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100 Meisterwerke Spezial – Basquiat & Rubens

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Peter Paul Rubens (1577-1640), Venus und Cupido, Um 1628, Öl auf Leinwand, 137 cm x 111 cm, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid © Museo Thyssen-Bornemisza

Barock und Pop, High and Low, Kunst und Kitsch – nichts scheint im Moment die
(Kunst)welt so sehr zu faszinieren wie die Zusammenführung von scheinbar
unvereinbaren Gegensätzen. Der letzte große Coup dieser Art fand vergangenes Jahr in
den großen Flagshipstores einer der berühmtesten Luxustaschenfirmen statt, als Jeff
Koons neben anderen weltberühmten Meisterwerken auch Rubens’ dynamische
Jagdszenen auf den vinylgetränkten Canvas prägen ließ.
Gesellte sich Rubens im Sommer 2017 zu Jeff Koons, kann man den Barockkünstler in
Frankfurt noch bis Ende Mai 2018 in einer ähnlich ungewohnten Gesellschaft
bewundern. In den beiden großen Kunstinstitutionen der Mainmetropole werden
gerade zwei sehr unterschiedliche Künstler mit den fulminanten Einzelausstellungen
„Rubens. Kraft der Verwandlung“ und „Boom for real“ gefeiert: Peter Paul Rubens
(1577-1640), der barocke Virtuose par excellence, im Städelmuseum und Jean-Michel
Basquiat (1960-1988), das enfant terrible der 1980er Jahre, in der Schirn.

Es ist ein Gipfeltreffen der besonderen Art: vielsprachig, belesen, multibegabt, schnell,
neugierig und mit einem selbstbewussten Ehrgeiz ausgestattet waren sowohl Rubens
als auch Basquiat. Über ein untrügliches Gespür für den Geist ihrer Zeit verfügten
ebenfalls beide: Der eine war ein höfisch gebildeter, versierter Maler und
hochgeschätzter Diplomat, der sich das Beste, was die Kunst zu bieten hatte, zum
Vorbild nahm und den Ehrgeiz hatte es noch zu übertreffen. Der andere arbeitete sich
durch Mut, Talent und selbstbewusste Nonchalance zum Liebling der amerikanischen
Kunstszene hoch.
In die Wiege gelegt war beiden dieser Weg nicht. Rubens stammte aus einer
angesehenen Familie und durchlief eine exzellente, auf eine höfische Laufbahn hin
ausgerichtete Ausbildung. Basquiat hingegen stammte aus schwierigen Verhältnissen
und kam über die Musik- und Grafittiszene zur Kunst.
Beide Ausstellungen zeichnen klug, offen und behutsam die Wege zu ihren jeweiligen
Fragestellungen nach: aus welcher Intention heraus geschah die Anverwandlung der
Formen bei Rubens, wie ging dieser Prozess vonstatten und welche Form erschien ihm
überhaupt als vorbildhaft?
Imitatio et aemulatio sind die Schlagworte, die die Kunsttheorie jener Zeit vorgab.
Weniger die große künstlerische Innovation als das intelligente, um die Vergangenheit
wissende und sich daran messende Kunstschaffen stand hoch im Kurs.

Venus and Adonis

Titian (Tiziano Vecellio) (1487 – 1576), Venus und Adonis, 1555-1560, Öl auf Leinwand, 160 cm x 196,5 cm, J. Paul Getty Museum, Los Angeles © J. Paul Getty Museum

Der gebildete,
gereiste Künstler, der gleich einer Biene umherschwirrt, sich nur der schönsten Blüten
bedient und daraus den edelsten Kunstnektar bereitet, ist eine Metapher jener Zeit für ein ideales, künstlerisches Vorgehen. Allein schon die Selektion seiner Vorbilder zeugt von der Begabung des Künstlers. Rubens beherrschte diese Fähigkeit meisterhaft. Nur die Größten wählte er aus: den antiken Bildhauer, der ein Meisterwerk wie den Torso vom Belvedere geschaffen hatte, oder Tizian, den Farbvirtuosen, von dem er lernte die marmorne Schönheit antiker Statuen in schimmerndes Inkarnat zu verwandeln. Eingängig hatte er das Gemälde „Venus und Adonis“ seines Renaissance-Kollegen studiert. Rubens wäre nun aber kein Kind seiner Zeit, wenn er es nur bei einer bloßen Kopie der verzweifelten Venus belassen würde, die trotz all ihrer Liebe und Schönheit es nicht vermag, ihren Geliebten von der Tod bringenden Jagd abzuhalten. Um 1630 entsteht Rubens’ Sichtweise auf diese tragische Liebesgeschichte. Lässt der Rückenakt von Tizian die Schönheit der Venus nur erahnen, so hat Rubens das Liebespaar einmal um 180 Grad gedreht. Die gesamte Dramatik der Szenerie wird dem Betrachter auf diese Weise dynamisch vor Augen geführt. Mit solch flehentlicher Inständigkeit sieht die Göttin ihren sterblichen Geliebten an, dass dieser sogar den Blick abwenden muss, um nicht schwach zu werden. Unentschlossen steht er in höchster Versuchung ihren entblößten Oberschenkel berühren zu wollen und damit ihren Bitten nachzugeben. Der kleine Amor, der sich, tatkräftig seine Mutter unterstützend, in kindlichem Ungestüm ans Bein des Fortstrebenden klammert, ist eines der schönsten Beispiele barocker Handfestigkeit. Auf unterschiedlichen Ebenen ist das sinnliche Berühren Ausdruck des Erzählinhaltes, dem sich der Betrachter auch fast 400 Jahre später nicht zu entziehen vermag.

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Jean-Michel Basquiat, Untitled, 1982, Acrylic and oil on linen, Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Courtesy Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, Foto: Studio Tromp, Rotterdam

Menschlich, intensiv und real nähert sich auch die Schirn ihrem Protagonisten.
Stringent, trotz der Fülle an künstlerischem Material, kann der Besucher die
Zusammenhänge der Entwicklung des charismatischen, hochproduktiven
„Wunderkindes“ Jean-Michel Basquiat nachvollziehen ohne bei seiner Betrachtung
methodisch bevormundet zu werden.
Von der unbändigen Energie und dem unstillbaren Drang sich künstlerisch
auszudrücken, sei es im Grafitto oder in postkartengroßen Kollagen, zeugen die frühen
Arbeiten Basquiats. Es passiert sehr schnell sehr viel in diesem kurzen Leben, das in
einmaliger Weise auch die gesellschaftspolitischen Umstände der Zeit widerspiegelt.
Ein untrügliches Gespür hatte Basquiat für besondere Menschen und baute früh ein
fulminantes Netzwerk auf. Als schwarzer Künstler avancierte er so zum Liebling der
Kunstszene und flog mit der Concorde um die Welt. Der allgegenwärtige und alltägliche Rassismus hingegen führte dazu, dass Basquiat wegen seiner Hautfarbe in New York häufig kein Taxi bekam. Das Leben zwischen solch extremen Polen drückte Basquiat mit unnachahmlicher Eindringlichkeit in seinen Werken aus. Superlative prägten sowohl zu seinen Lebzeiten als auch nach seinem Tod die Rezeption seiner Werke: Er war der jüngste documenta- Künstler aller Zeiten und der erste zeitgenössische Künstler, dessen Gemälde im Mai 2017 die 100 Millionen Dollar Grenze bei einer Auktion sprengte. Drogen in hohem Maße waren Basquiats Gegenmittel gewesen um diesen Zwiespalt ertragen zu können. Letztendlich brachten sie ihm mit 27 Jahren den Tod.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass man nach einem Besuch der Ausstellung
Basquiat verstehen könne. Eine Annäherung ist möglich, wobei der Betrachter sich auch
einer gewissen Überforderung stellen muss, da viele der Werke einen ungefilterten Blick
in die Gedankenwelt des Künstlers darstellen. Es ist eine Explosion von Eindrücken und
Versatzstücken aus Geschichte, Literatur, Musik, Philosophie und Kunstgeschichte
neben täglich Erlebtem. Die Arbeiten wirken wie ein optisches Simultangeräusch seiner
subjektiven Weltwahrnehmung.
Und doch gibt es ein Bild in dieser Ausstellung, vor dem man intuitiv inne hält. Es ist sein
schwarzes Selbstporträt. Die Augen sind nur zwei kleine weiße Schlitze. Sein
Markenzeichen, die Krone, die überall und nirgends in seinem Oeuvre zu finden ist,
ersetzen diesmal die eigenen ikonischen Haarsträhnen. Reduziert, konzentriert, als wäre
alle Farbe überflüssig. Es geht um das Schwarzsein an sich.
Ein Selbstporträt gibt es auch jenseits des anderen Mainufers. Überlegen, ohne arrogant
zu sein, blickt Rubens ein bisschen müde aber dennoch interessiert auf seine Betrachter
herab.

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Ausstellungsansicht “Rubens. Kraft der Verwandlung” Foto: Städel Museum

Beide geben sie ihrer Zeit ein Bild von sich: Rubens, der seinen barocken Überschwang
stets mit höflicher Disziplin bändigte, Basquiat, der die auf ihn einstürmende Überfülle
knallend wieder nach außen warf.
Und so gilt gerade in Hinblick auf diese beiden großen Ausstellungen in Frankfurt der
kluge Satz: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.

