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KUNST IST LEBENSLUST – Thomas Rusche trifft die Künstlerin Cornelia Schleime

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.'' Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.” Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Foto, Lars Beusker

Die Hannah-Höch-Preisträgerin Cornelia Schleime gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen Deutschlands. Von der Stasi bespitzelt hat sie noch vor der Wende rübergemacht. Bei der Ausreise musste sie ihr Frühwerk zurücklassen; die über 90 Werke sind bis heute verschollen. Im Westen wird Cornelia Schleime in namhaften Museen ausgestellt. Cornelia Schleime ist nicht nur eine meisterhafte Malerin, sondern zugleich auch experimentelle Performancekünstlerin, Punkrockerin und erfolgreiche Buchautorin. In der SØR Rusche Sammlung befinden sich einige Lieblingswerke der Künstlerin. Kunstsammler und SØR Inhaber Thomas Rusche traf die zarte Powerfrau in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag” in der Berlinischen Galerie zum Gespräch.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung  ,,Ein Wimpernschlag'', die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag”, die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist. Foto, Lars Beusker

TR: Was bereitet Dir im Leben besondere Lust?

CS: Das Reisen in ferne Länder. Für die ersten drei Tage buche ich immer ein festes Quartier, um mental anzukommen, die Distanz zu realisieren, mich auf das Klima einzustellen, aber dann geht es ins Floating, voller Neugierde ins Ungewisse. Zu jeder Reise nehme ich immer ein leeres Buch mit und zeichne, aquarelliere, collagiere dort hinein. Ich bin grade aus Kreta zurückgekommen wo es nur geregnet hat, das hat meinem Buch aber keinen Abbruch getan. An die zweihundert Seiten sind entstanden, Zeichnungen von Klöstern, Skulpturen, Hafenanlagen, Tagebuchnotizen,übermalten Fotografien usw. Ich habe bislang sehr viele dieser Reisetagebücher gemacht, die so etwas wie Trophäen für mich sind. Andere gehen zur Großwildjagd. Ich gehe auf Bilderjagd.

TR: Welche Bedeutung spielt die Kunst in Deinem Leben?

CS: Jeder der mich kennt, weiß, dass die Kunst nicht nur eine Rolle in meinem Leben spielt. Sie ist mein Raum, meine Luft zum Atmen. Leben und Kunst lassen sich bei mir nicht trennen. Denn alles was ich wahrnehme, erzeugt Bilder in mir, die ich umsetzen muss. Durch sie kann ich mich von der realen Welt abgrenzen, die ich manchmal nur schwer ertrage. Ich schaffe mir durch die Kunst meine eigene Welt. Ich habe ein Bildgehirn, alles bleibt gespeichert. Ganz anders mit Namen, sie pulverisieren sich in meinem Kopf und fallen wie das Mehl durchs Sieb.

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

TR: Bereitet Dir die Kunst Lust?

CS: Natürlich, ich arbeite ja aus dem Lustprinzip heraus, aus der Sinnlichkeit, die der Umgang von Farben mit sich bringt, aus den Strukturen die dabei entstehen, aus den Schichten hinter denen sich etwas verbergen kann. Malerei ist für mich ein gro.es Geheimnis, was sich nie lüftet, wie Schalen, die man Stück für Stück freilegt, um auf einen Kern zu treffen.

TR: Leidest Du auch an der Kunst?

CS: Ich habe noch nie an der Kunst gelitten. Nur an schlechter Kunst, die ich manchmal sehe und wenn sie größer sein will als sie ist.

TR: Wie entstehen Deine Werke? Schnell und intuitiv oder – als geplanter Prozess?

CS: Meine Arbeiten entstehen immer intuitiv. Wenn ich jedoch länger an einem Thema dran bleibe, kommen Überlegungen hinzu, Grenzen auszureizen.

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

TR: Du sprühst vor Leidenschaft. Was ist die Quelle Deiner Leidenschaft?

