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100 Meisterwerke – Teil 6: Jonas Burgert & Willem Cornelisz. Duyster

Willem Cornelisz. Duyster,   Junger Offizier, um 1625, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier, um 1630, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Unser kleinformatiges, ovales Gemälde bietet kein aufregendes Soldatenspektakel, für deren Darstellung Willem Cornelisz. Duyster (1599-1635), einer der brillanten Maler des vielgerühmten und bewunderten niederländischen sogenannten „Gouden Eeuw“, berühmt war. Stattdessen steht lediglich ein „Junger Offizier“ im Profil in einem nicht näher charakterisierten Raum und scheint völlig versunken in die Betrachtung seiner Fußspitzen. Er stellt die Extrahierung einer einzelnen Person aus einem anderen Werk des Künstlers dar, das sich heute im Louvre befindet. Das Pariser Gemälde zeigt mehrere Soldaten beim Plündern eines Hauses. Eine Frau hat sich um Gnade flehend zu Boden geworfen vor dem jungen Mann, der nun in unserem Bild zur alleinigen Hauptfigur avanciert ist.

Willem Cornelisz. Duyster, Die Marodeure, um 1630, Öl auf Holz, Courtesy of Louvre Paris

Willem Cornelisz. Duyster, Die Marodeure, um 1630, Öl auf Holz, Courtesy of Louvre Paris

Die Separierung einer einzelnen Person aus einem Gemäldezusammenhang ist ein einmaliger Vorgang im Oeuvre Duysters. Ob es sich um eine Vorarbeit oder ein späteres Wiederholen der Figur aus dem französischen Bild handelt, muss offen bleiben, genauso wie eine exakte Datierung. Nur vage kann sie aufgrund der Kleidung zwischen 1625 und 1635, dem Jahr als der Maler der Pest erlag, erfolgen. Zu dieser Zeit nämlich war es für hochstehende junge Herren der niederländischen Oberschicht in Mode gekommen, sich nach französischem, koloristisch-aufwändigem Vorbild zu kleiden. Die Jeunesse dorée entledigte sich damit zunehmend einer dunkel-düsteren Kleidung, die sich an der spanischen Hoftracht orientiert hatte.

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier (Detail), um 1630,

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier (Detail), um 1630,

Die mittelweit am Bein anliegenden gamaschenartigen Stiefelbeine und Schuhe unseres Offiziers heben sich weniger durch ihre Farbe vom warmen Braunton der Umgebung ab, als durch ihre minutiös wiedergegebene Struktur des Falten werfenden, samtenen Wildleders sowie der feinen Schnürungen. Der goldfarbene Rock zelebriert eine Eleganz, die eine wahre Augenlust ist. Fast wird man dazu verführt, die Hand auszustrecken um den glattschimmernden, kühlen Seidenstoff zu berühren. Nicht zu eng umschließt das Kleidungsstück den Oberkörper des jungen Mannes und wird in seiner Körpermitte durch eine Schärpe gehalten, während die Enden in Schößen bis zu den Oberschenkeln herabfallen. Es entspricht dem modischen Raffinement der Zeit, die Ärmel in Schlitzen aufzubrechen, um in einem virtuosen Spiel das darunterliegende weiße, aus zarterem Stoff gearbeitete Hemd partiell ebenfalls sichtbar zu machen. Mit lässiger Nonchalance trägt der junge Offizier einen rotsamtenen Umhang um seine Schultern geworfen, der mit derselben goldgelben Seide gefüttert ist wie das Obergewand und so einen farblichen Anknüpfungspunkt schafft.

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier (Detail), um 1630, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier (Detail), um 1630, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Durch das Einstemmen der Hände in die Rückenpartie schiebt er die Stofffülle nach hinten, wo sie sich üppig bauscht und in den Falten das Futter sichtbar macht. Nicht großsprecherisch und dominant wirkt diese Geste, vielmehr zeugt sie von einer natürlichen Autorität. Das nach unten gewandte, sinnende junge Gesicht des Mannes wird von weichen, blonden, schulterlangen Locken gerahmt, die ihrerseits ein breitkrempiger Hut schmückt, der mit weit ausschwingenden, weißen Federn versehen ist. Die Gesamtkomposition des Gemäldes ist eine runde Sache. Nicht häufig schmiegt sich eine einzige Figur so gekonnt und elegant in ihren Rahmen ein. Alle Linien, jede Kontur und schillernde Falte findet den ihr entsprechenden Schwung in dem gebogenen Oval, das Duyster als Form für seinen Offizier gewählt hat. Eine koloristische Zentrierung erhält die Komposition punktuell an der kleinen Stelle des Ellbogens, wo der weiße Stoff aufschimmert. Leicht aus der Mitte verschoben, sorgt diese Aufhellung für zusätzliches Raffinement. Ungefähr zeitgleich stemmt ein anderer Herr etwas weiter nördlich ebenfalls seine Hand in die Hüfte. Anthonis van Dyck porträtierte den später so glücklosen Karl I. von England als einen der Ersten in dieser Pose im Jahr 1635. Es ist eine Geste, die vieles in sich vereint: Stärke, Durchsetzungsvermögen, Machtbewusstsein, aber auch Eleganz und Nonchalance.

