Kurator Philipp Bollmann und die Schnittestellen zwischen der Kunst und gutem Stil – SØR Interview Part I

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Philipp Bollmann gilt als einer der aufstrebensten Kuratoren des Landes. Mit gerade mal 30 Jahren hat er sich bereits ein  beachtliches Repertoire an Ausstellungen und Publikationen erarbeitet. Neben seinem kuratorischen Talent beherrscht er den sicheren Auftritt auf dem internationalen Kunst-Parkett. Seine hohen Qualitätsansprüche spiegeln sich in seiner Arbeit und seiner Garderobe wider. Ein guter und gepflegter Stil sind für den gebürtigen Münsterländer genauso essenziell wie seine große Leidenschaft – die Kunst! Für die Eröffnung seiner aktuellen Ausstellung ,,Meet me in Heaven” auf Schloss Tüssling der Gräfin Stepanie Bruges-von Pfuel, favorisiert Philipp Bollmann einen klassisch eleganten Look. Wir trafen ihn zur Anprobe im SØR Store in der Bleibtreustraße in Berlin.

SØR: Philipp, wie war das Fitting?

PB: Hervorragend! Es ist ein tolles Gefühl wenn man in den Genuss kommt, dass sich ein Experte Zeit nimmt, um mit dir dein perfektes Outfit abzustimmen. Ich würde sagen, dass ich recht genau weiß was ich tragen möchte, aber es ist dann doch beeindruckend zu sehen, wie sicher die SØR Mitarbeiter sind wenn es zum Beispiel um die Frage geht, welches Einstecktuch das Richtige ist. Wir haben uns dann für ein Baumwolltuch entschieden, da es nicht so leicht in der Brusttasche verschwindet wie eines aus Seide. Außerdem ist der Kontrast toll zwischen dem eher glatten Anzugstoff und dem etwas raueren Tuch.

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Philipp Bollmann weiß sich in guten Händen, denn Store Manager Michael Seiler achtet mit seinem geschulten Blick auf das kleinste Detail – alles muss sitzen!

SØR: Was bedeutet Dir gute Kleidung?

PB: Ich fühle mich einfach wohl wenn ich gute Kleidung trage. Das war schon immer so. Gute Schnitte und gute Materialien bereiten mir Freude. Es ist auch eine Frage der Qualität. (Aber nicht immer automatisch eine Frage des Preises) Es hängen Hemden in meinem Schrank die ich seit bestimmt 10 Jahren habe. Wenn man pflegsam mit ihnen umgeht kann man sich lange an ihnen erfreuen. Vergleichbares gilt für Sakkos. Gut geschnittene Sakkos gehen einfach nicht aus der Form. Ich kaufe lieber weniger, dafür aber bewusst gute Qualität.

Ein anderer Aspekt klingt vielleicht etwas übertrieben, aber ich denke gute Kleidung hat auch etwas mit Respekt vor sich selbst und seinem Gegenüber zu tun.

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Philipp Bollmann trägt einen blauen, dezent glänzenden Sommer-Anzug von Eduard Dressler, ein SØR Jersey-Hemd von Artigiano und ein SØR Einstecktuch aus gelber Baumwolle.

SØR: Woher kommt deine Leidenschaft für die Kunst?

PB: Meine Leidenschaft für die Kunst ist erstaunlicher Weise – und ganz unvorhersehbar – in einem kleinen Ort in Wisconsin entbrannt. Ich habe dort die High School besucht. Mein damaliger Kunstlehrer war der einzige in dem Städtchen der oft nach Europa gereist ist, um die Uffizien, die Vatikanischen Museen und den Louvre zu besuchen. Er hat mit solcher Begeisterung über Kunst gesprochen dass ich wusste: damit möchte ich später auch was zu tun haben.

SØR: Existiert für Dich eine Verbindung zwischen Kunst und Mode?

PB: Ja offenkundig! In mehrfacher Hinsicht! Die großen Modedesigner suchen ja geradezu die Nähe zur Kunst. Sei es Yves Saint Laurent, der in einer seiner bekanntesten Kollektionen Piet Mondrian zitiert oder jetzt ganz aktuell Calvin Klein, der seine Kampagne vor Werken von Andy Warhol, Sterling Ruby & Co. shooten ließ. Unternehmen wie Prada oder Louis Vuitton leisten sich riesige Museen für zeitgenössische Kunst und gehen Kooperation mit Künstlern ein. All das wofür die Kunst steht, Eigenständigkeit, Kreativität, Stil, Einzigartigkeit & Wiedererkennbarkeit sind selbstverständlich auch Attribute die in der Mode eine Rolle spielen. Bedenkt man, dass Kleidung auch immer etwas über seinen Träger verrät, hat die Mode gerade im 20 Jahrhundert bewiesen wie sehr sie Ausdruck einer Politischen Haltung ist und zur Veränderung der Gesellschaft führen kann. Hier schlägt sich meiner Meinung nach wieder die Brücke zur Kunst.

