Ganz sicher nicht halbseiden: ASCOT- seit über 100 Jahren feinste Krawatten made in Germany

 

Jan Moese ASCOT Photo by Lars Beusker

Seit 1908 krönt ASCOT mit seinen handgenähten Krawatten und Schleifen die Garderobe des stilvollen Herrn. In der über einhundertjährigen Unternehmensgeschichte haben sich Farben, Muster und Formen unzählige Male der Mode anpassen müssen, aber ASCOT ist sich und der Seiden-Stadt Krefeld treu geblieben. “Made by hand in Germany” steht seit 1908 auf dem Etikett der Krawatten und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Jan Moese führt in der vierten Generation das Familienunternehmen mit seinen 60 Mitarbeitern. Zeiten, in denen das erbarmungslose Modediktat die Krawatte in die Verbannung schicken wollte, wurden überstanden weil die ASCOT Produkte von so hoher und exzellenter Qualität sind und ein Mann mit Stil einen guten Anzug nicht ohne Krawatte trägt!

Photo by ASCOT

Herr Moese, Sie leiten in der vierten Generation Ihr Familienunternehmen ASCOT, muss man sich Ihre Kindheit ungefähr so vorstellen: während andere noch versuchten mit Bauklötzen Türme zu bauen, beherrschten Sie schon den doppelten Windsorknoten?

Nein, überhaupt nicht! Meine Kindheit verbrachte ich weitgehend krawattenfrei, allerdings trug ich bei gewissen Anlässen eine schöne ASCOT-Strickkrawatte, die gut zu den Knicker-Bockers passte, in denen meine Mutter mich so gerne sah! Ich fand die Strickkrawatte gut, die Hosen hätte ich persönlich auf jeden Fall länger gewählt. In diesem Outfit baute ich dann auch Türme aus Legoklötzchen! Im Gegensatz zu meinem Sohn beherrschte ich in diesem Alter den doppelten Windsorknoten jedenfalls nicht!

Stand für Sie schon früh fest, einmal das Unternehmen zu übernehmen?

Nein, nicht wirklich! Ich hatte zu gewissen Zeiten ganz andere Dinge im Sinn, habe viel ausprobiert und bin erst über Umwege in die Firma gekommen. Während meines Betriebswirtschaftstudiums kam mir der Gedanke, mit Fahrrädern mein Geld zu verdienen. Der in den Achtziger Jahren aufkommende Mountainbike-Boom schwappte zu dieser Zeit über den großen Teich und faszinierte mich so, dass ich einen Bike-Store eröffnen wollte. Mein Vater fand die Idee auch gut, allerdings fragte er mich damals, ob ich nicht zunächst einige Monate in das Familienunternehmen kommen wollte. Danach könnte  ich ja immer noch meine Ideen verwirklichen. Aus einigen Monaten werden dieses Jahr zwanzig Jahre. Die Fahrradleidenschaft ist geblieben, aber ich kann mir bis heute keinen schöneren Beruf vorstellen, als denjenigen, den ich jetzt ausübe!

ASCOT Produktion Photo by Lars Beusker

ASCOT produziert Krawatten und Schleifen ausschließlich in Deutschland, besser gesagt direkt in Krefeld. Ich denke sie besetzen damit eine recht einsame Position in Deutschland auf die Sie aber sehr stolz sein können oder?

Dies ist gleichzeitig eine Bauch- und Kopfentscheidung. Wir sind heute mehr denn je vom Produktionsstandort Krefeld überzeugt. Auf der einen Seite verkaufen wir ein Produkt mit einer authentischen Philosophie, die bei uns lautet: Familienunternehmen in vierter Generation produziert seit über 100 Jahren in Deutschland! Auf der anderen Seite führen wir ein effizientes Unternehmen mit hochqualifizierten Mitarbeitern, das weltweit Seinesgleichen sucht!

Wie denken Sie, wird sich die Zukunft entwickeln, glauben Sie, dass Deutschland irgendwann einmal Produktionsstätten ins Land zurückholt? Wie schätzen Sie diesbezüglich den Markt ein?

Ich glaube, im Moment ist weltweit die Wertschätzung von “Made in Germany” sehr hoch, allerdings hauptsächlich bei Automobilen und Maschinen. Ich bin der Meinung , dass man dieses Vertrauens- und Qualitätsgefühl auf weitere Produkte übertragen kann. Für mich steht außer Zweifel, dass ein Qualitätsvorsprung bereits seit Langem besteht. Da kommt es am Ende auch nicht mehr darauf an, dass die Produktionskosten in Deutschland höher sind. Dafür ist die Produktivität und das Know-how auf einem sehr hohen Niveau!