 Anthonis van Dyck, Karl I. von England bei der Jagd, um 1635, 272 x 212 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the Musée du Louvre, Paris

Anthonis van Dyck, Karl I. von England bei der Jagd, um 1635, 272 x 212 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the Musée du Louvre, Paris

Wenn der große flämische Porträtist eine Ikonografie der Macht malt, die über Jahrhunderte hinweg in zahlreichen Herrscherporträts aufgegriffen werden wird, nicht zuletzt von Hyacinth Rigaud in seinem berühmten Bildnis von Ludwig XIV., so spielt Duyster in einer subtilen Art und Weise mit dieser Geste. Der junge Offizier nimmt diese Pose zwar ein, jedoch nicht für ein Publikum, dem er sich präsentiert, sondern aufgrund einer inneren Haltung. Ob er über das Kriegsgeschehen nachdenkt, das er trotz seiner Jugend in seiner Funktion als Offizier in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts, also mitten in den Wirren des 30-jährigen Krieges, sicher in all seinen Facetten bereits hat erleben müssen? Seine Pose, die wie eine überzeitliche Allegorie des Sinnens an sich erscheint, lässt die Annahme eines Nachdenkens über eine konkrete Situation, wie sie beispielsweise in dem Louvre-Gemälde dargestellt ist, eher unwahrscheinlich erscheinen.

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier (Detail), um 1630, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier (Detail), um 1630, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Anders als dort richtet der Offizier seine Aufmerksamkeit nicht auf ein ihn umgebendes Geschehen, vielmehr werden wir Zeugen einer nach innen gerichteten Reflexion von äußerster Aufmerksamkeit. So jung uns dieser Offizier hier gegenüber tritt, so erfahren und souverän bewegt er sich in seiner Gedankenwelt, die ihm vermutlich schon oft geholfen hat, weitreichende und existenzielle Entscheidungen zu treffen. Kleidung und Pose könnten nicht aufmerksamkeitsheischender sein; und dennoch scheint der junge Mann genau auf das – diese seine eigene äußere Erscheinung und deren Wirkung – so überhaupt keinen Gedanken zu verschwenden. Die Inkongruenz von äußerer Form und innerem Bewusstseinsgehalt macht das Spannungsmoment dieses Bildes aus.

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Jonas Burgert, Im Kessel, 2010, 120 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Inkongruenzen entdeckt man auch im Werk eines anderen Künstlers. Als heiteren Menschen bezeichnet sich Jonas Burgert. Und auf den ersten Blick scheint das ausgewählte Gemälde des Künstlers diesen über sich selbst konstatierten Gemütszustand sogar zu bestätigen. Scheinbar lustig geht es zu in dem turbulenten Bild namens „Im Kessel“ aus dem Jahr 2010, in dem eine harlekinartige Figur vor lauter Lebenslust nicht einfach am Roulettetisch Platz nimmt, sondern sich mitten in den Kessel des Glücksspiels schmeißt. So rasend schnell und überbordend dreht er sich, dass nicht nur die Kugel, sondern auch die aufgetragene Farbe von der Fliehkraft erfasst wird und in wilden Spritzern der inhaltlichen Dynamik eine koloristische Form verleiht. Haltsuchend hat sich das giftig grüne Männchen auf die Vorrichtung gehockt, die dem Croupier dazu dienen soll, das Rouletterad in Bewegung zu setzen. Wie im Innern eines Orkans lässt er sich von der Bewegung mitreißen und scheint seinen Spaß daran zu haben. Die Augen hält er geschlossen, vermutlich um von der wilden Drehbewegung nicht schwindelig zu werden. Der Mund ist weit geöffnet. Passend zu seiner scheinbar lustigen Unternehmung hat er das Haupt mit bunten Bändern geschmückt, von denen sich ein blau farbenes losgemacht hat und der ganzen Figur in ihrer Drehbewegung auf dem Rad folgt.

Jonas Burgert, Im Kessel (Detail), 2010, 120 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Jonas Burgert, Im Kessel (Detail), 2010, 120 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Keine weiteren Personen befinden sich auf dem Gemälde, der kleine Geselle muss sich selbst vergnügen, ohne dass ihm jemand dabei Gesellschaft leistet. Es scheint ihn nicht wirklich zu interessieren, dass die Kugel im Feld der Zahl 9 zu liegen gekommen ist. Die Augen hat er ja geschlossen. Es ist ein Vergnügen um des Vergnügens Willen, das wenig Aufmerksamkeit auf seine Umgebung oder ein bestimmtes Ziel richtet. Weder dass es sich dabei um einen sehr einsamen Spaß handelt, noch der eigentliche Sinn des Glücksspiels, nämlich sein Schicksal auch in Kenntnis des Risikos des Verlustes herauszufordern, sind ihm bewusst.

Jonas Burgert, Im Kessel (Detail), 2010, 120 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Jonas Burgert, Im Kessel (Detail), 2010, 120 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Wie das Glücksspiel selbst, so verstehen auch die Bilder von Jonas Burgerts Hand zu verführen: durch eine eingängige, verständliche Ikonografie wird das Auge des Betrachters mittels geschickt angewandter Form und Farbsprache gefangen genommen. Dann jedoch, wenn man sich darauf eingelassen hat, wird einem allmählich gewahr, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Lassen wir uns nicht blenden von der grellen Farbe und der vorgetäuschten Heiterkeit, so können wir uns des Eindruckes nicht erwehren, dass wir es hier mit einem wahrhaft traurigen Bild zu tun haben. Hinter die vergnügliche Fassade geschaut, erblickt man ein einsames Wesen, das sich einen kurzen Genuss verschafft durch eine allzu billige und vergängliche Lustbarkeit.

