Archive for September, 2012

Die Hose

Cordhosen von Regent Photo by Lars Beusker

Formen

Generell unterscheidet man zwei wichtige Hosenformen: mit oder ohne Bundfalten. Aufgrund ihres bequemen Schnitts ist die Hose mit ein oder zwei Bundfalten sehr beliebt.

Für die Weite der Hosenbeine empfiehlt sich eine zeitlos gültige Variante von rund 3/4 der Schuhlänge.

Ein weiters Hosen-Detail sind die Taschen. Anzughosen haben üblicher Weise zwei, Einzelhosen eine Gesäßtasche. Da der Herr bei offiziellen Anlässen auf Armbanduhren verzichtet und zur Taschenuhr greift  empfiehlt sich bei formellen Hosen eine zusätzliche Uhrentasche.

Als Erfinder des Hosenaufschlags gilt der spätere König Edward VII., der beim betreten eines vom Regen durchweichten Golfplatzes seine Hosenbeine hochkrempelte. Seit dieser Zeit verleiht der Umschlag der Hose eine sportliche Note.

Flanellhosen von Regent Photo by Lars Beusker

Offizielle Hosen mit Aufschlag sind deshalb ein echter Fauxpas. Die Hose mit Umschlag gehört grundsätzlich zu Kombinationen (Pullover, Sportsakko, Blazer), Sportanzügen, aber auch zu Zweireihern. Der Hosenaufschlag ist rund 3-4 cm breit; nicht allzu groß gewachsene Herren sollten eine schmalere Variante wählen oder ganz auf den Umschlag verzichten, denn er verkürzt optisch die Beinlänge.

Material

Reine Schurwolle ist ein natürliches, edles Grundmaterial für tragefreundliche Hosen.

“Cool Wool” ist das Warenzeichen für leichtgewicht Stoffe aus reiner Schurwolle.

“Super 100″ ist eine besonders feine Wollqualität für den Sommer. Hosen aus “Super 100″ haben   angenehm kühlende Trageeigenschaften.

Schurwoll Tuch, Photo by SØR

“Super 120″ ist die Feinheitsangabe für Garne erstklassiger Qualität. Die Stärke der Wollfaser wird in Mikron gemessen. Eine niedrige Mikronzahl signalisiert eine sehr feine Faser. Bei “Super 120″ liegt die Wollfaserstäke bei 16,5 bis 17 Mikron. Aus dieser Qualität entstehen sommerlich leichte Stoffe.

“High Performance” ist der Markenname für besonders hochgezwirnte, feine Wollware. “High Performance” ist besonders hochgezwirnte, feine Wolleware. “High Performance” ist besonders strapazierfähig, knitterunempfindlich und kühl.

“Three-Ply”: Drei Fäden aus feinster, langstieliger Merinowolle werden miteinander verzwirnt, zu einem Garn von größter Elastizität und Strapazierfähigkeit. So entstehen gleichzeitig ungewöhnlich feine wie strapazierfähige Tuche, die dem Wunsch nach korrekter und leichter Business-Kleidung gerecht werden.

Tweed ist ein typisch melangefarbiges Material mit kräftigen Noppen oder Stichelhaaren als Effekt. Echter Harris Tweed ist nach der gleichnamigen schottischen Insel benannt.

Tweedhose von SØR Photo by SØR

Mohair ist das lange, feine und stark glänzende Edelhaar der Angoraziege, das als Beimischung verwendet wird. Wichtige Merkmale des Mohairs sind Glanz, eleganter Fall und körniger Griff.

Flanell ist ein klassischer Stoff für Herrenhosen. Der weiche schmiegsame Griff entsteht durch das Walken feiner Merinowolle.

Flanell Tuch Photo by SØR

Panama ist eine leichte Abwandlung der Leinwandverbindung und verleiht Stoffen eine besonders interessante Oberfläche. Bei dieser speziellen Webart kreuzen sich jeweils zwei Kette- und Schussfäden. Die so entstehende würfelförmige Struktur wird als Panama bezeichnet.

Sommerfresko ist Schurwolle im Sommergriff. Es ist ein leinwandbindiges Gewebe aus reiner Schurwolle für sommerlich leichte Hosen. Sommerfresko erhält durch hochgezwirnte Garne eine poröse, leicht strukturierte Oberfläche, die sich durch hohe Strapazierfähigkeit, einen luftig-kühlen Griff und angenehmen Tragekomfort, auch an heißen Tagen, auszeichnet.

