Archive for Oktober, 2014

Gant – Nur wer seine Tradition pflegt…

Gant Herbst/Winter Kampagne 2014/15, Photo by Gant

Gant Herbst/Winter Kampagne 2014/15, Photo by Gant

… wird morgen noch ein Klassiker sein.“ Wie es amerikanische Erfolgsgeschichten oft an sich haben, begann auch der Aufstieg der Marke Gant bescheiden. In New Haven, Connecticut, an der amerikanischen Ostküste, machte sich der ukrainische Immigrant Bernard Gant mit einer Schneiderei für Herrenhemden selbstständig. Ab 1941 schneiderte er klassische Hemden für die führenden Marken Amerikas, etablierte neue Schnitte und ein eingewebtes „G“ als Logo. Als leidenschaftlicher „Shirtmaker“ und aufmerksamer Beobachter fiel ihm das Bedürfnis der Professoren und Studenten der ortsansässigen Elite-Universität Yale für hochwertige und zugleich komfortable Hemden auf. Er schaute den Baseballspielern, Seglern und Ruderern in ihren Mannschaftsoutfits zu und entwickelte 1949 unter dem Namen Gant gemeinsam mit seinen Söhnen Marty und Elliot eine erste Kollektion für die smarten Eleven und ihren sportlich-legeren Lebensstil.

Elliot & Marty Gant, Photo by Gant

Elliot & Marty Gant, Photo by Gant

Motiviert durch den schnellen Erfolg, ließ er sich raffinierte Details wie den Knopf an der Rückseite des Kragens einfallen, der Krawatte und Kragen am richtigen Platz hält und sorgte mit einer lässigen Rückenfalte für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Vom Hemd zum StatusSymbol – Bald gehörten Gant-Hemden zum festen Bestandteil der Studentengarderobe.

„Wenn ein Yale-Student ein ,Button-Down-Oxford‘- und ein ,Broadcloth’-Hemd in Weiß, Blau, Crème und gestreift besitzt, dann ist er ziemlich gut ausgestattet“, hieß es in Campus-Kreisen. Das Gant-Hemd wurde Kult an der Yale-Universität. Die Studenten gaben mit diesem Statussymbol auf subtile Weise sogar noch einen anderen Status bekannt: Wer sich in „festen Händen“ befand, entfernte die Aufhängeschlaufe des Hemdes, um zu zeigen, dass er vergeben war. Das wohl berühmteste Yale-Shirt, das sogenannte „Yale Co-op“-Shirt wird noch heute gefertigt – und zwar als Saison-Hemd aus glatt gewebter Madras-Baumwolle im charakteristischen Yale-Blauton oder aus leichtem Oxford-Cotton mit breiten Streifen oder Tattersall-Karos. Geschnitten und verpackt wie in den 1960er-Jahren, geht es nur in ausgewählten Gant-Shops über den Tresen.

Gant classic Button down Shirt, Photo by Gant

Gant classic Button down Shirt, Photo by Gant

Aus den College-Hemden entwickelte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren der für Gant typische Preppy-Look, der immer wieder neue Fashiontrends für Herren wie den Club-Blazer hervorbrachte. Der „American East Coast Style“ war geboren. In den Folgejahren stieg Gant zu einer der meist verkauften Hemdenmarken der USA auf. Seit der ersten Gant-Kollektion denkt man beim Anblick von gestreiften Polos, Rugby-Shirts, Sweatern, Oxford-Hemden, Club-Blazern, Chinos & Co. sofort an High-School-Zeiten, die Strände der Hamptons, Segelturns, Familienglück, Abenteuer und Freiheit. Die Kollektionen von Gant kümmern sich wenig um schnelllebige Trends. Das Credo der Firma „American casualness with european elegance“ ist bis heute maßgebend.

