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100 Meisterwerke – Teil 14: James Lloyd & David Teniers d. J.

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Teniers d. J., David, Susanna und die beiden Alten (Dan. 13) nach Guido Reni, um 1655-1660 17,5 x 23 cm, Öl auf Holz

Die Geschichte aus dem apokryphen Buch Daniel gilt in der Justizwissenschaft noch heute als ein Paradebeispiel für die Effizienz der getrennten Zeugenbefragung. Susanna, eine ebenso schöne wie gottesfürchtige junge Frau, gerät ins Blickfeld zweier alter Männer, die täglich im Hause ihres Ehemannes Joachim verkehren. Zu Beginn noch zurückhaltend und sich mit der Betrachtung der anmutigen Weiblichkeit begnügend, wächst beider Verlangen, sich Susanna auch physisch zu nähern. Eines Tages scheint die Gelegenheit günstig: Aufgrund der Hitze des Tages beschließt Susanna, im weitläufigen Garten ihres Anwesens ein Bad zu nehmen. Zu diesem Zwecke schickt sie ihre Dienerinnen, die sie gewöhnlich aus Schicklichkeitsgründen begleiten, ins Haus, um die benötigten Badeutensilien zu holen und die Gartenpforte zu verriegeln. 

Die beiden Alten halten sich versteckt, bis Susanna alleine ist. Sie nähern sich ihr, bedrängen die durch ihre Nacktheit Hilflose und drohen, falls sie ihnen nicht zu Willen sei, ihr öffentlich Ehebruch mit einem jungen Mann anzulasten. Susanna jedoch lässt sich nicht einschüchtern, schreit vielmehr aus Leibeskräften. Die beiden Männer machen nun ihre Drohung wahr und bezichtigen die junge Frau des Ehebruchs, auf den die Todesstrafe steht. Daniel, Zeuge dieses Geschehens, fordert vor der Vollstreckung des Urteils eine getrennte Zeugenbefragung der Ankläger. Auf die Frage hin, unter welchem Baum denn Susanna ihren jungen Liebhaber empfangen hätte, antworte der eine, dass dies unter einer Zeder geschehen sei, der andere jedoch, dass es eine Eiche gewesen sei. Der Beweis war erbracht, dass die Frau zu Unrecht beschuldigt worden war. Das ursprünglich für Susanna gesprochene Urteil erwartete nun ihre Widersacher. 

(Daniel 13,1-64)

Selten hat ein apokrypher Stoff die Maler aller Epochen so intensiv beschäftigt wie diese Geschichte. Sicher liegt einer der Gründe in der zwingenden Notwendigkeit, unverhohlen nackte weibliche Schönheit abzubilden, um dem Inhalt der Erzählung gerecht werden zu können. Für die feinen Nuancen der an unterschiedlichen menschlichen Regungen reichen Erzählung hatten aber anscheinend die Künstler des Barock ein besonderes Faible. Während die Susanna Antonis van Dycks in ihrem zornigen Ingrimm ihren Peinigern in nichts nachsteht und sich tatkräftig wehrt, schuf beispielsweise Rembrandt ein Bild von subtiler Stille. Lediglich ein leises Rascheln der Blätter, verursacht von den beiden lauernden, noch versteckten Männern, lässt seiner aufhorchenden Susanna den ersten Schauer einer für sie noch nicht bestimmbaren Gefahr über den weißen Rücken jagen.

David Teniers d. J. ist mit der um das Jahr 1640 entstandenen Ölskizze „Susanna und die beiden Alten,“ die sich wiederum an einem heute verschollenen Werk des römischen Barockmalers Guido Reni orientiert, also in bester Gesellschaft. Teniers d. J., der neben Rubens, van Dyck und Jordaens berühmteste Maler des flämischen Barock, zeigt Susanna in der denkbar prekärsten Lage: Völlig entkleidet steht sie mit einem Fuß bereits im Bassin, das rechts von einem fratzenähnlichen Wasserspeier gefüllt wird. Die natürliche Bewegungsrichtung, um sich nun gänzlich ins kühle Nass zu begeben, wurde abrupt durch das massive Eindringen der beiden Männer in diese intime Sphäre unterbrochen und in die andere Richtung umgelenkt. Statt den anderen Fuß ebenfalls ins Wasser zu setzen, hat sie diesen nun auf die kleine Stufe am Beckenrand gestellt. Um gänzlich wieder aus dem Wasser zu steigen, fehlt es jedoch an Platz. Ein weiteres Hindernis stellt die halbrunde Balustrade dar, gegen die Susanna drängt. Sie bietet zwar den einzig verbliebenen Schutz vor einem physischen Zusammentreffen mit den Männern, ist aber zugleich auch eine Fluchtbarriere. Die Lage ist aussichtlos.

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Teniers d. J., David, Susanna und die beiden Alten (Dan. 13) nach Guido Reni (Detail), um 1655-1660 17,5 x 23 cm, Öl auf Holz

Aufdringlich in Gestik und Mimik sind die beiden Alten ihr bereits viel zu nahe gerückt. Während sich der Linke augenscheinlich in der Darlegung ihrer misslichen Situation gefällt, hebt der Turbanträger mit furchteinflößendem Gesicht beschwörend seinen linken Zeigefinger an den Mund, während er mit der anderen Hand das weiße Tuch festhält, mittels dessen Susanna versucht, sich zu bedecken. 

Unangenehm nah werden wir auch als Betrachter an die Szene herangeführt, so nah, dass diese sich nur ausschnitthaft darstellt: Vom Wasserbassin, dem rahmenden Springbrunnen und der am linken Bildrand abgelegten, kostbaren Kleidung ist nur ein Teil zu sehen. 

Im Hintergrund befindet sich, teilweise nur skizzenhaft ausgearbeitet, ein verschatteter Baumbestand, der durch sein dunkles Kolorit vornehmlich als kontrastreiche Folie für den dramatischen Vordergrund dient: Weiß ist das Tuch, mit dem die unschuldige Susanna sich zu bedecken müht. Weiß mit einem leicht goldenen Schimmer leuchtet das  sich an die schönlinigen Kurven des entkleideten Körpers anschmiegende Inkarnat auf. Kleider von sattgelber Farbe? liegen am Beckenrand. In dunkleres Gelb und Rot sind die beiden männlichen Akteure gekleidet. Neben der subtilen Verteilung des Kolorits auf die einzelnen Protagonisten wird die Dramatik der Szene gestisch noch offensichtlicher verdeutlicht: Vier Hände füllen das Zentrum der Komposition. Unbehagen empfindet der Betrachter bei der Vorstellung, an welcher Stelle sich wohl die andere Hand des in Gelb gekleideten Mannes bereits befinden mag. 

Teniers d. J. wählt in seiner Bilderzählung den offensichtlichen Höhepunkt des Geschehens. Susanna befindet sich in der ungünstigsten Lage, um sich der physischen Nachstellungen der beiden Männer zu erwehren. Ihr einziger Ausweg ist in dem Gemälde bereits enthalten. Die Augen erschrocken und weit aufgerissen auf die Männer gerichtet, hat sie den Mund zum Schreien geöffnet, um damit die von den zwei Alten angestrebte Heimlichkeit zunichte zu machen und einer Vergewaltigung zu entgehen. 

Moralisch unangetastet wird Susanna letztendlich aus dieser Geschichte hervorgehen. Kein noch so kleiner Makel bleibt laut der apokryphen Geschichte an ihr haften. Vermutlich war es auch der Zurückgezogenheit des Schauplatzes geschuldet, dass Susanna frei von Anschuldigungen blieb. Wo, wenn nicht in der Privatheit des eigenen Gartens oder der eigenen vier Wände sollte man sich unbefangen geben dürfen?

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Lloyd, James Large Nude 61 x 122 cm

Die Frau in James Lloyds querformatigem Gemälde „Large Nude (Aurore)“ tut das. Sie gibt sich, wie sie ist. Nichts scheint ihr ferner zu sein als sich in irgendeiner Weise mit dem Betrachter befassen zu wollen, geschweige denn sich für ihn zu positionieren. Auf einer einfachen aufklappbaren Pritsche, die lediglich mit einer sehr dünnen, blau bezogenen Matratze bedeckt ist, liegt sie völlig nackt. Ihr Kopf mit dem halblangen braunen Haar ruht auf einem ebenfalls himmelblauen, kleinen Kissen. Leicht erhöht gezeigt, wird ihr Antlitz lediglich im verlorenen Profil sichtbar. Der linke Arm ist über den Rand der Liege hinweg ausgestreckt. Das untere Bein ist leicht angewinkelt, langgestreckt darüber liegt das rechte. In einer ungewöhnlichen Draufsicht, die der niedrigen Höhe dieser Ruhestatt geschuldet ist, schauen wir auf die nackte Rückansicht der Frau. 

Unspektakulär erscheint der Raum, in dem sie sich befindet. Der Boden besteht aus groben Holzdielen mit verblassten Farbspritzern. Darüber läuft ein Kabel bis zu einer Steckdose. Vermutlich ist es das Atelier des Künstlers, in dem provisorisch ein kleines Bett aufgestellt wurde, um sich bei zu langen Arbeitssitzungen etwas ausruhen zu können. 

Anders als in vielen anderen Gemälden des Künstlers, in denen die Modelle mit dem Betrachter kommunizieren, hat sich die Frau von diesem abgewandt und zur Seite gerollt. Auch wenn wir einen kleinen Teil ihres Gesichtes erkennen können, bleibt es ungewiss, ob sie wach ist oder schläft. Entspannt wirkt ihr Körper, unprätentiös in seiner ausgestreckten Langeweile, die formatfüllend ist. Auf eine sehr beiläufige, fast irrelevante Weise nur wirkt er erotisch. Vielleicht ist es die Perspektive, die diesen Eindruck hervorruft, vielleicht ist es ein kleines Detail, wie die nackten Fußsohlen –  Körperteile, die für gewöhnlich auch bei Aktdarstellungen unsichtbar bleiben. Es ist ein vertrauter Blick, der auf diesem Körper ruht, ein Blick, der diesen Körper nicht zum ersten Mal sieht, und dies überträgt sich auf den Betrachter. Normalerweise erwecken Rückansichten Neugier und Begehren, auch die Vorderseite zu erblicken. In diesem Fall jedoch wirkt die Szene so selbstverständlich, dass dies ausbleibt. Und so kann diese Frau ihrem Betrachter vertrauen, sogar so sehr, dass sie ihm den Rücken zuwendet.

Wenig haben die beiden besprochenen Frauenakte aus dem 17. und dem 21. Jahrhundert gemein. Susanna kämpft einen physisch aussichtlosen Kampf um ein Stückchen sie bedeckenden Stoffes und damit ihre Selbstbestimmtheit. Nur aufgrund der Annahme, sich in einem geschützten, weil privaten Raum zu befinden, hat sie sich entkleidet. Wehr- und hilflos macht sie dieser Zustand des Ausgezogenseins, der durch ihre abgelegten Kleider am Bildrand unterstrichen wird. 

