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Interview mit Thomas Rusche: ,,WIR MENSCHEN SPRECHEN MIT UNSERER KLEIDUNG, NOCH BEVOR WIR DEN MUND AUFMACHEN“

Thomas Rusche ist der Sir von SØR und führt damit eine textile Familientradition bereits in der fünften Generation fort. Dabei sind sein Denken über Kleidungskultur und sein Handeln als Unternehmer in ein größeres Koordinatensystem – er nennt Doktortitel in Philosophie sowie Ökonomie und eine renommierte Kunstsammlung sein Eigen – eingeschrieben. Im Interview erläutert Rusche unter anderem: „Kleidungskultur konkretisiert sich im Dreieck meiner individuellen Persönlichkeit im Verhältnis zum objektiven Anlass und den subjektiven Erwartungshaltungen, denen ich dabei begegnen werde.“

Thomas Rusche wünscht Ihnen einen stilvollen Winter und eine behagliche Vorweihnachtszeit! Foto, Lars Beusker

THOMAS RUSCHE vor Abraham Bloemaerts „Portrait eines alten Mannes in bäuerlicher Kleidung“, um 1634, SØR Rusche Sammlung Oelde / Berlin, Foto Lars Beusker

Susanne Kolter: Lieber Herr Rusche: Wie sind Sie eigentlich zu diesem Beruf gekommen? Gibt es da eine Familientradition, oder war es vornehmlich die eigene Begeisterung für diese Branche?

Thomas Rusche: Kleidungskultur ist meine Berufung. Seit fünf Generationen wird in unserer Familie das Kleider-Gen vererbt, das es uns ermöglicht, Menschen besser anzuziehen. Auch hätte ich mir vorstellen können, Kunsthistoriker oder katholischer Priester zu werden. Das erste hat mein Vater mir mit der Drohung verboten, mir dann seine Kunst nicht zu vererben, das zweite hätte er mit einem Stoßgebet hingenommen.

Susanne Kolter: Münster ist – so scheint es – gut aufgestellt im Hinblick auf Herrenmode. In anderen Städten nehme ich das nicht so deutlich wahr. Ist hier ein besonders gutes Pflaster dafür?

Thomas Rusche: Münster ist gutbürgerlich gepfl astert. Selbstverständliche Eleganz ohne Düsseldorfer Übertreibungen kennzeichnet den Charme der westfälischen Metropole. Dies gilt auch für die Herrenmode. Der Münsteraner liebt Klassik mit Pfiff und baut seine Garderobe wie einen gut bestückten Weinkeller mit zeitlos gültigen Klassikern auf, die er von Saison zu Saison neu interpretiert und mit aktuellen Accessoires variiert.

Susanne Kolter: Mich interessiert auch Ihre Firmenphilosophie, die ja zum Beispiel in Ihrem hauseigenen Journal vertreten wird. Was macht die „Marke“ aus?

Thomas Rusche: Der Markenkern von SØR ist die Kleidungskultur. SØR Produkte werden aus erstklassigen Materialien handwerklich gefertigt und ermöglichen eine körperbetonte Passformgenauigkeit. SØR Produkte gibt es für jeden Kleidungsanlass, ob sportlicher, berufl icher oder offizieller Natur. Unsere SØR Häuser pfl egen einen SØRrvice, der von Herzen kommt und den Kunden in den Mittelpunkt stellt.

Susanne Kolter: Was ist wichtig, will man als Geschäftsmann auf dem heiß umkämpften Modemarkt nicht nur bestehen, sondern wie Sie erfolgreich sein?

Thomas Rusche: Auf dem Modemarkt bedarf es einer Balance von zeitloser Kontinuität und saisonaler Aktualität. Um erfolgreich zu sein, bedarf es Markenbegehrlichkeit und hingebungsvoller Servicebereitschaft.

Susanne Kolter: Das gängige Vorurteil, vor allem Frauen seien modeaffin oder -begeistert, greift doch schon lange nicht mehr, oder?

