter Kubus in Mönchengladbach. Von hier aus dirigiert und überwacht Christian von Daniels die Designs des Kreativteams und den Expansionskurs der Marke. Gefertigt werden die hochwertigen Produkte in van-Laack-eigenen Fabriken nahezu auf der ganzen Welt.  Alle ausgestattet mit einem Trainingscenter und einem strengen Qualitäts- Management.

van Laack Kampagne 2013, Photo by van Laack

Zur Kollektion gehören mittlerweile auch Blusen und Blazer, Pullis aus Kaschmir und Merinowolle, Poloshirts aus Piqué, Rugbyshirts aus Jersey, Krawatten, Nachtwäsche und Beachwear, die den Scheichs von Dubai ebenso gefallen wie der britischen Aristokratie oder deutschen Geschäftsleuten. Die Präzisionsarbeit für ein solches Hemd beginnt im Detail: Exakt 165 Stiche umrahmen ein Knopfloch. Hindurch passt ein patentierter Drei-Loch-Knopf, geschnitten aus der Tiefseeschnecke Trochacea, jeder einzelne auf Stiel genäht. Die Kür bei allen Hemden ist der Kragen: Ob italienischer Haifischkragen, Button- down, formeller Tab-Kragen oder kleiner Kentkragen – damit er sich der Halsform optimal anschmiegt, wird er immer aus vier Teilen „aufgebaut“: aus Innen-und Außensteg sowie Ober- und Unterkragen. Das gilt natürlich besonders für eine Maßanfertigung, die immerhin aus 31 Einzelteilen besteht und für die eine Näherin im Schnitt 180 Minuten braucht.

Ein Van Laack hemd in der Produktion. Photo by Lars Beusker

Ein Van Laack hemd in der Produktion. Photo by Lars Beusker

Für die Stoffe werden nur Fasern aus reifen Baumwollblüten verwendet. Denn sie strahlen am weißesten und fühlen sich, fertig verarbeitet, griffig-seidig an. Außerdem gilt: je länger die Faser, desto feiner die Verarbeitung der Garne. Sobald die Baumwollgarne gekämmt und gesäubert sind, werden sie in verschiedensten Webungen verarbeitet. In Jacquardtechnik für florale Muster, in Zefir-Batist für Streifen-, Karo- und Paisley-Dessins, Fischgratgewebe, Flanell, Seersucker, geripptem Popeline und transparentem Voile. Ausgesucht werden die Stoffe bei den besten Tuchfabrikanten in Italien. Man sieht und fühlt es den Stoffen an. Christian von Daniels empfiehlt jedem Hemdenkunden in den Stoff hineinzugreifen und sich das haptische Erlebnis bei der Auswahl nicht entgehen zu lassen. Nicht selten erwirbt er die erste und einzige Option auf einen bestimmten Stoff. Auf diese Weise kommen van Laack-Produkte auf den weltweiten Markt, die unverwechselbar sind und bleiben.

van Laack Kampagne, Photo by van Laack

Dass sich die Marke neben all ihren neuen, trendbewussten Kreationen jedoch immer wieder auf ihre Ursprünge und somit auf den hohen Qualitätsanspruch besinnt, hätte wohl auch den Gründungsvätern gefallen, deren Schwarz-Weiß- Porträt noch heute im Büro der Geschäftsführung an die lange, erfolgreiche Unternehmensgeschichte erinnert.

Christian von Daniels Geschäftsführer der Van Laack GmbH, Photo by van Laack

Christian von Daniels erwarb 2002, dass damals etwas angestaubte Unternehmen, innerhalb von wenigen Jahren verjüngte er das Image der Marke und verdoppelte den Umsatz. Heute hat van Laack wieder den Ruf zurückerlangt, den das Unternehmen in den goldenen 1920er Jahren hatte und wird seinem Slogan ,,van Laack – das königliche Hemd” mehr als gerecht.

Herr von Daniels, was macht van Laack seit über 130 Jahren so erfolgreich?

van Laack hat vom ersten Tage bis heute den Kunden mit höchstem Anspruch an Stil, Design, Schnitt und Stoffqualität im Fokus gehabt. Edelste Materialien und Formen sollten den Kunden wie einen König, einen Chef oder Star aussehen lassen. Ziel war also von Anfang an eine “Oberschicht” zu erreichen, die bis dahin von Schneidern bedient wurde.

van Laack ist ein weltweit bekanntes Unternehmen. Wie würden Sie den typischen van Laack Kunden beschreiben?