Sowohl das Gemälde von Jonas Burgert als auch die Darstellung von Willem Cornelisz. Duyster halten ihr Versprechen des ersten Blickes nicht ein. In beiden Bildern spielt nur eine einzige Person die Hauptrolle. Duyster wählt für sie eine ikonografisch reizvolle Pose, verpackt sie noch dazu in einer modischen Aufmachung, die gewöhnlich für äußerliche Repräsentation steht, und füllt sie dann aber mit größtmöglicher, innerer präziser Bewusstheit. Er verleiht dem Bild damit eine tiefer gehende Aussage, die sich erst nach eingehender Betrachtung erschließt. Die Figur im Kessel von Jonas Burgert hingegen wirkt auf den ersten Blick heiter und vergnügt, klammert sich bei näherem Hinsehen jedoch an ein ephemeres Vergnügen, das ihr keine wirkliche Freude, keine wirkliche Befriedigung bringen wird, da sie in höchstem Maße vergänglich ist und Pleiten und Schwindel hinterlässt. Was auf den ersten Blick wie ein harmloses menschliches Vergnügen wirkt, entpuppt sich in Wahrheit als leerer Spaß mit fahlem Ausgang. In diametraler Weise spielen beide Künstler mit der Erwartungshaltung des Betrachters, wenn er vor ihr Werk getreten ist. Sowohl Burgert als auch Duyster haben ihre Bilder auf diesen einen Bruchteil eines Moments hin ausgelegt, in welchem dem Betrachter bewusst wird, dass nichts so täuschen kann wie die äußere Erscheinung eines Bildes. Einen Moment, der noch kürzer ist, als die Sekunde des „rien ne va plus.“

Jonas Burgert, Im Kessel, 2010, 120 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Jonas Burgert, Im Kessel, 2010, 120 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Willem Cornelisz. Duyster,   Junger Offizier, um 1630, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Willem Cornelisz. Duyster, Junger Offizier, um 1630, 30 x 22,5 cm, Öl auf Holz (Hochoval), Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

„Die 9 will ich dann spielen, habe das Gefühl, dass sie kommen könnte, mehr so ein seltsames Ahnen ist das, ich trinke auch schon den dritten Whisky, will mich wie ein alter Spieler fühlen, und ja, ich ahne und fühle, dass die 9 nun kommen kann, kommen wird, aber entscheide mich im letzten Moment wieder für die 21, und die Kugel klimpert, nichts geht mehr, und die 9 fällt.“ Auszug aus Clemens Meyer: Gewalten. Ein Tagebuch. Frankfurt 2010. S. 189.

Jonas Burgerts Gemälde „Im Kessel“ ist Teil eines sich in der SØR Rusche Sammlung befindlichen Illustrationszyklus unterschiedlicher Künstler zu dem Erzählband von Clemens Meyer.

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http://www.fischerverlage.de/buch/gewalten/9783100486035

Literatur:

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Genre. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung.

Münster 1996. S. 102-105.

http://www.jonasburgert.de/category/interviews/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung "Gute Kunst? Wollen!" http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!”
http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

100 Meisterwerke – Teil 2: Pieter Verelst & Steve Viezens

Steve Viezens, Me and myself (Detail), 2012, Öl auf Leinwand

„Wer bin ich und wenn ja, wieviele?“ fragte vor knapp 10 Jahren der Philosoph Richard David Precht auf dem Cover seines Bestsellers. Allein bis ins Jahr 2013 erhofften sich mehr als eine Million Leser vom Inhalt des Buches eine Antwort. Nur wenige andere grundsätzliche, das menschliche Sein betreffende Fragen scheinen den Menschen so zu beschäftigen. Sind es heute philosophische Bücher, die uns den Weg weisen, kannten auch frühere Epochen Mittel und Wege, sich dem eigenen oder fremden Ich in seiner Vielschichtigkeit zu nähern. Da das Antlitz stets auch als Spiegel des Inneren gesehen wurde, entwickelte sich das Abbilden des Menschen zu einer der vornehmsten Aufgaben von Malerei und Bildhauerkunst. Rapide nahm seit dem 15. Jahrhundert die Anzahl der Porträts zu, wobei der Kreis der Dargestellten immer weiter gefasst wurde. Waren es zu Beginn ausschließlich hochstehende Würdenträger, vergrößerte sich die Gruppe der Porträtwürdigen im Laufe der Zeit immer mehr.

Angestrebt wurde zunächst jedoch nicht die Individualität des Einzelnen abzubilden, sondern gewisse Fähigkeiten und Tugenden zum Ausdruck zu bringen, die mit dem Stand, dem diese Person angehörte, assoziiert wurden. Herrscher zeigten sich beispielsweise stets durchsetzungsstark und entschlossen, die zugehörigen Ehefrauen zumeist tugendhaft und fromm. Dabei spielte die Memoria, die Erinnerungsfunktion, eine unleugbar große Rolle, waren doch Bilder im Gegensatz zu heute weder mit minimalstem Aufwand zu erstellen noch jederzeit digital verfügbar. Kaiser Maximilian brachte es auf den Punkt als er im Blick auf sein von Albrecht Dürer angefertigtes Porträt sagte: ,,Wer sich im Leben kein Gedächtnis macht, wird mit dem Glockenton vergessen.”

Albrecht Dürer, Kaiser Maximilian I, datiert auf 1519, Öl auf Lindenholz, 74 x 61,5 cm, im Besitz der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien, Gemäldegalerie

Die repräsentative Rolle, die ein klug gemaltes Porträt sowohl zu Lebzeiten als auch für die Nachwelt spielte, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Von Friedrich dem Weisen ist bekannt, dass er strengstens darüber wachte, welches Bild die Menschen sich von ihm machten, indem er kontrollierte, welche Porträts von ihm in Umlauf gebracht wurden. 

