Archive for November, 2012

The Labelbook: Borsalino since 1857 – Vom Hut zum Kultobjekt

Filmplakat "Borsalino & Co" von 1970 Photo: The Labelbook Of Clothing Culture

Was passiert, wenn Alain Delon einen Borsalino trägt, konnte man in Jacques Derays gleichnamigem Film erleben: Nicht nur Delons Filmpartnerin, die bildschöne Catherine Rouvel, verlor vollkommen die Contenance. Ähnlich erging es wohl zahllosen Zuschauerinnen. Als der film „Borsalino“ 1970 in die Kinos kam, verhalf er dem italienischen Unternehmen zu einem weltweiten Revival. Es ist der seltene Fall einer cineastischen Hommage an ein Kleidungsstück, das wie kaum ein Anderes Kinogeschichte schrieb. Der Borsalino gehört zum Glamour des heroischen Männerbildes der 1930er-, 40er- und 50er-Jahre und der sich darum rankenden Filme wie die schönen Frauen und die schwarzen Limousinen. Al Capone und Humphrey Bogart, James Cagney und Orson Welles – was wären diese Legenden ohne ihre elegante und markante Kopfbedeckung?

Guiseppe Borsalino Photo by Borsalino

Borsalino mit der klassischen Schachtel Photo: The Labelbook Of Clothing Cultur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Guiseppe Borsalino war eine der großen Unternehmerfiguren der industriellen Gründerzeit Italiens. Er soll über die „talentiertesten Hände, die man je bei einem Hutmacher finden konnte“ verfügt haben. Tatsache ist, dass er sich gründlich in der Branche umsah, bevor er sich selbstständig machte. Mit zwölf Jahren verließ er sein Elternhaus und arbeitete als Lehrling bei verschiedenen Hutmachern in Italien und Frankreich. Nach seiner Rückkehr startete er 1857 im heimatlichen Alessandria im Piemont sein eigenes Unternehmen, das er schnell an die Spitze führte. Er importierte die erste englische Dampfmaschine und sorgte mit einer eigenen Pensions-, Kranken- und Unfallkasse sowie einer Werkschule für die Kinder vorbildlich für seine Arbeiter. Die alte Borsalino- Fabrik, die zu ihrer besten Zeit rund 1.000 Arbeiter beschäftigte, beherbergt inzwischen ein sehenswertes Hutmuseum. Dort kann man sich nicht nur über die 150-jährige Firmengeschichte informieren und sämtliche je vor Ort produzierten Hutmodelle bewundern – vom „Fedora“, dem klassischsten aller Borsalino-Klassiker, bis zu den Kopfbedeckungen gekrönter Häupter und des Klerus. Man erfährt auch einiges über den langwierigen Fertigungsprozess.

Feinstes Tierhaar wird mit Wasserdampf auf einen sich drehenden Bronzezylinder gesprüht und zu Stumpen verdichtet. Photo by Borsalino

In ca. 80 Arbeitsschritten erhält der Borsalino seine unverwechselbare Form. Photo by Borsalino

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sieben Wochen Wässern, Walken, Färben, Bimsen

Durch formen, Dämpfen, Pressen, eingenähtes Schweißband und Futter sowie schmückende Accessoires wie Hutband und Schleife verwandelt sich der unförmige Rohling in einen ausgehfeinen Hut. Dann wird ein weiteres Mal gebügelt und gedämpft, letzte überflüssige Härchen werden beseitigt, bis der unverwechselbare Borsalino endlich aus der Fabrikation entlassen und auf Reisen geschickt wird. Ungefähr drei fünftel der Produktion gehen in den Export. Am Verhältnis zwischen der Anzahl der in und außerhalb Italiens verkauften Hüte hat sich über die Jahrhunderte wenig geändert, wenn auch die Gesamtzahl gegenüber den Glanzzeiten zurückgegangen ist. Aber glücklicherweise ist Bewegung ins Hutgeschäft gekommen.

“In the past we created generations of style, today we create the style of the new generations.” Roberto Gallo

Was einen echten Borsalino von seinen zahlreichen Imitationen unterscheidet, ist neben der stilvollen Silhouette die Qualität. Und die ist ohne hochwertige Rohstoffe und hervorragend ausgebildete Mitarbeiter nicht zu haben. Es dauert sieben Wochen, bis aus den unterschiedlichen Tierhaar-Mischungen ein makelloser Borsalino wird. Komplizierte Dampfverfahren machen aus dem lockeren Verbund einen festen, geschmeidigen Filz, indem sie ihn zu einem Bruchteil seiner ursprünglichen Größe zusammenschrumpfen lassen. Seine besonderen wasserabweisenden Eigenschaften verdankt der Borsalino der feinen unter- wolle von Hasen, Kaninchen oder Nutria (Biberratte). Nur wenn das Wässern, Walken, Färben, Bimsen usw. äußerst schonend vonstattengeht, erreicht das 100-prozentige Naturprodukt die erwünschte, absolut knitterfreie und federleichte Qualität.

Photo by Borsalino

Photo by Borsalino

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kunst, einen Hut zu tragen, ist eine der schönsten, fast verloren gegangenen und heute wieder zu entdeckenden Kulturleistungen. Stars wie Johnny Depp, Kate Moss oder Naomi Campbell machen es vor. Der sexy Touch eines Herrenhuts unterstreicht den persönlichen Stil bei Männern ebenso wie bei Frauen. Die Firma Borsalino S.p.A. antwortet auf den Trend mit einer jungen Linie, die zum Spiel mit den individuellen Looks auffordert. Der Fantasie sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. Freche Formen und ausgefallene Details bis hin zu aufgemalten comicfiguren interpretieren die Vorstellung von einem kosmopolitischen Erscheinungsbild neu.

Autor: Sabine Elsa Müller

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