Gant Herbst/Winter 2014/15 Kampagne, Photo by Gant

Gant Herbst/Winter 2014/15 Kampagne, Photo by Gant

Heute ist Gant eine der ältesten Kollektionen in der Geschichte der amerikanischen Premium-Sportswear mit weltweit 700 Shops. Aus der einstigen Herrenhemden-Kollektion hat sich im Laufe von sechs Jahrzehnten eine umfangreiche Casual- und Sportswear-Marke für „men, women, girls, boys and babies“ entwickelt. Auch eine Home-Kollektion mit Wohnaccessoires und Bettwäsche, aber auch Uhren, Schuhe, Brillen und Parfüms gehören mittlerweile zum Konzern, der nach dem Verkauf durch die Familie Gant zunächst von der schwedischen Firma Pyramid Sportswear von Stockholm aus betrieben wurde. Damals beteiligte sich auch die weltgrößte Luxus- Unternehmensgruppe, Louis Vuitton Moët Hennessy (LV MH), an Gant. 2008 übernahm die Genfer Maus Frères Group zu 100 Prozent die Marke – mit Erfolg! Ein Jahr später liefen Gant-Models bei der Berliner Mercedes-Benz und bei der New Yorker Fashion Week – und Gant stattete den Deutschen Hockey-Bund (DBH) aus. Outdoor-Fashion und das Bekenntnis zur Umwelt gehören für Gant zusammen: In jüngerer Vergangenheit engagiert sich das Unternehmen auch für Umweltschutzprojekte, darunter Kooperationen mit dem Umweltaktivisten und Rechtsanwalt Robert F. Kennedy Jr., Neffe des ehemaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, mit Jean-Michel Cousteau, Sohn des legendären Meeresforschers Jacques Cousteau, mit dem weltbekannten National-Geographic-Fotografen Mattias Klum und der berühmten Verhaltensforscherin Dr. Jane Goodall.

Den typischen Gant-Look kreiert inzwischen Christopher Bastin, Director of Design. Er liebt es farbenfroh, bequem und lässig. American Sportswear ist seine Leidenschaft.

Gant Herbst/Winter 2014/15 Kampagne, Photo by Gant

Gant Herbst/Winter 2014/15 Kampagne, Photo by Gant

Text by Camilla Péus

www.gant.de

www.soer.de

http://www.daab-media.com/Books/Daab_Books/The_Label_Book.html

Bittersüsse Zeiten – Barock und Gegenwart in der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Titel Bittersüsse Zeiten

Titel der Ausstellung im Kunsthaus Stade. Pieter Jacobsz. Codde, Amor als Honigdieb, 1636 © SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Bittersüße Zeiten
Barock und Gegenwart in der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin
Kunsthaus Stade
Laufzeit: 27. September 2014 bis 4. Januar 2015
In der Ausstellung „Bittersüße Zeiten. Barock und Gegenwart in der Sammlung SØR Rusche Oelde/Berlin“ treten außergewöhnliche Werke miteinander in einen Dialog. Ihre Entstehungszeit liegt fast 400 Jahre auseinander und dennoch ergänzen sie sich auf wundersame Weise. Wenn Gemälde aus dem niederländischen Barock neben Werken von Gegenwartskünstlern in einem Raum hängen, scheinen die Gegensätze nicht größer sein zu können – so denkt man. Doch ein zweiter Blick offenbart, dass auch viele Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Sind es nicht damals wie heute dieselben Probleme, die den Künstler beschäftigen? Das Bildnis des Menschen, die Liebe und die Erotik, das Leben, das sich in Arbeit und Vergnügen spaltet, und die Mahnung vor dem unausweichlichen Ende, das alle weltlichen Güter und Eitelkeiten mit einem Streich hinfällig macht. Mögen sich die Zeiten geändert haben, die essenziellen Probleme des Mensch-Seins sind die gleichen geblieben: Wir werden geboren, wir leben, lieben und arbeiten, und wir sterben am Ende. Die Ausstellung zeigt die fundamentalen Unterschiede in der Kunst und der Perspektive beider Epochen auf das Leben, aber auch die Gemeinsamkeiten in Form und Motivwahl, die sich als geschichtsübergreifende Konstante der Kunstherausstellen. So wie wir heute von der Bilderflut durch Fernsehen und Internet umgeben sind, umgaben sich die Niederländer im Barock mit Gemälden, die für jedermann erschwinglich waren. Kunst war Pop-Kultur, genauso wie es heute Film und Musik sind. Dem Sehen wurde ein herausragender Stellenwert beigemessen, so wie es auch im 21. Jahrhundert der Fall ist.