Rubens – Kraft der Verwandlung, Städel Museum, 8. Februar – 21. Mai 2018 www.staedelmuseum.de

Basquiat. Boom For Real, Schirnkunsthalle, 16. Februar bis 27. Mai 2018 www.schirn.de

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Ausst. Kat.: Rubens. Kraft der Verwandlung. München 2017.
Nils Büttner: Rubens. München 2007.

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

 

100 Meisterwerke – Teil 10: Carina Linge & Marseus van Schrieck

 

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Otto Marseus van Schrieck, Blumenbouquet, um 1660, Öl auf Holz, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Gönnte man dem hochformatigen, 1660 entstandenen Gemälde eines Blumenbouquets mit Insekten des Otto Marseus van Schrieck nur einen flüchtigen Blick, so könnte man zu der Annahme gelangen, es handele sich hier um ein paar zufällig über einen dunklen Untergrund verstreute Juwelen. Wie kostbare Edelsteine funkeln aus der Dunkelheit die in feinsten Farbabstufungen elegant sich windenden Blütenkelche in einer Vase. Die dezente Pracht besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Blumen, die sich erst bei genauerem Studieren definieren lassen.

Unübersehbarer Blickfang ist eine, sich dem Betrachterauge regelrecht darbietende, Rose, deren Farbspektrum in feinsten Blätterdrapierungen von einem reinen Weiß über dezente Roséschattierungen bis hin zu einem tiefen Rot reicht. Wie um das malerische Prinzip der erzwungenen Einansichtigkeit Lügen zu strafen, erhält dieses Exemplar ein spiegelbildliches Pendant, das sich exakt von der anderen Seite zeigt. Zart wird es von seinem grünen Stiel getragen, der ob der Üppigkeit des kugelig-voluminösen Blütenkopfes sich leicht nach unten neigt.

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Otto Marseus van Schrieck, Blumenbouquet (Detail), um 1660, Öl auf Holz, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Optisch gehalten wird dieses Rosenpaar von einem Blütenstamm scharlachroter Stockrosen, sowie von tiefdunkelrotem Schlafmohn, der sich selbst zwar eher im Hintergrund des Arrangements befindet, jedoch in sämtlichen Stadien seiner Blüten, von der Knospe bis hin zur mattblauen Samenkapsel, gezeigt wird. Als wäre der dunkle, nicht näher definierte Hintergrund weit mehr als nur eine indifferente Fläche, präsentiert sich eine voll erblühte Mohnblüte genau in diese Richtung. Fast ist man versucht sie umzudrehen, um in den vollen Genuss ihrer Schönheit zu kommen, die sich anhand der rückseitig gezeigten, zarten, bis ins Schwarz schimmernden, Blütenblätter erahnen lässt.

Den vorderen Abschluss des Blumenstraußes bildet eine Gruppe aus mehreren Blüten, die sich bis zu der marmorierten Platte neigt, auf der das Bouquet in einer kleinen, kostbar schillernden, gläsernen Vase präsentiert wird. Eine rotweiß geflammte Nelke sowie eine blaue und eine gelbe Winde finden sich hier zu einem freundlichen Spiel der drei Grundfarben zusammen.

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Otto Marseus van Schrieck, Blumenbouquet (Detail), um 1660, Öl auf Holz, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Fest auf der Marmorpatte steht, ebenfalls aus hartem Material, die Vase. In ihr winden sich dynamisch, aber dennoch in ihrem Gefäß verankert, die Blütenstängel. In vollkommener Freiheit umschwirren die Libelle, die Schmetterlinge und Falter den Strauß und vermitteln somit in ihrer Bewegung zwischen Raum und Blumenarrangement. Ebenso fein und detailliert ergänzen sie das vielfältige Arrangement von Farbe, Form und Materialität um ein weiteres Element: das der Beweglichkeit. Ebenso variantenreich wie die Präsentation der Blumen wird diese vom Künstler vorgenommen: vom zarten Ruhen der Libelle auf der Bodenplatte bis hin zum sanften, flatternden Heranfliegen des prächtigen gelben Schmetterlings reicht die Bandbreite.

Otto Marseus van Schrieck, der sich auf dem Querschnitt der Marmorplatte mit seiner Signatur verewigt hat, zieht bei diesem Blumenbouquet alle Register seiner Kunst. Die Opulenz der Schönheit wird nicht durch ein überbordendes Anhäufen sondern ein kluges Reduzieren und Anordnen erreicht. Durch diesen Kunstgriff gelingt es dem Maler, trotz der Aufwändigkeit des Arrangements, jedem noch so kleinen Detail der Blumen und Insekten mit wissenschaftlicher Genauigkeit gerecht zu werden.

Bekannt war Marseus van Schrieck bei seinen Zeitgenossen für seine naturwissenschaftliche Neugier, die sich beispielsweise in eigenen Terrarien niederschlug, in welchen er die Tiere, die er auch als Bildvorlagen nutzte, akribisch studieren konnte. Da er stets auf der Suche nach neuen Tieren und damit Motiven für seine Gemälde war, gaben ihm seine Kollegen den Spitznamen „Schnuffelaer.“ In einigen seiner Bilder ging er sogar so weit, dass er die Schmetterlinge in die noch feuchte Farbe drückte, um die Naturform im späteren Malprozess möglichst exakt wiedergeben zu können.

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Otto Marseus van Schrieck, Blumenbouquet (Detail), um 1660, Öl auf Holz, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Marseus van Schrieck reiste durch Italien, Frankreich und England und kam dort mit bedeutenden Gelehrten in Kontakt. In Florenz erlebte er die Gründung der Accademia del Cimento, die sich anhand der neu entwickelten Techniken des Mikroskops und des Teleskops der Erforschung des Kosmos verschrieben hatte. Der Künstler, der auch als der Erfinder des Waldbodenstilllebens in die Kunstgeschichte eingegangen ist, stellt ein herausragendes Beispiel eines Malers des 17. Jahrhunderts dar, in dessen Oeuvre die Wissbegier und das Interesse an der Naturwissenschaft einen gleichberechtigen Part bildet zu seinen ästhetischen Ansprüchen als Künstler. Das nahezu allansichtige Zeigen der voll erblühten Rose zeugt in unserem Bild von diesem Anspruch der naturwissenschaftlichen Genauigkeit verbunden mit einer feinsinnigen, künstlerischen Präsentation der Pflanzenschönheit. Jede Blume, jedes Tier, ja sogar die Vase erhält den Raum, den sie braucht um sich zu voller Schönheit zu entfalten. Gerne gehen wir auf das vorgetäuschte Spiel ein, der Künstler hätte hier nur die Natur abgebildet, wie sie sich ihm präsentiert hat. Seine ordnende Hand war so im Einklang mit dieser tätig, dass wir ihr Tun geflissentlich übersehen.

Eine harmonische Gesamtwirkung, die trotz der Vielfalt der dargestellten Objekte entsteht, zeugt vom bildkompositorischen Geschick des Künstlers. Selbst die blaue Winde am unteren Bildrand, die in ihrer Einfachheit fast zu schlicht scheint, ist ein wichtiges Element um der Gesamtkomposition einen kleinen Störfaktor zu verleihen, der bekanntermaßen stets zum Erscheinungsbild der Schönheit gehört. Symmetrische Perfektion allein ist nicht ihr Rezept.

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Otto Marseus van Schrieck, Blumenbouquet (Detail), um 1660, Öl auf Holz, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Aber nicht nur ein subtiles Beigeben von scheinbar nebensächlichen Details, auch das Weglassen fällt bei diesem Stillleben ins Auge. Eine Tatsache, die August Wilhelm Schlegel in seinen Ausführungen zum Stillleben betonte: „Blumen (…) sind Teile von Pflanzen; frisch abgepflückt haben sie eine Art von Leben, welches ausgedrückt werden soll, so daß hier die Bedeutung, die Offenbarung des Inneren durch das Äußere schon zunimmt. (…) Alles dies mit Sinn aufgefaßt, der lebendige Hauch der Pflanzenwelt darüber verbreitet, dann Eleganz der Formen und harmonische Anordnung, können zusammen reizende Bilder geben, die sich sogar schon als Ganzes schließen, sodaß man nicht gern etwas hinweg- oder hinzudenken möchte (…).“

Wie angenehm, dass der Künstler auf jeden didaktischen Zeigefinger verzichtet und keines der im 17. Jahrhundert so häufig beigegebenen Vanitasattribute hinzufügt! Die den zarten Gewächsen innewohnende Vergänglichkeit, die sie dadurch ja um so kostbarer macht, lässt er ganz für sich sprechen.