Thomas Rusche: Für viele Frauen ist Mode Elixier. Männer erlernen dieses Lebensgefühl im 21. Jahrhundert zunehmend. Doch steht bei ihnen noch immer die Funktionalität im Vordergrund. Frauen schmücken sich mit ihrer Kleidung, Männer schützen sich. Beide Geschlechter erkennen zunehmend die Symbolkraft der Kleidung. Ob Mann oder Frau, wir Menschen sprechen mit unserer Kleidung, noch bevor wir den Mund aufmachen. Der erste Eindruck, den wir hinterlassen, wird wesentlich von der Kleidung geprägt. Diese sollte unserer jeweiligen Natur entsprechen und zur zweiten Haut werden.

Susanne Kolter: Gibt es einen Trend zu den Klassikern oder sind es eher die Neuheiten, die gesucht und erworben werden?

Thomas Rusche: Klassiker und Modeneuheiten sind wie das Stand- und Spielbein beim Tanzen. Der Klassiker einer grauen Wollhose aus Flanelltuch ermöglicht als Beinkleid, jeden noch so modisch verrückten Blazer zu kombinieren. Die hellblaue Hemdbluse wiederum lässt sich als klassischer Kontrapunkt zu den ausgefl ipptesten modisch floralen Hosen kombinieren: Die Mischung macht’s.

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Blauer SØR Blazer aus der aktuellen Kollektion. Doppelreihig und leicht tailliert. Fotos Lars Beusker

Susanne Kolter: Was sollte Man(n) unbedingt und was auf keinen Fall im Schrank haben?

Thomas Rusche: Der Mann sollte unbedingt einen blauen Blazer im Schrank haben. Zur Flanellhose, beigen Chino oder Bluejeans, je nach Anlass variiert, ist er damit immer passend angezogen. Sowohl zur Vernissage, einem Geschäftsessen oder im Nightclub.

Susanne Kolter: Viel steht und fällt ja mit den richtigen Accessoires. Dabei denke ich zuerst an Krawatten. Eher schmal, eher breit, und welche Art und welcher Knoten ist der richtige zu welcher Gelegenheit?

Thomas Rusche: Viele Männer bevorzugen heute einen locker geschlungenen Schal. Wer eine Krawatte tragen möchte, sollte darauf achten, dass sie weder so schmal wie ein Schnürsenkel noch so breit wie ein Kinderlätzchen ist. Mit Aristoteles gilt: Die Tugend der Kleidungskultur liegt mitten zwischen den modischen Extremen. Die Wahl des Knotens ist weniger eine Frage des Anlasses als der Kragen- und Halsform sowie der Länge der Krawatte, die in der Höhe des Gürtels enden sollte. Niemals sollte die Krawatte das Zentrum der Männlichkeit bedecken, sondern mit der Spitze hervorheben.

Susanne Kolter: Ich persönlich bin ja immer ganz hingerissen, wenn ich auf ein gut drapiertes Einstecktuch treffe. Würden Sie das als „must have“ einordnen oder ist das doch ein bisschen „drüber“?

Thomas Rusche: Das Einstecktuch hebt jedes Outt auf ein höheres Niveau der Eleganz. Der ohne Krawatte getragene Blazer wird mit einem sportlich gemusterten Einstecktuch ebenso aufgewertet wie der Smoking durch ein weißes seidenes Pochette.

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Kariertes SØR Einstecktuch. Fotos Lars Beusker

Susanne Kolter: Lieber Herr Rusche, danke, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Möchten Sie uns vielleicht noch etwas mit auf den Weg geben?

Thomas Rusche: Die Grammatik der Kleidungskultur ist kein strenges Regel-ABC, sondern ermöglicht es einem jeden Menschen, seine individuelle Ausdrucksform zu nden. Kleidungskultur konkretisiert sich im Dreieck meiner individuellen Persönlichkeit im Verhältnis zum objektiven Anlass und den subjektiven Erwartungshaltungen, denen ich dabei begegnen werde.