Nicht mit einem Herrscherbildnis, das fest gezirkelten Vorstellungen entsprechen muss, ja vermutlich nicht einmal mit einer wirklich identifizierbaren Person, haben wir es nun bei dem Gemälde eines „Jünglings mit Federbarett“ von Pieter Verelst aus dem Jahr 1633 zu tun. Im 17. Jahrhundert fand in den Niederlanden aufgrund der umwälzenden politischen Verhältnisse auf dem gesamten Kunstmarkt und damit einhergehend auch in der Porträtkunst ein tiefgreifender Wandel statt. Neben den an der Ikonografie von Adelsporträts orientierten bürgerlichen Standesporträt, kommt eine neue Gattung von Bildnissen auf, die nicht primär repräsentative Zwecke erfüllt, sondern das menschliche Wesen tiefgreifend in den Blick nehmen soll. Derartige Menschenstudien, Charakteranalysen, Wesenserkundung werden seither unter dem Begriff der Tronie zusammengefasst. Es ist die Darstellung eines Gesichtes, bei der es nicht um die Identifizierung einer bestimmten Person geht, vielmehr um ein allgemeines Erkunden der menschlichen Physiognomie, sei es Bauer oder Bürger, Soldat oder Bürgermeister. Ohne zu wissen um wen es sich handelt, nimmt uns das tronienhafte Gesicht des Pieter Verelst gefangen.

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett, 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Erstaunt, mit leicht geöffnetem Mund, hochgezogenen Augenbrauen und dadurch gekräuselter Stirn, wendet sich uns der aufwändig gekleidete junge Mann aus dem Oval zu, das in den rechteckigen Rahmen eingemalt ist. Anmutig und elegant erscheint sein feingeschnittenes Gesicht, von links oben sanft beleuchtet. Schräg sitzt die gebauschte rote Samtkappe auf den ebenfalls rechts volumiger ausfallenden Locken, die jedoch so weit zurückgenommen sind, dass der fein glänzende Ohrhänger sichtbar wird. In fulminantem Schwung, kostbar von einer Agraffe an der Krempe des Baretts gehalten, ragt die Feder weit über die Kopfbedeckung hinaus. Halsnah bis über die Brust trägt der junge Mann ein in kleinen Falten angelegtes Tuch, dessen Bewegtheit sich in der weiter unten über dem Oberkörper liegenden, kostbar mit Juwelen besetzten Goldkette wiederholt. Bis zum unteren Bildrand verschwindet der Oberkörper immer weiter in einer dunklen Zone, genau wie die abgewandte linke Gesichtshälfte. 

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett (Detail), 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Subtile Verschattungen, die den Betrachter stets in der Unsicherheit lassen, ob der Dargestellte sich nicht vielleicht gleich darin der Sichtbarkeit entzieht, sind ebenso Anleihen an Rembrandts Porträtkunst wie die der Fantasie entsprungenen Kostümierung. Ungewöhnlich früh adaptiert Verelst die Neuerungen seines großen Kollegen und findet dabei eine ganz eigene Handschrift. Meisterhaft schmiegt er die Konturlinien, das Licht- und Schattenspiel, die fein ausgearbeitete, variantenreiche Stofflichkeit, das brillante Funkeln der Juwelen und das weiche Kolorit in das dafür so passend erscheinende Oval. Die Vielheit in der Einheit ist seit der Renaissance einer der höchsten Ansprüche an die Komposition eines Künstlers. Augenlust und Neugier erzeugt Verelst mit seiner Vorgehensweise. Und dennoch lässt sich dieses Bildnis nicht auf eine elegante Oberfläche reduzieren. 

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett (Detail), 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Wie bereits Rembrandt in seinen berühmten Selbstporträts, nutzt auch Verelst die Abbildung des menschlichen Gesichts zu Charakterstudien, verschwendet sich aber nicht am luxuriös-eleganten Äußeren, sondern legt das Augenmerk des zweiten Blicks dezidiert auf das Innere der Persönlichkeit. Der Jüngling präsentiert sein Antlitz in einer Beredtheit, dass man seine prächtige Aufmachung fast darüber vergisst. Noch interessanter erscheinen uns doch das Innenleben und die Gedankenwelt des jungen Mannes, die sich im Gesicht spiegeln. Inwieweit wir bei der Interpretation des Minenspiels unser eigenes Innenleben darauf projizieren, sei dahingestellt. Den nötigen Spielraum der Deutung lässt Verelst vor allem durch die bemerkenswerte Tatsache entstehen, dass der Jüngling am Betrachter vorbeiblickt. Er wähnt sich unbeobachtet. Von unserer Anwesenheit scheinbar unbeeinflusst schenkt er uns einen authentischen Eindruck seines Wesens, das sich in den sprechenden, feinnervigen Gesichtszügen zeigt. Ein Vergleich mit Gesichtern aus anderen Gemälden Verelsts, die von Hans-Joachim Raupp als Selbstbildnisse identifiziert wurden, schließt jedoch aus, dass der Künstler wie Rembrandt sein eigenes Gesicht zu Studienzwecken herangezogen hätte. 