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Carina Linge, Der Perlenohrring, 2014, C-print on Dibond, 100 x 80 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Um Kostbarkeit geht es auch im Stillleben „Der Perlenohrring“ von Carina Linge. 350 Jahre nach Schrieck entstanden, entdeckt die Künstlerin diese Gattung im Medium der Fotografie neu. Meisterhaft wiedergegeben, suggeriert Linge dem Betrachter eine ähnlich zufällige Arrangiertheit wie ihr niederländischer Vorläufer, überdies in einer verwandten Bildsprache. Ein Früchtestillleben von barocker Pracht ist im wahrsten Sinne des Wortes ins beste Licht gerückt worden. Kunstvoll wird es in Szene gesetzt auf dunklem Stoff und erhöht stehendem Kristall. Sowohl die zarte Transparenz der Trauben als auch die Festigkeit des Apfels wird in all ihrer haptischen und optischen Beschaffenheit eingefangen. Ein etwas dürrer, fast schon zu verwelken drohender Zweig schlängelt sich durch das Arrangement. Die Natur hat diese Formen, diese Farben geschaffen.

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Carina Linge, Der Perlenohrring (Detail), 2014, C-print on Dibond, 100 x 80 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Nicht ganz so vergänglich, dafür von zeitloser Eleganz, schimmert das Perlenensemble, das etwas achtlos am Rand des Tisches liegt. Man kann gar nicht anders als sich vorzustellen, dass hier gerade noch ein feines Vermeer-Mädchen aus dem 21. Jahrhundert gestanden hat, um sich seines Perlenschmuckes zu entledigen. Ähnlich wie der große Holländer in seinen rätselhaften Bildkompositionen spielt auch Carina Linge mit der Neugier des Betrachters. Wie sieht die Besitzerin all dieser Kostbarkeiten aus, wie passt das üppige Früchtearrangement und das Geschmeide in diese ansonsten eher karge Umgebung, welcher Art ist wohl das Bild, das an der Wand hängt, das wir aber aufgrund der Perspektive nicht zu Gesicht bekommen? Um noch einmal bei Vermeer zu verweilen: auch dieser konfrontierte den Betrachter häufig mit Bildern im Gemälde, die nicht zu sehen sind, oder Frauen, deren geheimnisvolles Tun der Phantasie Tür und Tor öffnet.

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Jan Vermeer, Junge Dame mit Perlenhalsband, 1662–1665, Öl auf Leinwand, Courtesy of Stiftung Preußischer Kulturbesitz – Gemälde Galerie Berlin

Mit ihrem zeitgemäßen Umgang mit traditionellen Elementen, wie der Verdichtung des Motives, dem radikalen Entleeren ganzer Bildflächen, der höchst subtilen, in der Perle kulminierenden Lichtführung, der eleganten Vergegenwärtigung der Absenz von Menschen durch ihre Attribute, verleiht die Künstlerin der Gattung des Stilllebens auf leise Art eine Modernität von großer Eindringlichkeit.

Fast kommt dies einer kleinen Renaissance gleich. Stillleben standen im Laufe der Jahrhunderte bis heute häufig nicht hoch im Kurs. „Still und in sich gekehrt und in einem mäßigen Genuß genügsam“ so beschrieb Goethe den Stilllebenmaler. Es könnte ja nicht anders sein, als dass das einfache Motive sich in der Einfachheit dessen, der es lediglich nur abmale, widerspiegele.

Es scheint, als hätte mancher Künstler sich der Herausforderung solchen Vorurteilen zu begegnen nun mit besonderer Sorgfalt gestellt, um sie subtil zu widerlegen. Auch wenn unsere beiden Werke nur stille Gegenstände und Insekten zum Bildmotiv haben, so sind sie dennoch in der Lage eine Geschichte zu erzählen. Es verwundert nicht, dass wir in beiden Werken Prinzipien entdecken, die von Alberti und vielen anderen Kunsttheoretikern für die Historienmalerei postuliert worden sind. „Vielheit in der Einheit“, die in harmonischer Ausgewogenheit dem Betrachterauge Freude und Unterhaltung bereitet, finden wir bei dem niederländischen Maler wie auch bei der zeitgenössischen Künstlerin; ebenso den Grundsatz der Pendantbildung, der Gegenüberstellung von sich ähnlichen aber doch unterschiedlichen Objekten. Bei Marseus van Schrieck darf die Rose sich wie in einem Spiegel um sich selbst drehen, bei Carina Linge finden wir die unterschiedlichen Arten natürlicher Schönheit in Frucht und Perle.

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Carina Linge, Der Perlenohrring (Detail), 2014, C-print on Dibond, 100 x 80 cm, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

In beiden Kunstwerken gilt das Gesetz der Schönheit, das jedoch durch ein kleines Element das Betrachterauge zum Stolpern bringt. Einmal erfüllt diesen Zweck die farblich aus dem koloristischen Rahmen fallende Winde, das andere Mal ist es das welke Ästlein im Kontrast zu den glatten, schimmernden Oberflächen von Tuch, Apfel, Perle und Puderquaste.

Sowohl das niederländische Stillleben als auch die zeitgenössische Fotografie erzählen ihre Geschichte aber nicht zu Ende. Der Betrachter bekommt einen Phantasiespielraum im kleinen Maßstab: eine zum Bildhintergrund gedrehte Blume, ein Bild an der Wand und eine zurückgebliebene Konstellation von Dingen, die uns zum Geschichtenerzähler in Gedanken werden lassen.

Lit.: Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Genre. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1996. S. 170-173/166.

König, Eberhard; Schön, Christiane (Hrsgg.): Stilleben. Berlin 1996. S. 185/195.

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

https://www.museum-schwerin.de/ausstellungen/marseus/

 http://www.carinalinge.de/

100 Meisterwerke – Teil 9: Martin Eder & Ottmar Elliger d. J.

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Ottmar Ellinger d. J., „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe”, um 1725, Öl auf Holz, 64,3 x 68,5 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 Aus feministischer Sicht ist die folgende Erzählung, die zu einer der berühmtesten gehört, wenn es um die Wertschätzung der Malerei geht, unerträglich. Alexander der Große verschenkt aus Hochachtung seinem Hofmaler Apelles gegenüber, die eigene Geliebte an das Künstlergenie, als dieser sich während einer Modellsitzung in Kampaspe verliebt hat. Die Frau, die in dieser Geschichte lediglich aufgrund ihrer äußeren Vorzüge überhaupt eine Rolle zu spielen scheint, darf ausschließlich passiv agieren. Sie wird erwählt, sie wird gemalt, sie wird verschenkt. Sie muss gehorchen.

“Als Alexander nämlich veranlasst hatte, dass eine von ihm ganz besonders geliebte Nebenfrau, namens Kampaspe wegen ihrer bewunderungswürdigen Gestalt von Apelles nackt gemalt werde, und dabei beobachtete, dass dieser, indem er gehorchte, selbst in Liebe entbrannte, gab er sie ihm zum Geschenk – groß durch seine Gesinnung, noch größer durch seine Selbstbeherrschung und durch diese Tat nicht weniger bedeutend als durch irgendeinen anderen Sieg.”

Leicht fällt es uns Heutigen nicht, diese Tatsache der völligen Missachtung der freien Entscheidung einer Frau hintanzustellen. Um zum damalig intendierten Kern der Geschichte vorzudringen, wollen wir es dennoch versuchen.

Der Autor, der die Anekdote der Nachwelt überliefert hat, ist der antike Schriftsteller Plinius der Ältere, der im 35. Buch seiner naturalis historia im 1. Jhd. n. Chr. einen Überblick über die Kunstszene der Antike gibt. Im Stil einer Eloge reiht er eine Anekdote an die nächste, die allesamt nichts anderes zum Ziel haben, als die Vorrangstellung Apelles’ innerhalb der Künstlerschaft seiner Zeit hervorzuheben. Durch die Tatsache, dass eine Frau, die vorher die Geliebte des größten Herrschers ihrer Zeit war, nun die Geliebte des größten Künstlers ist, wird seine Überlegenheit unmissverständlich verdeutlicht. Der König und der Künstler stehen damit, verbunden in der Verbundenheit an eine Frau, auf Augenhöhe.

Zahlreich sind in der Kunstgeschichte die Darstellungen, die sich diese Szene von Plinius zum Vorbild genommen haben. Ermöglichte die Geschichte dem Maler doch aus dem Vollen zu schöpfen, da große menschliche Themen angesprochen werden: Liebe, Schönheit, Heldentum und Verzicht. Um so mehr erstaunt, es welche Variante der Auslegung des Textes Ottmar Elliger d.J. gewählt hat.

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Ottmar Ellinger d. J., „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe” (Detail), um 1725, Öl auf Holz, 64,3 x 68,5 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Beim ersten Blick muss der Betrachter sich in diesem Gemälde „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe“,  das um das Jahr 1725 entstanden ist, erst orientieren. Ein großer, mit reichem Aufwand ausstaffierter Saal unbestimmten Ausmaßes erschließt sich durch das variantenreiche Licht- und Schattenspiel nach und nach, bis das Auge im Zentrum der Komposition an der hellsten Stelle inne hält. Hier lagert die nur von zarten, leicht transparenten Stoffen umhüllte Kampaspe auf einer kostbar mit silbrig glänzender Seide bedeckten Ruhestätte, die sich durch ein großes Podest sanft erhöht in der Mitte des Raumes befindet. In sfumatohafter Auflösung zeigt ein begonnenes Gemälde, das neben dem Bett steht, den eigentlichen Grund der Anwesenheit der schönen Geliebten: sie diente als Modell für die Darstellung der Venus. Daneben steht ein goldgerahmter Prunkspiegel als Symbol der Liebesgöttin. Mit ihrer Linken lüftet die Freundin des Königs elegant das silbrige Tuch, während sie sich mit ihrer Rechten auf der Liege aufstützt, um mit leicht nach links gewandtem Haupt erstaunt die Szene zu beobachten, die sich zu ihrer Rechten abspielt.