Das Interview führte Dr. Susanne Kolter für das Themenheft der St. Joseph Münster-Süd Pfarrei

Einmal im Jahr gibt die Pfarrei St. Joseph Münster-Süd ein Themenheft heraus, das ein
biblisches Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven in den Blick nimmt.
In 2018 trägt es den Titel „Gut angezogen“ und bezieht sich damit auf eine Passage aus
dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinden von Galatien. Mit der Wendung
„Christus angezogen“ wird dort ein Statuswechsel der besonderen Art beschrieben. Von
hier aus werden sozusagen gleich mehrere Kommodenschubladen, Kleiderschrank- und
Shoptüren geöffnet: Von Altkleidern bis zum Designstudium, von Coco Chanel bis zum
Messgewand, vom Verbergen der Nacktheit bis zur Präsentation der Lieblingsklamotte,
von fair gehandelter Mode bis zum perfekt drapierten Einstecktuch – und noch einiges
mehr.

http://www.st-joseph-muenster-sued.de/aktuell/jahresthema-und-themenheft/

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

Independent Collectors presents: THOMAS RUSCHE IN CONVERSATION WITH CORNELIA SCHLEIME

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung  ,,Ein Wimpernschlag'', die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag”, die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

In collaboration with Thomas Rusche from the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin, we present the new video-series “Thomas Rusche in Conversation With…”, where the German art collector, textile entrepreneur and economist meets personalities from the arts and cultural scene.

For our first instalment , Rusche met with the artist Cornelia Schleime at her exhibition “Ein Wimpernschlag” at the Berlinische Galerie. Schleime, who recently won the Hannah-Höch Prize for her life-work, speaks to Rusche about her insatiable passion for painting, the punk that is still present in her, and how limitations in her life made her stronger – such as the ban on work in the GDR, the spying by the Stasi, all serving as an engine to release artistic energy.

The video is currently only available in German.

 

http://instagram.com/soer_rusche

https://independent-collectors.com/on-site/thomas-rusche-in-conversation-with-cornelia-schleime

http://soer.de

Parka – die Winter-Helden

Der Daunen-Parka Berni mit Finnraccoon von Schneiders Salzburg, Photo by Schneiders

Ende 1990 zog der Parka als Dauergast in die Kleiderschränke der Modebewussten Deutschen ein. Nicht nur das der Parka kleidsam ist, er ist auch äußerst praktisch, wetterfest und wohlig wärmend – selbst bei extremen Minusgraden. Ein Kleidungsstück welches zu einem guten Freund wird. Schon bei den ersten herbstlichen Laubfärbungen manövriert man ihn sicherheitshalber nach ganz vorne an die Kleiderstange. Und sollte der treue Begleiter auch schon einige Blessuren davongetragen haben, so sind es doch meist gute Erinnerungsmale. An (erlebte) Nordpol-Expeditionen oder die Teilnahme am Miljoonaplikki Eisangeln in Finnland, werden beim Anblick ihres Parkas wahrscheinlich nur sehr wenige denken, doch auch der urbane Träger steht dank seines kleidenden Kälteschutzes, winterlichen Abenteuern siegessicher gegenüber. Eisig kalte Abende in der Schlange der Theaterkasse können ihm nichts anhaben und am Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt, blickt er nur mitleidig in die Runde der bibbernden Jäckchen- und Mäntelchen-Träger und schmiegt dabei zufrieden seine Wange an das Fell des Kojoten, Waschbären oder Webepelz, das seine Kapuze umrandet. Vielleicht konnte sogar ein Gentleman seinen Arctic Parka um die Schultern einer fröstelnden Dame legen und somit nicht nur ihr Herz erwärmen. Allerdings weiß sich die kluge und stilsichere Frau, gegen Kälte selbst zu helfen, dank der knielangen und taillierten Modelle erlangt das legere Kleidungsstück eine Portion feminine Raffinesse. Der Winter kann kommen, Ihr Parka freut sich schon!

Daunenparka Anouk mit Finnraccoon von Schneiders Salzburg, Photo by Schneiders

Der Parka in der Kleidungskultur

Seinen Ursprung hat der Parka wie auch der Anorak bei den Inuit. In Inuktitut “parqaaq” bedeutet übersetzt soviel wie ”Hitze aus dem Ofen” oder ”Hitze der Sonne”. Das traditionelle Kleidungsstück der Inuit bestand hauptsächlich aus zusammengenähten Robben- oder Rentierfellen und sicherte das Überleben in der arktischen Kälte. Mit dem Aufkommen des von Ehrgeiz gezeichneten Pioniergeistes verschiedener Nationen, arktisches Festland und die Pole zu entdecken, brachten Expeditionsteams Mitte des 19. Jahrhunderts den “Parquaaq” mit nach Europa und in die USA. Das Militär erkannte die Funktionalität des Parkas und ließ ihn aus derber Wolle, fester Baumwolle oder aus dem 1940 aufkommenden Nylon, für ihre Truppen anfertigen.