CS: Die Quelle ist die Suche nach innerer Schönheit, nicht der geschenkten Schönheit, sondern jener, die durch Erfahrung entsteht. Leidenschaft bedeutet für mich, sich einer Sache voll hinzugeben, jegliches Risiko in Kauf zu nehmen. Als ich vor ein paar Jahren meine Porno-Erotik-Zeichnungen gemacht habe, hatte ich in dieser Zeit keinen Sex. Beides würde für mich nicht gehen. In dem ich keinen Sex hatte, wurden diese Zeichnungen zwingend für mich. Das ist für mich Dialektik: ich kann nicht hier ein bißchen fummeln und da ein bißchen kritzeln. Das was ich tue, muss ich absolut tun. Ich hasse Ambivalenzen!

TR: Erkennst Du in Deinem Kunstschaffen einen roten Faden?

CS: Mein roter Faden ist die Poesie, das Provokante, Irritierende, das Düstere, das Lichte, mit der Umschiffung der Mitte, die mir nicht liegt.

TR: Hat er sich im Laufe Deiner wechselvollen Lebensgeschichte verändert?

CS: Nein, ich wußte schon mit 18 Jahren was ich wollte, hatte nur noch nicht die künstlerischen Mittel dies auch umzusetzen. Aber wo ich diesen roten Faden hinspinnen soll, dass war mir damals schon klar.

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

TR: Wie haben die Schicksalsschläge, aber auch die lebenslustigen Ereignisse Deines Lebens Dein Kunstschaffen beeinflusst?

CS: Ich habe mal gesagt: „Das Leben ist mein Goldkoffer“ und damit meinte ich auch die negativen Erfahrungen, die ich machen musste, denn gerade sie wollte ich durch Kunst verwandeln in etwas Positives, Fantastisches. Hätte ich nur Positives erlebt, ich wüsste nicht, wie meine Kunst aussehen sollte, glatt, harmlos, beliebig, einfallslos? Nein, gerade das Negative war der stärkste Motor und hat in mir eine Kraft mobilisiert, dem etwas entgegenzusetzen.

TR: Du bist Ende des vergangenen Jahres mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für Dein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Wie fühlt sich das für Dich an und hat sich etwas dadurchin Deinem Leben und Schaffen verändert?

CS: Der Preis hat mich sehr geehrt, vor allem, dass ich ihn in meiner Heimatstadt Berlin bekommen habe. Es ist für mich auch eine Bestätigung, dass mein Weg der richtige war. Ich erinnere mich noch an Zeiten Ende der 80iger Jahre, wo Malerei als out galt, wo man mir sagte, ich sei von vorgestern. Es war die Zeit von Konzeptkunst. Ich hatte mir einfach die Ohren zugehalten und natürlich weitergemalt.

Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

,, In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert.” Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

TR: Was für eine Beziehung hast Du zu Deinen Bildern? Viele befinden sich in Deinem Privatbesitz  so, als würdest Du sie ungern los lassen?

CS: Die Beziehung zu meinen Bildern ist so eng, dass ich sie als meine Brüder und Schwestern empfinde, die ich nie hatte. Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich. Für Dich habe ich eine Ausnahme gemacht und Dir mein Lieblings Papstbild (Woitila) und ein Mädchenporträt verkauft, was ich für mich zurück gelegt hatte, weil ich Deine Kunstsammlung so hervorragend finde. Ich wusste, das sie bei Dir ein gutes zu Hause bekommen, so konnte ich sie loslassen. Das war wirklich eine einmalige Ausnahme und ich habe mich sehr gefreut, sie immer mal wieder in Deinen Ausstellungen zu sehen und mir wurde dabei klar, dass dies genau die richtige Entscheidung war.

Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

,,Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich.” Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

TR: Du hast ein Atelier in Berlin und eines auf dem Land bei Neuruppin. Wo bist Du mehr und wo bist Du lieber? Und nehmen die zwei unterschiedlichen Orte Einfluss auf Deinen Schaffensprozess?