Baumwolle ist hautsympathisch, fein, luftdurchlässig und wird für sommerliche, sportive Hosen verarbeitet.

Moleskin auch “Englischleder” genannt ist ein kräftiger unifarbener Baumwollstoff mit einer weichen Oberfläche die wie Wildleder oder Samt wirkt. Dieser Stoff wurde in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich bei der Herstellung von Militär- oder Berufsbekleidung verwendet. Heute, erfährt  Moleskin ein Revival und wird in den Herbst und Winterkollektionen zu Hosen, Mänteln und sportiven Sakkos verabeitet.

Moleskin Tuch Photo by SØR

Cord ist ein stark geripptes Baumwollgewebe in unterschiedlichen Farben. Je nach Rippenbreite unterscheidet man zwischen Fein- oder Breitcord.

Denim, aus diesem besonders strapazierfähigen gekörperten Baumwollstoff schneiderte der gebürtige Franke Levi Strauss Ende des 19. Jahrhunderts in den USA zu erstenmal Arbeiterhosen mit Gürtelschlaufen und äußerer Doppelkappnaht. Traditioneller Bestandteil der nun knapp 140 Jahre alten Jeans, jener klassischen indigoblauen Freizeithose, ist die fünfte, kleine Tasche in der vorderen rechten Hosentasche. Sie ist für Kenner das eindeutige Signal, eine originale Five-pocket-Jeans in den Händen zu halten.

Five Pocket Jeans von SØR Photo by Lars Beusker

Leinen zeichnet sich durch eine effektvolle Gewebestruktur und den charakteristischen Garnverdickungen aus. Leinen ist ein sommerliches, kühlendes Material, das fein knittert.

Leinen Tuch Photo by SØR

Farben und Dessins

Die klassische graue Flanellhose ist die perfekte Ergänzung zum Club-Blazer und passt farblich auch zu jedem Sportsakko. Natürlich sind auch braune, blaue oder grüne Unimelangen möglich, aber weniger offiziell. Ein weiterer “Klassiker” ist die unifarbene Baumwollhose als Begleiter von Sportsakko, Blouson und Pullover. Beige Baumwollhosen können mit allen Farben kombiniert werden. Dezent karierte Hosen in gedeckten Farben, wie z.B. “Black Watch”, trägt man zu sportiven Sakkos. Bunte Karos, wie z.B. bei den Golf-Hosen, kombiniert am besten mit einem unifarbenen Pullover oder einem Blouson.

Blackwatch Tuch

 Historie

Hosen oder “Beinkleider” sind bereits seit der Bronzezeit bekannt. Von Kelten und Normannen werden uns kniekurze Hosen mit separaten Beinwickeln überliefert. Perser, Chinesen und Mongolen trugen die wadenlange Hose als Zeichen des Krieges. Ganz anders bei den Griechen der Antike: dort galt die Hose als barbarisch. Im Europa des 15. Jahrhunderts trägt der Herr Beinlinge; oberschenkellange Hosen und Strümpfe, die mit einem Strumpfband am Knie festgehalten werden.

Im 15. und 16. Jahrhundert sind die Hosenformen besonders phantastisch. In der höfischen Kleidung ist die voluminöse ´spanische` Pumphose beliebt; oberschenkellang, aus wertvollem Stoff und dick gepolstert. Im 17. Jahrhundert wird die Mode wieder schlichter: Erkennungszeichen der Revolutionäre ist die ´Pantalon`, eine ´bäurische`, knöchellange , gerade geschnittene Hose. Seit dieser Zeit heißen die Freiheitskämpfer auch Sansculoten (ohne Kniehosen).

Aus der Pantalon entsteht um 1820 in Deutschland die lange Herrenhose. Sie durchläuft mehrere Modewechsel: mal länger, mal kürzer, eng anliegend oder mit weiten, trompetenartigen Hosenbeinen.

Um 1900 ganz neu: die Bügelfalte. Als der Prinz von Wales 1886 bei einem Derby erscheint, gibt es eine kleine Modesensation – trägt er doch zu seinem seidenen Gehrock eine graue Hose, In die bis zum Spann des Lackstiefels eine lange Falte hineingebügelt ist!

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