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Ausstellungsansicht Photo by Uwe Wiesmann

SØR Rusche Sammlung Oelde/BerlinSämtliche Werke der Ausstellung „Bittersüße Zeiten“ stammen aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, die eine der umfassendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Deutschland sein dürfte – und womöglich die einzige Sammlung, deren Schwerpunkte sich in einem so hohen Maße gleichzeitig auf Werke des niederländischen Barocks und der Gegenwart konzentriert. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Grundstock dieser Sammlung gelegt, deren Umfang heute weit über 2000 relevante Werke aus beiden Epochen vereinigt. „Das Leben ist bitter und süß zugleich“, so sagt der leidenschaftliche Sammler und studierte Philosoph Dr. Dr. Thomas Rusche. Bereits in vierter Generation führt er die beeindruckende Sammlung fort. Sein Augenmerk liegt auf der „Achterbahn des Lebens“, dem urmenschlichen Zyklus von „Eros und Tod, Lieben, Leben zeugen und Vergehen“. So ist das große Thema dieser Ausstellung nichts weniger als das Leben in seiner
Vielfalt und Widersprüchlichkeit.In fast 30 Werken aus dem holländischen und flämischen Barock des 17.
Jahrhunderts und gut 90 zeitgenössischen Werken von international bekannten Künstlern der Gegenwart verfolgt „Bittersüße Zeiten“ die wichtigsten Stationen des menschlichen Lebensweges von der Kindheit bis zum Totenbett.

Verelst:Schleime

Dabei begegnen dem Besucher die Meister der flämischen Feinmalerei, die von italienischen Landschaften beeinflussten Bamboccianti und die beeindruckenden Werke der holländischen Genremalerei, die mit ihrem liebevollen Blick für Details eine Bestandsaufnahme ihrer Zeit liefern. Samuel von Hoogstraten, Frans Hals‘ jüngerer Bruder Dirck Hals, Pieter Codde, Joos van Craesbeck, Jacob Adriaensz. Backer, Hendrik Gerritsz. Pot, Adriaen van Ostade, David Teniers, d.J., und Cornelis Gysbrecht sind einige der Künstler, die vor allem in Haarlem, Den Haag, Amsterdam und Antwerpen die holländisch-flämische Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts prägten. Idealisierte Darstellungen des täglichen Lebens, moralische Anleitungen für ein ehrbares Dasein und die Hervorhebung des gesellschaftlichen Status‘ durchziehen die Motive der überaus fein gearbeiteten Gemälde. Die Meister des Barock stehen in der Ausstellung in einem spannenden Dialog mit international bekannten Künstlern und den größten Talenten der Gegenwart. Neben George Condo, Jim Butler, Tracey Emin, David Hockney und David Lynch sind es dabei Jonathan Meese, Neo Rauch, Daniel Richter und Oda Jaune, die internationalen Ruf genießen. Auch die in der Tradition der „Leipziger Schule“ stehenden Künstler wie Tilo Baumgärtel, Kathrin Heichel und Irene Bisang gehören zu den Künstlern, die die Malerei derzeit prägen, ebenso wie Jonas Burgert, Alicia Kwade, Paule Hammer, Norbert Bisky, Martin Eder, Justine Otto, BEZA und viele andere.