Aurore hingegen hat vermutlich seit Stunden keine getragen, zumindest finden wir keinen Verweis innerhalb des Bildes oder Spuren davon auf ihrer Haut. Ihre Nacktheit wirkt in dieser Räumlichkeit völlig natürlich. Sie verlangt nach nichts. Unaufgeregt erscheint ihre bequeme Position auf der Liege, die den Eindruck erweckt, als würde die Zeit still stehen – wie eine Pause von unbestimmter Dauer – ein Dazwischen, das jedoch keinen Verweis auf das Vergangene oder Kommende liefert. Hochdramatisch hingegen inszeniert der Barockmaler den Höhepunkt der Geschichte, in dem er exakt den Moment der Entscheidung Susannas, sich dem Willen der Männer zu widersetzen, dem Betrachter vor Augen führt. 

Seit jeher zieht weibliche Nacktheit Blicke auf sich. Schon immer weckte weibliche Nacktheit Begehren. Der grundlegende Unterschied dieser beiden Bilder ist die Tatsache, ob diese weibliche Nacktheit den Blicken des Betrachters freiwillig preisgegeben wird oder nicht. 

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Lit.: Hans-Joachim Raupp (Hrsg.): Historien und Allegorien. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Münster 2010. S. 388-392.

http://www.jameslloyd.org.uk/

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100 Meisterwerke – Teil 11: Titus Schade & Edwaert Collier

 

„Kleine Petersburger Hängung“ betitelte Titus Schade im Jahr 2009 sein hochformatiges Gemälde. Er spielt damit auf eine seit der Renaissance, spätestens jedoch ab der Barockzeit sehr beliebte Art und Weise der Präsentation von Gemälden an. Salonhängung nannte man es auch, wenn von der Wand, an der die Bilder angebracht wurden, möglichst wenig zu sehen blieb und die Rahmen bisweilen sogar aneinanderstießen. Den Luxus zumindest etwas von der exquisit dunkelrot gehaltenen Hängefläche zu sehen, gönnt uns der Maler des 21. Jahrhunderts. Ansonsten geht er ähnlich eigenwillig wie Gemäldesammler in früheren Zeiten vor, die häufig ohne ersichtliches Konzept Bilder unterschiedlicher Gattungen, Schulen, Künstler und Formate miteinander kombinierten.

Titus Schade wählt eine moderne, aufgelockerte Variante dieser traditionsreichen Art der Gemäldeschau. Genauer gesagt: er schafft ein Bild davon. Er ist in unserem Fall nicht mehr der Besitzer sondern der Erschaffer der kleinen Bilder, die er in illusionistischer Manier mit Nagel und Aufhängung vor einem dunkelroten Untergrund präsentiert.

Betrachtet, ja nahezu argwöhnisch beobachtet, wird die gesamte Hängungsszenerie von einem männlichen, knapp gerahmten Antlitz, das über den anderen Bildern hängt. Zu der abweisenden Mimik trägt der mächtige Schnurrbart in nicht geringem Maße bei. Zu klein erscheint das Rundformat aufgrund der Bewegtheit des Kopfes, die diesen fast aus seinem Rahmen drängt. Stürmende Naturgewalten sprengen denn auch das Bildformat des darunter hängenden Landschaftsgemäldes. Ein fulminanter Windstoß scheint durch die untere Zone des hochaufgetürmten Wolkengebirges gefahren zu sein und über die kleingeduckte Ansiedlung hinwegzufegen. Ein gefährliches Lila wischt die Rahmenbegrenzung ohne Hindernisse beiseite.

Fast wie die Ruhe vor diesem Sturm wirkt der, trotz seiner Höhe fest auf dem Boden stehende Hochsitz des dritten hochrechteckigen Bildes. In spektakulärer Untersicht ist die Horizontlinie weit nach unten gezogen, sodass der Betrachter nicht erkennen kann, was es von dem erhöhten Standpunkt aus Interessantes zu sehen gäbe. Nur auf den ersten Blick scheint der umgebende Pflanzenbewuchs idyllisch. Der Lichteinfall hingegen verheißt nichts Gutes. Leicht surreal und in seiner strengen, funktionsfreien Geometrie auch nicht mehr als wirkliche Architektur wahrnehmbar ist das Gebäude im vierten runden Rahmen, das an einen sich spiegelnden, massiven Aussichtsturm erinnert.

Etwas ratlos steht man vor der Auswahl, die der Maler hier getroffen hat. Fast reflexartig sucht man nach einem roten Faden, der die Bilder in einen verständlichen Sinnzusammenhang brächte und ihre Verbindung zueinander entschlüsseln würde. Aber nichts dergleichen gesteht Schade seinem Betrachter zu. Phantasievolle Erklärungen gehören auch weniger zum Aufgabenbereich eines Malers, der sich selbst nicht als Künstler bezeichnet wissen will: „Ich mag den Ausdruck Künstler nicht, damit habe ich Probleme. Dann denke ich an so etwas wie einen Zauberkünstler oder Hochseilartisten.“ Er selbst nennt sich einen Bildermacher. Sein Tun versteht er als Handwerk, ein additives, sorgfältiges Verfahren, das ganz pragmatisch nach Zeit verlangt. Vermutlich ist es diese praktische, un-künstliche Herangehensweisen, die den Bildern, trotz ihrer teilweise spektakulären dynamischen Motive ihre Unaufgeregtheit verleiht. Im übertragenen Sinne fungiert Titus Schade als sein eigener Künstlerkurator. Letztendlich gestaltet er eine sehr individuelle Anordnung seiner Bilder, nur eben wiederum im Medium des Bildes.

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Edwaert Collier, „Quodlibet“ / Steckbrett, um 1706, 66 x 53,5 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Die Methode des illusionistischen Zusammenstellens mehrerer Gegenstände deren Zusammengehörigkeit oder tieferer Sinn sich dem Betrachter erschließen kann, oder auch nicht, betrieb ebenfalls ein anderer Künstler vor 300 Jahren. Er arrangiert jedoch nicht seine eigenen Bilder, sondern alltägliche beliebige Gegenstände, die anscheinend nicht einmal wegen ihrer besonderen Optik ausgesucht worden sind. „Quodlibet“ wird das Gemälde eines fiktiven Steckbrettes vom Beginn des 18. Jahrhunderts von Edwaert Collier betitelt. Wie es gefällt.

Augenscheinlich hat es dem Künstler gefallen, mehrere unterschiedliche Papiere sowie kleinere Objekte des täglichen Gebrauchs zusammen zu bringen. Hinter den rötlichen Lederstreifen, die über ein längsgemasertes Holzbrett gespannt sind, fällt mittig ein Zettel ins Auge, der die Adresse des Künstlers, die gleichzeitig als Signatur für dieses Gemälde fungiert, trägt. Links und rechts davon stecken zwei weitere Briefe, von denen der rechte noch ungeöffnet ist, was an dem ungebrochenen roten Siegel erkennbar wird. Darüber befindet sich eine gefaltete Ausgabe des Amsterdamer Courant mit Nachrichten über „Engeland“ und „Duytsland“ aus dem Jahr 1706, sowie der Abdruck der Parlamentsrede der englischen Königin Anne. Das Schriftstück hinter dem untersten Lederriemen ist mit „Custing“ beschriftet und dürfte eine Aufstellung von Kosten oder Spesen verzeichnen. Der Federkiel, das Federmesser sowie die Siegellackstange erklären sich aus dem Zusammenhang. Sie stellen unverzichtbare Utensilien für ein ordentliches Schriftbild dar. Der Hornkamm jedoch wirkt wie aus Versehen in diese Anordnung hineingeraten.

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Edwaert Collier, „Quodlibet“ / Steckbrett (Detail), um 1706, 66 x 53,5 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Koloristisch reduziert erscheint das Trompe-l’Oeil auf den ersten Blick. Die Fokussierung auf den Farbvierklang Braun, Rot, Schwarz und Weiß erzeugt jedoch keine Reduzierung der optischen Wirkung. Vielmehr wird das Auge geschärft sowohl für die detaillierte Feinheit mit der die unterschiedlichen Materialqualitäten und ihre Oberflächen wiedergegeben sind als auch den subtilen Einsatz der Farben. Das Rot findet sich neben der spiegelglatten Siegellackstange auch auf den gesiegelten Briefen wieder. Der braune Kamm wurde vielleicht deshalb vergessen in diesem Arrangement, weil er auf den ersten Blick nicht wahrgenommen wird aufgrund seines geringen Kontrastes zum hölzernen Untergrund. Gestochen scharf wird sowohl die elegante Handschrift als auch die sachlich gedruckte Schrift auf den weißen Papieren lesbar. Schon länger scheinen die Zeitungsblätter dort zu hängen, da sie bereits an den oberen Ecken Eselsohren ausgebildet haben. Feinste Schattenwürfe zeigen das Volumen des gefalteten Materials auf.

Überhaupt kann man sich des Eindruckes nicht erwehren als sei diese gesamte Komposition dazu da den Betrachter in keiner Weise glauben zu machen hier wäre etwas für ihn arrangiert worden. Fast schon einem Moodboard kommt die lose Ansammlung gleich: kleine Dinge, die von keinem allgemeinen Wert sind, für den Künstler aber von Bedeutung sind. Einer Bedeutung, die sich jedoch nur ihm allein erschließt. Vielleicht ist diese Tatsache durch die so dominant angebrachte Signatur des Malers, um die herum sich alles präsentiert, zum Ausdruck gebracht. Letztendlich ist er der Einzige, der den Inhalt der Schriftstücke kennt, und somit auch ihre vielleicht versteckten Sinnzusammenhänge.

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Edwaert Collier, „Quodlibet“ / Steckbrett (Detail), um 1706, 66 x 53,5 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Sowohl der Künstler des 21. Jahrhunderts als auch der des beginnenden 18. Jahrhunderts konfrontieren uns demnach mit einer sehr persönlichen Auswahl von Dingen. Collier hinterlässt den Hinweis auf seine Autorschaft zwar subtil, aber dennoch unmissverständlich in der Mitte seines Gemäldes. Titus Schade wählt dazu naheliegend Bilder, die Motive aus seinem malerischen Fundus zeigen.

Beiden Kunstwerken ist gemein, dass sie auf den ersten Blick nichts Rätselhaftes oder Unverständliches aufzeigen: kleine gerahmte Bilder unterschiedlicher Malereigattungen sowie Schriftstücke unterschiedlicher Art und deren Handwerkszeug.