CS: Ich bin mehr auf dem Land, da ich mir dort ein Refugium geschaffen habe, wo ich absolut konzentriert arbeiten kann. Ohne Störungen, ohne viel Besuche. Ich habe dort sehr große lichte Räume, mit bis zum Teil 7m Deckenhöhe. Das brauche ich auch, um an meinen größeren Leinwandbildern zu arbeiten. In Berlin habe ich ein Wohnatelier und verbinde meine Aufenthalte gerne mit Terminen, die ich in der Stadt habe. In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert. Würde ich auf dem Land zeichnen, hätte ich das Gefühl, meine Energie verfängt sich im Deckenbalken, ehe ich den ersten Strich gemacht habe. Aber hier in Berlin kann ich gut switchen, zwischen spitzer Feder und einem Meeting in der Stadt. Die Papierarbeiten entstehen bei mir sehr schnell, hingegen die großen Leinwände über Monate bearbeitet werden.

TR: Welche Bedeutung spielt für Dich die Mode in Deinem Leben? Steigert sie Deine Lebenslust?

CS: Es ist nicht der Begriff der Mode, der eine Bedeutung für mich hat, sondern ich liebe es, mich durch Kleidung zu verwandeln, aus den Malklamotten heraus eine Andere zu werden. Wie ich mich grade fühle: mal rockig in Leder, mal in Seide elegant, mal verspielt, mal streng, wie es mir grade passt. Ich habe vier Kleiderschränke, welche Schande!! Die schönste Mode ist für mich immer noch im Film „Jenseits von Afrika“ zu sehen.

Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

,, Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte.” Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

TR: Du hattest früher eine Punkband, wie viel Punk steckt heute noch in Dir?

CS: Wieviel Punk in mir steckt würde jeder merken, wenn er mich akustisch mit meiner Reibeisenstimme hört. Ich bin auch noch widerspenstig, wie ich es als Jugendliche war und habe meinen eigenen Kopf, sage frei heraus was mir nicht passt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte. Ich finde das Glatte oft eisig. Ich bin aber warm und will es vom Herzen auch bleiben. Harte Schale, weicher Kern, so würde ich mich beschreiben. Und auch was meine Kleidung angeht, mixe ich manchmal Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören: ein Pailettenkleid mit derben Boots.

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Cornelia Schleime im Shooting mit dem Fotografen Lars Beusker. Hut von Ellen Paulssen https://shop.soer-online.de/WOMAN/ACCESSOIRES/Ellen-Paulssen-Hut_16366.html, Blazer von NVSCO https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17835/sCategory/489 , Bluse von Herzensangelegenheit https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17761 und eine Jeans von Cambio https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17677, Foto SØR

TR: Was sind für Dich die wichtigsten Fashion-Items im Frühjahr/ Sommer 2017?

CS: Ich liebe Muster und Materialmix – Jeans mit feinem Kaschmir, Spitze mit groben Leinen und Streifen- mit Blumenmuster zu kombinieren. Bevorzugt werden bei mir körpernahe Schnitte wie bei den aktuellen schmalen Cambio Hosen.  Tiefe Einblicke ins Dekollet. sind nicht mein Ding, lieber kleine Stehkragen oder opulente Schleifen und Schluppen. Kleine freche Hüte mag ich besonders, die frischen jedes Outfit auf.  Pink ist ist in meinem Schrank verboten, lieber ein verwaschenes rosé, Blautöne von dunkel bis hell und vor allem viel weiß- altweiß.  Na, ja, ich bin auch nicht mehr die Jüngste! Schuhe am liebsten spitz, im Germaschen- Stil, mit einem mittelhohen Absatz. Mädchenhaft, elegant, ich will ja jünger aussehen als ich bin…

Und eines hoffe ich ganz besonders für den Modesommer 2017, dass bald die Brikettsohlen an den Frauenfüßen verschwinden. Nichts gegen Plateau, aber bitte elegant abgeschrägt!