Der van Laack Kunde möchte sich durch kompromisslose Qualität, perfekte Passformen und bedingungslose Liebe zum Detail differenzieren.

Wie finden Sie als Geschichtsträchtiges Unternehmen eine Balance zwischen Tradition und Innovation? Und wie groß ist der Einfluss von Mode und Trends in den van Laack Kollektionen?

Durch ständige Produktinnovationen, wie zum Beispiel unsere Eigenentwicklung „Natural Easy Care“, mit der wir den Tragekomfort erhöhen, und gleichzeitig den Bügelaufwand verringern, bedienen wir den Wunsch unserer Kunden nach einem grundsätzlich reinen und unverfälschten Naturprodukt.  Selbstverständlich haben aktuelle Trends einen gewissen Einfluss auf unsere Kollektionen, unser Ziel ist es jedoch immer mit unseren eigenen Kreationen Maßstäbe in den Kategorien Hemd und Bluse zu setzen.

Immer mehr junge Menschen entdecken die Kleidungskultur für sich – man kleidet wieder gerne stilvoll. Was glauben Sie woran das liegt?

Jahrelang konnte die Mode nicht genug nach “used” und “vintage” aussehen. Ein Trend, der aus der Jugend kommend, zunehmend von der älteren Generation aufgegriffen und gelebt wurde. Da ist es für die Jugend an der Zeit, sich davon wieder zu distanzieren. Als Gegenbewegung gewinnt die Renaissance der gepflegten Kleidungskultur an Dynamik.

Ein weiteres Thema, welches immer mehr an Popularität gewinnt sind Maßhemden. Wobei van Laack in diesem Segment schon immer federführend war, richtig?

Nicht zuletzt das Internet gibt dem Verbraucher das Gefühl “ich kann Alles bekommen, irgendwo auf der Welt…”. Das Masshemd mit dem Anspruch höchsten Anforderungen an die Individualität des Produkts zu genügen, bedient diesen Markt perfekt.

Als weltweit größter Anbieter von Masshemden im Luxussegment, beobachten wir hier seit Jahren ein stark steigendes Interesse.

Was denken Sie sind die ausschlaggebenden Kleidungsstücke einer gelungenen Business Garderobe für den Herrn?

Ein perfekt sitzendes Hemd und der richtige Schuh.

Welches ist Ihr persönlicher Favorit der aktuellen van Laack Kollektion?

van Laack Handmade.

 

 

Text von Camilla Peus

Interview führte Michaela Kühn

https://shop.soer-online.de

http://www.vanlaack.com/

http://www.beusker.com/

 

Matthias Brandt und die gewissen Muster

Matthias Brandt auf dem SØR Sofa Photo by SØR

Die Charaktere die Matthias Brandt verkörpert zeichnen sich durch Ecken und Kanten aus, die im Verborgenen liegen, im Inneren eines Menschen. Er nimmt einen mit auf Tauchgänge durch die Psyche. Dabei schaut man in sein weiches und altersloses Gesicht, welches zu einer fulminanten Projektionsfläche der menschlichen Abgründe wird. Matthias Brandt lässt sich nicht auf bestimmte Typen festlegen. Seine Vielseitigkeit mit Tiefgang wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayrischen Filmpreis und einer goldenen Kamera belohnt. Der jüngste Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt, hat sich mit seiner wundervollen Eigentümlichkeit an die Spitze des deutschen Films gespielt. Spätestens seit dem er die Rolle des Münchner Kommissars Hanns von Meuffels im Polizeiruf 110 übernommen hat, ist Matthias Brandt dem breiten Publikum ein Begriff. Leicht verwirrt, gern zitierend und bestens gekleidet mit Trenchcoat und feinem Tuch oder auch mal einen kompletten Film lang nur im Pyjama und OP Hemd (Polizeiruf 110 Fieber), von Meuffels hat einen ganz eigenen Look. Wir trafen den Schauspieler im SØR Haus Berlin nach den Anproben für seinen neuen Film “Männertreu”

Matthais Brandt und Film-Stylistin Sabine Böbbis bei der Auswahl Photo by SØR

MK: Herr Brandt interessieren sie sich eigentlich für Mode?