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Edwaert Collier, „Quodlibet“ / Steckbrett, um 1706, 66 x 53,5 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche

Verwirrend an den zwei Gemälden ist die Tatsache, dass jedes Detail für sich verstanden werden kann, erst die Kombination durch die Künstlerhand lässt den Betrachter rätseln. Ein wichtiger Kunstgriff ist dabei natürlich auch die jeweilige Ordnung noch zusätzlich durch eine kleinen Störfaktor aus der Balance zu bringen. Bei Schade übernimmt diesen Part das kleine Landschaftsgemälde, das sich keiner begrenzenden Rahmung unterwirft, bei Collier ist es der Kamm, der nicht zu der Funktionalität der übrigen Gegenstände passt. Das Betrachten von Zusammenhängen gilt für gewöhnlich als verständnisstiftend. Hier ist das Gegenteil der Fall. Erst das Zusammenspiel der jeweiligen Einzelteile erzeugt eine neue, inhaltliche Aussage, die sich nicht immer zwingend dem Betrachter erschließen muss, sondern ihn vielleicht sogar ratlos zurücklässt. Durch diese Vorgehensweise sind die beiden Künstler nah am Prinzip der Petersburger Hängung, das ja namensgebend für Schades Gemälde war. Hier ging es häufig ebenfalls nicht um das einzelne Werk, sondern vielmehr darum den Besucher solcher Kunsträume durch die schiere Anzahl des Gesammelten zu beeindrucken. In der Gesamtschau der Gemälde konnten sich der persönliche Geschmack und die subjektiven Vorlieben des Sammlers widerspiegeln, die jedoch ebenfalls nicht immer vollständig zu enträtseln waren.

Wie verwirrend angenehm, dass manchmal zwar das große Ganze mehr zählt als das Detail, die Sache dadurch aber auch nicht verständlicher wird. Welch ein Affront in unserer erklärungswütigen Zeit.

Lit.:

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Stilleben und Tierstücke. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 2004. S. 94-97.

http://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/titus-schade/ (Zugriff am 10. Juli 2017)

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Titus Schade: http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=989&clang=0

100 Meisterwerke – Teil 9: Martin Eder & Ottmar Elliger d. J.

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Ottmar Ellinger d. J., „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe”, um 1725, Öl auf Holz, 64,3 x 68,5 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 Aus feministischer Sicht ist die folgende Erzählung, die zu einer der berühmtesten gehört, wenn es um die Wertschätzung der Malerei geht, unerträglich. Alexander der Große verschenkt aus Hochachtung seinem Hofmaler Apelles gegenüber, die eigene Geliebte an das Künstlergenie, als dieser sich während einer Modellsitzung in Kampaspe verliebt hat. Die Frau, die in dieser Geschichte lediglich aufgrund ihrer äußeren Vorzüge überhaupt eine Rolle zu spielen scheint, darf ausschließlich passiv agieren. Sie wird erwählt, sie wird gemalt, sie wird verschenkt. Sie muss gehorchen.

“Als Alexander nämlich veranlasst hatte, dass eine von ihm ganz besonders geliebte Nebenfrau, namens Kampaspe wegen ihrer bewunderungswürdigen Gestalt von Apelles nackt gemalt werde, und dabei beobachtete, dass dieser, indem er gehorchte, selbst in Liebe entbrannte, gab er sie ihm zum Geschenk – groß durch seine Gesinnung, noch größer durch seine Selbstbeherrschung und durch diese Tat nicht weniger bedeutend als durch irgendeinen anderen Sieg.”

Leicht fällt es uns Heutigen nicht, diese Tatsache der völligen Missachtung der freien Entscheidung einer Frau hintanzustellen. Um zum damalig intendierten Kern der Geschichte vorzudringen, wollen wir es dennoch versuchen.

Der Autor, der die Anekdote der Nachwelt überliefert hat, ist der antike Schriftsteller Plinius der Ältere, der im 35. Buch seiner naturalis historia im 1. Jhd. n. Chr. einen Überblick über die Kunstszene der Antike gibt. Im Stil einer Eloge reiht er eine Anekdote an die nächste, die allesamt nichts anderes zum Ziel haben, als die Vorrangstellung Apelles’ innerhalb der Künstlerschaft seiner Zeit hervorzuheben. Durch die Tatsache, dass eine Frau, die vorher die Geliebte des größten Herrschers ihrer Zeit war, nun die Geliebte des größten Künstlers ist, wird seine Überlegenheit unmissverständlich verdeutlicht. Der König und der Künstler stehen damit, verbunden in der Verbundenheit an eine Frau, auf Augenhöhe.

Zahlreich sind in der Kunstgeschichte die Darstellungen, die sich diese Szene von Plinius zum Vorbild genommen haben. Ermöglichte die Geschichte dem Maler doch aus dem Vollen zu schöpfen, da große menschliche Themen angesprochen werden: Liebe, Schönheit, Heldentum und Verzicht. Um so mehr erstaunt, es welche Variante der Auslegung des Textes Ottmar Elliger d.J. gewählt hat.

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Ottmar Ellinger d. J., „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe” (Detail), um 1725, Öl auf Holz, 64,3 x 68,5 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Beim ersten Blick muss der Betrachter sich in diesem Gemälde „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe“,  das um das Jahr 1725 entstanden ist, erst orientieren. Ein großer, mit reichem Aufwand ausstaffierter Saal unbestimmten Ausmaßes erschließt sich durch das variantenreiche Licht- und Schattenspiel nach und nach, bis das Auge im Zentrum der Komposition an der hellsten Stelle inne hält. Hier lagert die nur von zarten, leicht transparenten Stoffen umhüllte Kampaspe auf einer kostbar mit silbrig glänzender Seide bedeckten Ruhestätte, die sich durch ein großes Podest sanft erhöht in der Mitte des Raumes befindet. In sfumatohafter Auflösung zeigt ein begonnenes Gemälde, das neben dem Bett steht, den eigentlichen Grund der Anwesenheit der schönen Geliebten: sie diente als Modell für die Darstellung der Venus. Daneben steht ein goldgerahmter Prunkspiegel als Symbol der Liebesgöttin. Mit ihrer Linken lüftet die Freundin des Königs elegant das silbrige Tuch, während sie sich mit ihrer Rechten auf der Liege aufstützt, um mit leicht nach links gewandtem Haupt erstaunt die Szene zu beobachten, die sich zu ihrer Rechten abspielt.

In demütiger Haltung ist der bereits ergraute, hochgeschätzte Künstler Apelles, in der Linken noch seine Farbpalette haltend, vor seinem Herren in die Knie gesunken, um nun eben nicht dessen Geliebte, sondern statt derer, eine Ehrenmedaille des Königs dankbar in Empfang zu nehmen. Noch im Herangehen begriffen, steht Alexander als einziger der drei Protagonisten nicht auf dem runden Podest, überragt aber allein schon durch seine Körpergröße den Künstler. In majestätisches Rot gekleidet, der Farbe der Mächtigen schlechthin, mit goldbesetzter Rüstung und opulentem Federputz wird er unmissverständlich als siegreicher Feldherr dargestellt.

Geehrt und dennoch nur wie ein Statist zwischen den beiden Hauptfiguren von Kampaspe und Alexander, die durch Kolorit, Lichteinfall und erhöhte Positionierung dominieren, wirkt der Künstler. Fast kommt dies einer Degradierung gleich, die sich ja zudem durch das Vorenthalten der königlichen Geliebten am dringlichsten ausdrückt.

Durch eine raffinierte, theaterhafte Lichtregie gehen die Protagonisten dieser Handlung nicht in der Fülle der Ausstattungsdetails unter, sondern werden bühnenhaft hervorgehoben. Wie rahmendes und kommentierendes Beiwerk mutet das vielfältige Szenario aus Statuen, sich balgenden Putten, gebauschten Draperien und Blumenkränzen an, das sich in dieser an Theaterkulissen erinnernden Architektur findet. Aufgrund der Heterogenität der Innenausstattung ist an eine Melange aus Atelier und Thronsaal zu denken, die eher der Künstlerphantasie entsprungen scheint, als dass sie eine reale Architektur nachbilden würde. Noch üppig schwelgend in barocker Ausstattungspracht, bereichert Elliger durch das zarte Kolorit vor allem die hinteren Partien des Raumes mit einer rokokohaften Leichtigkeit.

Noch erstaunlicher jedoch als dieser individuelle Umgang mit traditionellen und innovativen Formelementen ist Elligers bildliche Umsetzung der antiken Textquelle. Keinen Zweifel lässt Plinius daran, von welcher Art die Auszeichnung des Herrschenden für seinen geschätzten Hofmaler war, der im übrigen als einziger das Privileg hatte, den König zu porträtieren. (Auch ein Alexander der Große betrieb vor mehr als 2000 Jahren bereits Imagepflege!). Abweichend nun jedoch von dieser Textvorlage empfängt der dankbare Apelles nicht die Geliebte, sondern eine Medaille mit dem Konterfei des Herrschers. Eine derartige Abwendung vom historischen Text lässt sich vermutlich nur durch den expliziten Wunsch des Auftraggebers, dem dieses Thema zu pikant erschienen war, erklären. Aus diesem Grund vermutet Hans-Joachim Raupp keinen weltlichen, sondern einen geistlichen Fürsten, der die frivolste Stelle der Geschichte nun durch seinen eigenen Künstler moralisch zähmen ließ.

Eindeutig und nicht ambivalent erscheint auf den ersten Blick hingegen Martin Eders nackte Schöne aus dem Jahr 2010, die den vielsagenden Titel „Reinigung“ trägt. Auch hier könnten nun Feministinnen auf den Plan gerufen werden mit dem seit den 80er Jahren bekannten Schlachtruf „Do women have to be naked to get into the museum?“, der auf das eklatante Missverhältnis von weiblichen Aktdarstellungen und weiblicher Künstlerschaft in den Ausstellungsinstitutionen rund um den Globus anspielt.

Nun scheint es jedoch so, dass, anders als in der Erzählung des Plinius, diese zeitgenössische Dame sich ihrer selbst bewusst und eigenständig entschieden hat, in diesem Aufzug gemalt zu werden. Ob nackte Haut und Feminismus vereinbar sind, wird im 21. Jahrhundert heftig diskutiert. Martin Eders Modell hat sich diese Frage bereits beantwortet. Hier ist die Frau die Entscheidungsträgerin.

Nach links gerichtet, wendet sie ihr Gesicht dem Betrachter zu. Die bis zur Hüfte Dargestellte hat lediglich ein dunkles Cape über Kopf und Schultern gelegt, das vorne geöffnet, den Blick auf Brust und Bauch gestattet. In Händen hält sie einen Stab, den sie zwischen ihre nackte Brust und das Schlüsselbein gelehnt hat. Fulminant durchschneidet dieser diagonal das gesamte Hochformat der Komposition. Unverwandt ist ihr nicht unfreundlicher, aber durchdringender Blick aus dunklen Augen auf den Betrachter gerichtet. Nichts an dieser Darstellung erscheint uns passiv. Die aufrechte Pose, der gerade Blick sowie der feste Griff um einen Gegenstand, der durchaus auch zur Verteidigung dienen könnte, lässt keinen Zweifel daran, dass diese Frau nicht nur über ein gutes Aussehen verfügt.

Leicht verständlich und vertraut wirken Eders Bilder auf den ersten Blick. Früher waren es Kätzchen mit großen niedlichen Augen, danach kamen die leicht bekleideten Frauen, die vielleicht die Phantasie des Betrachters anregten, aber von diesem kein überbordendes ikonografisches Vorwissen verlangten.