TR: Vielen Dank liebe Cornelia!

Cornelia Schleime - Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung) ISBN 978-3-7356-0293-0 23,00 x 27,00 cm 156 Seiten 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch Kerber Verlag 35,00 € Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin www.berlinischegalerie.de

Cornelia Schleime – Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung)
ISBN 978-3-7356-0293-0, 23,00 x 27,00 cm, 156 Seiten, 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch
Kerber Verlag 35,00 €
Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in
der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de

https://shop.soer-online.de/

https://shop.soer-online.de/Storefinder

http://instagram.com/soer_rusche

http://www.cornelia-schleime.de/

https://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen-berlin/aktuell/cornelia-schleime/

//www.kerberverlag.com/de/cornelia-schleime-ein-wimpernschlag.html?gclid=CjwKEAjwtbPGBRDhoLaqn6HknWsSJABR-o5s1RLeMU78eHhS8CRz3yu6DKx6MZEdUT8y-Eb-iuk1yhoCBk_w_wcB

Paule Hammer – Barocke Begegnungen im Museum Abtei Liesborn-Wadersloh

Paule Hammer, Juliane 2, 2012, Acryl auf Papier, 123 x 180 cm

29. Juni – 1. September 2013

Die Liesborner Ausstellung Paule Hammer basiert auf der Publikation Barocke Begegnungen.

In dem Essay „Träume, die erwachen – Geschichten, die lebendig werden“ stellt der Autor Mark Gisbourne die Werke Paule Hammers (*1975 in Leipzig) in Dialog mit Alten Meistern des 17. Jahrhunderts. Alle ausgestellten Werke, von Dr. Jutta Desel räumlich installiert, stammen aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Diese ist seit Jahren eng mit dem Museum des Kreises Warendorf verbunden. Zum ersten Mal wird ein Künstler der Sammlung in einer Einzelausstellung präsentiert.

Paule Hammer, Ausstellungsansicht, Photo by SØR

In der Sonderausstellungsfläche im Alt- und Neubau der barocken Abtresidenz der ehemaligen Benediktinerabtei in Liesborn zeigt Paule Hammer Werke, die Geschichten erzählen, oft in der Form eines Dialogs zwischen Text und Bild. Rüdiger 1 (Portugal) (2012) ist eine Landschaftsszene, deren Geschichte von Drogenproblemen in den 1990er-Jahre erzählt. Über die Landschaft malte der Künstler einen Text, der diese ausführt. Seine Werke sind Sammlungen von Überlegungen zu Themen, von Kurzgeschichten, von Träumen oder Gedanken. Hammer stellt sich zu vielen Themen Fragen, auf die er durch seine Werke eine oder mehrere Antworten gibt. Dadurch sind mehrere Werkblöcke mit dem Titel Weltenzyklopädie entstanden. Die Werke Haut I (2008) und Haut III (Liebe, Sex und Zärtlichkeit) (2008), die die Verführung der Sexualität und deren Konsequenzen darstellen, sind ein Beispiel dafür. Durch seine künstlerischen Arbeiten erscheint der Leipziger Künstler Paule Hammer oft als Skeptiker, Zweifler oder Pfadsucher. Mehrere seiner Werke nehmen die Rolle eines Spiegelbildes ein, sollen zum Nachdenken führen oder zur Selbsterkenntnis verhelfen. Das Collagegemälde Ohne Titel (2008) zeigt eine Vielfalt an Augen, die Blickkontakt mit dem Betrachter herstellen. Dieses Werk bringt zum Reflektieren auf das Sehen und Gesehen werden zwischen Werk und Betrachter. Paule Hammers Werke entstehen ebenfalls durch Dialoge mit Freunden wie z.B. im Werk Juliane 2 (2012). Juliane spricht und Paule Hammer malt. Bei der Entstehung des Werkes wird die Konversation zwischen den Freunden auf Rekorder gespeichert und später auf dem Werk hinzugefügt.