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Philipp Bollmann weiß um die Wirkung eines eleganten Outfits: ,, ich denke gute Kleidung hat auch etwas mit Respekt vor sich selbst und seinem Gegenüber zu tun.”

SØR: Was muss ein gutes Outfit leisten können, wenn man sich im Kunstbetrieb bewegt?

PB: Zunächst einmal glaube ich, dass im Kunstbetrieb jeder das tragen kann was er möchte. Das ist nicht in vielen beruflichen Bereichen der Fall und begrüßenswert. Es ist wirklich spannend zu sehen wie exzentrisch sich manche Leute kleiden um zu demonstrieren: Ich gehöre zur Kunst! Ich finde es allerdings etwas schade, dass sehr schicke Kleidung nicht so angesagt ist. In Berlin würde ich zum Beispiel nie eine Krawatte tragen.

Was ein gutes Outfit leisten muss kann ich nur aus meiner Sicht beantworten. Ich möchte seriös und gleichzeitig lässig wirken. Immerhin habe ich sowohl mit Künstlern als auch mit Sammlern zu tun. Ich bin in gewisser Weise die Schnittstelle der beiden Welten und das möchte ich auch durch meine Kleidung zum Ausdruck bringen.

SØR: Was schätzt Du an dem Outfit was Du ausgesucht hast?

PB: Ich trage gern Anzüge und ich liebe die Farbe blau. Das passt also schon einmal hervorragend. Der Anzug hat einen luxuriösen Super150 Stoff von der italieneischen Traditions-Weberei Reda. Ein wirklich angenehmes Tragegefühl. Mit einem weißen Hemd und einem Einstecktuch ist das Outfit simpel aber perfekt. Getreu dem Motto: ,,Weniger ist mehr”!

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Michael Seiler, der Store Manager des Berliner SØR Hauses freut sich über seinen zufriedenen Kunden – alles sitzt!

SØR: Was hast Du für eine Verbindung zu SØR?

PB: Es gibt eigentlich 2 Verbindungen. Einmal über die Kunst zu dem Eigentümer von SØR, Herrn Dr. Dr. Thomas Rusche. Ich kam bislang zweimal in den Genuss durch die Berliner Repräsentanz seiner Sammlung geführt zu werden. Es ist wirklich beeindruckend wie gut er über die Kunst die er sammelt zu berichten weiß. Die andere Verbindung ist, dass ich schon einige Male bei SØR eingekauft habe. Unter anderem eine Lederjacke die mich schon seit 7 Jahren begleitet und ich bis heute gerne trage.

SØR: Was kannst Du schon über Deine Ausstellung auf Schoss Tüssling erzählen?

PB: Die Ausstellung trägt den Titel ,,Meet me in Heaven” und wird sich mit Fragen der Vergänglichkeit, der Endlichkeit und mit Jenseitsvorstellungen beschäftigen. Es ist mir eine Freude mit bedeutenden Künstlern zusammen arbeiten zu können. In der Ausstellung werden Werke von Tim Noble & Sue Webster, Robert Mapplethorpe, Tracey Emin, Nasan Tur, Kris Martin und anderen zu sehen sein. Ein Highlight ist sicherlich dass Elmgreen und Dragset extra eine große Arbeit für die Ausstellung fertigen werden. Worum es sich genau handelt möchte ich noch nicht verraten. Aber es wird gut!

SØR: Vielen Dank und viel Erfolg für Deine Ausstellung. Wir freuen uns schon auf Dein Interview und auf die Bilder von der Eröffnung!

Abschied

Philipp Bollmann,* 1987, absolvierte nach seinem Abitur im Jahr 2007 ein sechsmonatiges Praktikum in der Bielefelder Samuelis Baumgarte Galerie & Art Consulting, für die er nach Beendigung des Praktikums weitere 18 Monate als Mitarbeiter zunächst in Bielefeld, später als Repräsentant der Galerie in Berlin tätig war.

Von 2009 bis 2013 studierte Philipp Bollmann Kunstgeschichte und Geschichte an der Freien Universität Berlin. Parallel dazu begann er mit dem Unternehmer Heiner Wemhöner die Sammlung Wemhöner aufzubauen, die er bis heute als Kurator betreut. Seit 2011 veröffentlichte Philipp Bollmann als Herausgeber etliche Publikationen, darunter: Focus Asia (2011), Im Blick (2012), Aufgestellt (2013), Behind the Surface (2015), Blaise Reutersward (2015), About Painting (2015).

2014 kuratierte er die viel beachtete Ausstellung Einblicke in die Sammlung Wemhöner und realisierte 2015 in Zusammenarbeit mit dem Museum MARTa Herford die Ausstellung Harmonie und Umbruch – Spiegelungen chinesischer Landschaften.

Philipp Bollmann ist seit 2016 für die beiden Ausstellungsreihen Berlin Masters und Schloss Tüssling Projects inhaltlich und strategisch verantwortlich. Neben seiner kuratorischen Tätigkeit für Galerien und Museen berät er Privatpersonen im In- und Ausland beim Erwerb und Verkauf von Kunstwerken.

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

 

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