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KUNST IST LEBENSLUST – Thomas Rusche trifft die Künstlerin Cornelia Schleime

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.'' Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

,,ALLES, WAS ICH WAHRNEHME, ERZEUGT BILDER IN MIR, DIE ICH UMSETZEN MUSS.” Cornelia Schleime ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Landes und wurde jüngst mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Foto, Lars Beusker

Die Hannah-Höch-Preisträgerin Cornelia Schleime gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen Deutschlands. Von der Stasi bespitzelt hat sie noch vor der Wende rübergemacht. Bei der Ausreise musste sie ihr Frühwerk zurücklassen; die über 90 Werke sind bis heute verschollen. Im Westen wird Cornelia Schleime in namhaften Museen ausgestellt. Cornelia Schleime ist nicht nur eine meisterhafte Malerin, sondern zugleich auch experimentelle Performancekünstlerin, Punkrockerin und erfolgreiche Buchautorin. In der SØR Rusche Sammlung befinden sich einige Lieblingswerke der Künstlerin. Kunstsammler und SØR Inhaber Thomas Rusche traf die zarte Powerfrau in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag” in der Berlinischen Galerie zum Gespräch.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung  ,,Ein Wimpernschlag'', die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist.

Thomas Rusche traf die Künstlerin in ihrer Ausstellung ,,Ein Wimpernschlag”, die noch bis zum 24. April 2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist. Foto, Lars Beusker

TR: Was bereitet Dir im Leben besondere Lust?

CS: Das Reisen in ferne Länder. Für die ersten drei Tage buche ich immer ein festes Quartier, um mental anzukommen, die Distanz zu realisieren, mich auf das Klima einzustellen, aber dann geht es ins Floating, voller Neugierde ins Ungewisse. Zu jeder Reise nehme ich immer ein leeres Buch mit und zeichne, aquarelliere, collagiere dort hinein. Ich bin grade aus Kreta zurückgekommen wo es nur geregnet hat, das hat meinem Buch aber keinen Abbruch getan. An die zweihundert Seiten sind entstanden, Zeichnungen von Klöstern, Skulpturen, Hafenanlagen, Tagebuchnotizen,übermalten Fotografien usw. Ich habe bislang sehr viele dieser Reisetagebücher gemacht, die so etwas wie Trophäen für mich sind. Andere gehen zur Großwildjagd. Ich gehe auf Bilderjagd.

TR: Welche Bedeutung spielt die Kunst in Deinem Leben?

CS: Jeder der mich kennt, weiß, dass die Kunst nicht nur eine Rolle in meinem Leben spielt. Sie ist mein Raum, meine Luft zum Atmen. Leben und Kunst lassen sich bei mir nicht trennen. Denn alles was ich wahrnehme, erzeugt Bilder in mir, die ich umsetzen muss. Durch sie kann ich mich von der realen Welt abgrenzen, die ich manchmal nur schwer ertrage. Ich schaffe mir durch die Kunst meine eigene Welt. Ich habe ein Bildgehirn, alles bleibt gespeichert. Ganz anders mit Namen, sie pulverisieren sich in meinem Kopf und fallen wie das Mehl durchs Sieb.

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

Dieses Porträt von einem Mädchen mit einer Blume im Mund, ziert das Cover des neuen SØR Journals. Cornelia Schleime, ohne Titel, 1998, 145 x 120 cm, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, Privatbesitz

TR: Bereitet Dir die Kunst Lust?

CS: Natürlich, ich arbeite ja aus dem Lustprinzip heraus, aus der Sinnlichkeit, die der Umgang von Farben mit sich bringt, aus den Strukturen die dabei entstehen, aus den Schichten hinter denen sich etwas verbergen kann. Malerei ist für mich ein gro.es Geheimnis, was sich nie lüftet, wie Schalen, die man Stück für Stück freilegt, um auf einen Kern zu treffen.

TR: Leidest Du auch an der Kunst?

CS: Ich habe noch nie an der Kunst gelitten. Nur an schlechter Kunst, die ich manchmal sehe und wenn sie größer sein will als sie ist.

TR: Wie entstehen Deine Werke? Schnell und intuitiv oder – als geplanter Prozess?

