Gute Kunst? Wollen! Eine kritische Untersuchung der Soer Rusche Sammlung Oelde/Berlin Auf AEG Nürnberg

Was ist „gute Kunst“? Kann diese Frage überhaupt gestellt, oder gar beantwortet werden? Im Laufe der letzten fünf Jahrhunderte haben sich unterschiedliche Beurteilungskriterien herauskristallisiert. Besitzen diese heute noch Gültigkeit oder zählen vielmehr andere Faktoren wie Glamour und Kunstmarktpräsenz?

Auf 6000 Quadratmetern werden Alte Meister und zeitgenössische Kunstwerke aus der Soer Rusche Sammlung gezeigt. Die in Zusammenarbeit mit der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg kuratierte Ausstellung lädt dazu ein die so verschiedenen Exponate auf eine allgemeine, theoretische Probe zu stellen. 

1. Reicht „Kunst können“ aus, um ein gelungenes Kunstwerk zu schaffen? Sind es offensichtliche, handwerkliche Fähigkeiten, beispielsweise ein perfektes Beherrschen bestimmter Techniken, wie das täuschend echte Nachahmen der Natur, die zu einem qualitätvollen Kunstergebnis führen? 

DUCKJA_M_1.001

Jacob Duck, „König Balthasar“, zwischen 1630 und 1640 entstanden, 87 x 68 cm, Öl auf Leinwand

2. Oder verstellen diese eher den Blick auf die Intention des Künstlers, sein „Kunst wollen“, das stets den Ausgangspunkt darstellt. Ist die Idee, der kreative, geistige Prozess nicht das Ureigenste und Eigentliche eines jeden künstlerischen Schaffensprozesses? 

Asselijn,Jan, Nr. 3

Asselijn, Jan, „Reiter am Brunnen in einer Felsenkluft“, 16..?, Öl auf Leinwand, 75,5 x 95 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Bild 179

Rauch, Neo, „Der Fänger“, 1988, Öl auf Hartfaserplatte, 125 x 70 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

3. Erwarten wir heute von einem Kunstwerk noch, dass es schön ist? Oder verweigern wir uns lieber einer Ästhetik, die doch stets das Risiko des Kitsches in sich birgt? Gibt es „Kunstschönheit“ ohne die Gefahr der belanglosen Gefälligkeit? 

GOYEJA_M_1.001.O

Van Goyen, Jan Josephsz, „Dorflandschaft mit gotischer Kirche“, 1654, Öl auf Holz, 42,5 x 56, 7 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

EDERMA_W_1.001

Eder, Martin, „o. T.“, 2005, Aquarell, Graphit auf Papier, 28,5 x 22,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

4. Gilt nicht vielmehr „Innovation“ als Qualitätskriterium gerade in unserer Zeit, in der doch alles bereits schon einmal da gewesen zu sein scheint? Wie kann sich ein Kunstwerk heute noch auszeichnen, dass es etwas Neues, völlig Überraschendes schafft?

 Pynas, Jan Symonsz, „Der gekreuzigte Christus und Maria Magdalena“, 1610,  81,5 x 59 cm, Öl auf Holz

Pynas, Jan Symonsz, „Der gekreuzigte Christus und Maria Magdalena“, 1610, 81,5 x 59 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

 Lois Renner, „Küchenstilleben“, 2008, 180 x 145 cm, C-Print Diasec,

Lois Renner, „Küchenstilleben“, 2008, 180 x 145 cm, C-Print Diasec, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

5. Ist das Kennzeichen großer Kunst ihre „Diskurswürdigkeit“? Bedarf es einer gesellschaftlichen Relevanz? Ist es der skandalöse Tabubruch oder ein politisch brisanter Beitrag, der die öffentliche Diskussion befördert, eingefahrene Handlungsmuster in Frage stellt und den Betrachter zum Nachdenken zwingt?

TOORJA_M_2.003.O

Toorenvliet, Jacob, „Paar beim Wein“, zwischen 1676 und 1686 entstanden, Öl auf Leinwand, 37,5 x 31,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

MEESJO_M_2.001.O

Meese, Jonathan, „Fräulein Schnullifuz’s Schneckensammlung“, 2008, Öl auf Leinwand, 50,2 x 40,5 x 5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Erweisen sich diese Kriterien heute noch als als sinnvoll? Helfen sie bei der Bewertung von Kunstwerken? Ausstellungsbesucher dürfen sich selbst als (Kunst)kritiker üben, ein Urteil bilden und den Daumen heben oder senken. 

Eröffnung der Ausstellung am 19./20. September 2015

Autor: Dr. Teresa Bischoff

Auf AEG (Halle 20)
Fürther Straße 244-254 Muggenhofer Straße 132/135
90429 Nürnberg
OFFEN Auf AEG 2015
19./ 20.09.2015
(bis voraussichtlich 31. Oktober 2015)

Trackbacks for this post

  1. Sammler Thomas Rusche zeigt Schätze auf AEG in Nürnberg | Galerie Hoffmann Contemporary Art

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

You must be logged in to post a comment.