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Steve Viezens, me and myself, 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Ganz im Gegensatz zu Pieter Verelst lässt Steve Viezens bei seinem im Jahr 2012 entstandenen Selbstporträt keinerlei Unklarheiten aufkommen. „Me and myself“ hat er es betitelt, wodurch jegliche Spekulation um wen es sich dabei handeln könnte im Keim erstickt wird. Halbfigurig nach links gewandt, in fast aufdringlicher Nahsichtigkeit, präsentiert sich der Künstler. Der Hintergrund bleibt dunkel, die Lichtquelle fällt auf das Gesicht und den entblößten Oberkörper und leuchtet diese Partien stark aus. Seine rechte Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger hält er dem Betrachter provozierend entgegen. Dazu passt der leicht überhebliche Gesichtsausdruck, mokant mit angedeutetem Lächeln. Auf dem Kopf trägt er eine üppige aus Weinlaub und Trauben gewundene Krone.

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Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Dass der Künstler sein eigenes Antlitz zum Bildmotiv erhebt hat eine lange Tradition. Versteckten sich die Maler des 15. Jahrhunderts noch häufig innerhalb ihrer Kompositionen, war Dürer um 1500 vermutlich der erste Künstler, der sich nachweislich in einem autonomen Bildnis festhielt. In diesen Gemälden geht es um Stolz auf das eigene elegante Aussehen, den Status und natürlich um den Beweis der bravourösen Pinselführung, ausgeführt am eigenen Konterfei. Während der 500 Jahre, die zwischen Dürer und Viezens liegen, wird die Produktion von Künstlerselbstbildnissen immer reichhaltiger. Da Erschaffer und Motiv identisch sind, ist es eine der spannendsten Gattungen überhaupt. Der Betrachter bekommt den Eindruck von größter Unmittelbarkeit, da es sich um DAS Bild handelt, das der Künstler selbst von sich hat. So und nicht anders möchte er sich seinen Zeitgenossen zeigen und der Nachwelt überliefert wissen. Das Eigenbild  wird in diesen 500 Jahren zunehmend privater, intimer, es wird zweifelnder, bisweilen verzweifelter, es fordert den Betrachter heraus. Jeder Künstler, der etwas auf sich hielt, hat sich selbst im Bildnis festgehalten. Rembrandt wiederum ist aus der Reihe der Künstler herauszugreifen, da er so häufig wie kein anderer sein eigenes Antlitz zum Bildmotiv erkoren hat. Von jung bis alt, von stolz, wohlhabend und erfolgreich bis hin zum von Schicksalsschlägen gezeichneten, nachlässig gekleideten Mann reichen seine ungeschönten Selbstdarstellungen, in denen doch stets die Aufmerksamkeit auf das Wesensinnere gelegt wird. 

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Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Steve Viezens präsentiert sich nackt, abgesehen von der Laubkrone, die diesen Zustand noch zu unterstreichen scheint. Er braucht keine Verkleidung mehr. Er zeigt sich offen und schonungslos. Schützen ihn sein autonomes Künstlerdasein und seine provokante Geste ausreichend? Ich und ich selber, so könnte man etwas holprig den Titel des Bildes übersetzen. Viezens belässt es nicht bei einem Abbild seiner selbst, sondern verrät durch den Titel, dass wir es hier wohl mit seinem alter ego zu tun haben. Der Künstler versteckt sich hinter seinem Kunstschaffen und ist deshalb nur mittelbar im Bild vorhanden. Die öffentliche Fremdwahrnehmung trifft auf das Selbstverständnis des Künstlers.  Auf dieses Spannungsverhältnis geht Viezens ein. Wenige Berufe erzeugen bei Außenstehenden so viele Assoziationen, wie das Künstlerdasein. Seit dem 19. Jahrhundert ist es nicht mehr der gelehrte, vornehme und distinguierte Kunstschaffende, der sich in den oberen Gesellschaftsschichten zu bewegen weiß, sondern der Mann, der sich den bürgerlichen Normen aufgrund seines künstlerischen Genies entzieht und durch diesen andersartigen Lebenswandel die Fantasie seiner Zeitgenossen anregt. Als „poetisch, phantastisch, bacchantisch, erotisch, antikisch, physisch und geometrisch“ beschrieben beispielsweise Cezannes literarische Zeitgenossen den Malerfreund und fanden damit die treffenden Worte für ein Künstlerimage, das bis heute nachzuwirken scheint, wie auch Steve Viezens selbst betont: „Auch wenn das Bild vordergründig den Anschein erweckt, entspreche ich nicht dem Klischee des Künstlers mit nie enden wollenden bacchantischen Festen, Wein, Weib und Gesang und trotzdem werde ich häufig mit diesem Klischeebild konfrontiert,“ sagt der Künstler zu seiner Selbstdarstellung. „Meine Meinung dazu habe ich in diesem Gemälde deutlich dargestellt.“

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Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Motivisch ist Viezens’ „me and myself“ mit Caravaggios Bacchantendarstellungen verwandt, die ebenfalls mit Weinlaub bekrönt und halb entkleidet, erscheinen. Je nach Gesundheitszustand (von Caravaggio ist ein jugendlicher und ein kranker Bacchus erhalten) bieten sie dem Betrachter entweder ein Glas Wein dar oder halten eine Weintraube umklammert. Vielen Kunsthistorikern erscheinen sie als versteckte Selbstporträts des italienischen Barockmalers. Halten sich Caravaggios Gesellen jedoch in höflicher Distanz zum Betrachter, so drängt Viezens sich frech auf. Man kann ihm nicht entkommen und gleichzeitig macht er einem deutlich, was er davon und überhaupt vom Betrachter seiner selbst, hält. War es in der Antike verbreitet, dass auf den Inschriften von Kunstwerken die Ichform verwendet wurde, beispielsweise um den Künstler zu betiteln, oder das Gegenüber zu grüßen, hält Viezens Ebenbild sich nicht mehr an solche überkommenen Höflichkeitsformen. Sogar deutsche Vizekanzler bedienen sich mittlerweile dieser Mittelfingergeste und machen sie damit fast schon gesellschaftsfähig.