CS: Meine Arbeiten entstehen immer intuitiv. Wenn ich jedoch länger an einem Thema dran bleibe, kommen Überlegungen hinzu, Grenzen auszureizen.

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Cornelia Schleime, Ohne Titel, 2003, Acryl, Asphaltlack und Schel lack auf Leinwand 180×140cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

TR: Du sprühst vor Leidenschaft. Was ist die Quelle Deiner Leidenschaft?

CS: Die Quelle ist die Suche nach innerer Schönheit, nicht der geschenkten Schönheit, sondern jener, die durch Erfahrung entsteht. Leidenschaft bedeutet für mich, sich einer Sache voll hinzugeben, jegliches Risiko in Kauf zu nehmen. Als ich vor ein paar Jahren meine Porno-Erotik-Zeichnungen gemacht habe, hatte ich in dieser Zeit keinen Sex. Beides würde für mich nicht gehen. In dem ich keinen Sex hatte, wurden diese Zeichnungen zwingend für mich. Das ist für mich Dialektik: ich kann nicht hier ein bißchen fummeln und da ein bißchen kritzeln. Das was ich tue, muss ich absolut tun. Ich hasse Ambivalenzen!

TR: Erkennst Du in Deinem Kunstschaffen einen roten Faden?

CS: Mein roter Faden ist die Poesie, das Provokante, Irritierende, das Düstere, das Lichte, mit der Umschiffung der Mitte, die mir nicht liegt.

TR: Hat er sich im Laufe Deiner wechselvollen Lebensgeschichte verändert?

CS: Nein, ich wußte schon mit 18 Jahren was ich wollte, hatte nur noch nicht die künstlerischen Mittel dies auch umzusetzen. Aber wo ich diesen roten Faden hinspinnen soll, dass war mir damals schon klar.

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

Cornelia Schleime, Eisvögelin, 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 200×360cm (zweiteilig), Privatbesitz

TR: Wie haben die Schicksalsschläge, aber auch die lebenslustigen Ereignisse Deines Lebens Dein Kunstschaffen beeinflusst?

CS: Ich habe mal gesagt: „Das Leben ist mein Goldkoffer“ und damit meinte ich auch die negativen Erfahrungen, die ich machen musste, denn gerade sie wollte ich durch Kunst verwandeln in etwas Positives, Fantastisches. Hätte ich nur Positives erlebt, ich wüsste nicht, wie meine Kunst aussehen sollte, glatt, harmlos, beliebig, einfallslos? Nein, gerade das Negative war der stärkste Motor und hat in mir eine Kraft mobilisiert, dem etwas entgegenzusetzen.

TR: Du bist Ende des vergangenen Jahres mit dem renommierten Hannah-Höch-Preis für Dein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Wie fühlt sich das für Dich an und hat sich etwas dadurchin Deinem Leben und Schaffen verändert?

CS: Der Preis hat mich sehr geehrt, vor allem, dass ich ihn in meiner Heimatstadt Berlin bekommen habe. Es ist für mich auch eine Bestätigung, dass mein Weg der richtige war. Ich erinnere mich noch an Zeiten Ende der 80iger Jahre, wo Malerei als out galt, wo man mir sagte, ich sei von vorgestern. Es war die Zeit von Konzeptkunst. Ich hatte mir einfach die Ohren zugehalten und natürlich weitergemalt.

Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

,, In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert.” Cornelia Schleime, Float, 2015, Bleistift, Tusche und Aquarell auf Bütten_57×38cm, Privatbesitz

TR: Was für eine Beziehung hast Du zu Deinen Bildern? Viele befinden sich in Deinem Privatbesitz  so, als würdest Du sie ungern los lassen?

CS: Die Beziehung zu meinen Bildern ist so eng, dass ich sie als meine Brüder und Schwestern empfinde, die ich nie hatte. Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich. Für Dich habe ich eine Ausnahme gemacht und Dir mein Lieblings Papstbild (Woitila) und ein Mädchenporträt verkauft, was ich für mich zurück gelegt hatte, weil ich Deine Kunstsammlung so hervorragend finde. Ich wusste, das sie bei Dir ein gutes zu Hause bekommen, so konnte ich sie loslassen. Das war wirklich eine einmalige Ausnahme und ich habe mich sehr gefreut, sie immer mal wieder in Deinen Ausstellungen zu sehen und mir wurde dabei klar, dass dies genau die richtige Entscheidung war.

Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

,,Ich kann mich von vielen Bildern nicht trennen und behalte aus jedem Werkkomplex immer ein Bild für mich.” Cornelia Schleime, Mädchen mit Blatt im Mund, 1998, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 145×120cm, SØR Rusche Sammlung OeldeBerlin

TR: Du hast ein Atelier in Berlin und eines auf dem Land bei Neuruppin. Wo bist Du mehr und wo bist Du lieber? Und nehmen die zwei unterschiedlichen Orte Einfluss auf Deinen Schaffensprozess?

CS: Ich bin mehr auf dem Land, da ich mir dort ein Refugium geschaffen habe, wo ich absolut konzentriert arbeiten kann. Ohne Störungen, ohne viel Besuche. Ich habe dort sehr große lichte Räume, mit bis zum Teil 7m Deckenhöhe. Das brauche ich auch, um an meinen größeren Leinwandbildern zu arbeiten. In Berlin habe ich ein Wohnatelier und verbinde meine Aufenthalte gerne mit Terminen, die ich in der Stadt habe. In meiner Berliner Wohnung kann ich sehr gut Zeichnen, da darf der Raum nicht so groß sein, da das Zeichnen ja auch viel intimer ist als die Malerei, die mehr körperlichen Einsatz einfordert. Würde ich auf dem Land zeichnen, hätte ich das Gefühl, meine Energie verfängt sich im Deckenbalken, ehe ich den ersten Strich gemacht habe. Aber hier in Berlin kann ich gut switchen, zwischen spitzer Feder und einem Meeting in der Stadt. Die Papierarbeiten entstehen bei mir sehr schnell, hingegen die großen Leinwände über Monate bearbeitet werden.

TR: Welche Bedeutung spielt für Dich die Mode in Deinem Leben? Steigert sie Deine Lebenslust?

CS: Es ist nicht der Begriff der Mode, der eine Bedeutung für mich hat, sondern ich liebe es, mich durch Kleidung zu verwandeln, aus den Malklamotten heraus eine Andere zu werden. Wie ich mich grade fühle: mal rockig in Leder, mal in Seide elegant, mal verspielt, mal streng, wie es mir grade passt. Ich habe vier Kleiderschränke, welche Schande!! Die schönste Mode ist für mich immer noch im Film „Jenseits von Afrika“ zu sehen.

Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

,, Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte.” Cornelia Schleime, Die Argonautin, 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180×160cm, Privatbesitz

TR: Du hattest früher eine Punkband, wie viel Punk steckt heute noch in Dir?

CS: Wieviel Punk in mir steckt würde jeder merken, wenn er mich akustisch mit meiner Reibeisenstimme hört. Ich bin auch noch widerspenstig, wie ich es als Jugendliche war und habe meinen eigenen Kopf, sage frei heraus was mir nicht passt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hasse das Angepasste. Mitunter ist mir die Gesellschaft insgesamt zu nett, ist mir zu glatt geschmiert, wie in einer Softeistüte. Ich finde das Glatte oft eisig. Ich bin aber warm und will es vom Herzen auch bleiben. Harte Schale, weicher Kern, so würde ich mich beschreiben. Und auch was meine Kleidung angeht, mixe ich manchmal Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören: ein Pailettenkleid mit derben Boots.

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Cornelia Schleime im Shooting mit dem Fotografen Lars Beusker. Hut von Ellen Paulssen https://shop.soer-online.de/WOMAN/ACCESSOIRES/Ellen-Paulssen-Hut_16366.html, Blazer von NVSCO https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17835/sCategory/489 , Bluse von Herzensangelegenheit https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17761 und eine Jeans von Cambio https://shop.soer-online.de/detail/index/sArticle/17677, Foto SØR

TR: Was sind für Dich die wichtigsten Fashion-Items im Frühjahr/ Sommer 2017?