In demütiger Haltung ist der bereits ergraute, hochgeschätzte Künstler Apelles, in der Linken noch seine Farbpalette haltend, vor seinem Herren in die Knie gesunken, um nun eben nicht dessen Geliebte, sondern statt derer, eine Ehrenmedaille des Königs dankbar in Empfang zu nehmen. Noch im Herangehen begriffen, steht Alexander als einziger der drei Protagonisten nicht auf dem runden Podest, überragt aber allein schon durch seine Körpergröße den Künstler. In majestätisches Rot gekleidet, der Farbe der Mächtigen schlechthin, mit goldbesetzter Rüstung und opulentem Federputz wird er unmissverständlich als siegreicher Feldherr dargestellt.

Geehrt und dennoch nur wie ein Statist zwischen den beiden Hauptfiguren von Kampaspe und Alexander, die durch Kolorit, Lichteinfall und erhöhte Positionierung dominieren, wirkt der Künstler. Fast kommt dies einer Degradierung gleich, die sich ja zudem durch das Vorenthalten der königlichen Geliebten am dringlichsten ausdrückt.

Durch eine raffinierte, theaterhafte Lichtregie gehen die Protagonisten dieser Handlung nicht in der Fülle der Ausstattungsdetails unter, sondern werden bühnenhaft hervorgehoben. Wie rahmendes und kommentierendes Beiwerk mutet das vielfältige Szenario aus Statuen, sich balgenden Putten, gebauschten Draperien und Blumenkränzen an, das sich in dieser an Theaterkulissen erinnernden Architektur findet. Aufgrund der Heterogenität der Innenausstattung ist an eine Melange aus Atelier und Thronsaal zu denken, die eher der Künstlerphantasie entsprungen scheint, als dass sie eine reale Architektur nachbilden würde. Noch üppig schwelgend in barocker Ausstattungspracht, bereichert Elliger durch das zarte Kolorit vor allem die hinteren Partien des Raumes mit einer rokokohaften Leichtigkeit.

Noch erstaunlicher jedoch als dieser individuelle Umgang mit traditionellen und innovativen Formelementen ist Elligers bildliche Umsetzung der antiken Textquelle. Keinen Zweifel lässt Plinius daran, von welcher Art die Auszeichnung des Herrschenden für seinen geschätzten Hofmaler war, der im übrigen als einziger das Privileg hatte, den König zu porträtieren. (Auch ein Alexander der Große betrieb vor mehr als 2000 Jahren bereits Imagepflege!). Abweichend nun jedoch von dieser Textvorlage empfängt der dankbare Apelles nicht die Geliebte, sondern eine Medaille mit dem Konterfei des Herrschers. Eine derartige Abwendung vom historischen Text lässt sich vermutlich nur durch den expliziten Wunsch des Auftraggebers, dem dieses Thema zu pikant erschienen war, erklären. Aus diesem Grund vermutet Hans-Joachim Raupp keinen weltlichen, sondern einen geistlichen Fürsten, der die frivolste Stelle der Geschichte nun durch seinen eigenen Künstler moralisch zähmen ließ.

Eindeutig und nicht ambivalent erscheint auf den ersten Blick hingegen Martin Eders nackte Schöne aus dem Jahr 2010, die den vielsagenden Titel „Reinigung“ trägt. Auch hier könnten nun Feministinnen auf den Plan gerufen werden mit dem seit den 80er Jahren bekannten Schlachtruf „Do women have to be naked to get into the museum?“, der auf das eklatante Missverhältnis von weiblichen Aktdarstellungen und weiblicher Künstlerschaft in den Ausstellungsinstitutionen rund um den Globus anspielt.

Nun scheint es jedoch so, dass, anders als in der Erzählung des Plinius, diese zeitgenössische Dame sich ihrer selbst bewusst und eigenständig entschieden hat, in diesem Aufzug gemalt zu werden. Ob nackte Haut und Feminismus vereinbar sind, wird im 21. Jahrhundert heftig diskutiert. Martin Eders Modell hat sich diese Frage bereits beantwortet. Hier ist die Frau die Entscheidungsträgerin.

Nach links gerichtet, wendet sie ihr Gesicht dem Betrachter zu. Die bis zur Hüfte Dargestellte hat lediglich ein dunkles Cape über Kopf und Schultern gelegt, das vorne geöffnet, den Blick auf Brust und Bauch gestattet. In Händen hält sie einen Stab, den sie zwischen ihre nackte Brust und das Schlüsselbein gelehnt hat. Fulminant durchschneidet dieser diagonal das gesamte Hochformat der Komposition. Unverwandt ist ihr nicht unfreundlicher, aber durchdringender Blick aus dunklen Augen auf den Betrachter gerichtet. Nichts an dieser Darstellung erscheint uns passiv. Die aufrechte Pose, der gerade Blick sowie der feste Griff um einen Gegenstand, der durchaus auch zur Verteidigung dienen könnte, lässt keinen Zweifel daran, dass diese Frau nicht nur über ein gutes Aussehen verfügt.

Leicht verständlich und vertraut wirken Eders Bilder auf den ersten Blick. Früher waren es Kätzchen mit großen niedlichen Augen, danach kamen die leicht bekleideten Frauen, die vielleicht die Phantasie des Betrachters anregten, aber von diesem kein überbordendes ikonografisches Vorwissen verlangten.

Schnell ließe sich das Kitschverdikt über diesen Bildern ausgießen. „Wenn Du meine Bilder anschaust, dann weiß ich ganz genau, was sich in Deinem Gehirn abspielen soll“ sagt selbstbewusst der Künstler. Wir könnten ihm sicher den Gefallen tun angesichts dieser leicht bekleideten Dame, die mit Hirtenstab und geöffnetem Cape der Phantasie Tür und Tor öffnet. Aber reicht im 21. Jahrhundert tatsächlich ein halbbekleideter Frauenakt mit dem Titel „Reinigung“ aus, um ein Gemälde als kitschig zu verurteilten? Wer ist der Richter über Kitsch oder große Kunst? Machen wir es uns als Betrachter tatsächlich so einfach und tappen in die so offensichtlich ausgelegte Falle?

Die Vieldeutigkeit ist vielleicht das einzige Qualitätskriterium, das der zeitgenössischen Kunst geblieben ist, und diese große Chance sollten wir als Betrachter auch nutzen. Nicht nur die abstrakte Kunst ist in der Lage Ambivalenzen in ihrer Interpretation hervorzurufen, auch die klassischste aller Gattungen, die figurative Malerei kann das. Sie verlangt nur dem Betrachter mehr ab, da er erst einmal hinter das scheinbar Vertraute, von der Gesellschaft einvernehmlich Konnotierte, blicken muss, um festzustellen, dass das Vertraute nur vertraut scheint. In Wahrheit ist es genau das Gegenteil. „Die dünne permeable Membran zwischen einem Zustand und dessen vermeintlichem Gegenteil“ reizt Eder bei seiner Motivwahl. Auf welche Weise man den Blick, das Aussehen und die Intention dieser Frau nun deuten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Eine subtile Fähigkeit zur Ambiguität, zur Verunsicherung kann diesem Bild aber in jedem Fall nicht abgesprochen werden. Denn auch das sagt Martin Eder: „Ich mag es, wenn Bilder sich nicht schnell erklären. Das überlasse ich lieber den anderen.“

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Ottmar Ellinger d. J., „Alexander der Große, Apelles und Kampaspe”, um 1725, Öl auf Holz, 64,3 x 68,5 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Ottmar Elliger spielt ebenfalls, wenn auch auf einer anderen Ebene, äußerst versiert auf der Klaviatur der Vieldeutigkeit. Er wählt sich einen wohlbekannten antiken Stoff, bricht dann jedoch die vorauseilende Erwartung des Betrachters in der Negierung der üblichen Ikonografie des Themas. Erstaunlicher als die eigenwillige Abwandlung der Textvorlage erscheint die Darstellung Kampaspes, die zwar passiv das Geschehen der beiden Männer beobachtet, aber dennoch die eigentliche Hauptfigur des Gemäldes ist. In weiblicher Anmut kann sie sich als Gegenpart zu dem kriegerisch-männlichen Alexander behaupten. Nicht die etwas eingezwängt wirkende Figur des Künstlers, sondern die stolze Geliebte, steht kompositorisch auf Augenhöhe mit Alexander mittig in die Bilderzählung gerückt. Historisch überlieferte weibliche Schwäche verwandelt Elliger in eine subtile Bilddominanz. Aus feministischer Sicht wäre dies sicher als Teilsieg zu verbuchen.