Schnell ließe sich das Kitschverdikt über diesen Bildern ausgießen. „Wenn Du meine Bilder anschaust, dann weiß ich ganz genau, was sich in Deinem Gehirn abspielen soll“ sagt selbstbewusst der Künstler. Wir könnten ihm sicher den Gefallen tun angesichts dieser leicht bekleideten Dame, die mit Hirtenstab und geöffnetem Cape der Phantasie Tür und Tor öffnet. Aber reicht im 21. Jahrhundert tatsächlich ein halbbekleideter Frauenakt mit dem Titel „Reinigung“ aus, um ein Gemälde als kitschig zu verurteilten? Wer ist der Richter über Kitsch oder große Kunst? Machen wir es uns als Betrachter tatsächlich so einfach und tappen in die so offensichtlich ausgelegte Falle?

Die Vieldeutigkeit ist vielleicht das einzige Qualitätskriterium, das der zeitgenössischen Kunst geblieben ist, und diese große Chance sollten wir als Betrachter auch nutzen. Nicht nur die abstrakte Kunst ist in der Lage Ambivalenzen in ihrer Interpretation hervorzurufen, auch die klassischste aller Gattungen, die figurative Malerei kann das. Sie verlangt nur dem Betrachter mehr ab, da er erst einmal hinter das scheinbar Vertraute, von der Gesellschaft einvernehmlich Konnotierte, blicken muss, um festzustellen, dass das Vertraute nur vertraut scheint. In Wahrheit ist es genau das Gegenteil. „Die dünne permeable Membran zwischen einem Zustand und dessen vermeintlichem Gegenteil“ reizt Eder bei seiner Motivwahl. Auf welche Weise man den Blick, das Aussehen und die Intention dieser Frau nun deuten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Eine subtile Fähigkeit zur Ambiguität, zur Verunsicherung kann diesem Bild aber in jedem Fall nicht abgesprochen werden. Denn auch das sagt Martin Eder: „Ich mag es, wenn Bilder sich nicht schnell erklären. Das überlasse ich lieber den anderen.“

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Ottmar Ellinger d. J., „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe”, um 1725, Öl auf Holz, 64,3 x 68,5 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Ottmar Elliger spielt ebenfalls, wenn auch auf einer anderen Ebene, äußerst versiert auf der Klaviatur der Vieldeutigkeit. Er wählt sich einen wohlbekannten antiken Stoff, bricht dann jedoch die vorauseilende Erwartung des Betrachters in der Negierung der üblichen Ikonografie des Themas. Erstaunlicher als die eigenwillige Abwandlung der Textvorlage erscheint die Darstellung Kampaspes, die zwar passiv das Geschehen der beiden Männer beobachtet, aber dennoch die eigentliche Hauptfigur des Gemäldes ist. In weiblicher Anmut kann sie sich als Gegenpart zu dem kriegerisch-männlichen Alexander behaupten. Nicht die etwas eingezwängt wirkende Figur des Künstlers, sondern die stolze Geliebte, steht kompositorisch auf Augenhöhe mit Alexander mittig in die Bilderzählung gerückt. Historisch überlieferte weibliche Schwäche verwandelt Elliger in eine subtile Bilddominanz. Aus feministischer Sicht wäre dies sicher als Teilsieg zu verbuchen.

Literatur:

C. Plinius secundus d.Ä.: Naturkunde/Naturalis historiae. Farben, Malerei, Plastik. Buch/Libri 35. Hrsg. und übers. von Roderich König in Zus. m. Gerhard Winkler. München 1978.

Hans-Joachim Raupp (Hrsg.): Historien und Allegorien. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Münster 2010. S. 130-135.

Ausst. Kat.: Die kalte Kraft. Martin Eder. Ostfildern 2004.

 

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=99&clang=0

 

KUNST IST LEBENSLUST – Thomas Rusche trifft die Künstlerin Cornelia Schleime

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.'' Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.” Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Foto, Lars Beusker

Die Hannah-Höch-Preisträgerin Cornelia Schleime gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen Deutschlands. Von der Stasi bespitzelt hat sie noch vor der Wende rübergemacht. Bei der Ausreise musste sie ihr Frühwerk zurücklassen; die über 90 Werke sind bis heute verschollen. Im Westen wird Cornelia Schleime in namhaften Museen ausgestellt. Cornelia Schleime ist nicht nur eine meisterhafte Malerin, sondern zugleich auch experimentelle Performancekünstlerin, Punkrockerin und erfolgreiche Buchautorin. In der SØR Rusche Sammlung befinden sich einige Lieblingswerke der Künstlerin. Kunstsammler und SØR Inhaber Thomas Rusche traf die zarte Powerfrau in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag” in der Berlinischen Galerie zum Gespräch.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung  ,,Ein Wimpernschlag'', die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag”, die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist. Foto, Lars Beusker

TR: Was bereitet Dir im Leben besondere Lust?

CS: Das Reisen in ferne Länder. Für die ersten drei Tage buche ich immer ein festes Quartier, um mental anzukommen, die Distanz zu realisieren, mich auf das Klima einzustellen, aber dann geht es ins Floating, voller Neugierde ins Ungewisse. Zu jeder Reise nehme ich immer ein leeres Buch mit und zeichne, aquarelliere, collagiere dort hinein. Ich bin grade aus Kreta zurückgekommen wo es nur geregnet hat, das hat meinem Buch aber keinen Abbruch getan. An die zweihundert Seiten sind entstanden, Zeichnungen von Klöstern, Skulpturen, Hafenanlagen, Tagebuchnotizen,übermalten Fotografien usw. Ich habe bislang sehr viele dieser Reisetagebücher gemacht, die so etwas wie Trophäen für mich sind. Andere gehen zur Großwildjagd. Ich gehe auf Bilderjagd.

TR: Welche Bedeutung spielt die Kunst in Deinem Leben?

CS: Jeder der mich kennt, weiß, dass die Kunst nicht nur eine Rolle in meinem Leben spielt. Sie ist mein Raum, meine Luft zum Atmen. Leben und Kunst lassen sich bei mir nicht trennen. Denn alles was ich wahrnehme, erzeugt Bilder in mir, die ich umsetzen muss. Durch sie kann ich mich von der realen Welt abgrenzen, die ich manchmal nur schwer ertrage. Ich schaffe mir durch die Kunst meine eigene Welt. Ich habe ein Bildgehirn, alles bleibt gespeichert. Ganz anders mit Namen, sie pulverisieren sich in meinem Kopf und fallen wie das Mehl durchs Sieb.

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

TR: Bereitet Dir die Kunst Lust?

CS: Natürlich, ich arbeite ja aus dem Lustprinzip heraus, aus der Sinnlichkeit, die der Umgang von Farben mit sich bringt, aus den Strukturen die dabei entstehen, aus den Schichten hinter denen sich etwas verbergen kann. Malerei ist für mich ein gro.es Geheimnis, was sich nie lüftet, wie Schalen, die man Stück für Stück freilegt, um auf einen Kern zu treffen.

TR: Leidest Du auch an der Kunst?

CS: Ich habe noch nie an der Kunst gelitten. Nur an schlechter Kunst, die ich manchmal sehe und wenn sie größer sein will als sie ist.

TR: Wie entstehen Deine Werke? Schnell und intuitiv oder – als geplanter Prozess?

CS: Meine Arbeiten entstehen immer intuitiv. Wenn ich jedoch länger an einem Thema dran bleibe, kommen Überlegungen hinzu, Grenzen auszureizen.

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

TR: Du sprühst vor Leidenschaft. Was ist die Quelle Deiner Leidenschaft?

CS: Die Quelle ist die Suche nach innerer Schönheit, nicht der geschenkten Schönheit, sondern jener, die durch Erfahrung entsteht. Leidenschaft bedeutet für mich, sich einer Sache voll hinzugeben, jegliches Risiko in Kauf zu nehmen. Als ich vor ein paar Jahren meine Porno-Erotik-Zeichnungen gemacht habe, hatte ich in dieser Zeit keinen Sex. Beides würde für mich nicht gehen. In dem ich keinen Sex hatte, wurden diese Zeichnungen zwingend für mich. Das ist für mich Dialektik: ich kann nicht hier ein bißchen fummeln und da ein bißchen kritzeln. Das was ich tue, muss ich absolut tun. Ich hasse Ambivalenzen!

TR: Erkennst Du in Deinem Kunstschaffen einen roten Faden?

CS: Mein roter Faden ist die Poesie, das Provokante, Irritierende, das Düstere, das Lichte, mit der Umschiffung der Mitte, die mir nicht liegt.

TR: Hat er sich im Laufe Deiner wechselvollen Lebensgeschichte verändert?

CS: Nein, ich wußte schon mit 18 Jahren was ich wollte, hatte nur noch nicht die künstlerischen Mittel dies auch umzusetzen. Aber wo ich diesen roten Faden hinspinnen soll, dass war mir damals schon klar.

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

TR: Wie haben die Schicksalsschläge, aber auch die lebenslustigen Ereignisse Deines Lebens Dein Kunstschaffen beeinflusst?

CS: Ich habe mal gesagt: „Das Leben ist mein Goldkoffer“ und damit meinte ich auch die negativen Erfahrungen, die ich machen musste, denn gerade sie wollte ich durch Kunst verwandeln in etwas Positives, Fantastisches. Hätte ich nur Positives erlebt, ich wüsste nicht, wie meine Kunst aussehen sollte, glatt, harmlos, beliebig, einfallslos? Nein, gerade das Negative war der stärkste Motor und hat in mir eine Kraft mobilisiert, dem etwas entgegenzusetzen.

TR: Du bist Ende des vergangenen Jahres mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für Dein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Wie fühlt sich das für Dich an und hat sich etwas dadurchin Deinem Leben und Schaffen verändert?

CS: Der Preis hat mich sehr geehrt, vor allem, dass ich ihn in meiner Heimatstadt Berlin bekommen habe. Es ist für mich auch eine Bestätigung, dass mein Weg der richtige war. Ich erinnere mich noch an Zeiten Ende der 80iger Jahre, wo Malerei als out galt, wo man mir sagte, ich sei von vorgestern. Es war die Zeit von Konzeptkunst. Ich hatte mir einfach die Ohren zugehalten und natürlich weitergemalt.

Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

,, In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert.” Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

TR: Was für eine Beziehung hast Du zu Deinen Bildern? Viele befinden sich in Deinem Privatbesitz  so, als würdest Du sie ungern los lassen?

CS: Die Beziehung zu meinen Bildern ist so eng, dass ich sie als meine Brüder und Schwestern empfinde, die ich nie hatte. Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich. Für Dich habe ich eine Ausnahme gemacht und Dir mein Lieblings Papstbild (Woitila) und ein Mädchenporträt verkauft, was ich für mich zurück gelegt hatte, weil ich Deine Kunstsammlung so hervorragend finde. Ich wusste, das sie bei Dir ein gutes zu Hause bekommen, so konnte ich sie loslassen. Das war wirklich eine einmalige Ausnahme und ich habe mich sehr gefreut, sie immer mal wieder in Deinen Ausstellungen zu sehen und mir wurde dabei klar, dass dies genau die richtige Entscheidung war.

Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

,,Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich.” Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

TR: Du hast ein Atelier in Berlin und eines auf dem Land bei Neuruppin. Wo bist Du mehr und wo bist Du lieber? Und nehmen die zwei unterschiedlichen Orte Einfluss auf Deinen Schaffensprozess?

CS: Ich bin mehr auf dem Land, da ich mir dort ein Refugium geschaffen habe, wo ich absolut konzentriert arbeiten kann. Ohne Störungen, ohne viel Besuche. Ich habe dort sehr große lichte Räume, mit bis zum Teil 7m Deckenhöhe. Das brauche ich auch, um an meinen größeren Leinwandbildern zu arbeiten. In Berlin habe ich ein Wohnatelier und verbinde meine Aufenthalte gerne mit Terminen, die ich in der Stadt habe. In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert. Würde ich auf dem Land zeichnen, hätte ich das Gefühl, meine Energie verfängt sich im Deckenbalken, ehe ich den ersten Strich gemacht habe. Aber hier in Berlin kann ich gut switchen, zwischen spitzer Feder und einem Meeting in der Stadt. Die Papierarbeiten entstehen bei mir sehr schnell, hingegen die großen Leinwände über Monate bearbeitet werden.

TR: Welche Bedeutung spielt für Dich die Mode in Deinem Leben? Steigert sie Deine Lebenslust?

CS: Es ist nicht der Begriff der Mode, der eine Bedeutung für mich hat, sondern ich liebe es, mich durch Kleidung zu verwandeln, aus den Malklamotten heraus eine Andere zu werden. Wie ich mich grade fühle: mal rockig in Leder, mal in Seide elegant, mal verspielt, mal streng, wie es mir grade passt. Ich habe vier Kleiderschränke, welche Schande!! Die schönste Mode ist für mich immer noch im Film „Jenseits von Afrika“ zu sehen.

Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

,, Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte.” Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

TR: Du hattest früher eine Punkband, wie viel Punk steckt heute noch in Dir?

CS: Wieviel Punk in mir steckt würde jeder merken, wenn er mich akustisch mit meiner Reibeisenstimme hört. Ich bin auch noch widerspenstig, wie ich es als Jugendliche war und habe meinen eigenen Kopf, sage frei heraus was mir nicht passt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte. Ich finde das Glatte oft eisig. Ich bin aber warm und will es vom Herzen auch bleiben. Harte Schale, weicher Kern, so würde ich mich beschreiben. Und auch was meine Kleidung angeht, mixe ich manchmal Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören: ein Pailettenkleid mit derben Boots.

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Cornelia Schleime im Shooting mit dem Fotografen Lars Beusker. Hut von Ellen Paulssen https://shop.soer-online.de/WOMAN/ACCESSOIRES/Ellen-Paulssen-Hut_16366.html, Blazer von NVSCO https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17835/sCategory/489 , Bluse von Herzensangelegenheit https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17761 und eine Jeans von Cambio https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17677, Foto SØR

TR: Was sind für Dich die wichtigsten Fashion-Items im Frühjahr/ Sommer 2017?

CS: Ich liebe Muster und Materialmix – Jeans mit feinem Kaschmir, Spitze mit groben Leinen und Streifen- mit Blumenmuster zu kombinieren. Bevorzugt werden bei mir körpernahe Schnitte wie bei den aktuellen schmalen Cambio Hosen.  Tiefe Einblicke ins Dekollet. sind nicht mein Ding, lieber kleine Stehkragen oder opulente Schleifen und Schluppen. Kleine freche Hüte mag ich besonders, die frischen jedes Outfit auf.  Pink ist ist in meinem Schrank verboten, lieber ein verwaschenes rosé, Blautöne von dunkel bis hell und vor allem viel weiß- altweiß.  Na, ja, ich bin auch nicht mehr die Jüngste! Schuhe am liebsten spitz, im Germaschen- Stil, mit einem mittelhohen Absatz. Mädchenhaft, elegant, ich will ja jünger aussehen als ich bin…

Und eines hoffe ich ganz besonders für den Modesommer 2017, dass bald die Brikettsohlen an den Frauenfüßen verschwinden. Nichts gegen Plateau, aber bitte elegant abgeschrägt!

TR: Vielen Dank liebe Cornelia!

Cornelia Schleime - Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung) ISBN 978-3-7356-0293-0 23,00 x 27,00 cm 156 Seiten 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch Kerber Verlag 35,00 € Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin www.berlinischegalerie.de

Cornelia Schleime – Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung)
ISBN 978-3-7356-0293-0, 23,00 x 27,00 cm, 156 Seiten, 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch
Kerber Verlag 35,00 €
Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in
der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de

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100 MEISTERWERKE – TEIL 3: Cornelia Schleime & Jacob van Mosscher

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Cornelia Schleime, Mädchenportrait, 1998, 145 x 120 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie nimmt ein Blatt in den Mund. Sehr nonchalant, wie es nur ein Mädchen von der Hand Cornelia Schleimes tun kann.

Nahsichtig, das quadratische Bildformat nahezu ausfüllend, konfrontiert uns dieses sympathische Mädchenwesen mit seiner Freundlichkeit. In klassischer nach links gewandter Porträtansicht wird sie in höchst unklassischer Technik präsentiert: keine glatte Lasur sondern eine durch Asphalt und Schellack aufgeworfene, teilweise fleckenhaft verdunkelte Farboberfläche bricht das liebliche Motiv. Man kann gar nicht anders als ihr lächelnd zu begegnen. Der Schalk steckt nicht nur unsichtbar unter den kurzgeschnittenen, braunen Haselnusslocken im Nacken, sondern sitzt ihr auch sichtbar in den hübschen Augenwinkeln. Es ist erstaunlich auf welch elegante Weise, der sie sich selbst noch nicht bewusst ist, ihr anmutiges Lächeln durch das horizontal geschwungene Blatt über die gesamte Komposition hinweg verteilt. Adrett ist sie zurechtgemacht: mit ihrer exakten Haartolle, dem weißen Kragen und dem himmelblauen Kleid scheint sie von ebensolch adretter Gemütsverfassung zu sein. Keine Scheu, kein Arg ist erkennbar, kein Unwillen von uns betrachtet zu werden. Wenn das in der letzten Zeit allzu sehr strapazierte Wort der Authentizität auf jemanden angewandt werden dürfte, dann auf dieses Mädchen. Laut der Künstlerin hat sich ihr Bildmotiv die Freiheit dieses Blatt in den Mund zu stecken, einfach selbst herausgenommen und davon auch kein großes Aufheben gemacht. Ein Grund vermutlich, warum dieser Gegenstand so völlig selbstverständlich zwischen ihren Lippen wirkt. „Kunst“, sagt Cornelia Schleime, „ist auch immer etwas um den Abstand zum Realen zu definieren. Etwas zu machen, was eigentlich nicht gebraucht wird.“ Besser und bildlicher könnte man es unserem Mädchen nicht in den Mund legen.

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Diego Velazquez, “Infanta Margarita Teresa in a Blue Dress,” 1659

In welcher Ahnenreihe steht nun ein Mädchenporträt der Künstlerin, die in diesem Jahr den ehrenvollen Hannah Höch Preis erhält? Von sich selbst sagt Cornelia Schleime die Heroen der Kunstgeschichte zu lieben und stellt sich damit „bewusst in den Kontext der durch Männer geprägten Traditionslinie der Malerei“. Wagen wir also einen kleinen Rückblick auf die sonst stets von Männerhand geschaffenen Mädchenschönheiten, auch wenn zu befürchten steht, dass das Unsrige fröhlich aber bestimmt aus dieser Reihe treten würde, mit seinem Blatt fest zwischen den Zähnen. Nur nebenbei gesagt, so lang wäre diese Reihe aus der sie heraustreten könnte, nicht. Wann wurde je ein Mädchen um seiner selbst Willen dargestellt, von einem Mädchen mit einem Blatt im Mund noch gar nicht zu reden? Kinder oder Heranwachsende, noch dazu Mädchen, finden bis ins 17. Jahrhundert in der Kunstgeschichte nur ihren Platz, wenn sie von genealogischer Wichtigkeit waren.

In ihrer direkten Selbstbewusstheit erinnert das Blattmädchen denn auch an die stolze kleine Infantin Margarita Teresa, die von niemandem je so verletzlich und stark ins Gedächtnis der Betrachter gebannt wurde wie von Diego Velazquez. Wusste eine spanische Habsburgerin im 17. Jahrhundert welche politische Last auf ihren Schultern ruhte, so weiß unser Mädchen, dass es sich nur mit Blatt im Munde dem Betrachterauge stellen will. 

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Ferdinand Georg Waldmüller, Kleines Mädchen, in einem von Weinlaub umrankten Fenster (um 1830)

In ihrer Fröhlichkeit hingegen scheint das Schleime Mädchen verschwistert mit den vielen freundlichen naturverbunden Mädchen, die vor allem die deutsche Genremalerei des 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Das kleine artige Mädchen in der Weinlaube eines Ferdinand Georg Waldmüller würde jedoch nie auf  den Gedanken kommen eines dieser sie umrankenden Blättchen kurzerhand in den Mund zu stecken. 

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François Boucher, Junge Frau mit einem Rosenstrauss, (um 1750)

Sowohl an den strengen Damen im Halbprofil mit exakter Flechtfrisur der Frührenaissance, deren eleganten Nachfolgerinnen des ausgehenden 16. Jahrhunderts sowie den üppigen Frauen des Barock scheint unser Mädchen ebenso lächelnd vorbei geschritten zu sein wie an den stets leicht frivolen Schäferinnen des Rokoko, mit denen sie ja zumindest ihre augenscheinliche Liebe zur Natur gemein hätte. Aus phänotypischer Perspektive dürften wir hier eine Parallele sehen, genotypisch jedoch haben diese beiden künstlerischen Verbindungen von junger Weiblichkeit und Natur nicht viel gemein.

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Cornelia Schleime, Mädchenportrait (Detail), 1998, 145 x 120 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Dient der Rokokodame die Natur stets ihrem Schmuck und Vergnügen, so scheint es Cornelia Schleimes Mädchen eine persönliche Notwendigkeit von großer Wichtigkeit gewesen zu sein, sich mit dem grünen Attribut auszustatten. Ein normales, schlichtes Blatt wählte sie dazu, keine dekorative Rose oder eine andere exotische Blume, sondern ein Blatt, das in seiner alltäglichen Schlichtheit nicht über sich hinausweist und auch keine weiterführenden Schlussfolgerungen erlaubt. 

Genauso war es vor einigen Jahren der Künstlerin eine höchst eigensinnige und nicht erläuterungsbedürftige Notwendigkeit, dieses Bild, das sie im Messestand ihrer Galerie auf der Art Cologne der Öffentlichkeit zum Erwerb preisgegeben sah, kurzerhand selbst in ihren Privatbesitz zurückzukaufen.