Während Verelsts Jüngling mit seinem Bildnis den Eindruck erweckt, als wäre es gar nicht für den Betrachter geschaffen worden, lässt Viezens keinen Zweifel daran, dass er sich genau an selbigen richtet. Er konterkariert mit dieser Haltung die Intention aller früheren Selbstbildnisse, die ihr Künstlertum zur Schau stellten und zumeist auf ein harmonisches Verhältnis zu ihrem Gegenüber abzielten.

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett, 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

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Steve Viezens, me and myself, 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Beide Bilder stellen sich der Situation des Betrachtetwerdens. Verelsts Jüngling negiert sie durch seine volle Konzentration auf ein Sehen und Erleben, das mit dem Betrachter in keinerlei Verbindung steht. Viezens nutzt hingegen die Taktik des Angriffs als beste Verteidigung.  Offensiv und frech tritt er dem Betrachter gestisch vor das Schienbein, bevor dieser überhaupt in der Lage ist auf das Bild zu reagieren. 

Beide Gemälde rezipieren ungewöhnlich stark die gattungsrelevanten, kunsthistorischen Aspekte: die subtile Balance zwischen inneren und äußeren Attributen, das Spiel von Offenlegen und Verbergen, die Beziehung zum Betrachter. Innovativ mit diesem Vermächtnis jonglierend stehen beide Porträts stellvertretend für ihre Zeit. Bei Verelst ein Wegbewegen von den repräsentativen, auf Standesäußerungen abzielenden Bildnissen in der Rezeption Rembrandts, bei Viezens, die Einreihung in die Vielzahl der Künstlerselbstporträts, an deren großem Erbe er aber nicht scheitert, sondern fröhlich dazu seine Meinung kundtut.  Auf höchst eigenwillige Weise versuchen sich beide Künstler der Vielschichtigkeit des (eigenen) menschlichen Wesens und damit der Frage: Wer bin ich und wenn ja wieviele? zu nähern. Und stellen damit auch uns als Betrachter diese Frage.

Adriani, Götz: Paul Cezanne. München 2006. S. 9.

Bredekamp, Horst: Theorie des Bildakts. Berlin 2010. S. 60-69.

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Genre. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1996.  S. 248-251.

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Portraits. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1995.  S. 142-145.

Ich danke Steve Viezens herzlich für die freundliche Erläuterung seines Selbstporträts.

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Dr. Teresa Bischoff (*1979) studierte Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Geschichte in Erlangen und Rom. Kürzlich erschien ihre Dissertation “Kunst und Caritas” über Leben und Werk der Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Emilie Linder. Nach Dozententätigkeiten in Erlangen, Ansbach und Nürnberg ist sie nun wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

 

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

http://www.galeriekleindienst.de/kuenstler,steve_viezens,138.html

Ausstellung: Tierstücke – der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Julius Hofmann, Einsames Zuhause, 2010, 200x190cm, Acryl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, Photo by Galerie Kleindienst

Vom 10. 02.-28. 04.2013 richtet das Museum Abtei Liesborn den Blick auf die Tierstücke der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Die Ausstellung Tierstücke vereint 17 Gemälde niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts mit insgesamt 74 Arbeiten zeitgenössischer Künstler. So entsteht ein spannungsreicher Dialog, dem der Besucher aufgefordert ist, zu folgen. Seit der Frühzeit zählt das Tier zu den beliebtesten Motiven der bildenden und angewandten Kunst. Die Ausstellung nähert sich dem Bildgegenstand Tier unter fünf Gesichtspunkten, denen jeweils ein Raum gewidmet ist: I. Das Tier als Schmuckwerk II. Raubtier und Beute oder Fressen und gefressen werden III. Das Tier als Gefährte des Menschen und der Mensch als Nutznießer des Tiers oder Haus- und Nutztiere IV. Anthropomorphismen: Der Mensch als Tier, das Tier als Mensch I. Das postmoderne Tier: Leben in einer denaturierten Welt Die Beweggründe Tiere darzustellen, sind äußerst vielfältig. Künstler nutzen das Motiv, um auf die Schöpfung Gottes und die Artenvielfalt des Kosmos zu verweisen. In seiner Wildheit wird es zum Furcht einflößenden und bewunderten Fabeltier. Ambivalenz erweist sich in der Darstellung als Jäger und Gejagter oder es spiegelt ein wissenschaftliches Interesse. Als Metapher steht es für menschliches Verhalten und manchmal dient es nur der Dekoration. In der holländischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts finden Tierbetrachtung und Tierdarstellung einen Höhepunkt.

Dirck Wijntrack, Wasservögel an einem Schlossgrabem, ca. 1650, 90 x 125 cm, Öl auf Holz, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, Photo Lars Beusker

Besonders charakteristisch für das Tierbild in Holland sind seit der Mitte des 17. Jahrhunderts das sogenannte „Viehstück“, das Nutztiere auf der Weide darstellt, das „Jagdstück“, bei dem Hunde Jagd auf Beutetiere machen sowie der „Geflügelhof“. Zeitgenössische Künstler haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit dem Thema Tier befasst. In Rückbesinnung auf die alte Tradition der „Tierstudie“ zeugen viele Tierbilder der Gegenwartskunst von aufmerksamer Beobachtung. Sie dokumentieren unterschiedliche Aspekte des Tierseins ohne es mit einer spezifischen Deutung zu versehen. Daneben gibt es zahlreiche Werke, die das von Zwiespältigkeit geprägte Verhältnis zwischen Mensch und Tier reflektieren, analysieren, kritisieren oder ironisieren.