CS: Ich liebe Muster und Materialmix – Jeans mit feinem Kaschmir, Spitze mit groben Leinen und Streifen- mit Blumenmuster zu kombinieren. Bevorzugt werden bei mir körpernahe Schnitte wie bei den aktuellen schmalen Cambio Hosen.  Tiefe Einblicke ins Dekollet. sind nicht mein Ding, lieber kleine Stehkragen oder opulente Schleifen und Schluppen. Kleine freche Hüte mag ich besonders, die frischen jedes Outfit auf.  Pink ist ist in meinem Schrank verboten, lieber ein verwaschenes rosé, Blautöne von dunkel bis hell und vor allem viel weiß- altweiß.  Na, ja, ich bin auch nicht mehr die Jüngste! Schuhe am liebsten spitz, im Germaschen- Stil, mit einem mittelhohen Absatz. Mädchenhaft, elegant, ich will ja jünger aussehen als ich bin…

Und eines hoffe ich ganz besonders für den Modesommer 2017, dass bald die Brikettsohlen an den Frauenfüßen verschwinden. Nichts gegen Plateau, aber bitte elegant abgeschrägt!

TR: Vielen Dank liebe Cornelia!

Cornelia Schleime - Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung) ISBN 978-3-7356-0293-0 23,00 x 27,00 cm 156 Seiten 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch Kerber Verlag 35,00 € Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin www.berlinischegalerie.de

Cornelia Schleime – Ein Wimpernschlag (Katalog zur Ausstellung)
ISBN 978-3-7356-0293-0, 23,00 x 27,00 cm, 156 Seiten, 124 farbige und 28 s/w Abbildungen Broschüre, gebunden Deutsch/Englisch
Kerber Verlag 35,00 €
Bis zum 24.4.2017: die Ausstellung in
der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de

https://shop.soer-online.de/

https://shop.soer-online.de/Storefinder

http://instagram.com/soer_rusche

http://www.cornelia-schleime.de/

https://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen-berlin/aktuell/cornelia-schleime/

//www.kerberverlag.com/de/cornelia-schleime-ein-wimpernschlag.html?gclid=CjwKEAjwtbPGBRDhoLaqn6HknWsSJABR-o5s1RLeMU78eHhS8CRz3yu6DKx6MZEdUT8y-Eb-iuk1yhoCBk_w_wcB

COLMAR und Christian Achenbach – Kleidungskultur trifft Kunst

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Gastgeber Thomas Rusche freut sich über seine Ehrengäste Christian Achenbach (2.v.links), Hannah Hochbaum in Colmar und Giulio Colombo der CEO von COLMAR (rechts)

Gastgeber Thomas Rusche freut sich über seine Ehrengäste Christian Achenbach (2.v.links), Hannah Hochbaum in Colmar und Giulio Colombo der CEO von COLMAR (rechts)

 

Zum achten Mal fand im Rahmen der Fashion Week Berlin, der SØR Event “Kleidungskultur trifft Kunst” in der Repräsentanz der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin statt. Special Guest der Veranstaltung war das italienische Label COLMAR und der Maler Christian Achenbach. Die dritte Generation des Familienunternehmens aus Monza verzauberte die Anwesenden mit ihrem italienischen Charme. Unterstrichen wurde die gelassene Stimmung von den Bildern des Künstlers Achenbach. Die zahlreichen Gäste aus der Mode, Kunst und Kultur genossen einen wunderbaren Abend eingerahmt zwischen guter Kunst und schöner Mode!

COLMAR CEO Giulio Colombo mit seiner bezaubernden Frau Laura  verbreiteten gut Laune. Photo by SØR

COLMAR CEO Giulio Colombo mit seiner bezaubernden Frau Laura verbreiteten gut Laune. Photo by SØR

Stilexperte Bernhard Roetzel und Dr. Katja Blomberg (Haus am Waldsee)

Stilexperte Bernhard Roetzel und Dr. Katja Blomberg (Haus am Waldsee)

Ein Plausch unter Italienern - Francesco Rossi (COLMAR), Stefano Colombo (COLMAR) und Raffaella di Carlo (italienische Botschaft)

Ein Plausch unter Italienern – Francesco Rossi (COLMAR), Stefano Colombo (COLMAR) und Raffaella di Carlo (italienische Botschaft)