 Cornelia Schleime ist eine Malerin, die keine Phobie vor dem Wort „Schönheit“ hat, sonst gäbe es vermutlich auch nicht eine derart große Anzahl anmutiger Mädchen in ihrem Oeuvre, bekanntlich ja durch viele Epochen hindurch DAS Synonym für Schönheit schlechthin. Hingegen hegt sie gewisse Vorbehalte gegen eine Kunst die dem Zeitgeschehen zu sklavisch verhaftet ist. Neben den kleineren Aquarellformaten, in denen der Malerin die verschlungenen Zöpfe der Mädchen in Gesellschaft ihrer Hasen und Füchse einfach so zufliegen, braucht sie die Großformate um sich „selber lebendig zu erhalten.“ Die Künstlerin sagt von sich selbst ein einziger Widerspruch zu sein. Eine Aussage, die sich auch in der Erschaffung dieses Mädchenbildes widerspiegelt: ein Motiv, wie es lieblicher nicht sein könnte mit einer kleinen frechen Zutat versehen, wird von ihr nach dem malerischen Farbprozess mit Schellack und Asphalt übergossen und damit einem chemischen Prozess ausgesetzt von dem die Künstlerin nie wissen kann welches Ergebnis er letztendlich hinterlassen wird, ob er das gerade Entstandene nicht vielleicht sogar zerstören wird. Cornelia Schleime zeigt hier radikal die Ambivalenz ihres Kunstschaffens auf, das vom fürsorglichen, die Privatsphäre des Bildes schützenden Rückerwerb bis hin zur in Kauf genommenen Zerstörung reicht.

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Jacob van Mosscher, Rastendes Bauernpaar unter hohen Bäumen, nach 1640, 47,5 x 65 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Vermutlich wäre Jacob van Mosscher beim Malen seines „Rastenden Bauernpaares unter hohen Bäumen“ nicht auf diese Idee gekommen. Von Ambivalenzen, Widersprüchlichkeiten oder gar Zerstörung scheint dieses Gemälde des 17. Jahrhunderts weit entfernt. Entspricht es doch vielmehr dem typischen Geschmack dieser Zeit. Erst knappe 200 Jahre zuvor hatte die Landschaft als Motiv sich dergestalt emanzipiert, dass sie nun ohne oder nur mit kleiner Figurenstaffage alleinig bildwürdig geworden war. 

Die holländische Ausprägung dieser Gattung im 17. Jahrhundert ist keine laute, spektakuläre, die Idealansichten mit effektvollen Naturspektakeln komponiert. Stattdessen haben die Maler ein feines Auge und Gespür für das eigentümliche und einmalige der ihnen durch ihren eigenen Alltag bekannten Umgebung ausgebildet.

Um die subtilen Farbnuancen der heimischen, niederländischen Gegend mit dem Pinsel einzufangen, bedarf es zudem einer sorgfältigen malerischen Vorgehensweise.

Mögen diese Gemälde für das Auge des heutigen Betrachters auf den ersten Blick vielleicht eintönig aufgrund der reduzierten Farbpalette und wenig aufregend durch das kleine Figurenpersonal wirken, so sind es Werke, die eben nicht für das schnelle Hinsehen gemalt wurden. Auch wenn die Bilderproduktion im sogenannten Holländischen Goldenen Zeitalter zahlenmäßig einen Höhepunkt erreichte und sich englische Touristen erstaunt darüber zeigten, wo sie überall Gemälde zu Gesicht bekamen, beispielsweise in den Werkstätten der wohlhabenden Handwerker, so war der damalige Mensch sicherlich bereit mehr Zeit und Muse auf die Betrachtung eines solch reduziert-eleganten Werkes aufzuwenden als wir es heute gewohnt sind. Bilder wie uns Mosscher hier eines vor Augen führt, waren damals hoch in Mode und zeichnen sich durch ein gedämpftes Kolorit aus, das keinen zu großen Kontrast entstehen lässt zwischen luftiger Höhe und erdiger Bodenzone.

Jacob van Mosscher, Rastendes Bauernpaar unter hohen Bäumen (Detail), nach 1640, 47,5 x 65 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Jacob van Mosscher, Rastendes Bauernpaar unter hohen Bäumen (Detail), nach 1640, 47,5 x 65 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Tief ist die Horizontlinie durch die Komposition gezogen, wobei der vom rechten Bildrand weit und hoch ins Bild hineinragende Baum eine gelungene Verbindung schafft zwischen Himmel und Erde. Verschattet und höhlenartig beginnt er in seinem Wachstum um in luftiger Höhe mit seiner filigranen Krone die Wolkenformationen hinter ihm aufs Schönste nachzuahmen. In seinem Schatten, auf leicht erhöhtem Terrain, nahe einem halbverfallenen Mauerrestes, hat sich ein Bauernpaar rastend niedergelassen. Es ist eben im Begriff den mitgebrachten Korb zu leeren, während der schwarzweiße Hund seinen Durst an einem im Vordergrund vorbeifließenden Bachlauf stillt. So zwanglos ihr Gebaren erscheint, so fügen sie sich auch in diese Landschaft ein. Sie sind ein Teil von ihr. Den nicht sonderlich gut ausgebauten Weg der sich in der Weite der linken Bildkomposition verliert, haben sie bis zu ihrem Rastplatz zurückgelegt um sich nun unter dem Ruhe und Schatten spendenden Baum niederzulassen. Hoch ragt darüber der sommerliche zart blaue Himmel auf von semitransparenten Wolken durchzogen, mit deren Leichtigkeit, die unten am Boden fein gewachsenen Sträucher mit durchsichtigem Astwerk korrespondieren. Die Stadtsilhouette Haarlems mit der angedeuteten St. Bavokirche ist nur äußerst schemenhaft in der Ferne auszumachen. Das sich am Frieden und der Ruhe der Natur erfreuende Paar hat den Stadttrubel im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich gelassen. 

Mit künstlerischer Klugheit hat Mosscher in diesem Gemälde sowohl die Formen und Farben seiner Heimat eingefangen und was vielleicht noch wichtiger ist, auch ihre Atmosphäre: das Spiel von Licht und Schatten, die nur mäßig sich aufwerfende Landschaft, deren Farben kein Feuerwerk entzünden sondern in ihrer Gemäßigtheit nicht nur dem Auge Ruhe schenken. In völliger Selbstverständlichkeit darf der Mensch sich an diesem Ort bewegen, wobei er jedoch nicht in eine spielerisch-künstliche Naturkoketterie eines Fete galante verfällt wie später im Rokoko üblich.  

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Cornelia Schleime, Mädchenportrait, 1998, 145 x 120 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Die Künstlerin erwarb ihr eigenes Bild auf der Art Cologne zurück und es blieb einige Jahre in ihrem Privatbesitz. Erst der Sammler Thomas Rusche erschien ihr Jahre später als geeigneter Besitzer dieses besonderen Bildes.

Mit völliger Selbstverständlichkeit trägt auch das Mädchen von Cornelia Schleime ein Stück Natur im Mund. Auf den ersten Blick scheinen ja ein zeitgenössisches Figurenbild von spektakulärer Technik, ausschnitthaft und nahsichtig auf den Betrachter hin ausgerichtet und ein fernsichtig komponiertes, feinmalerisch ausgeführtes Landschaftsgemälde typischer holländischer Prägung wenig Gemeinsamkeiten zu haben. In der exakten Umkehr des Verhältnisses von Natur und Figur ist eine Bezugnahme deshalb nicht auf formaler Ebene spannend sondern auf inhaltlicher. Mensch und Natur sind über die Jahrhunderte hinweg die relevanten Bildthemen, mit denen sich die Künstler auseinandersetzen. Dass der Mensch sich heute nicht mehr in sie einfügt sondern die Natur eher als Zugabe zum menschlichen Dasein wahrnimmt, könnte ein Gedanke hinsichtlich der veränderten Gewichtung in diesen zwei Bildern sein. Beiden Gemälden ist jedoch die ruhige Übereinkunft von Mensch und Natur gemein. Eine sinnlich dargestellte Harmonie finden wir sowohl bei Mosscher als auch bei Schleime: nutzt das rastende Paar die es umgebende schöne Natur als schützenden Rahmen für sein fröhliches Picknick zu dem es sich auf dem Boden niedergelassen hat, so geht das Mädchen noch einen Schritt weiter indem es die Natur nicht nur spürt, sondern sich auf einen noch intimeren Kontakt, nämlich das Schmecken einlässt. Ein geradezu provozierender Akt in Zeiten einer Umweltverschmutzung, die durch unseren unbedachten und ausbeuterischen Umgang mit der Natur verursacht ist. Ermutigt uns die Schönheit der Natur gerade angesichts ihrer Bedrohung sie in den Blick zu nehmen, so wie das Mädchen das Blatt in den Mund nimmt? Wie ein symbolhaftes Zeichen erscheint das Blatt im Munde des Mädchens. Ohne das Blatt wäre dieses Bild nicht vollständig genau wie der Mensch ohne die Natur nicht lebensfähig wäre. Vielleicht hat sich das Mädchen sein Blatt von einem kleinen Ausflug durch ein holländisches Landschaftsgemälde als kleines Andenken mitgebracht, einer Zeit vor allen Umweltskandalen.

Ich danke Cornelia Schleime herzlich für die Charakterisierung ihres Blattmädchens.

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Dr. Teresa Bischoff (*1979) studierte Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Geschichte in Erlangen und Rom. Kürzlich erschien ihre Dissertation “Kunst und Caritas” über Leben und Werk der Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Emilie Linder. Nach Dozententätigkeiten in Erlangen, Ansbach und Nürnberg ist sie nun wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

www.cornelia-schleime.de

http://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen-berlin/vorschau/cornelia-schleime/

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

Hans-Joachim Raupp (Hrsg.): Landschaften und Seestücke. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Münster 2001. S. 180-183.

Kunst und Mode – das passt! Thomas Rusche trifft den Künstler Christian Achenbach für das neue SØR Journal

SØR Fotoshooting im Berliner Atelier des Künstler Christian Achenbach photo by SØR
SØR Fotoshooting im Berliner Atelier des Künstler Christian Achenbach photo by SØR

SØR Fotoshooting im Berliner Atelier des Künstler Christian Achenbach photo by SØR

Schon als Teenager fasste Christian Achenbach den Entschluss, Künstler zu werden – 1978, gut 400 Jahre nach Peter Paul Rubens (1577-1640); ebenfalls in Siegen geboren, verbrachte er dort seine Kindheit und widmete sich schon früh der Musik und Lyrik. Seinen formvollendeten Ausdruck hat er schließlich in der Malerei gefunden, seine künstlerische Heimat ist Berlin. Dort studierte er an der Universität der bildenden Künste bei Daniel Richter und Burkhardt Held und wurde Meisterschüler von Anselm Reyle. Sein unverwechselbarer Stil sorgte schon früh für Furore und weckte das Interesse von Sammlern und Kuratoren. Der 36-Jährige wird heute von namhaften deutschen und internationalen Galerien vertreten. Seine Werke wurden bereits in musealen Einzelausstellungen präsentiert und finden sich auch in der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin.