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Ausstellungsansicht Photo by Uwe Wiesmann

Liegt auch fast ein halbes Jahrtausend zwischen den beiden Epochen, so ähneln sich auch Situation und Ansatz des Kunstschaffens auf frappierende Weise. So erlebte die Malerei in Holland und Flandern nach der Reformation und der Befreiung von der spanischen Besatzung einen immensen Aufschwung, der auch durch den zunehmenden Status der Niederlande als Welthandelsmacht unterstützt wurde. Die Porträt-, Allegorie- und Genremalerei des so genannten „Goldenen Zeitalters“ war für den barocken Zeitgenossen praktisch allgegenwärtig. Kunst wurde auf Märkten und in vielen Fachgeschäften angeboten, Gemälde wurden in Lotterien verlost oder als Gewinne für Wettbewerbe ausgeschrieben. Zum ersten Mal begannen Sammler, Kunst als Wertanlage zu erwerben, und man kann davon ausgehen, dass fast jeder bürgerliche Haushalt über mehrere Gemälde verfügte. So wie heute Musik, Literatur oder andere Kulturgüter Teil einer weit verbreiteten Popularkultur sind, so kann man auch in der barocken Malerei der Niederlande von einer Pop-Kultur sprechen: Einer Kultur, die sich nicht an religiöse, monarchische oder akademische Eliten richtete, sondern die für den Bürger geschaffen und vom Bürger angenommen wurde.

Dr. Dr. Thomas Rusche hält die Eröffnungsrede zur Ausstellung, Photo by Uwe Wiesmann

Dr. Dr. Thomas Rusche hält die Eröffnungsrede zur Ausstellung, Photo by Uwe Wiesmann

Allein für den Zeitraum von 1550 bis ca. 1800 sind bisher etwa eine Million schaffende Künstler in den Niederlanden nachgewiesen. Die Situation heute ist der damaligen nicht ganz unähnlich: Nie war der allgemeine Wohlstand der europäischen Gesellschaft so groß wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts. In den heutigen „Goldenen Zeiten“ bieten zahllose „Art Fairs“ in vielen Städten regelmäßig Kunst zu erschwinglichen Preisen an, die auch vom „Normalbürger“ bezahlbar sind. Kunst ist in der einen oder anderen Form ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens geworden und hat schon lange seinen Eingang in den öffentlichen Diskurs gefunden, statt nur einem kleinen Kreis von Fachleuten zugänglich zu sein. Wie die Niederländer es in emblematischer Form taten, reflektieren auch die zeitgenössischen Künstler heute die Ausprägungen und Strömungen, die das tägliche Leben beeinflussen. Ihre Kunst ist ein Kommentar über die Beschaffenheit der Gegenwart, der sich dem sozialen Leben und seinen Konflikten, den individuellen Erfahrungen des Menschen und dem Verhältnis zu seinen emotionalen Verstrickungen widmet.

Text von Andrea Fromm, Tom Beege und Regina Wetjen

Zur Ausstellung erscheint der Katalog:

978-3-86832-220-0
„Bittersüße Zeiten. Barock und Gegenwart in der Sammlung SØR Rusche
Oelde/Berlin“
Herausgeber: Hans Jürgen Giese, Christiane Ladleif, Sebastian Möllers, Thomas
Rusche, Regina Wetjen
Mit Beiträgen von: Andrea Fromm und Tom Beege
Verlag Wienand, Preis in der Ausstellung: 19,80 EUR
160 Seiten, farbige Abbildungen der ausgestellten Werke
In Zusammenarbeit mit der Sammlung SØR Rusche Oelde/Berlin
Verantwortliche:
Dr. Sebastian Möllers, Regina Wetjen
Kuratorenteam: Dr. Andrea Fromm & Tom Beege
Rahmenprogramm zur Ausstellung:
Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Zusätzlich zu den
Öffentlichen Führungen sonntags um 15:00 Uhr und mittwochs um 17:30 Uhr finden
museumspädagogische Veranstaltungen statt. Mehr Informationen unter
www.museen-stade.de/kunsthaus

Plakatierung ,,Bittersüsse Zeiten'' in der Hamburger Innenstadt, Photo by Tom Beege

Plakatierung ,,Bittersüsse Zeiten” in der Hamburger Innenstadt, Photo by Monika Rieckborn

 

Pressestimmen:

http://www.focus.de/kultur/kunst/kunst-die-bittersuessen-zeiten-in-barock-und-gegenwartskunst_id_4160041.html

http://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/kultur/aktuell/Kunst-Ausstellungen-Gegenwartskuenstler-Gemaelde-Bilder-Kunst-des-Barock-Oelde-Stade;art4426,5448266