 

Paule Hammer, Schweinehund, Öl auf Kunststoff, ø 76 cm

Tengnagel, Circe verwandelt die Gefährten des Odysseus in Schweine, 1612, Öl auf Holz, 46,3 x 66,2 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Ausstellung geht der Dialog weiter auf einer anderen Ebene, nämlich die zwischen den zeitgenössischen Werken und den Alten Meistern. So werden Werke verglichen, die dasselbe Motiv oder Thema enthalten. Im  Portrait Schweinehund (2009) von Paule Hammer und in Circe verwandelt die Gefährten des Odysseus in Schweine (1612) von Jan Tengnagel wird jeweils der Kopf eines Menschen in das eines Schweins verwandelt: jedoch in einem anderen Kontext und mit einer neuen Bedeutung.

Paule Hammer, Ausstellungsansicht, Photo by SØR

Heutzutage wird das Thema Dialog und die Verfahren des Vergleichs und der Dialektik in Ausstellungen häufiger verwendet. Paule Hammer stellt exemplarisch verschiedene Werke unter unterschiedlichen Perspektiven vor. Dies bringt uns zur Reflexion, ermöglicht es uns Werte und Vorstellungen aus einem anderen Licht zu sehen und diese dabei in Frage zu stellen. Ist es nicht das, was wir von der Kunst erwarten können?

 

Victoria Fleury 

 

 

Die Ausstellung mit Werken der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin ist noch bis zum 1. September im Museum Abtei Liesborn in Liesborn-Wadersloh zu sehen.

http://www.museum-abtei-liesborn.de/

 

Die begleitende Publikation mit Texten von Mark Gisbourne, Clemens Meyer und Holger Kobe Venutura ist im Kerber Verlag erschienen.

https://www.kerberverlag.com

 

Weitere Ausstellungsbeteiligungen von Künstlern mit Werken aus der SØR Rusche Sammlung:

Johannes Rochhausen – Malerei

Schloss Detmold, Lippische Gesellschaft für Kunst, Detmold, bis 25.08.2013

 

Heute kein Plenum

267 Quartiere für zeitgenössische Kunst und Fotografie, Braunschweig, bis 30.08.2013

 

Justine Otto. Halbpension

Museum Franz Gertsch, Burgdorf, Schweiz, bis 01.09.2013

 

Paule Hammer, Barocke Begegnungen

Museum Abtei Liesborn, Liesborn-Wadersloh, bis 01.09.2013

 

hold und mächtig? Das Bild der Mutter in den Kulturen

Religio – Westfälisches Museum für religiöse Kultur, Telgte, bis 22.09.2013

 

Ulf Puder. Pool.

Kulturspeicher Oldenburg, Oldenburg, 16.08.2013 bis 22.09.2013

 

Schöne Landschaft – Bedrohte Natur. Landschaften aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Kunsthalle Osnabrück, Osnabrück, bis 13.10.2013

 

Back to Earth. Die Wiederentdeckung der Keramik in der Kunst

Gerisch-Stiftung, Neumünster, bis 27.10.2013

 

Milchglaskino

Museum Junge Kunst, Frankfurt/Oder, bis 03.11.2013

 

painting forever

Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Berlin, 17.09.2013 bis 24.11.2013

 

Barbara Probst

The Royal Library, Kopenhagen, Dänemark, 03.10.2013 bis 11.01.2014

 

Schijn bedriegt

Het Noordbrabants Museum, BA ‘s-Hertogenbosch, Niederlande, 12.10.2013 bis 27.01.2014

 

Still bewegt. Das Stillleben im Film

Altana Kulturstiftung, Bad Homburg, 13.10.2013 bis 23.02.2014