Literatur:

C. Plinius secundus d.Ä.: Naturkunde/Naturalis historiae. Farben, Malerei, Plastik. Buch/Libri 35. Hrsg. und übers. von Roderich König in Zus. m. Gerhard Winkler. München 1978.

Hans-Joachim Raupp (Hrsg.): Historien und Allegorien. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Münster 2010. S. 130-135.

Ausst. Kat.: Die kalte Kraft. Martin Eder. Ostfildern 2004.

 

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

Dr. Teresa Bischoff, Kunsthistorikerin, ist in der Welt der Alten Meister ebenso zu Hause wie in der zeitgenössischen Kunst. Studium der Kunstgeschichte, Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen und der Università La Sapienza Rom. Studienaufenthalte in Basel zu Emilie Linder und Paris zur Ikonologie des Louvre. Lehre an der Universität Erlangen und Hochschule Ansbach. Wissenschaftliche Assistentin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Forschungsprojekt zur deutschen Figurenmalerei des 21. Jahrhunderts. Kuratorin der Ausstellung “Gute Kunst? Wollen!” http://www.mmkoehnverlag.de/gute-kunst-wollen-eine-kritische-untersuchung-der-sor-rusche-sammlung-oeldeberlin/

http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=99&clang=0

 

100 Meisterwerke – Teil 2: Pieter Verelst & Steve Viezens

Steve Viezens, Me and myself (Detail), 2012, Öl auf Leinwand

„Wer bin ich und wenn ja, wieviele?“ fragte vor knapp 10 Jahren der Philosoph Richard David Precht auf dem Cover seines Bestsellers. Allein bis ins Jahr 2013 erhofften sich mehr als eine Million Leser vom Inhalt des Buches eine Antwort. Nur wenige andere grundsätzliche, das menschliche Sein betreffende Fragen scheinen den Menschen so zu beschäftigen. Sind es heute philosophische Bücher, die uns den Weg weisen, kannten auch frühere Epochen Mittel und Wege, sich dem eigenen oder fremden Ich in seiner Vielschichtigkeit zu nähern. Da das Antlitz stets auch als Spiegel des Inneren gesehen wurde, entwickelte sich das Abbilden des Menschen zu einer der vornehmsten Aufgaben von Malerei und Bildhauerkunst. Rapide nahm seit dem 15. Jahrhundert die Anzahl der Porträts zu, wobei der Kreis der Dargestellten immer weiter gefasst wurde. Waren es zu Beginn ausschließlich hochstehende Würdenträger, vergrößerte sich die Gruppe der Porträtwürdigen im Laufe der Zeit immer mehr.

Angestrebt wurde zunächst jedoch nicht die Individualität des Einzelnen abzubilden, sondern gewisse Fähigkeiten und Tugenden zum Ausdruck zu bringen, die mit dem Stand, dem diese Person angehörte, assoziiert wurden. Herrscher zeigten sich beispielsweise stets durchsetzungsstark und entschlossen, die zugehörigen Ehefrauen zumeist tugendhaft und fromm. Dabei spielte die Memoria, die Erinnerungsfunktion, eine unleugbar große Rolle, waren doch Bilder im Gegensatz zu heute weder mit minimalstem Aufwand zu erstellen noch jederzeit digital verfügbar. Kaiser Maximilian brachte es auf den Punkt als er im Blick auf sein von Albrecht Dürer angefertigtes Porträt sagte: ,,Wer sich im Leben kein Gedächtnis macht, wird mit dem Glockenton vergessen.”

Albrecht Dürer, Kaiser Maximilian I, datiert auf 1519, Öl auf Lindenholz, 74 x 61,5 cm, im Besitz der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien, Gemäldegalerie

Die repräsentative Rolle, die ein klug gemaltes Porträt sowohl zu Lebzeiten als auch für die Nachwelt spielte, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Von Friedrich dem Weisen ist bekannt, dass er strengstens darüber wachte, welches Bild die Menschen sich von ihm machten, indem er kontrollierte, welche Porträts von ihm in Umlauf gebracht wurden. 

Nicht mit einem Herrscherbildnis, das fest gezirkelten Vorstellungen entsprechen muss, ja vermutlich nicht einmal mit einer wirklich identifizierbaren Person, haben wir es nun bei dem Gemälde eines „Jünglings mit Federbarett“ von Pieter Verelst aus dem Jahr 1633 zu tun. Im 17. Jahrhundert fand in den Niederlanden aufgrund der umwälzenden politischen Verhältnisse auf dem gesamten Kunstmarkt und damit einhergehend auch in der Porträtkunst ein tiefgreifender Wandel statt. Neben den an der Ikonografie von Adelsporträts orientierten bürgerlichen Standesporträt, kommt eine neue Gattung von Bildnissen auf, die nicht primär repräsentative Zwecke erfüllt, sondern das menschliche Wesen tiefgreifend in den Blick nehmen soll. Derartige Menschenstudien, Charakteranalysen, Wesenserkundung werden seither unter dem Begriff der Tronie zusammengefasst. Es ist die Darstellung eines Gesichtes, bei der es nicht um die Identifizierung einer bestimmten Person geht, vielmehr um ein allgemeines Erkunden der menschlichen Physiognomie, sei es Bauer oder Bürger, Soldat oder Bürgermeister. Ohne zu wissen um wen es sich handelt, nimmt uns das tronienhafte Gesicht des Pieter Verelst gefangen.

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett, 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Erstaunt, mit leicht geöffnetem Mund, hochgezogenen Augenbrauen und dadurch gekräuselter Stirn, wendet sich uns der aufwändig gekleidete junge Mann aus dem Oval zu, das in den rechteckigen Rahmen eingemalt ist. Anmutig und elegant erscheint sein feingeschnittenes Gesicht, von links oben sanft beleuchtet. Schräg sitzt die gebauschte rote Samtkappe auf den ebenfalls rechts volumiger ausfallenden Locken, die jedoch so weit zurückgenommen sind, dass der fein glänzende Ohrhänger sichtbar wird. In fulminantem Schwung, kostbar von einer Agraffe an der Krempe des Baretts gehalten, ragt die Feder weit über die Kopfbedeckung hinaus. Halsnah bis über die Brust trägt der junge Mann ein in kleinen Falten angelegtes Tuch, dessen Bewegtheit sich in der weiter unten über dem Oberkörper liegenden, kostbar mit Juwelen besetzten Goldkette wiederholt. Bis zum unteren Bildrand verschwindet der Oberkörper immer weiter in einer dunklen Zone, genau wie die abgewandte linke Gesichtshälfte. 

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett (Detail), 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Subtile Verschattungen, die den Betrachter stets in der Unsicherheit lassen, ob der Dargestellte sich nicht vielleicht gleich darin der Sichtbarkeit entzieht, sind ebenso Anleihen an Rembrandts Porträtkunst wie die der Fantasie entsprungenen Kostümierung. Ungewöhnlich früh adaptiert Verelst die Neuerungen seines großen Kollegen und findet dabei eine ganz eigene Handschrift. Meisterhaft schmiegt er die Konturlinien, das Licht- und Schattenspiel, die fein ausgearbeitete, variantenreiche Stofflichkeit, das brillante Funkeln der Juwelen und das weiche Kolorit in das dafür so passend erscheinende Oval. Die Vielheit in der Einheit ist seit der Renaissance einer der höchsten Ansprüche an die Komposition eines Künstlers. Augenlust und Neugier erzeugt Verelst mit seiner Vorgehensweise. Und dennoch lässt sich dieses Bildnis nicht auf eine elegante Oberfläche reduzieren. 

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett (Detail), 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Wie bereits Rembrandt in seinen berühmten Selbstporträts, nutzt auch Verelst die Abbildung des menschlichen Gesichts zu Charakterstudien, verschwendet sich aber nicht am luxuriös-eleganten Äußeren, sondern legt das Augenmerk des zweiten Blicks dezidiert auf das Innere der Persönlichkeit. Der Jüngling präsentiert sein Antlitz in einer Beredtheit, dass man seine prächtige Aufmachung fast darüber vergisst. Noch interessanter erscheinen uns doch das Innenleben und die Gedankenwelt des jungen Mannes, die sich im Gesicht spiegeln. Inwieweit wir bei der Interpretation des Minenspiels unser eigenes Innenleben darauf projizieren, sei dahingestellt. Den nötigen Spielraum der Deutung lässt Verelst vor allem durch die bemerkenswerte Tatsache entstehen, dass der Jüngling am Betrachter vorbeiblickt. Er wähnt sich unbeobachtet. Von unserer Anwesenheit scheinbar unbeeinflusst schenkt er uns einen authentischen Eindruck seines Wesens, das sich in den sprechenden, feinnervigen Gesichtszügen zeigt. Ein Vergleich mit Gesichtern aus anderen Gemälden Verelsts, die von Hans-Joachim Raupp als Selbstbildnisse identifiziert wurden, schließt jedoch aus, dass der Künstler wie Rembrandt sein eigenes Gesicht zu Studienzwecken herangezogen hätte. 

