Archive for April, 2012

Taktik Doppelpaß! Die neue Aufstellung vom Galeristen Jochen Hempel: Leipzig und Berlin

Galerie Jochen Hempel Berlin Photo by Uwe Walter

Jochen Hempel ist nach dem Mauerfall einer der ersten der die Leipziger Schule in die Welt hinausträgt. Bis Ende der 1990er Jahre prägte er gemeinsam mit Judy Lybke die Berliner Kunstszene und entschied sich dann passend zum großen Leipzig Hype Mitte 2000 für die Baumwollspinnerei. Jetzt ist er wieder nach Berlin zurück gekommen ohne dabei Leipzig den Rücken zu zukehren. Und vielleicht bläßt er damit, der brach liegenden Leipzig – Berlin – Connection wieder frischen Wind in die Segel.

Was hat Sie nach Berlin bewegt?

Ich glaube das in Deutschland nach wie vor das Reihnland und Berlin den Ton angeben. Natürlich mit kleinen interessanten Satelliten wie Leipzig und München. Doch die Zentren sind nach wie vor Köln, Düsseldorf und Berlin. Nur in Leipzig zu sein reicht mir nicht mehr aus, ich brauche für meine Künstler eine neue Plattform. Ich habe lange über verschiedene Orte nachgedacht und Berlin war von Anfang an draussen und ist dann letzten Endes doch geworden!

Jochen Hempel Photo by Bertram Schultze

Hört sich an als würde Leipzig nur noch in der 2. Liga spielen?

Der richtige Hype war 2004, das war toll, da hatte man das Gefühl das Leipzig eine Großstadt ist. Es ist schon erstaunlich das es Leipzig überhaupt geschafft hat auf die Landkarte zu kommen. Und da ist es auch drauf und kommt auch nicht wieder runter. Aber es haben natürlich auch alle die kamen, alles gesehen und jetzt fehlt ein Wandel. Um die Leute dazu zu bewegen wieder zu kommen braucht es gerade Bewegung und Entwicklung. Es gibt zu wenige Galerien die einen wirklich internationlen Standard haben, so das es für Kunstinteressierte wieder wichtig wird nach Leipzig zu kommmen. In Berlin kommen sie sowieso vorbei und für einen gewissen Zeitraum hatten wir es auch geschafft die Leute nach Leipzig zu lotsen, aber das wird zunehmend schwerer.

Und wie verhält es sich mit den Sammlern?

Die Sammler kommen nach Leipzig um Leipzig zu kaufen, bietet man keine Leipziger anbietet dann kaufen sie nicht oder kommen erst gar nicht. Wenn zum Beispiel eine Neo Rauch Ausstellung ist, dann kommen heute keine 100 Sammler mehr, sondern nur noch 12 und hoffen eines von 10 Bildern zu bekommen. Da ist so eine Verknappung im Spiel und die sind dann ja auch sauer wenn sie keine Bilder mehr abbekommen. Also man muss ganz konkret Leipziger Schule  anbieten und dann kommen sie auch. Aber nach Berlin kommen sie sowieso, auch wenn es immer heißt “In Berlin wird nichts verkauft”.

Leipziger Schule, ist das nicht der Begriff von dem man sich ich Leipzig befreien möchte?

Ich finde es gut das es sie gibt, diese Leipziger Schule. Und wir Galerien haben davon ja auch wahnsinnig profitiert. Sie wird eher von außen nicht gemocht, innerhalb Leipzig ist die Leipziger Schule das Non plus Ultra. Sie ist ja auch sehr erfolgreich in diesem Sujet; Malerei mit einer erzählerischen Komponente, dann vielleicht noch mythologisch aufgeladen, handwerklich gut gemacht und letztendlich einem internationalen Standard entsprechend. Dieses Erzählerische mögen sehr viele, denn es ist ja auch eine einzigartige Auseinandersetzung mit figurativer Malerei.

Vertreten Sie auch Leipziger Künstler?

Ich habe natürlich Leipziger Künstler im Programm, nur noch zwei von denen leben in Leipzig, die 5 anderen haben in Leipzig studiert und leben mittlerweile in Berlin. Bei mir gibt es ein Programm Kriterium, ich möchte natürlich nicht 10 Künstler haben die das gleich Programm bedienen. Es ist im Grunde wie beim Fussball; eine Aufstellung der Mannschaft mit Verteidigern und Angreifern. Ich brauche ein paar internationale Künstler, ein paar Leipziger, einige die mit Fotografie arbeiten. Insgesamt ein sehr breites Programm, dass aber bewusst aufgestellt ist um verschiedene Sammler ansprechen zu können.