MB: Da ich dieses Interesse in meinem Beruf ausleben kann, bin ich eigentlich ganz froh, dass ich mir im Privaten keine Gedanken darüber machen muss. Aber da unterscheide ich dann auch zwischen ganz privat sein und öffentlichen Anlässen, zu denen ich gerne gut angezogen bin.

MK: Wie würden Sie ihren persönlichen Stil beschreiben.

MB: Das kann man immer gut beschreiben wenn man andere sieht, aber bei sich selber ist das gar nicht so einfach. Ich mag immer eine Form von reduzierter schlichter Eleganz. Das ist das was mich überzeugt und wie wir wissen, auch nicht leicht zu erreichen ist. Die Raffinesse liegt im kleinen Detail. Und nicht im Ornament.

Dunkelblauer Trenchcoat, used Look Jeans, Rolli und Desert Boots – Matthias Brandt mag es reduziert und klassisch Photo by SØR

MK: Haben Sie ein Lieblingskleidungsstück, welches sie schon Jahre mit sich rumschleppen?

MB: Ehrlich gesagt – nein. Ich binde mich ungern an Sachen. Die einzige Ausnahme sind meine guten englischen Schuhe, die begleiten mich teilweise schon seit fünfundzwanzig Jahren.

MK: Das was Sie heute tragen, erinnert ja auch schon sehr an Kommissar Hans von Meuffels, den Sie seit zwei Jahren im Polizeiruf 110 München spielen. Nur das der einen sandfarbenen Trench tragen würde. Gibt es Parallelen zwischen ihnen und der Rolle?

MB: Das lässt sich gar nicht ausschließen. Es ist eine Rolle die über mehrere Filme läuft und das die zwangsläufig ganz viel von mir selbst beinhaltet lässt sich nicht vermeiden. Aber es ist mit der Rolle, als auch im Privaten so, man hat ein gewisses Grundmuster und damit spielt man rum und probiert sich aus. Und das macht ja auch Spass.

MK: Jetzt befinden Sie sich kurz vor Drehstart für einen neuen Film.

MB: Genau. Mit der Regisseurin Hermine Huntgeburth drehen wir den kommenden Wochen in Frankfurt einen Fernsehfilm für den Hessischen Rundfunk. Der Film spielt in der Welt der Politik, Banken und Medien. Wir liegen gerade noch in den letzten Zügen der Vorbereitungen. Und freuen uns natürlich das wir hier bei SØR schonmal die äußeren Züge für meine Rolle gefunden haben, einen eleganten klassischen Look.

Matthias Brandt & Sabine Böbbis zwei die sich auch ohne viel Worte verstehen Photo by SØR

MK: Klappt die Zusammenarbeit mit Kostümbildnern und Stylisten immer so gut wie heute mit Frau Böbbies?

MB: Es ist wie in anderen Lebensbereichen auch, man ist auf Intuition angewiesen. Ich habe da die Erfahrung gemacht, gerade was künstlerische und kreative Tätigkeiten angeht, je mehr man redet und je mehr erklärt werden muss, desto schwieriger ist die Zusammenarbeit. Der Idealfall ist, sich ein paar Stichworte zu geben und der andere weiß genau was gemeint ist. In diesem Fall, mit Sabine Böbbies, ist das gerade genau so – ein Glücksfall. Vorsichtig ausgedrückt – manchmal hat man Pech und manchmal hat man Glück. Und jetzt habe ich Glück!

Der Film “Männertreu” wird unter der Regie von Hermine Huntgeburth in den kommenden Wochen an original Schauplätzen in Frankfurt gedreht und 2014 in der ARD als Mittwochsfilm um 20:15 Uhr ausgestrahlt. Neben Matthias Brandt spielen: Susanne von Borsody, Peri Baumeister, Margarita Broich, Claudia Michelsen Phillip Hochmaier uva.

Matthias Brandt sehr sympathisch wegen seiner Ecken und Kanten Photo by SØR