Thomas Rusche im Interview mit Christian Achenbach Photo by Lars Beusker

Thomas Rusche im Interview mit Christian Achenbach Photo by Lars Beusker

TR: Du hast den Ruf, Musik malen zu können. Verrate uns doch, wie du die Leinwand zum Klingen bringst?

CA: Es liegt für mich in der Natur des Mediums, dass beim Bildermalen eine Art Klang erzeugt wird. Das Empfinden von Klang entsteht ja durch das Zusammenspiel von Tönen. In der Musiktheorie spricht man von einem Klang, wenn mehrere Töne in einem harmonischen Verhältnis simultan zueinander auftreten. Auch ein disharmonisches Zusammenspiel erzeugt natürlich einen Klang. Malerei als Möglichkeit, Klang zu visualisieren, hat mich schon immer interessiert.

Hier spielt die Musik - Instrumenten-Ecke im Atelier des Künstlers Christian Achenbach Photo by Lars Beusker

Instrumenten-Ecke im Atelier des Künstlers Christian Achenbach Photo by Lars Beusker

TR: Du bist selbst auch Musiker, interessierst dich für Punk und Jazzmusik. Und gerade der Jazz ist eine Richtung, die viel Raum für Improvisation lässt. Improvisierst du auch in deiner Malerei?

CA: Improvisation hat untrennbar mit Zeit zu tun. Sie passiert schnell, intuitiv, ohne Möglichkeit, bewusst zu denken, sondern ruft abgespeicherte Erfahrungen ab. Wenn wir von Jazz reden wollen, wäre es undenkbar, dass ein Musiker seine Band stoppt und sagt »Moment mal, Pause, ich möchte überlegen, was ich jetzt spiele …«. Beim Malen dagegen habe ich alle Zeit der Welt. Klar gibt es da auch Momente, wo ich schnell arbeite und intuitive Entscheidungen treffe. Aber eben auch viele, in denen man das Bild ansieht und nachdenkt. Dass ein Bild am Ende immer anders aussieht, als ich es mir zu Beginn vorgestellt habe, ist dabei normal. Diesen Prozess verstehe ich aber nicht als Improvisation.

Der Sammler Thomas Rusche lässt sich die neuen Arbeiten dees Künstlers zeigen Photo by Lars Beusker

Der Sammler Thomas Rusche lässt sich die neuen Arbeiten des Künstlers zeigen Photo by Lars Beusker

TR: Ist für dich dabei der Arbeitsprozess oder das Ergebnis entscheidend?

CA: Das Resultat ist das Entscheidende. Ich bin davon überzeugt, dass man jedes Sujet erfolgreich bearbeiten oder gegen die Wand fahren kann.

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Inspiration is everywhere – Stillleben im Atelier des Künstlers Achenbach Photo by Lars Beusker

TR: Deine Bilder haben eine sehr ausgeprägte Dynamik, verzaubern durch mutige Farbigkeit und wollen sich keinem Genre zuordnen. Dennoch lässt du die klassischen Elemente der Malerei, wie geometrische Grundformen, die Raumillusion und die Figuration, nicht außer Acht, oder?

CA: Es gibt in der Malerei einfach einen unglaublichen Erfahrungsschatz, in dem sich gezeigt hat, dass bestimmte Regeln maßgeblich dafür verantwortlich sind, ob ein Bild funktioniert oder nicht: Komposition, Gewichte im Bild, Kontrast etc. Diese außer Acht zu lassen, wäre wie ein Haus bauen, aber das Fundament weglassen. Wenn das Fundament da ist, kann man alles Mögliche darauf bauen…

Christian Achenbachs Bild »Lille Pige ved vinduet«, 2013, Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, ziert das aktuelle Cover des SØR Magazins Photo by SØR

Christian Achenbachs Bild »Lille Pige ved vinduet«, 2013,
Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm, SØR Rusche Sammlung
Oelde/Berlin, ziert das aktuelle Cover des SØR Magazins Photo by SØR

TR: Könntest du dir vorstellen, monochrom zu malen?

CA: Vorstellen könnte ich es mir natürlich schon, aber es entspricht im Moment nicht wirklich meiner Arbeitsweise. Farbe spielt schon eine wichtige Rolle in meiner Arbeit, auch wenn ich immer wieder mal ein schwarzweißes Bild male. Über die Farbe steuert man schon sehr viel. Es entwickelt sich eigene Farbigkeit, die sich natürlich auch aus dem speist, was uns heute umgibt. Bei meinen Skulpturen spielt Farbe eine besonders große Rolle, weil sie in der Form reduzierter sind als die Malerei.

Das geräumige Atelier in Berlin bietet dem Künstler Christian Achenbach viel Platz zur Entfaltung Photo by Lars Beusker

Das geräumige Atelier i Berlin bietet dem Künstler Christian Achenbach viel Platz zur Entfaltung Photo by Lars Beusker

TR: Was ist für dich das Wesentliche am Künstlerleben?

CA: Ich empfinde es als großes Privileg, meine Zeit selbst verwalten zu können. Daraus resultiert natürlich auch die Verantwortung dafür, diese sinnvoll zu nutzen. Ich liebe die Uneingeschränktheit und die Flexibilität, die mein Job mit sich bringt, und das Umfeld, in dem ich arbeite, meine Ateliernachbarn. Und andere Menschen, die man trifft. Ich glaube, es gibt keinen Beruf, in dem man so gesellschaftliche Schichten crosst und so viele unterschiedliche interessante Leute kennenlernt.

TR: Wir sind uns schon vor Jahren zum ersten Mal begegnet, und ich freue mich, dass du der SØR Rusche Sammlung zahlreiche deiner Werke anvertraut hast. Wie wichtig ist dir als Künstler eine persönliche Beziehung zum Sammler?

CA: Weißt du, Thomas, wie gern ich an die vielen guten Abende zurückdenke, die wir gemeinsam erlebt haben? Du schaffst und forcierst es, unterschiedlichste Leute zusammenzubringen. Das ist so relativ einzigartig: ein Sammler, der nicht nur Kunst kauft, sondern das Zusammentreffen von Menschen als kulturelles Statement und Auftrag sieht.

TR: Das Fundament der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin besteht aus Niederländischen Meistern des 17. Jahrhunderts. Was denkst du, warum deine Arbeiten gut dazu funktionieren?

CA: Also ganz formal gesehen gibt es da z.B. einen Bezug, weil ich eine ganze Reihe von Blumenstillleben gemalt habe, die von niederländischen Meistern natürlich auch behandelt wurden. Der Anlass dafür war für mich aber weniger der, dass ich großer Botanik-Fan wäre, sondern eher, dass ich mir beweisen wollte, dass man aus jedem Motiv ein gutes Bild machen und seine eigene Bildsprache einsetzen kann.

Christian Achenbach im klassischen SØR Look. Auch privat bevorzugt der Künstler  Kleidung von hoher Qualität und klassischem Design Photo by Lars Beusker

Christian Achenbach im klassischen SØR Look. Auch privat bevorzugt der Künstler Kleidung von hoher Qualität und klassischem Design Photo by Lars Beusker

TR: Neben der Malerei und deinen Skulpturen interessierst du dich auch für Mode und Kostüme.

CA: Ja. Meine Freundin hat Modedesign studiert, schon allein deshalb habe ich viel über Mode und deren Entstehung mitbekommen, und in unserer Bibliothek gibt es neben Kunst eben auch etliches über Bekleidung. Besonders Theater-Kostüme zur Zeit der Moderne faszinieren mich sehr. Oskar Schlemmers Triadisches Ballett, Kasimir Malevitchs Bühnenstücke oder die Kostüme der ,,Ballets Russes” – da wurde die Formensprache der künstlerischen Avantgarde auf Bekleidung übertragen, erstmal ohne Berücksichtigung von Funktionalität. Heraus kam dabei so eine Art abstrakter Bilder auf Beinen oder gleich bewegte abstrakte Bilder. Sonia Delaunay hatte wiederum als eine der ersten die abstrakte Formensprache auf die Stoffe ihrer Kreationen übertragen, die für den Alltag bestimmt waren. Dann gibt`s natürlich in der jüngeren Modegeschichte Designer wie Alexander McQueen, Hussein Chalayan oder Issey Miyake, die in meinen Augen einfach große Künstler sind.

Das Outfit bildet ohne Krawatte einen casual Look Photo by Lars Beusker

Das Outfit bildet ohne Krawatte einen casual Look Photo by Lars Beusker

TR: Wie wichtig ist für dich die Mode und der Kleidungsstil als persönliches Ausdrucksmittel?

CA: Ich glaube, meinen persönlichen Ausdruck suche ich eher in meinem Job als in meinem Kleidungsstil, aber die Kleidung, die ich trage, ist mir schon wichtig. Ich mag schlichte, aber hochwertige Kleidung.

TR: Wie definierst du das genau?

CA: Kleidung muss für mich nicht das Rad neu erfinden. Aber es muss einfach alles stimmen – hochwertige Materialien, eine perfekte Passform und eine exzellente Verarbeitung. Mehr braucht es für mich eigentlich nicht.

SØR Einstecktuch »by Christian Achenbach« exklusiv bei SØR, 32 x 32 cm, limitiert auf 200 Stück! 100% Seide, bedruckt  € 49,95 Bestell-No. 115585 SØR Schal »by Christian Achenbach«  exklusiv bei SØR, limitiert auf 200 Stück! 100% Baumwolle, 42 x 180 cm € 99,95 Bestell-No. 115586

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http://christianachenbach.de/

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SØR Rusche Sammlung: Europäischer Monat der Fotografie – Artist Talk mit Carina Linge

Europäischer Monat der Fotografie

Carina Linge und Katja Reich Photo by Wolf D. Hoffmann

Barbara Probst, Exposure#70,2009 Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin Photo By Wolf D. Hoffmann

Thomas Rusche & Carina Linge Photo by Wolf D. Hoffman

Krzysztof Zielinski, Millenium School#23, 2007 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Anna Kott, Beza & Carina Linge Photo by Wolf D. Hoffmann

Pieter Hugo, Messina/Musina Pieter and Maryna Vermeulen with Timana Phosiwa, 2007 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Katharina Mantel, Vasen Ekstasen, 2012 Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Carina Linge & Thomas Rusche Photo by Wolf D. Hoffmann

Stanislaw Ignacy Witkiewicz or Witkacy, Improvised Scenes, 1932 Courtesy of the SØR Rusche Collection Photo by Wolf D. Hoffmann

Lois Renner, Küchenstillleben, 2008 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

FOTOGRAFIE IM DIALOG MIT ALTEN MEISTERN

Nobuyoshi Araki, Beza, Pieter Hugo, Vandy Rattana

Der ungewöhnliche Dialog von Alten Meistern und zeitgenössischer Fotografie erklärt sich nicht zuletzt aus der Geschichte der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Deren Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück als der Urgroßvater des Sammlers Thomas Rusche im Münsterland mit Pferd und Wagen Textilhandel betrieb und alte Bilder, Hausrat und Herdplatten in Zahlung nahm. Über Generationen wurde dieser Besitz westfälischer Kunst und Antiquitäten vererbt. In den 1960er Jahren übernahm Thomas Rusches Vater Egon den Bestand und konzentrierte sich auf die Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Zunächst gemeinsam mit seinem 1996 verstorbenen Vater baut Thomas Rusche die Sammlung Alter Meister bis heute kontinuierlich weiter aus und ermöglicht deren wissenschaftlichen Aufarbeitung. Seit 2005 wird die Sammlung des Modeunternehmens um zeitgenössische Positionen ergänzt. Der Fokus liegt auf Malerei im Kabinett-Format. Jedoch befinden sich neben Zeichnungen und Druckgraphiken, Skulpturen und Medienkunst heute über 100 Fotografien in der Sammlung. Das Medium der Fotografie fasziniert den Sammler auf Grund seiner Augenblickhaftkeit und dem fortwährenden Spiel zwischen Schein und Sein
An drei Samstagen im November werden ausgewählte fotografische Arbeiten im Dialog mit der Malerei Alter Meister in den Räumen der SØR Repräsentanz in Berlin-Charlottenburg gezeigt.

