Archive for April, 2013

Matthias Brandt und die gewissen Muster

Matthias Brandt auf dem SØR Sofa Photo by SØR

Die Charaktere die Matthias Brandt verkörpert zeichnen sich durch Ecken und Kanten aus, die im Verborgenen liegen, im Inneren eines Menschen. Er nimmt einen mit auf Tauchgänge durch die Psyche. Dabei schaut man in sein weiches und altersloses Gesicht, welches zu einer fulminanten Projektionsfläche der menschlichen Abgründe wird. Matthias Brandt lässt sich nicht auf bestimmte Typen festlegen. Seine Vielseitigkeit mit Tiefgang wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayrischen Filmpreis und einer goldenen Kamera belohnt. Der jüngste Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt, hat sich mit seiner wundervollen Eigentümlichkeit an die Spitze des deutschen Films gespielt. Spätestens seit dem er die Rolle des Münchner Kommissars Hanns von Meuffels im Polizeiruf 110 übernommen hat, ist Matthias Brandt dem breiten Publikum ein Begriff. Leicht verwirrt, gern zitierend und bestens gekleidet mit Trenchcoat und feinem Tuch oder auch mal einen kompletten Film lang nur im Pyjama und OP Hemd (Polizeiruf 110 Fieber), von Meuffels hat einen ganz eigenen Look. Wir trafen den Schauspieler im SØR Haus Berlin nach den Anproben für seinen neuen Film “Männertreu”

Matthais Brandt und Film-Stylistin Sabine Böbbis bei der Auswahl Photo by SØR

MK: Herr Brandt interessieren sie sich eigentlich für Mode?

MB: Da ich dieses Interesse in meinem Beruf ausleben kann, bin ich eigentlich ganz froh, dass ich mir im Privaten keine Gedanken darüber machen muss. Aber da unterscheide ich dann auch zwischen ganz privat sein und öffentlichen Anlässen, zu denen ich gerne gut angezogen bin.

MK: Wie würden Sie ihren persönlichen Stil beschreiben.

MB: Das kann man immer gut beschreiben wenn man andere sieht, aber bei sich selber ist das gar nicht so einfach. Ich mag immer eine Form von reduzierter schlichter Eleganz. Das ist das was mich überzeugt und wie wir wissen, auch nicht leicht zu erreichen ist. Die Raffinesse liegt im kleinen Detail. Und nicht im Ornament.

Dunkelblauer Trenchcoat, used Look Jeans, Rolli und Desert Boots – Matthias Brandt mag es reduziert und klassisch Photo by SØR

MK: Haben Sie ein Lieblingskleidungsstück, welches sie schon Jahre mit sich rumschleppen?

MB: Ehrlich gesagt – nein. Ich binde mich ungern an Sachen. Die einzige Ausnahme sind meine guten englischen Schuhe, die begleiten mich teilweise schon seit fünfundzwanzig Jahren.

MK: Das was Sie heute tragen, erinnert ja auch schon sehr an Kommissar Hans von Meuffels, den Sie seit zwei Jahren im Polizeiruf 110 München spielen. Nur das der einen sandfarbenen Trench tragen würde. Gibt es Parallelen zwischen ihnen und der Rolle?

MB: Das lässt sich gar nicht ausschließen. Es ist eine Rolle die über mehrere Filme läuft und das die zwangsläufig ganz viel von mir selbst beinhaltet lässt sich nicht vermeiden. Aber es ist mit der Rolle, als auch im Privaten so, man hat ein gewisses Grundmuster und damit spielt man rum und probiert sich aus. Und das macht ja auch Spass.

MK: Jetzt befinden Sie sich kurz vor Drehstart für einen neuen Film.

MB: Genau. Mit der Regisseurin Hermine Huntgeburth drehen wir den kommenden Wochen in Frankfurt einen Fernsehfilm für den Hessischen Rundfunk. Der Film spielt in der Welt der Politik, Banken und Medien. Wir liegen gerade noch in den letzten Zügen der Vorbereitungen. Und freuen uns natürlich das wir hier bei SØR schonmal die äußeren Züge für meine Rolle gefunden haben, einen eleganten klassischen Look.

Matthias Brandt & Sabine Böbbis zwei die sich auch ohne viel Worte verstehen Photo by SØR

MK: Klappt die Zusammenarbeit mit Kostümbildnern und Stylisten immer so gut wie heute mit Frau Böbbies?

MB: Es ist wie in anderen Lebensbereichen auch, man ist auf Intuition angewiesen. Ich habe da die Erfahrung gemacht, gerade was künstlerische und kreative Tätigkeiten angeht, je mehr man redet und je mehr erklärt werden muss, desto schwieriger ist die Zusammenarbeit. Der Idealfall ist, sich ein paar Stichworte zu geben und der andere weiß genau was gemeint ist. In diesem Fall, mit Sabine Böbbies, ist das gerade genau so – ein Glücksfall. Vorsichtig ausgedrückt – manchmal hat man Pech und manchmal hat man Glück. Und jetzt habe ich Glück!

Der Film “Männertreu” wird unter der Regie von Hermine Huntgeburth in den kommenden Wochen an original Schauplätzen in Frankfurt gedreht und 2014 in der ARD als Mittwochsfilm um 20:15 Uhr ausgestrahlt. Neben Matthias Brandt spielen: Susanne von Borsody, Peri Baumeister, Margarita Broich, Claudia Michelsen Phillip Hochmaier uva.

Matthias Brandt sehr sympathisch wegen seiner Ecken und Kanten Photo by SØR