Van Laack Chef Christian von Daniels

Van Laack Chef Christian von Daniels

Hut-Designerin Ellen Paulssen und Thomas Rusche

Hut-Designerin Ellen Paulssen und Thomas Rusche

Der Maler Christian Achenbach mit Stefan Körner (Villa Grisebach)

Der Maler Christian Achenbach mit Stefan Körner (Villa Grisebach)

di buon gusto - Galerist Stephan Koal und Künstler Silard Isaak

di buon gusto – Galerist Stephan Koal und Künstler Silard Isaak

ART Lover Club Founder Anja Groeschel

ART Lovers Club Founder Anja Groeschel

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Anne-Kathrin Wegener (Galeristin), Andreas Blank (Künstler) und die Kunsthistorikerin und Kuratorin Dr. Teresa Bischoff

Kunst Experten - Galeristin Anna Haas, Sarah Sonderkamp (Sammlung Olbricht) und Wolfgang Schoppmann (me collectors room berlin)

Kunst Experten – Galeristin Anna Haas, Sarah Sonderkamp (Sammlung Olbricht) und Wolfgang Schoppmann (me collectors room berlin)

Jaroslaw Szychulda (Emanuel Berg), Bernhard Roetzel und Petra Szychulda

Jaroslaw Szychulda (Emanuel Berg), Bernhard Roetzel und Petra Szychulda

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Mia Wähälä (Sleek Art), Fritz Bornstück (Künstler und Annika von Taube (Blitzkunst)

Thomas Rusche, Francesco Rossi (COLMAR), Stefano Colombo (COLMAR) und Michaela Kühn

Thomas Rusche, Francesco Rossi (COLMAR), Stefano Colombo (COLMAR) und Michaela Kühn

Der Künstler Via Lewandowsky mit einer besonderen Überraschung!

Der Künstler Via Lewandowsky mit einer besonderen Überraschung!

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Der Slapstick Klassiker, die Torte im Gesicht, als Kunstwerk.

Der Slapstick Klassiker, die Torte im Gesicht, als Kunstwerk.

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Katrin Günther und Professor Bjørn Melhus

Katrin Günther und Professor Bjørn Melhus

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Dieser Hut steht Ihnen verdammt gut! Liebevoll gefertigte Kopfbedeckungen von Ellen Paulssen aus Aachen

Bast-Hut von Ellen Paulssen aus der Sommerkollektion 2014, Photo by Ellen Paulssen

Ein rosa Basthut, mädchenhaft geschmückt mit gewebten Ripsbändern, bunten Stoffblumen und silbernen Ankerbroschen. Ein Veloursfilzhut mit leichtem Glanz aus weichem Hasenhaar, besetzt mit Federbüschel und Enzian-Anstecker. Oder eine sportlich-lässige Herrenhutform, gezogen aus mit Leopardendesign bedruckten Stumpen, verziert mit Vichykaroschleife und einer silbernen Hutnadel. Die Hutkreationen von Ellen Paulssen sind alles andere als durchschnittlich. Jede gewalkte Mütze, jeder Hut ist ein kleines Kunstwerk aus ungewöhnlichen Materialkombinationen und gewagten Details. Seit 1991 fertigt die Hutmacherin in ihrer Aachener Manufaktur handgemachten Kopfschmuck, der im Gedächtnis bleibt. Gemeinsam mit ihrem Mann Volker Lauven, der die Geschäfte leitet, und elf Mitarbeitern kreiert sie mittlerweile rund 12.000 Modelle pro Jahr – und das keinesfalls maschinell. „Jedes Modell wird in traditioneller Handwerkskunst von Hand gezogen, gedämpft, modelliert und genäht“, sagt Ellen Paulssen und pinnt ein Laufstegfoto mit einem behüteten Modell an ihre Inspirationswand im Atelier.