Stimmen Sie zu, wenn man sagt ein Mann ohne Krawatte ist eine Beleidigung an das Oberhemd?

Ich bin eher der Meinung, dass ein Mann sich selber beleidigt, sobald er Businessanzug und Oberhemd ohne Krawatte ausserhalb seiner Behausung trägt. Mich erinnert das an Servicepersonal, das seinen Gästen in Birkenstocks gegenübertritt. In beiden Fällen muss das Selbstwertgefühl leiden! Aber, ein schönes, kariertes Hemd zu Kordhose und Pullover getragen, verlangt abhängig von der Situation sicher nicht unbedingt nach einer Krawatte!

Photo by ASCOT

Keiner kann es besser beurteilen als Sie: geht die Tendenz wieder zur Krawatte und Schleife? 

Ja, bitte unbedingt! Nein, Spass beiseite, ich bin nach langen Jahren des Zweifelns wieder mehr denn je davon überzeugt, dass der Krawatte ein grosses Comeback bevorsteht. Ein untrügliches Zeichen ist, wenn junge, Indie-Bands wieder Krawatte und Schleife tragen, weil sie Ihre Väter seit 20 Jahren nicht mehr mit einem solchen Kleidungsstück gesehen haben. Dadurch setzt man sich ab vom Bekannten und Etablierten. Außerdem ist die Krawatte noch immer der einzige männliche Schmuck, neben einer schönen Armbanduhr!

 

Was macht eine gute Krawatte aus?

Eine gute Krawatte zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Träger es als überaus angenehm empfindet, sie zu tragen! Idealerweise schaut er in den Spiegel und findet sich und seine Krawatte super, ja unwiderstehlich! Außerdem vervollständigt die Krawatte das Outfit, was aber auch heißt, dass sie dazu passen muss. Nichts schlimmer als eine Satinkrawatte zum Tweedsakko oder eine Regimentalkrawatte zum Nadelstreifenanzug.

Was halten Sie von kuriosen Erscheinungen wie Holz-, Leder- oder sonstigen absurden Krawatten-Erfindungen?

Diese Entgleisungen sind genauso gruselig wie ein Spoiler an einem Vintage-Oldtimer vom Schlage eines Porsche 356! In beiden Fällen gilt: Modernität ist da oder nicht, sie kann aber nicht erzwungen werden!

Wie wichtig sind für Sie Traditionen? Gerade im Bereich Partnerschaften, wie zum Beispiel zu SØR,  für  die Sie seit über 75 Jahren Krawatten produzieren oder  Ihre Strickkrawatten für Hermès?  

ASCOT & SØR Photo by Lars Beusker

Diese Partnerschaften bedeuten für uns auch immer Vertrauen und das entsteht nicht über Nacht! Vertrauen wächst auf beiden Seiten erst mit dem Erfolg, den man über die Jahre miteinander erzielt. Deswegen ist Tradition eines der wichtigsten Stichworte, die unsere Unternehmens-philosophie prägen.

Sie kommen gerade von der Pitti in Florenz, wie wird Herbst/Winter 2012 an den Hälsen der Herren aussehen?

Für mich gibt es da drei Stichworte: Wollkrawatten, Strickkrawatten und Schleifen. Idealerweise sieht der Mann aus, als ob er zur Jagd, zum Angeln oder zum Holzhacken geht! Dabei trägt er allerdings Krawatte, Strickweste und Sportsakko. Perfektioniert wird der Look mit Nerdbrille, einer Kopfbedeckung und einem gepflegten Vollbart! Smart Gentlemen Outdoors eben! Halten Sie mal Ausschau nach solchen Typen im nächsten Herbst und suchen Sie nicht unbedingt im Wald nach Ihnen!

  http://www.ascot.de

http://www.soer.de

http://www.beusker.com

 

11 Comments on "Ganz sicher nicht halbseiden: ASCOT- seit über 100 Jahren feinste Krawatten made in Germany"

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  10. Die versch. Krawatten von ASCOT finde ich absolut spitze. Ich habe selber mir Seidenkrawatten und Firmenkrawatten von ASCOT bestellt und bin super zufrieden mit meinen Krawatten. Meine erste Krawatte von ASCOT hat mein Vater mir vor 20 Jahren geschenkt – ich habe diese Krawatte noch heute und sie ist immernoch in Ordnung.

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