Vandy Rattana, Rattanakiri I Bomb Ponds, Courtesy of the SØR Rusche Collection

SØR RUSCHE SAMMLUNG OELDE/BERLIN

3.11. – 17.11.2012

AUSSTELLUNGSORT

SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin
Schlüterstraße 53
10629 Berlin

Sa 3. + 17.11.2012 14-16 Uhr

ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL

S5, S7, S75 Savignyplatz

EITRITTSPREISE

Eintritt frei

Anmeldung
m.kuehn@kleidungskultur-soer.de
(jeweils bis 1 Woche vor Veranstaltungsbeginn möglich)

VERANSTALTER

SØR Rusche Markengesellschaft mbH
Wiedenbrücker Str. 1
59302 Oelde

T 02522 8260

www.kleidungskultur-soer.de

KURATOREN

Thomas Rusche

Eröffnung “Alles Wasser” in der Galerie Mikael Andersen

Photo by SØR

“Wasser” ein Sujet fasziniert die Kunst! Ein Dialog zwischen Niederländischen Meistern des 17. Jahrhunderts und zeitgenössischer Kunst in der Galerie Mikael Andersen Berlin.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR 

Der Quell allen Lebens ist das Wasser. Gerade weil es ein so existenzielles Element ist, fasziniert es die Menschheit seit Jahrtausenden und lieferte schon immer reichlich Nahrung für die Mythologie, Poesie, Musik und die bildende Kunst.

 

 

Der menschliche Körper besteht aus einem überwiegenden Teil aus Wasser und 70 % der Erde sind mit Wasser bedeckt, den Ozeanen, Meeren, Seen und Flüssen. Gerade die Ambivalenz die uns das Meer assoziiert, auf der einen Seite die Ruhe, die Weite und Freiheit, auf der Anderen die unbeherrschbare Urgewalt, das Unergründliche und das Geheimnisvolle, polarisieren die Fantasie und den Pioniergeist des Menschen.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Nur in der christlichen Religion wir das Meer von Gott beherrscht, Moses kann es teilen, Jesus darauf wandeln und die Kirche instrumentalisiert das Wasser als symbolisches Glaubens-Werkzeug für die Taufe.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Als im 17. Jahrhundert die Macht der Kirche und des Adels abschwellt und die Aufträge der Hierarchen für Portrait- und Auftragsmalerei abnimmt, wenden sich die Künstler der Genremalerei zu und entdecken das Wasser als Sujet. Bedeutsam sind dabei die Vielzahl von entstanden Wasserstücken der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Bis heute spielt das Wasser als Motiv eine wichtige Rolle. Die Urgewalt ist unberechenbar, lässt Luxusliner wie die Titanic sinken, überschwemmt als Tsunami ganze Küsten und reißt Menschen in den Tod. Die bizarre Gewalt befeuert die Faszination. Das Element Wasser darzustellen ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern bleibt nach wie vor ein Anliegen und Bedürfnis der Künstlerinnen und Künstler. Damals und heute.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Die Ausstellung “Alles Wasser” in der Galerie Mikael Andersen widmet sich ganz diesem klassischen Sujet. Kuratiert wird die Ausstellung von dem Künstler Philip Grözinger, der in Zusammenarbeit mit Dr. Dr. Thomas Rusche, ausgewählte Positionen von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern und Werke der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, in einen Dialog stellt. Ausstellungsdauer: 25. Mai bis 13. Juli 2012 Verlängert bis zum 25. August 2012

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Amelie & Philip Grözinger Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Dr. Dr. Thomas Rusche Photo by SØR

Marcel Eichner Photo by SØR

Beza Photo by SØR 

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Mark Gisbourne Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Thomas Rusche, Stefanie Hillich & Moritz Schleime Photo by SØR

Andrei Loginov Photo by SØR

Annette Weber Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Frederic & Stephanie von Dallwitz Photo by SØR

Mikael Andersen Photo by SØR

Künstler der Ausstellung “Alles Wasser”

http://www.mikaelandersen.com/berlin/exhibitions/current/

Werke der SØR Rusche Sammlung in Ausstellungen

Alles Wasser

Ausstellung vom 25. Mai – 13. Juli 2012

Verlängert bis zum 25. August 2012

Die Ausstellung “Alles Wasser” in der Mikael Andersen Galerie widmet sich ganz diesem klassischen Sujet. Kuratiert wird die Ausstellung von dem Künstler Philipp Grözinger, der in Zusammenarbeit mit Dr. Dr. Thomas Rusche, ausgewählte Positionen von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern und Werke der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, in einen Dialog stellt.

Galerie Mikael Andersen Pfefferberg, Haus 4 Christinenstrasse 18/19 10119 Berlin

http://www.mikaelandersen.com/

 

Atelier + Küche =

Labore der Sinne

12. Mai bis 16. September 2012

Sie sind Orte der Produktion sinnlicher Erlebnisse und Stätten von Experiment und Krea- tivität: Künstleratelier und Küche verbindet als „ Labore der Sinne“ eine bemerkenswerte Nähe. Erstmals führt Marta Herford diese beiden Arbeitssphären in einer rund 400 Jahre Kunstgeschichte umspannenden Ausstellung zusammen. Zeitgleich zur dOCUMENTA (13) in Kassel untersucht das Team um Roland Nachtigäller die Bedeutungen und Darstellun- gen von Atelier und Küche quer durch die Kunstgeschichte bis in die Gegenwart.

Otto Marseus van Schrieck Küchenstilleben mit Fischen und Blumenkohl, 1654 Öl auf Zinnplatte 14,6 x 19,5 cm SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Frederike Walter & Dieter Mammel, Atelierziege, 2007, mixed Media, 120 x 400 x 50 cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Gehry Galerien Marta Herford Gobenstraße 2–10, D-32052 Herford

Di – So und an Feiertagen 11-18 Uhr, jeden 1. Mi im Monat 11-21 Uhr

Eros & Thanatos

28. April verlängert bis zum 02. Juni 2012

WERKSCHAU Spinnereistraße 7 / Halle 12, 04179 Leipzig Di bis Sa 11 bis 18 Uhr

www.spinnerei.de

Erotik und Tod, Liebe und Gewalt sind nicht nur zwei Pole menschlicher Existenz und Welterfahrung. Vielmehr verschränkt sich beides auch vielfältig und ist dann in subtilen Mischformen gleichzeitig präsent. Immer wieder gibt es Kippmomente zwischen Eros und Thanatos. Und viele Künstler haben sich gerade dafür interessiert.

Die SØR Rusche Sammlung bietet mit ihren zwei Schwerpunkten, der Niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst, eine besondere Möglichkeit, die Inszenierung solcher Kippmomente über die Zeiten hinweg zu zeigen. Dabei lassen sich sowohl überzeitlich gültige Motive entdecken als auch epochenspezifische Konstellationen als solche erkennen. Die Ausstellung wird sich einerseits klassischen Themen wie der Angst vor vanitas – der Vergänglichkeit des Schönen und Erotischen – oder dem Rausch und seinen Folgen widmen. Andererseits aber stellt sie ein Motiv wie den Wald vor, das auf den ersten Blick wenig mit Liebe oder Tod zu tun hat, bei genauerer Betrachtung aber umso vielschich­ tiger Aspekte von beidem zum Ausdruck bringt.

Kuratiert wird die Ausstellung von Studierenden der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Ullrich. Die Ausstellung findet auf Ein­ ladung der SpinnereiGalerien statt.

SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Gelton Toussaint Die Göttin Diana, um 1660, öl auf Holz, 13,6 × 16,6 cm © SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 

Positionen der Ausstellung von folgenden Künstlern:

Nobuyoshi Araki / Elvira Bach / Tilo Baumgärtel / Jacobus Biltius / Christoph Blawert / Abraham Bloemaert/ Katia Bourdarel / Richard Brakenburgh / Cecily Brown / Rafał Bujnowski /Jochem Govertsz Camphuysen / Jacques Adolphsz Claeuw / Pieter Codde / Joos van Craesbeek / Philip van Dijk /  Martin Eder / Marcel van Eeden / Marcel Eichner / Wolfgang Ellenrieder / Tom Ellis / Joachim Elzmann / Tracey Emin / Pavel Feinstein / Pius Fox / Pieter Fris / Martin Galle / Alexander Gering / Johannes Glauber / Petrus van Hattich / Reinier de la Haye /  Samuel van Hoogstraten / Julius Hofmann / Helge Hommes / Johannes Hüppi / Michał Jankowski / Oda Jaune / Sabrina Jung / Ruprecht von Kaufmann / Thomas de Keyser / Michael Kirkham / Kai Klahre / Anna Kott / Marianna Krueger / Paweł Książek / Zofia Kulik / Alicja Kwade / Corinne von Lebusa / Dominik Lejman / Via Lewandowsky / Carina Linge / Johannes Lingelbach / Dirck van der Lisse / Rosa Loy / Christoffel Lubieniecky / Martin Lütke / Gerrit Lundens / David Lynch / Cornelis van Meulen / Franz van Mieris II / Willem van Mieris / Markus Muntean & Adi Rosenblum / Michiel van Musscher / David Nicholson / Adriaen van Nieulandt / Hanna Nitsch / Jürgen Noltensmeier / David O’Kane / David Ostrowski / Justine Otto / Jochen Plogsties / Agnieszka Polska / Hendrik Gerritsz. Pot / Jan Anthonisz van Ravensteyn / Louis Renzoni / Arno Rink / Matthieu Ronsse/ Nadin Rüfenacht / Rigo Schmidt / Norbert Schwontkowski / Tanja Selzer / Hendrik Martensz. Sorgh / Johannes Spilberg d. J. / Adriaen van Stalbemt / Norbert Tadeusz / Tal R / Jan Tengnagel / David Teniers d. J. / Alexander Tinei / Jacob Toorenvliet / Gelton Toussaint / Rombout Jansz. van Troyen / Werner Tübke / Markus Uhr / Pieter Verelst / Daniel Vertangen / Steve Viezens / Miriam Vlaming / Herbert Volkmann / Cornelis van der Voort / Gerrit van Vucht / Moyses Wtenbrouk / Jürgen Wolf /