Mood Board im Atelier von Ellen Paulssen, Photo by Ellen Paulssen

Bast und Stroh Hüte aus der aktuellen Ellen Paulssen Kollektion, Photo by Ellen Paulssen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kreativräume sind Teil eines Altbaus mit modernem Anbau im Landschaftsschutzgebiet der Aachener Soers, einen kurzen Spaziergang vom berühmten Dom entfernt. Hier wohnt sie und tüftelt zugleich mit ihrem Team an zwei Kollektionen pro Jahr. Da wundert es nicht, dass die Atmosphäre geradezu familiär anmutet. Dennoch verliert Ellen Paulssen die Mitbewerber und die eigenen ehrgeizigen Ziele nie aus den Augen. Sie hat sich darauf spezialisiert, Hüte und Mützen aus einem Guss herzustellen, indem sie die Materialien aus Stumpen und Capelines aus Stroh und Filz zieht – ein Verfahren, das hohen Tragekomfort ohne drückende Nähte verspricht. Das Wichtigste bei einem Hut ist schließlich die bequeme Passform.

Impressionen aus der Werkstatt von Ellen Paulssen, Photo by Lars Beusker

Bereits ihre ersten Kollektionen präsentierte Ellen Paulssen auf verschiedenen Avantgardeschauen. Dabei entstand auch der Kontakt zum Designteam von Wolfgang Joop, für den sie bald darauf Hüte für Kollektionen und Defilés entwarf. Auch Top-Designer wie Sônia Bogner, Joseph Janard, Annette Görtz, Luis Trenker und Toni Gard zeigten ihre Mode mit Ellen-Paulssen-Hüten. Namhafte Einzelhändler wie Beck und Lodenfrey in München, Schnitzler in Münster, SØR, Bailly Diehl in Frankfurt a. M. und Eder in Kitzbühel führen seit Jahren ihre Modelle. Kopfschmuck ohne Exzentrik Mittlerweile konzentriert sich Ellen Paulssen auf die Expansion der eigenen Marke. Je nach Saison stapeln sich dann im Atelier winterlich wärmende Modelle aus flauschigem Melousine, einer zotteligen Filzart, „die nicht so fein gemacht aussieht“, und aus matterem Woll-Schurfilz mit dicken Fellbuscheln, langen Fasanenfedern und immer wieder alten Stocknägeln. Mit den bonbonbunten Miniansichten von Orten und Sehenswürdigkeiten wie Salzburg, Kitzbühel, dem Kölner Dom oder der Loreley schmückten Wanderer früher ihre Spazierstöcke.

Ellen Paulssen Hüte mit den typischen Applikationen, Photo by Ellen Paulssen

„Die kleinen Plaketten sind der Renner, da flippen die Kunden total aus“, freut sich Ellen Paulssen. Einen weiteren Trend schuf sie mit sogenannten Hut-Mützen: Der Kopfputz wird aus gewalktem Strick zugeschnitten und geformt und fühlt sich weich wie eine Mütze an. Ein großes Herbstthema sind die „Oktoberfest-Hüte“ mit witzigen Vintage-Ansteckern wie Ma.krügen, Edelweiß und Brezeln. „Wir haben Lust am Spiel mit Details“, sagt Ellen Paulssen und hält ein lila Modell hoch, an dem gleich ein halbes Dutzend Anstecker blitzen. Bei aller verspielten Kreativität ist sie bei der Qualität kompromisslos: „Fast spießig sorgfältig“ sei sie bei der Auswahl der Materialien und der Fertigung perfekter Formen für den bestmöglichen Tragekomfort.

RTL Exclusiv Moderatorin Frauke Ludowig ist Ellen Paulssen Fan, Photo by Ellen Paulssen

Im Sommer gehören Hüte mit Schatten spendendem, manchmal fransigem Rand aus Panama-Stroh, gehäkeltem Raffia oder grünlichem Seegras von den Philippinen zu den beliebtesten Modellen. Damit sie nicht kratzen, unterlegt Ellen Paulssen die Naturmaterialien mit knallfarbenem, durchschimmerndem Viskosestroh. Im Unterschied zu den exzentrischen Kreationen, wie sie beispielsweise der Londoner Hutmacher Philip Treacy für die Mode-Elite zu Großereignissen wie der Hochzeit von Prinz William und Herzogin Kate designte, fertigt die Aachener Designerin „Hüte für jeden Tag“. Sie entwirft sie für Frauen „die sich schmücken, schützen, stylen, behüten und belohnen wollen“. Die Bindungen, die Kunden zu ihren Hüten aufbauen, scheinen jedenfalls stark zu sein: „Ab und zu bekommen wir verzweifelte Emails von Kunden, die ihren Hut oder ihre Mütze in irgendeinem Taxi liegen gelassen haben“, erzählt Ellen Paulssen und lächelt. „Dann fertigen wir ihnen den Hut aus der vorletzten Saison eben einfach noch einmal!