Ruprecht von Kaufmann, Ajax, 2007, 160 x 180 cm, Öl, Wachs, Pigment auf Leinwand, Photo by SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Folgende Künstler werden in der Zeit vom 10.02 – 28.04.2013 zu sehen sein: Agate Apkalne, Tilo Baumgärtel, Andrea Bender, Abraham Hendricksz. van Beyeren, BEZA, Joe Biel, Ina Bierstedt, Cornelis Biltius, Irene Bisang, Norbert Bisky, Anthonie van Borssom, Bernhard Buhmann, Marcin Cienski, Jan Dörre, Simon Johannes van der Douw, Martin Eder, Tom Ellis, Valerie Favre, Pavel Feinstein, Martin Galle, William Gowe (Gouw) Ferguson, Mitja Ficko, Adrian van Gryff, Paule Hammer, Katrin Heichel, Julius Hofmann, Feodora Hohenlohe, Abraham Hondius, Johannes Hüppi, Balthasar Huys, Malgosia Jankowska, Michał Jankowski, Friederike Jokisch, Ruprecht von Kaufmann, Inga Kählke, Kai Klahre, Andrey Klassen, Olrik Kohlhoff, Paweł Książek, Karin Kneffel, Shay Kun, Claudia Landwehr, Carolin Löbbert, Rosa Loy, Christoffel Lubieniecky, Kai Mailänder, Jacobus Sibrandi Mancadan, Casey McKee, Sebastian Meschenmoser, Claes Cornelisz. Moeyaert, Brian Montuori, David Nicholson, Heribert C. Ottersbach, Carlos Perez, Jochen Plogsties, Nadin Maria Rüfenacht, Cornelia Schleime, Lothar Schliemann, Jan Ulrich Schmidt, Rigo Schmidt, Otto Marseus van Schrieck, Tanja Selzer, Slava Seidel, TAL R, Jan Tengnagel, Karthrin Thiele, Jacob Toorenvliet, Pieter Cornelisz Verbeek, Steve Vinzens, Jacobus Victors, Matthias Weischer, Jan Wijnant, Dirck Wijntrack, Shi Zhiying.

Marcin Cienski, Reconcilation, 2012, 90 x 70 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin Photo by Galerie Jochen Hempel

 

Bilder der Ausstellungseröffnung am 09. Februar 2012

Museum Abtei Liesborn Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Thomas Rusche Photo by SØR

Ausstellungsansicht (Paule Hammer, Schweinehund) Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Mark Gisbourne & Katja Blomberg

Dr. Elisabeth Schwarm & Rupert Pfab

Ausstellungsansicht (Rigo Schmidt, Außenseiter) Photo by SØR

Thomas Rusche Photo by SØR

 

Museum Abtei Liesborn

 

SØR Rusche Sammlung: Europäischer Monat der Fotografie – Artist Talk mit Carina Linge

Europäischer Monat der Fotografie

Carina Linge und Katja Reich Photo by Wolf D. Hoffmann

Barbara Probst, Exposure#70,2009 Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin Photo By Wolf D. Hoffmann

Thomas Rusche & Carina Linge Photo by Wolf D. Hoffman

Krzysztof Zielinski, Millenium School#23, 2007 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Anna Kott, Beza & Carina Linge Photo by Wolf D. Hoffmann

Pieter Hugo, Messina/Musina Pieter and Maryna Vermeulen with Timana Phosiwa, 2007 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Katharina Mantel, Vasen Ekstasen, 2012 Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

Carina Linge & Thomas Rusche Photo by Wolf D. Hoffmann

Stanislaw Ignacy Witkiewicz or Witkacy, Improvised Scenes, 1932 Courtesy of the SØR Rusche Collection Photo by Wolf D. Hoffmann

Lois Renner, Küchenstillleben, 2008 Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin Photo by Wolf D. Hoffmann

FOTOGRAFIE IM DIALOG MIT ALTEN MEISTERN

Nobuyoshi Araki, Beza, Pieter Hugo, Vandy Rattana

Der ungewöhnliche Dialog von Alten Meistern und zeitgenössischer Fotografie erklärt sich nicht zuletzt aus der Geschichte der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Deren Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück als der Urgroßvater des Sammlers Thomas Rusche im Münsterland mit Pferd und Wagen Textilhandel betrieb und alte Bilder, Hausrat und Herdplatten in Zahlung nahm. Über Generationen wurde dieser Besitz westfälischer Kunst und Antiquitäten vererbt. In den 1960er Jahren übernahm Thomas Rusches Vater Egon den Bestand und konzentrierte sich auf die Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Zunächst gemeinsam mit seinem 1996 verstorbenen Vater baut Thomas Rusche die Sammlung Alter Meister bis heute kontinuierlich weiter aus und ermöglicht deren wissenschaftlichen Aufarbeitung. Seit 2005 wird die Sammlung des Modeunternehmens um zeitgenössische Positionen ergänzt. Der Fokus liegt auf Malerei im Kabinett-Format. Jedoch befinden sich neben Zeichnungen und Druckgraphiken, Skulpturen und Medienkunst heute über 100 Fotografien in der Sammlung. Das Medium der Fotografie fasziniert den Sammler auf Grund seiner Augenblickhaftkeit und dem fortwährenden Spiel zwischen Schein und Sein
An drei Samstagen im November werden ausgewählte fotografische Arbeiten im Dialog mit der Malerei Alter Meister in den Räumen der SØR Repräsentanz in Berlin-Charlottenburg gezeigt.