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Steve Viezens, me and myself, 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Ganz im Gegensatz zu Pieter Verelst lässt Steve Viezens bei seinem im Jahr 2012 entstandenen Selbstporträt keinerlei Unklarheiten aufkommen. „Me and myself“ hat er es betitelt, wodurch jegliche Spekulation um wen es sich dabei handeln könnte im Keim erstickt wird. Halbfigurig nach links gewandt, in fast aufdringlicher Nahsichtigkeit, präsentiert sich der Künstler. Der Hintergrund bleibt dunkel, die Lichtquelle fällt auf das Gesicht und den entblößten Oberkörper und leuchtet diese Partien stark aus. Seine rechte Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger hält er dem Betrachter provozierend entgegen. Dazu passt der leicht überhebliche Gesichtsausdruck, mokant mit angedeutetem Lächeln. Auf dem Kopf trägt er eine üppige aus Weinlaub und Trauben gewundene Krone.

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Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Dass der Künstler sein eigenes Antlitz zum Bildmotiv erhebt hat eine lange Tradition. Versteckten sich die Maler des 15. Jahrhunderts noch häufig innerhalb ihrer Kompositionen, war Dürer um 1500 vermutlich der erste Künstler, der sich nachweislich in einem autonomen Bildnis festhielt. In diesen Gemälden geht es um Stolz auf das eigene elegante Aussehen, den Status und natürlich um den Beweis der bravourösen Pinselführung, ausgeführt am eigenen Konterfei. Während der 500 Jahre, die zwischen Dürer und Viezens liegen, wird die Produktion von Künstlerselbstbildnissen immer reichhaltiger. Da Erschaffer und Motiv identisch sind, ist es eine der spannendsten Gattungen überhaupt. Der Betrachter bekommt den Eindruck von größter Unmittelbarkeit, da es sich um DAS Bild handelt, das der Künstler selbst von sich hat. So und nicht anders möchte er sich seinen Zeitgenossen zeigen und der Nachwelt überliefert wissen. Das Eigenbild  wird in diesen 500 Jahren zunehmend privater, intimer, es wird zweifelnder, bisweilen verzweifelter, es fordert den Betrachter heraus. Jeder Künstler, der etwas auf sich hielt, hat sich selbst im Bildnis festgehalten. Rembrandt wiederum ist aus der Reihe der Künstler herauszugreifen, da er so häufig wie kein anderer sein eigenes Antlitz zum Bildmotiv erkoren hat. Von jung bis alt, von stolz, wohlhabend und erfolgreich bis hin zum von Schicksalsschlägen gezeichneten, nachlässig gekleideten Mann reichen seine ungeschönten Selbstdarstellungen, in denen doch stets die Aufmerksamkeit auf das Wesensinnere gelegt wird. 

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Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Steve Viezens präsentiert sich nackt, abgesehen von der Laubkrone, die diesen Zustand noch zu unterstreichen scheint. Er braucht keine Verkleidung mehr. Er zeigt sich offen und schonungslos. Schützen ihn sein autonomes Künstlerdasein und seine provokante Geste ausreichend? Ich und ich selber, so könnte man etwas holprig den Titel des Bildes übersetzen. Viezens belässt es nicht bei einem Abbild seiner selbst, sondern verrät durch den Titel, dass wir es hier wohl mit seinem alter ego zu tun haben. Der Künstler versteckt sich hinter seinem Kunstschaffen und ist deshalb nur mittelbar im Bild vorhanden. Die öffentliche Fremdwahrnehmung trifft auf das Selbstverständnis des Künstlers.  Auf dieses Spannungsverhältnis geht Viezens ein. Wenige Berufe erzeugen bei Außenstehenden so viele Assoziationen, wie das Künstlerdasein. Seit dem 19. Jahrhundert ist es nicht mehr der gelehrte, vornehme und distinguierte Kunstschaffende, der sich in den oberen Gesellschaftsschichten zu bewegen weiß, sondern der Mann, der sich den bürgerlichen Normen aufgrund seines künstlerischen Genies entzieht und durch diesen andersartigen Lebenswandel die Fantasie seiner Zeitgenossen anregt. Als „poetisch, phantastisch, bacchantisch, erotisch, antikisch, physisch und geometrisch“ beschrieben beispielsweise Cezannes literarische Zeitgenossen den Malerfreund und fanden damit die treffenden Worte für ein Künstlerimage, das bis heute nachzuwirken scheint, wie auch Steve Viezens selbst betont: „Auch wenn das Bild vordergründig den Anschein erweckt, entspreche ich nicht dem Klischee des Künstlers mit nie enden wollenden bacchantischen Festen, Wein, Weib und Gesang und trotzdem werde ich häufig mit diesem Klischeebild konfrontiert,“ sagt der Künstler zu seiner Selbstdarstellung. „Meine Meinung dazu habe ich in diesem Gemälde deutlich dargestellt.“

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Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Motivisch ist Viezens’ „me and myself“ mit Caravaggios Bacchantendarstellungen verwandt, die ebenfalls mit Weinlaub bekrönt und halb entkleidet, erscheinen. Je nach Gesundheitszustand (von Caravaggio ist ein jugendlicher und ein kranker Bacchus erhalten) bieten sie dem Betrachter entweder ein Glas Wein dar oder halten eine Weintraube umklammert. Vielen Kunsthistorikern erscheinen sie als versteckte Selbstporträts des italienischen Barockmalers. Halten sich Caravaggios Gesellen jedoch in höflicher Distanz zum Betrachter, so drängt Viezens sich frech auf. Man kann ihm nicht entkommen und gleichzeitig macht er einem deutlich, was er davon und überhaupt vom Betrachter seiner selbst, hält. War es in der Antike verbreitet, dass auf den Inschriften von Kunstwerken die Ichform verwendet wurde, beispielsweise um den Künstler zu betiteln, oder das Gegenüber zu grüßen, hält Viezens Ebenbild sich nicht mehr an solche überkommenen Höflichkeitsformen. Sogar deutsche Vizekanzler bedienen sich mittlerweile dieser Mittelfingergeste und machen sie damit fast schon gesellschaftsfähig.

Während Verelsts Jüngling mit seinem Bildnis den Eindruck erweckt, als wäre es gar nicht für den Betrachter geschaffen worden, lässt Viezens keinen Zweifel daran, dass er sich genau an selbigen richtet. Er konterkariert mit dieser Haltung die Intention aller früheren Selbstbildnisse, die ihr Künstlertum zur Schau stellten und zumeist auf ein harmonisches Verhältnis zu ihrem Gegenüber abzielten.

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Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett, 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

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Steve Viezens, me and myself, 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Beide Bilder stellen sich der Situation des Betrachtetwerdens. Verelsts Jüngling negiert sie durch seine volle Konzentration auf ein Sehen und Erleben, das mit dem Betrachter in keinerlei Verbindung steht. Viezens nutzt hingegen die Taktik des Angriffs als beste Verteidigung.  Offensiv und frech tritt er dem Betrachter gestisch vor das Schienbein, bevor dieser überhaupt in der Lage ist auf das Bild zu reagieren. 

Beide Gemälde rezipieren ungewöhnlich stark die gattungsrelevanten, kunsthistorischen Aspekte: die subtile Balance zwischen inneren und äußeren Attributen, das Spiel von Offenlegen und Verbergen, die Beziehung zum Betrachter. Innovativ mit diesem Vermächtnis jonglierend stehen beide Porträts stellvertretend für ihre Zeit. Bei Verelst ein Wegbewegen von den repräsentativen, auf Standesäußerungen abzielenden Bildnissen in der Rezeption Rembrandts, bei Viezens, die Einreihung in die Vielzahl der Künstlerselbstporträts, an deren großem Erbe er aber nicht scheitert, sondern fröhlich dazu seine Meinung kundtut.  Auf höchst eigenwillige Weise versuchen sich beide Künstler der Vielschichtigkeit des (eigenen) menschlichen Wesens und damit der Frage: Wer bin ich und wenn ja wieviele? zu nähern. Und stellen damit auch uns als Betrachter diese Frage.

Adriani, Götz: Paul Cezanne. München 2006. S. 9.

Bredekamp, Horst: Theorie des Bildakts. Berlin 2010. S. 60-69.

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Genre. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1996.  S. 248-251.

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Portraits. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1995.  S. 142-145.

Ich danke Steve Viezens herzlich für die freundliche Erläuterung seines Selbstporträts.