Ellen Paulssen im Gespräch mit der SØR Redaktion:

Wie würden Sie Ihre aktuelle Frühjahr/Sommer Kollektion beschreiben?

In der Sommerkollektion 2014 ist Transparenz und Leichtigkeit das vorherrschende Thema. Grob gehäkeltes Seegras lässt Licht und Farbe fießen. Bunte Ripsbänder setzen Akzente und die kleinen Details, wie Knöpfe mit Motiven vom Eiffelturm bis zum bayrischen Pärchen machen Freude.

Wovon lassen Sie sich für Ihre Kollektionen inspirieren?

Inspiration ist unendlich im Alltag zu finden. …….überall. Jede Art von Kunst ist inspirierend. Ob Malerei , Architektur, Musik oder Theater/Film. Doch der kreativste Input ist das Unlogische , nicht Artverwandte.

Sie arbeiten mit hochwertigen Materialien, welche sind das und woher beziehen Sie jene ?

Wir arbeiten mit Sisol einer sehr feinen, millimeterbreiten Art von Sisal. Dies hat einen natürlich matten Glanz. Auch mit  Visca, einem hoch glänzendes Viscosegeflecht, arbeiten wir gerne. Beide Materialien sind federleicht und auf Naturbasis. Geflochten wird es in China, gefärbt in Italien. Verarbeitet wird es ausschließlich in unserer Manufaktur in Deutschland.

Bis in die 1960er Jahre, war es ganz üblich und gehörte zur Etikette, das eine gut gekleidete Dame auch Hüte als natürliches Element in ihrer Garderobe führt. Warum hatte sich das danach verändert und wie stehen Frauen heute zu Hüten?

Das hängt ganz stark mit der Bewegung der 68iger zusammen. Alles was zu Establishment gehörte haben die Frauen abgelehnt. Heute gibt es in dem Sinne keine Etikette mehr. Heute gibt es guten Stil oder Style und da gehört der Hut unbedingt dazu. Es gibt kaum ein Kleidungsstück, mit dem man so stark den Stil betonen kann, als mit der richtigen Kopfbedeckung.

Wie würden Sie die Frauen beschreiben die Ihre Kollektionen tragen?

Froh, selbstbewust, die sich mit guter Mode jeden Tag verschönt. Die meisten Modisten gibt es wahrscheinlich in

Frankreich oder England. Warum haben Sie sich für Aachen entschieden?

Aachen ist meine Heimatstadt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich schätze die geografische Position im Dreiländereck, die Universität mit Ihren Studenten und besonders die Menschen hier sehr. Die Nähe zu Holland und Belgien ist toll. Wir leben in der Euregio miteinander ohne Grenzen. Das gibt mir viel kreativen Freiraum.

Bei Ihnen entstehen alle Kollektionen in feinster Handarbeit in Ihrer Manufaktur. Industriell gefertigte Ellen Paulssen Hüte, könnten Sie sich das jemals vorstellen? 

Unsere Manufaktur in Aachen steht neben unserem Wohnhaus, in dem ich mit meinem Mann,  unseren beiden Kindern und Borderterrier wohne. Wir sind ein wahres Familien Unternehmen. Mein Mann Volker Lauven führt die Geschäfte, ich kümmere mich um das Design. Der Hund liegt im Korb im Atelier und lässt sich gerne streicheln. Die Atmosphäre ist geschäftig und familiär. Die Produktion wird von den Mitarbeiter im Team eigenständig organisiert. Jeder gibt sein bestes und alle sind ein Teil im kreativen Produktionsprozess und stolz auf das hochwertige Ergebnis.

Hut in Action. Bei Ellen Paulssen wird alles von Hand gefertigt. Photo by Ellen Paulssen

 http://www.ellenpaulssen.de/index.php/de/

https://shop.soer-online.de/WOMAN/ACCESSOIRES/2/