Historie der Krawatte

Soldat des Kaiser Seih Huang-ti

Die früheste kostümgeschichtliche Überlieferung für “Krawattenträger” ist belegt  durch Thronfiguren aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. sie zeigen Soldaten des chinesischen Kaisers Seih Huang-ti, Erbauer der großen Mauer, die eine Halsbinde tragen. Die früheste bekannte Erwähnung der “cravate” ist vom französischen Balladendichter Eustache Deschamps (1340-1407) überliefert. Cesare Vecellio (1530-1606) berichtet in seiner Kostümkunde “Degli abritt antichi e moderni in diverse Parte del mondo” über die “cravata” der römischen Soldaten. Dieses “focale” (lat.: “fauces” Kehle, Hals) ist seit Beginn der christlichen Zeitrechnung bekannt. Unbestritten ist das die Kroaten für die Verbreitung der Krawatte in der westlichen Welt verantwortlich sind. Bis zur Neuzeit trägt man den Hals mittelalterlich frei. Nur in Kroatien, einer alten römischen Provinz, bleibt die antike Tradition “fokale” auch während des Mittelalters erhalten.

Kroatischer Soldat um 1665

In der Renaissance kommen dann der Ringkragen und die starre Halskrause (Kroese) auf. Dieses charakteristische Element der spanischen Tracht verbreitet sich schnell. Bald jedoch wir der beengende Mühlsteinkragen im Dreißigjährigen Krieg durch den breiten Umlegekragen verdrängt. Die Umlegekrägen bedürfen des täglichen Bügelns und Stärkend. Diese umständliche Pflege macht die französischen Soldaten für die pflegeleichten, kroatischen Halstücher empfänglich. Ein- oder zweimal um den Hals geschlungen, werden die Krawatten nur leicht geknotet. Offiziere tragen sie aus Musselin oder Seide, einfache Soldaten aus Leinen. Mit der Rekrutierung kroatischer Söldner erobern diese Krawatten in Windeseile ganz Europa. Unter Ludwig XIV. wird in den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts in Frankreich das kroatische Reiterregiment “Royale Cravate” gegründet. Offiziere, Soldaten und selbst der König Ludwig der XIV. entwickeln eine wahre Krawattenleidenschaft. 1692 ist ein wichtiges Datum für die Krawatte. Am frühen Augustmorgen werden die französischen Truppen in der Nähe des belgischen Ortes Steinkerque (Steenkerken) überfallen. Es bleibt keine Zeit mehr, die Krawatten zu binden; lose werden sie umgeschlungen und an den Enden zur Befestigung durch ein Uniformknopfloch gezogen. Die Steinkirk breitet sich schnell auch nach Amerika aus. Die Krawatte wird international. Das 18. Jahrhundert ist von einem hektischen Wechsel der Krawattenmode geprägt, die zunehmend politisiert wird. In der Schreckenszeit der Jahre 1749-1793 kleidet sich die die adelige Jeunesse de doreé royalistisch. Diese Muskadins tragen eine grüne Krawatte als Ausdruck ihrer royalistischen Treue.

Incroyable

Die Incroyables des Direktoriums (1795-1799) schlingen sich ihre gestreiften Krawatten bis zur Unterlippe hinauf und werden damit zum Opfer der Karikaturisten. Ohne Krawatte (sans cravate) kleiden sich die französischen Revolutionäre. Jegliche Krawatte ist als aristokratisches Attitude verpönt. Der Revolutionär schlägt den Hemdkragen zurück und zeigt Hals. Nachlässig um den Hals geschlungene Tücher werden geduldet. Robespierre und seine Gefolgschaft hingegen kleiden sich korrekt: tadellose weiße Krawatte zum gefalteten Jabot. Zur fast gleichen Zeit entwickelt die Schicht der jungen Elegants in England das Dandytum. Die “Grand tour” durch Europa führt den englischen Dandy auch nach Italien und Frankreich. In London schließen sie sich zum Makkaroni-Club zusammen und bringen südliche Élégance in ihre verregnete Heimat. Von 1770-1790 tragen die Dandys des Makkaroni-Clubs weiße Krawatten, die zur Schleife geschlungen werden. Nach 1790 bringen die Makkaronis die französische Hasenohr-Krawatte der Incroyables mit nach London und werden auf der Insel erneute zum Trendsetter.

Bryan Brummel

Bryan Brummel (1778-1840) wird Anfang des 19. Jahrhunderts zum ungekrönten Dandy-König. Die sonntäglich aufgeputzten und exzentrischen Elegants erscheinen ihm “endimanchés”. Brummel verzichtet auf extreme Modetorheiten und formuliert den heute noch gültigen Grundsatz: “Ein Zeichen, dass man sich gut kleidet. ist, wenn man nicht auffällt!” Brummel berät König George IV.: Das Binden der weißen Krawatte wird zum Höhepunkt des täglichen “Lever” . Der deutsche Patriotismus hingegen weigert sich der fremdländischen, französischen Mode. Ernst Moritz Arndt (1769-1860) fordert in seinem “Wort über Sitte, Mode und Kleidertracht” die “altteutsche Trag” mit freiem Hemdkragen ohne knechtisches Tuch um den Hals. Man sagt im gemeinen Sprichwort, Kleider machen Leute, ich sage, Kleider machen Menschen! Kleidung wird auch in Deutschland zum Ausdruck der Gesinnung. Mittelalterliche Gewänder mit umgelegtem Hemdkragen, ohne Krawatte, verbreiten sich vor allem unter den Studenten. König Wilhelm III. (1797-1840) verbietet diese “altteutsche Tracht” im Jahre 1820 als “aufrührerisch”. Der hohe, steife Kragen mit Vatermörder und tadelloser Krawatte wird zur “staatserhaltenden” Kleidung deklariert. Seit der frühviktorianischen Zeit verlangt die englische Etikette auf dem Kutschbock einen schlanken, vertikalen Langbinder. Die noch heute verbreitete Krawattenshilouette entsteht Mitte des 19. Jahrhunderts  und wird wie die vierspännige Kutsche als “Four-in-hand” bezeichnet. Mit der Industrialisierung beginnt der Siegeszug des Jaquard-Webestuhls, mit dem farbig gemusterte Seidengewebe auch mechanisch hergestellt werden können. Seit dieser Zeit ziert eine Fülle farbenfroher Musterungen und Ornamente die Krawatte. Der lange Schlips (engl.: slip, Bezeichnung Matrosenknoten) hat sich um 1900 weltweit durchgesetzt und wird zum klassischen Schmuck des Mannes. Von der 68er Generation als “Kulturstrick” verpönt und als Ausdruck des Establishments geschmäht, ist die Krawatte heute weiter verbreitet denn je.

Photo by Scabal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Comments on "Historie der Krawatte"

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