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Dr. Teresa Bischoff (*1979) studierte Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Geschichte in Erlangen und Rom. Kürzlich erschien ihre Dissertation “Kunst und Caritas” über Leben und Werk der Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Emilie Linder. Nach Dozententätigkeiten in Erlangen, Ansbach und Nürnberg ist sie nun wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

 

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

http://www.galeriekleindienst.de/kuenstler,steve_viezens,138.html

Die SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin: Ausstellungen und Ausstellungs-Beteiligungen

Moritz Schleime, Abschied ohne Ende, 2010, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm


„Schöne Landschaft – Bedrohte Natur. Alte Meister im Dialog mit zeitgenössischer Kunst“
Landschaftsbilder aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin in der Kunsthalle Osnabrück

09. Juni – 13. Oktober 2013

Kuratiert von Jeanette Zwingenberger

Offizielle Eröffnung der Ausstellung: Sonntag, 9. Juni, 11.30 Uhr 
Pieter van Anraedt | Tilo Baumgärtel | Beza | Abraham Blommaert | Anthonie van Borssom | Adam van Breen | Jochem Govertsz. Camphuysen | Jan Coelenbier | Anthony Jansz. van der Croos | Jacob van der Croos | Cornelis Gerritsz. Decker | Martin Eder | Marcel van Eeden | Wolfgang Ellenrieder | Mitja Ficko | Martin Galle | Toussaint Gelton | Johannes Glauber | Adriaen de Gryeff | Petrus van Hattich | Uwe Henneken | Uwe Henneken [Gustav Courbet und Atelier] | Willem de Heusch | Helge Hommes | Abraham Danielsz. Hondius | Johannes Hüppi | Anna Hughes | Leiko Ikemura | Monica Ursina Jäger | Malgosia Jankowska | Friederike Jokisch | Raffi Kaiser | Ruprecht von Kaufmann | Alexander Keirincx | Thomas de Keyser | Henning Kles | Katharina van Knibbergen | Peter Krauskopf | Sven Kroner | Markus Matthias Krüger | Andréas Lang | Philip Jansz. van Leeuwen | Via Lewandowsky | Daniel Lezama | Roman Lipski | Dirck van der Lisse | Jan Looten | Rosa Loy | Aert Jansz. van Marienhof | Wolfgang Mattheuer | Casey McKee | Albert Meyeringh | Klaes Molenaer | Pieter de Molijn | Ulrik Møller | Frans de Momper | Josse de Momper d. J. [Jan Brueghel d. Ä.] | Jacob van Moscher | Jochen Mühlenbrink | Pieter Mulier d. Ä. | Emanuel Murant | Michiel van Musscher | Lada Nakonechna | Gillis (Aegidius) Neyts | Jürgen Noltensmeier | Catalina Pabón | Mario Palm | Cornelis van Poelenburgh | Vandy Rattana | Neo Rauch | Peter Ruehle | Herman Saftleven II | Nicola Samorì | Cornelis Symonsz. van der Schalcke | Moritz Schleime | Rigo Schmidt | David Schnell | Secret Stars** | Tanja Selzer | Adriaen van Stalbemt | Abraham Storck | Abraham Susenier | Herman van Swanevelt | David Teniers d. J. | Rombout Jansz. van Troyen | Werner Tübke | Justus de Verwer | Steve Viezens | Miriam Vlaming | Simon Jacobsz. de Vlieger | Alexander Ernst Voigt | Matthias Weischer | Dirck Wijntrack | Jan Wils | Claes Claesz. Wou | Katsutoshi Yuasa

Anthony Jansz. Van der Croos (Alkmaar 1606/7 – 1665 Den Haag), „Landschaft mit Blick auf Leiden“, 1651, Öl auf Holz, 36,5 x 46,5 cm

Via Lewandowsky, „Dröhnen (Wald)“, 1998, Lambda Print, Diasec, gerahmt, 110 x 110 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 http://www.osnabrueck.de/6687.asp

 

Weitere Ausstellungsbeteiligungen von Künstlern mit Werken aus der SØR Rusche Sammlung:

Justine Otto. Halbpension

Museum Franz Gertsch, Burgdorf, Schweiz, 23.03.2013 bis 01.09.2013
http://www.museum-franzgertsch.ch/

ZWEITE – Gruppenausstellung Pfaffenhofener Künstler 

Kulturhalle, Ambergerweg, Pfaffenhofen

10.05.-02.06.2013

u. a. mit Benedikt Hipp

http://www.hallertau.info/index.php?StoryID=64&newsid=79317

20 Jahre Klasse Eißfeld

267 Quartieren für zeitgenössische Kunst und Fotografie Braunschweig

23.05.-11.08.2013

u. a. mit Ingo Mittelaedt

http://www.hbk-bs.de/aktuell/veranstaltungen/details/18155/index.php

Künstler brennen – Back to Earth. Die Wiederentdeckung der Keramik in der Kunst

Gerisch Stiftung, Neumünster, 25.05.2013 bis 27.10.2013

u. a. mit Alicja Kwade
http://www.gerisch-stiftung.de/

WATER

Galerie Mikael Andersen, Kopenhagen, 07.06.-16.08.2013

u. a. mit Beza, Manuele Cerutti, Shonah Trescott sowie Alte Meister
 http://www.mikaelandersen.com/

Paule Hammer – Werke aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Museum Abtei Liesborn, Wadersloh-Liesborn, 29.06.2013 bis 01.09.2013
http://www.museum-abtei-liesborn.de/

Schijn bedriegtSchijn
De trompe-l’oil in de oude en moderne kunst

Noordbrabants Museum, ‚s-Hertogenbosch, 12.10.2013-26.02.2014

u. a. mit Carina Linge sowie Alte Meister

http://www.hetnoordbrabantsmuseum.nl/

Still bewegt. Das Stillleben im Film

Kulturstiftung Altana, 13.10.2013-23.02.2014

u. a. mit Agniezka Polska sowie Alte Meister

http://www.altana-kulturstiftung.de/hn/museum-sinclair-haus/ausstellung/vorschau/

Ausstellung: Tierstücke – der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Julius Hofmann, Einsames Zuhause, 2010, 200x190cm, Acryl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, Photo by Galerie Kleindienst

Vom 10. 02.-28. 04.2013 richtet das Museum Abtei Liesborn den Blick auf die Tierstücke der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Die Ausstellung Tierstücke vereint 17 Gemälde niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts mit insgesamt 74 Arbeiten zeitgenössischer Künstler. So entsteht ein spannungsreicher Dialog, dem der Besucher aufgefordert ist, zu folgen. Seit der Frühzeit zählt das Tier zu den beliebtesten Motiven der bildenden und angewandten Kunst. Die Ausstellung nähert sich dem Bildgegenstand Tier unter fünf Gesichtspunkten, denen jeweils ein Raum gewidmet ist: I. Das Tier als Schmuckwerk II. Raubtier und Beute oder Fressen und gefressen werden III. Das Tier als Gefährte des Menschen und der Mensch als Nutznießer des Tiers oder Haus- und Nutztiere IV. Anthropomorphismen: Der Mensch als Tier, das Tier als Mensch I. Das postmoderne Tier: Leben in einer denaturierten Welt Die Beweggründe Tiere darzustellen, sind äußerst vielfältig. Künstler nutzen das Motiv, um auf die Schöpfung Gottes und die Artenvielfalt des Kosmos zu verweisen. In seiner Wildheit wird es zum Furcht einflößenden und bewunderten Fabeltier. Ambivalenz erweist sich in der Darstellung als Jäger und Gejagter oder es spiegelt ein wissenschaftliches Interesse. Als Metapher steht es für menschliches Verhalten und manchmal dient es nur der Dekoration. In der holländischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts finden Tierbetrachtung und Tierdarstellung einen Höhepunkt.

Dirck Wijntrack, Wasservögel an einem Schlossgrabem, ca. 1650, 90 x 125 cm, Öl auf Holz, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, Photo Lars Beusker

Besonders charakteristisch für das Tierbild in Holland sind seit der Mitte des 17. Jahrhunderts das sogenannte „Viehstück“, das Nutztiere auf der Weide darstellt, das „Jagdstück“, bei dem Hunde Jagd auf Beutetiere machen sowie der „Geflügelhof“. Zeitgenössische Künstler haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit dem Thema Tier befasst. In Rückbesinnung auf die alte Tradition der „Tierstudie“ zeugen viele Tierbilder der Gegenwartskunst von aufmerksamer Beobachtung. Sie dokumentieren unterschiedliche Aspekte des Tierseins ohne es mit einer spezifischen Deutung zu versehen. Daneben gibt es zahlreiche Werke, die das von Zwiespältigkeit geprägte Verhältnis zwischen Mensch und Tier reflektieren, analysieren, kritisieren oder ironisieren.

Ruprecht von Kaufmann, Ajax, 2007, 160 x 180 cm, Öl, Wachs, Pigment auf Leinwand, Photo by SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Folgende Künstler werden in der Zeit vom 10.02 – 28.04.2013 zu sehen sein: Agate Apkalne, Tilo Baumgärtel, Andrea Bender, Abraham Hendricksz. van Beyeren, BEZA, Joe Biel, Ina Bierstedt, Cornelis Biltius, Irene Bisang, Norbert Bisky, Anthonie van Borssom, Bernhard Buhmann, Marcin Cienski, Jan Dörre, Simon Johannes van der Douw, Martin Eder, Tom Ellis, Valerie Favre, Pavel Feinstein, Martin Galle, William Gowe (Gouw) Ferguson, Mitja Ficko, Adrian van Gryff, Paule Hammer, Katrin Heichel, Julius Hofmann, Feodora Hohenlohe, Abraham Hondius, Johannes Hüppi, Balthasar Huys, Malgosia Jankowska, Michał Jankowski, Friederike Jokisch, Ruprecht von Kaufmann, Inga Kählke, Kai Klahre, Andrey Klassen, Olrik Kohlhoff, Paweł Książek, Karin Kneffel, Shay Kun, Claudia Landwehr, Carolin Löbbert, Rosa Loy, Christoffel Lubieniecky, Kai Mailänder, Jacobus Sibrandi Mancadan, Casey McKee, Sebastian Meschenmoser, Claes Cornelisz. Moeyaert, Brian Montuori, David Nicholson, Heribert C. Ottersbach, Carlos Perez, Jochen Plogsties, Nadin Maria Rüfenacht, Cornelia Schleime, Lothar Schliemann, Jan Ulrich Schmidt, Rigo Schmidt, Otto Marseus van Schrieck, Tanja Selzer, Slava Seidel, TAL R, Jan Tengnagel, Karthrin Thiele, Jacob Toorenvliet, Pieter Cornelisz Verbeek, Steve Vinzens, Jacobus Victors, Matthias Weischer, Jan Wijnant, Dirck Wijntrack, Shi Zhiying.