Vandy Rattana, Rattanakiri I Bomb Ponds, Courtesy of the SØR Rusche Collection

SØR RUSCHE SAMMLUNG OELDE/BERLIN

3.11. – 17.11.2012

AUSSTELLUNGSORT

SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin
Schlüterstraße 53
10629 Berlin

Sa 3. + 17.11.2012 14-16 Uhr

ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL

S5, S7, S75 Savignyplatz

EITRITTSPREISE

Eintritt frei

Anmeldung
m.kuehn@kleidungskultur-soer.de
(jeweils bis 1 Woche vor Veranstaltungsbeginn möglich)

VERANSTALTER

SØR Rusche Markengesellschaft mbH
Wiedenbrücker Str. 1
59302 Oelde

T 02522 8260

www.kleidungskultur-soer.de

KURATOREN

Thomas Rusche

Eröffnung “Alles Wasser” in der Galerie Mikael Andersen

Photo by SØR

“Wasser” ein Sujet fasziniert die Kunst! Ein Dialog zwischen Niederländischen Meistern des 17. Jahrhunderts und zeitgenössischer Kunst in der Galerie Mikael Andersen Berlin.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR 

Der Quell allen Lebens ist das Wasser. Gerade weil es ein so existenzielles Element ist, fasziniert es die Menschheit seit Jahrtausenden und lieferte schon immer reichlich Nahrung für die Mythologie, Poesie, Musik und die bildende Kunst.

 

 

Der menschliche Körper besteht aus einem überwiegenden Teil aus Wasser und 70 % der Erde sind mit Wasser bedeckt, den Ozeanen, Meeren, Seen und Flüssen. Gerade die Ambivalenz die uns das Meer assoziiert, auf der einen Seite die Ruhe, die Weite und Freiheit, auf der Anderen die unbeherrschbare Urgewalt, das Unergründliche und das Geheimnisvolle, polarisieren die Fantasie und den Pioniergeist des Menschen.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Nur in der christlichen Religion wir das Meer von Gott beherrscht, Moses kann es teilen, Jesus darauf wandeln und die Kirche instrumentalisiert das Wasser als symbolisches Glaubens-Werkzeug für die Taufe.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Als im 17. Jahrhundert die Macht der Kirche und des Adels abschwellt und die Aufträge der Hierarchen für Portrait- und Auftragsmalerei abnimmt, wenden sich die Künstler der Genremalerei zu und entdecken das Wasser als Sujet. Bedeutsam sind dabei die Vielzahl von entstanden Wasserstücken der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Bis heute spielt das Wasser als Motiv eine wichtige Rolle. Die Urgewalt ist unberechenbar, lässt Luxusliner wie die Titanic sinken, überschwemmt als Tsunami ganze Küsten und reißt Menschen in den Tod. Die bizarre Gewalt befeuert die Faszination. Das Element Wasser darzustellen ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern bleibt nach wie vor ein Anliegen und Bedürfnis der Künstlerinnen und Künstler. Damals und heute.

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Die Ausstellung “Alles Wasser” in der Galerie Mikael Andersen widmet sich ganz diesem klassischen Sujet. Kuratiert wird die Ausstellung von dem Künstler Philip Grözinger, der in Zusammenarbeit mit Dr. Dr. Thomas Rusche, ausgewählte Positionen von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern und Werke der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, in einen Dialog stellt. Ausstellungsdauer: 25. Mai bis 13. Juli 2012 Verlängert bis zum 25. August 2012

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Amelie & Philip Grözinger Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Dr. Dr. Thomas Rusche Photo by SØR

Marcel Eichner Photo by SØR

Beza Photo by SØR 

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Mark Gisbourne Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Thomas Rusche, Stefanie Hillich & Moritz Schleime Photo by SØR

Andrei Loginov Photo by SØR

Annette Weber Photo by SØR

Ausstellungs-Ansicht “Alles Wasser” Photo by SØR

Frederic & Stephanie von Dallwitz Photo by SØR

Mikael Andersen Photo by SØR

Künstler der Ausstellung “Alles Wasser”

http://www.mikaelandersen.com/berlin/exhibitions/current/

“Eros & Thanatos” Bilder einer Ausstellung und Pressestimmen

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Bilder der Finissage und der Präsentation der Publikation “Eros & Thanatos” vom 02. Juni 2012

http://www.lubok.de/

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Die folgenden Links beinhalten Artikel über die Ausstellung Eros & Thanatos:

http://www.art-magazin.de/kunst/51267/sammlung_rusche_leipzig

http://www.kunst-magazin.de/liebe-und-tod-in-leipzig/

Eros & Thanatos Ausstellungseröffnung 28. April 2012

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Die Ausstellung “Eros & Thanatos” war bis zum 02. Juni 2012 in der Baumwollspinnerei Leipzig zu Gast.

Werkschau Halle 12

Baumwollspinnerei Leipzig

Wir bedanken uns ganz herzlich bei all denen, die dazu beigetragen haben, dass diese Ausstellung so ein Erfolg geworden ist. Ein ganz besonderer Dank geht an Prof. Dr. Ullrich und seine Studentinnen und Studenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, die diese Ausstellung kuratiert haben. Ein weiteres großes Dankeschön richtet sich an die Baumwollspinnerei Leipzig und die SpinnereiGalerien für ihr Engagement und ihre Unterstützung, sowie Herrn Dr. Hans-Werner Schmidt vom Museum der Bildenden Künste in Leipzig. Nicht zu vergessen; Claudia Gehre, Uwe-Karsten Günther, Josef Filipp und Jochen Hempel.