Gant Wetterschutz Parka mit Webpelz und Teddyfell, Photo by SØR

1960 entdeckte die aufkommende Jugendbewegung der “Mods” das Kleidungsstück für sich. Eigentlich sollte der Parka nur als Schutzkleidung dienen, damit die maßgeschneiderten Anzüge während der Fahrt mit dem Motorroller nicht beschmutzt werden. Letztendlich wurde der Parka ein Markenzeichen der ganzen Bewegung. Der Mods Parker war aus olivgrüner oder dunkelblauer Baumwolle, mit herausnehmbaren Futter, einer Kapuze mit oder ohne Fellrand, knielang mit typischen Fishtail. In den 1970er Jahren avanciert der deutsche Bundeswehr-Parka bei Kriegsgegnern und Studentengruppen zum Symbol der Antihaltung, gegenüber der aufrüstenden Staaten. In den 1980ern wird es ruhiger um den Parka, kantige Schnitte und extreme Schulterpolster, haben ihn aus den Kleiderschränken verdrängt. In der Zivilbevölkerung sieht man ihn zu dieser Zeit nur noch bei Filmcrews am winterlichen Aussenset oder bei Outdooraktivisten.

IQ+Berlin Parka mit Kaninchenfell-Futter und Kojotenfell-Kragen, Photo by IQ+Berlin

Mitte der 1990er erfolgt das Revival, weder als politisches Statement, noch als reines Funktionskleidungsstück; der Parka wird zum Luxus-Outdoor-Objekt. In Cortina oder St. Moritz präsentiert man sich mit gigantischen Sonnenbrillen und Parka mit bombastischen Pelzbesatz an der Kapuze. Neue Materialien wie Mikrofaser oder Teflon, Gore-Tex und Thinsulate, verdrängen Baumwolle und Wolle. Seitdem ist der Parka fester Bestandteil in den Winterkollektionen namenhafter Designer und Brands, wie Woolrich, Gant, Peutery, Schneiders, Dolomite, Canada Goose, IQ+Berlin, Bogner und Barbour.

Interview mit Dr. Dr. Thomas Rusche:

Hat der Parka das Zeug zum Klassiker?

Er ist ein Klassiker! Ein Klassiker im Bereich Sportswear. Der Schnitt hat sich in den letzten 70 Jahren kaum verändert; knielang oder hüftlang, gerader Schnitt, Taillierung durch Tunnelzug, geräumige Taschen im Beckenbereich, sowie kleine Schubtaschen für die Hände im Rippenbereich. Abnehmbare Kapuze entweder mit Pelz wie Koyote und Fuchs oder Fake Fur. Teilweise mit herausnehmbaren Innenfutter, verdeckten Armbündchen, knielange Modelle meist mit Fishtail. Nur die Materialien sind heute häufig synthetisch, dafür aber auch widerstandsfähiger gegenüber der Kälte

In welchen Kombinationen sollte man den Parka tragen?

In erster Linie trägt man den Parka in der Freizeit und da kombiniert man ihn rustikal, zum Beispiel zur Cordhose, Flanell-Karo-Hemd und Chelsea Boot. Mit Jeans, Cashmere Pullover und Mokassins, erlangt man einen casual sportiven Look. Es ist heute auch sehr angesagt, den Parka mit Business Anzügen zu crossen, in der Sprortswear verhält es sich nicht so streng mit dem Kanon. Doch auch in Business Kombinationen, sollte der Parka in klassischen Farben getragen werden, wie Beige, Oliv, Marine oder Schwarz.

Dann kann man sozusagen beim Parka keinen Fauxpas machen?

Zu offiziellen Anlässen sollte man den Parka lieber im Schrank lassen. Ein Cut, Stresemann oder Smoking in Kombination mit einem Parka, ist stilistisch äußerst problematisch. Für offizielle Anlässe sollte der stilsichere Mann einen Frack- oder Chesterfield-Mantel wählen.

Parka von Peuterey mit Waschbärfell-Kragen, Photo by SØR

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