Marcin Cienski, Reconcilation, 2012, 90 x 70 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin Photo by Galerie Jochen Hempel

 

Bilder der Ausstellungseröffnung am 09. Februar 2012

Museum Abtei Liesborn Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Thomas Rusche Photo by SØR

Ausstellungsansicht (Paule Hammer, Schweinehund) Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Ausstellungsansicht Photo by SØR

Mark Gisbourne & Katja Blomberg

Dr. Elisabeth Schwarm & Rupert Pfab

Ausstellungsansicht (Rigo Schmidt, Außenseiter) Photo by SØR

Thomas Rusche Photo by SØR

 

Museum Abtei Liesborn

 

“Eros & Thanatos” Bilder einer Ausstellung und Pressestimmen

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Bilder der Finissage und der Präsentation der Publikation “Eros & Thanatos” vom 02. Juni 2012

http://www.lubok.de/

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Die folgenden Links beinhalten Artikel über die Ausstellung Eros & Thanatos:

http://www.art-magazin.de/kunst/51267/sammlung_rusche_leipzig

http://www.kunst-magazin.de/liebe-und-tod-in-leipzig/

Eros & Thanatos Ausstellungseröffnung 28. April 2012

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Die Ausstellung “Eros & Thanatos” war bis zum 02. Juni 2012 in der Baumwollspinnerei Leipzig zu Gast.

Werkschau Halle 12

Baumwollspinnerei Leipzig

Wir bedanken uns ganz herzlich bei all denen, die dazu beigetragen haben, dass diese Ausstellung so ein Erfolg geworden ist. Ein ganz besonderer Dank geht an Prof. Dr. Ullrich und seine Studentinnen und Studenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, die diese Ausstellung kuratiert haben. Ein weiteres großes Dankeschön richtet sich an die Baumwollspinnerei Leipzig und die SpinnereiGalerien für ihr Engagement und ihre Unterstützung, sowie Herrn Dr. Hans-Werner Schmidt vom Museum der Bildenden Künste in Leipzig. Nicht zu vergessen; Claudia Gehre, Uwe-Karsten Günther, Josef Filipp und Jochen Hempel.

 

Werke der SØR Rusche Sammlung in Ausstellungen

Alles Wasser

Ausstellung vom 25. Mai – 13. Juli 2012

Verlängert bis zum 25. August 2012

Die Ausstellung “Alles Wasser” in der Mikael Andersen Galerie widmet sich ganz diesem klassischen Sujet. Kuratiert wird die Ausstellung von dem Künstler Philipp Grözinger, der in Zusammenarbeit mit Dr. Dr. Thomas Rusche, ausgewählte Positionen von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern und Werke der Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, in einen Dialog stellt.

Galerie Mikael Andersen Pfefferberg, Haus 4 Christinenstrasse 18/19 10119 Berlin

http://www.mikaelandersen.com/

 

Atelier + Küche =

Labore der Sinne

12. Mai bis 16. September 2012

Sie sind Orte der Produktion sinnlicher Erlebnisse und Stätten von Experiment und Krea- tivität: Künstleratelier und Küche verbindet als „ Labore der Sinne“ eine bemerkenswerte Nähe. Erstmals führt Marta Herford diese beiden Arbeitssphären in einer rund 400 Jahre Kunstgeschichte umspannenden Ausstellung zusammen. Zeitgleich zur dOCUMENTA (13) in Kassel untersucht das Team um Roland Nachtigäller die Bedeutungen und Darstellun- gen von Atelier und Küche quer durch die Kunstgeschichte bis in die Gegenwart.

Otto Marseus van Schrieck Küchenstilleben mit Fischen und Blumenkohl, 1654 Öl auf Zinnplatte 14,6 x 19,5 cm SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Frederike Walter & Dieter Mammel, Atelierziege, 2007, mixed Media, 120 x 400 x 50 cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Gehry Galerien Marta Herford Gobenstraße 2–10, D-32052 Herford

Di – So und an Feiertagen 11-18 Uhr, jeden 1. Mi im Monat 11-21 Uhr

Eros & Thanatos

28. April verlängert bis zum 02. Juni 2012

WERKSCHAU Spinnereistraße 7 / Halle 12, 04179 Leipzig Di bis Sa 11 bis 18 Uhr

www.spinnerei.de

Erotik und Tod, Liebe und Gewalt sind nicht nur zwei Pole menschlicher Existenz und Welterfahrung. Vielmehr verschränkt sich beides auch vielfältig und ist dann in subtilen Mischformen gleichzeitig präsent. Immer wieder gibt es Kippmomente zwischen Eros und Thanatos. Und viele Künstler haben sich gerade dafür interessiert.

Die SØR Rusche Sammlung bietet mit ihren zwei Schwerpunkten, der Niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst, eine besondere Möglichkeit, die Inszenierung solcher Kippmomente über die Zeiten hinweg zu zeigen. Dabei lassen sich sowohl überzeitlich gültige Motive entdecken als auch epochenspezifische Konstellationen als solche erkennen. Die Ausstellung wird sich einerseits klassischen Themen wie der Angst vor vanitas – der Vergänglichkeit des Schönen und Erotischen – oder dem Rausch und seinen Folgen widmen. Andererseits aber stellt sie ein Motiv wie den Wald vor, das auf den ersten Blick wenig mit Liebe oder Tod zu tun hat, bei genauerer Betrachtung aber umso vielschich­ tiger Aspekte von beidem zum Ausdruck bringt.

Kuratiert wird die Ausstellung von Studierenden der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Ullrich. Die Ausstellung findet auf Ein­ ladung der SpinnereiGalerien statt.

SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Gelton Toussaint Die Göttin Diana, um 1660, öl auf Holz, 13,6 × 16,6 cm © SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 

Positionen der Ausstellung von folgenden Künstlern:

Nobuyoshi Araki / Elvira Bach / Tilo Baumgärtel / Jacobus Biltius / Christoph Blawert / Abraham Bloemaert/ Katia Bourdarel / Richard Brakenburgh / Cecily Brown / Rafał Bujnowski /Jochem Govertsz Camphuysen / Jacques Adolphsz Claeuw / Pieter Codde / Joos van Craesbeek / Philip van Dijk /  Martin Eder / Marcel van Eeden / Marcel Eichner / Wolfgang Ellenrieder / Tom Ellis / Joachim Elzmann / Tracey Emin / Pavel Feinstein / Pius Fox / Pieter Fris / Martin Galle / Alexander Gering / Johannes Glauber / Petrus van Hattich / Reinier de la Haye /  Samuel van Hoogstraten / Julius Hofmann / Helge Hommes / Johannes Hüppi / Michał Jankowski / Oda Jaune / Sabrina Jung / Ruprecht von Kaufmann / Thomas de Keyser / Michael Kirkham / Kai Klahre / Anna Kott / Marianna Krueger / Paweł Książek / Zofia Kulik / Alicja Kwade / Corinne von Lebusa / Dominik Lejman / Via Lewandowsky / Carina Linge / Johannes Lingelbach / Dirck van der Lisse / Rosa Loy / Christoffel Lubieniecky / Martin Lütke / Gerrit Lundens / David Lynch / Cornelis van Meulen / Franz van Mieris II / Willem van Mieris / Markus Muntean & Adi Rosenblum / Michiel van Musscher / David Nicholson / Adriaen van Nieulandt / Hanna Nitsch / Jürgen Noltensmeier / David O’Kane / David Ostrowski / Justine Otto / Jochen Plogsties / Agnieszka Polska / Hendrik Gerritsz. Pot / Jan Anthonisz van Ravensteyn / Louis Renzoni / Arno Rink / Matthieu Ronsse/ Nadin Rüfenacht / Rigo Schmidt / Norbert Schwontkowski / Tanja Selzer / Hendrik Martensz. Sorgh / Johannes Spilberg d. J. / Adriaen van Stalbemt / Norbert Tadeusz / Tal R / Jan Tengnagel / David Teniers d. J. / Alexander Tinei / Jacob Toorenvliet / Gelton Toussaint / Rombout Jansz. van Troyen / Werner Tübke / Markus Uhr / Pieter Verelst / Daniel Vertangen / Steve Viezens / Miriam Vlaming / Herbert Volkmann / Cornelis van der Voort / Gerrit van Vucht / Moyses Wtenbrouk / Jürgen Wolf /