Archive for Oktober, 2013

Parka – die Winter-Helden

Der Daunen-Parka Berni mit Finnraccoon von Schneiders Salzburg, Photo by Schneiders

Ende 1990 zog der Parka als Dauergast in die Kleiderschränke der Modebewussten Deutschen ein. Nicht nur das der Parka kleidsam ist, er ist auch äußerst praktisch, wetterfest und wohlig wärmend – selbst bei extremen Minusgraden. Ein Kleidungsstück welches zu einem guten Freund wird. Schon bei den ersten herbstlichen Laubfärbungen manövriert man ihn sicherheitshalber nach ganz vorne an die Kleiderstange. Und sollte der treue Begleiter auch schon einige Blessuren davongetragen haben, so sind es doch meist gute Erinnerungsmale. An (erlebte) Nordpol-Expeditionen oder die Teilnahme am Miljoonaplikki Eisangeln in Finnland, werden beim Anblick ihres Parkas wahrscheinlich nur sehr wenige denken, doch auch der urbane Träger steht dank seines kleidenden Kälteschutzes, winterlichen Abenteuern siegessicher gegenüber. Eisig kalte Abende in der Schlange der Theaterkasse können ihm nichts anhaben und am Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt, blickt er nur mitleidig in die Runde der bibbernden Jäckchen- und Mäntelchen-Träger und schmiegt dabei zufrieden seine Wange an das Fell des Kojoten, Waschbären oder Webepelz, das seine Kapuze umrandet. Vielleicht konnte sogar ein Gentleman seinen Arctic Parka um die Schultern einer fröstelnden Dame legen und somit nicht nur ihr Herz erwärmen. Allerdings weiß sich die kluge und stilsichere Frau, gegen Kälte selbst zu helfen, dank der knielangen und taillierten Modelle erlangt das legere Kleidungsstück eine Portion feminine Raffinesse. Der Winter kann kommen, Ihr Parka freut sich schon!

Daunenparka Anouk mit Finnraccoon von Schneiders Salzburg, Photo by Schneiders

Der Parka in der Kleidungskultur

Seinen Ursprung hat der Parka wie auch der Anorak bei den Inuit. In Inuktitut “parqaaq” bedeutet übersetzt soviel wie ”Hitze aus dem Ofen” oder ”Hitze der Sonne”. Das traditionelle Kleidungsstück der Inuit bestand hauptsächlich aus zusammengenähten Robben- oder Rentierfellen und sicherte das Überleben in der arktischen Kälte. Mit dem Aufkommen des von Ehrgeiz gezeichneten Pioniergeistes verschiedener Nationen, arktisches Festland und die Pole zu entdecken, brachten Expeditionsteams Mitte des 19. Jahrhunderts den “Parquaaq” mit nach Europa und in die USA. Das Militär erkannte die Funktionalität des Parkas und ließ ihn aus derber Wolle, fester Baumwolle oder aus dem 1940 aufkommenden Nylon, für ihre Truppen anfertigen.

Gant Wetterschutz Parka mit Webpelz und Teddyfell, Photo by SØR

1960 entdeckte die aufkommende Jugendbewegung der “Mods” das Kleidungsstück für sich. Eigentlich sollte der Parka nur als Schutzkleidung dienen, damit die maßgeschneiderten Anzüge während der Fahrt mit dem Motorroller nicht beschmutzt werden. Letztendlich wurde der Parka ein Markenzeichen der ganzen Bewegung. Der Mods Parker war aus olivgrüner oder dunkelblauer Baumwolle, mit herausnehmbaren Futter, einer Kapuze mit oder ohne Fellrand, knielang mit typischen Fishtail. In den 1970er Jahren avanciert der deutsche Bundeswehr-Parka bei Kriegsgegnern und Studentengruppen zum Symbol der Antihaltung, gegenüber der aufrüstenden Staaten. In den 1980ern wird es ruhiger um den Parka, kantige Schnitte und extreme Schulterpolster, haben ihn aus den Kleiderschränken verdrängt. In der Zivilbevölkerung sieht man ihn zu dieser Zeit nur noch bei Filmcrews am winterlichen Aussenset oder bei Outdooraktivisten.

IQ+Berlin Parka mit Kaninchenfell-Futter und Kojotenfell-Kragen, Photo by IQ+Berlin

Mitte der 1990er erfolgt das Revival, weder als politisches Statement, noch als reines Funktionskleidungsstück; der Parka wird zum Luxus-Outdoor-Objekt. In Cortina oder St. Moritz präsentiert man sich mit gigantischen Sonnenbrillen und Parka mit bombastischen Pelzbesatz an der Kapuze. Neue Materialien wie Mikrofaser oder Teflon, Gore-Tex und Thinsulate, verdrängen Baumwolle und Wolle. Seitdem ist der Parka fester Bestandteil in den Winterkollektionen namenhafter Designer und Brands, wie Woolrich, Gant, Peutery, Schneiders, Dolomite, Canada Goose, IQ+Berlin, Bogner und Barbour.

Interview mit Dr. Dr. Thomas Rusche:

Hat der Parka das Zeug zum Klassiker?

Er ist ein Klassiker! Ein Klassiker im Bereich Sportswear. Der Schnitt hat sich in den letzten 70 Jahren kaum verändert; knielang oder hüftlang, gerader Schnitt, Taillierung durch Tunnelzug, geräumige Taschen im Beckenbereich, sowie kleine Schubtaschen für die Hände im Rippenbereich. Abnehmbare Kapuze entweder mit Pelz wie Koyote und Fuchs oder Fake Fur. Teilweise mit herausnehmbaren Innenfutter, verdeckten Armbündchen, knielange Modelle meist mit Fishtail. Nur die Materialien sind heute häufig synthetisch, dafür aber auch widerstandsfähiger gegenüber der Kälte

In welchen Kombinationen sollte man den Parka tragen?

In erster Linie trägt man den Parka in der Freizeit und da kombiniert man ihn rustikal, zum Beispiel zur Cordhose, Flanell-Karo-Hemd und Chelsea Boot. Mit Jeans, Cashmere Pullover und Mokassins, erlangt man einen casual sportiven Look. Es ist heute auch sehr angesagt, den Parka mit Business Anzügen zu crossen, in der Sprortswear verhält es sich nicht so streng mit dem Kanon. Doch auch in Business Kombinationen, sollte der Parka in klassischen Farben getragen werden, wie Beige, Oliv, Marine oder Schwarz.

Dann kann man sozusagen beim Parka keinen Fauxpas machen?

Zu offiziellen Anlässen sollte man den Parka lieber im Schrank lassen. Ein Cut, Stresemann oder Smoking in Kombination mit einem Parka, ist stilistisch äußerst problematisch. Für offizielle Anlässe sollte der stilsichere Mann einen Frack- oder Chesterfield-Mantel wählen.

Parka von Peuterey mit Waschbärfell-Kragen, Photo by SØR

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