 

Galerie Jochen Hempel Berlin Photo by Uwe Walter

Warum haben Sie sich als erstes für eine Gruppenausstellung in Ihren neuen Räumen entschieden?

Die erste Ausstellung sollte Richtungshinweis sein, um zu zeigen wo ich mit meinem Programm hin will. Seit 18 jahren arbeite ich mit dem Künstler Tilo Schulz zusammen, der mir sehr wichtig ist und der auch sehr viel Erfahrung als Kurator hat. In die Neuausrichtung Berlin, hatte ich mir gedacht die erste Ausstellung von ihm kuratieren zu lassen. Er hatte schon vor zwei Jahren in der temporären Kunsthalle Berlin eine gute Ausstellung auf die Beine gestellt. Tilo wiederum hatte den Wunsch mal mit Marc Glöde, den ich auch sehr schätze,  eine Ausstellung zusammen zu kuratieren. Natürlich wollte ich auch die Energie und Synergie die Marc Glöde umgeben, für mich nutzen. Drei Künstler hatte ich den beiden vorgegeben und Tilo und Marc haben dann die Ausstellung darum herum gebaut.

Was geht Ihnen durch den Kopf wenn Sie hier in Ihren neuen Räumen stehen?

Ich habe auf jeden Fall das Gefühl mich hier wohlzufühlen. Und  ansonsten geht mir natürlich durch den Kopf, dass man das jetzt rocken muss.

Privat leben Sie in Leipzig und nicht in Berlin, warum?

Zum leben ist Leipzig für mich einfach besser. Es ist eine fantastische Stadt, man hat sehr viel kulturelle Angebote, es gibt keine Sperrstunden, alles ist überschaubar und sehr entspannt. Doch Aufgrund dieser sehr angenehmen Lebensverhältnisse, ziehen immer mehr  alte Leute aus ganz Deutschland hierher um in Leipzig ihren Lebensabend zu verbringen. Jetzt muss man halt sehen wie sich das entwickelt; wird Leipzig eine Rentner Stadt oder bleibt es eine Studententstadt.

Jochen Hempel und seine Mitarbeiterin Vicky Wang Photo by Lars Monshausen

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Baumwollspinnerei?

Ich denke für die Baumwollspinnerei war es ein großes Glück, das Leipzig keine total angesagte Metropole geworden ist. Denn dann würden jetzt auf dem Spinnerei Gelände hippe Designershops, Bars und Restaurants stehen und hätten die kleinen Galerien und Künstler verdrängt. Doch so ist und bleibt die Baumwollspinnerei ganz klar das kreative Zentrum von Leipzig.

Was macht denn ein Galerist privat?

Eigentlich setzt man sich ja ununterbrochen mit Kunst auseinander und jetzt mit den beiden Galerien, in Leipzig und Berlin, bleibt das Privatleben wortwörtlich auf der Strecke. Da brauch ich dann einen Ausgleich und für mich ist das Fussball.

Und dann auch noch FC Bayern Fan?

Für mich gibt es da einen ganz schönen Vergleich: Für den Fussball bedeutet der FC Bayern genauso viel wie Gerhard Richter für die Kunst. Beide sind einfach richtig gut!

http://www.jochenhempel.com/#/de

 

 

 

 

SØR Meisterkonzerte: Antonio Vivaldi “Die vier Jahreszeiten”

 

Agnes Farkas Photo by Kulturdirektion Dr. Löher

Die Reihe der Internationalen SOR Meisterkonzerte auf Schloss Vornholz wird fortgesetzt am Sonntag, 13. Mai 2012, um 17 Uhr und um 19 Uhr mit der traditionellen Serenade. In diesem Jahr erklingen Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ mit Agnes Farkas als Solistin, die nach ihrer Tätigkeit als 1. Violinisten im berühmten Gewandhausorchester nun die Stelle der 1. Konzertmeisterin im berühmten Leipziger Operettentheater angenommen hat. Es spielt das Kammerorchester der Westfälischen Philharmonie unter der Leitung von Burkhard Löher.

Serenade des Kammerorchesters der Westfälischen Philharmonie Solo-Violine: Agnes Farkas Konzertmeister: Lajos Farkas Dirigent: Dr. Burkhard Löher

Sonntag, 13. Mai 2012, 17 und 19 Uhr Rittersaal Schloss Vornholz zu Ostenfelde

 

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