Archive for Januar, 2012

artnet Sammler-Interview mit Thomas Rusche

SØR Repräsentanz Berlin, SØR Rusche Sammlung

 

 

SAMMLERINTERVIEW THOMAS RUSCHE

VERSUCHEN SIE ES MAL!

HENRIKE VON SPESSHARDT
27. Januar 2012

„Immer wieder diese alten Pötte!“, rustikale Betten und Bilder, Bilder, Bilder. Die brachte Thomas Rusches Urgroßvater Heinrich sehr zum Ärger seiner Frau von seinen Touren übers westfälische Land als Handelsvertreter für Kleidung mit. Denn bezahlen konnten viele der auf den Verkaufsfahrten bedienten Bauern nicht und so räumten sie zu Mitte des 19. Jahrhunderts für Urgroßvater Rusche ihre Böden leer. Was einst Kummer der Urgroßmutter war, bildete schon bald den Grundstock für eine der reizvollsten europäischen Sammlungen holländischer Kunst des 17. Jahrhunderts. Und auch mit dem textilen Handelshaus ging es aufwärts, so dass Thomas Rusche heute in vierter Generation den bundesweit tätigen Damen- und Herrenausstatter SØR führt. Viel Zeit verwendet der 1962 geborene Unternehmer, der einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften und einen in Philosophie besitzt, auch auf den Kunstkauf. Sein profundes Wissen über die Alte Kunst ergänzt er seit einem Erweckungserlebnis 2004 durch umtriebige Ausflüge in die Welt der Zeitgenossen. Dass beide Sammelgebiete mittlerweile oft nicht ohne einander auskommen, erklärt er im Interview mit artnet.

Herr Dr. Dr. Rusche, wieso wenden sich alle den Zeitgenossen zu und der Markt für Alte Kunst klagt über Nachwuchsprobleme?

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass es den klassischen Bildungsbürger nicht mehr gibt. Der vermögende Rechtsanwalt, Zahnarzt, Oberstudiendirektor hatte vor 30, 40 Jahren noch die Kaufkraft, sich zwei, drei gute Alte Meister leisten zu können. Für 20.000 Deutsche Mark konnte man auch in renommierten Galerien schon einen erstehen. Wenn Sie sich aber heute die Einkommensverhältnisse anschauen: Das Bildungsbürgertum tut sich damit nun schwer. Und die, die Geld haben, die wollen so richtig, deutlich, heftig konsumieren, großformatig und modern. Man soll möglichst sofort erkennen können, dass da ein Warhol oder ein Richter oder lassen Sie es einen Polke sein an der Wand hängt.

Zumal heute die Idee des Wertzuwachses eines Kunstwerkes einen viel höheren Stellenwert einnimmt als früher? Der Preis als Qualitätskriterium?

Ähnliches beobachte ich auch in der Kleidung. Ich frage mich nur, woran dieser Verlust in der Wahrnehmung liegt. Es scheint da einen Riss, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, zu geben. Ich könnte mir vorstellen, dass der in ähnlicher Weise das bildungsbürgerliche Privatsammeln geprägt hat. Die ungebrochene Kontinuität ist weg. Die familiär weitergegebene Sammlungskultur, wie man sie beispielsweise in England oder Italien oder auch in Frankreich häufiger findet, hat in Deutschland stark gelitten. Einrichten, Kleiden, Essen, Kunstsammeln – nach dem 68er-Ideologiesprung interessierte sich in den1970er-Jahren einfach niemand mehr für nichts. Und dann haben wir ab den Achtzigern eine Wende erlebt. Beim Wein zum Beispiel. Zu Anfang unterschied man in Deutschland vielleicht gerade zwischen Rot- und Weißwein. Ein paar Jahre später wollten junge Männer Rotweine im Blindtest zu unterscheiden wissen. Ein differenziertes Konsumieren hat da eingesetzt. Und man wendete sich auch der Kunst wieder zu. Aber eben nicht der dunklen, vermeintlich langweiligen, altmeisterlichen.

Aber klingt das nicht nach arger Attitüde?

Ach was. Und selbst wenn. Sehen Sie sich doch mal das 17. Jahrhundert in den Niederlanden an. Da kam es zu Spekulationsblasen in der Kunst, die hatten mindestens das heutige Ausmaß. Vom Hühnerhof zum pissenden Bauern – alles wurde plötzlich ‚schilderartig‘, also es wert, gemalt zu werden. Was man vorher nicht gemalt hatte, wurde nun zum Bildsujet. Und warum war das Ganze so erfolgreich? Weil nach Bildersturm und Revolution die wichtigsten Auftraggeber, Kirche und Adel, wegfielen und die Künstler anfingen, das Alltägliche abzubilden, um sich damit neue Käuferschichten zu erschließen. Die Bauern und Bürger sahen erstmalig ihre Realität abgebildet. Alle kauften Kunst. Auf Kirmessen, Jahrmärkten und Lotterien. Solche Markthypes auf Kunst hat es also immer gegeben.

Was sind die Konsequenzen?

Einmal sind wir zur totalen Freiheit befreit, das ist das große Geschenk des 20. Jahrhunderts und die gute Seite am Ganzen. Doch wenn man sich die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anschaut, so kommen wir mit noch mehr Freiheit gar nicht weiter. Die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die Verantwortung. Jetzt nehmen Sie den Künstler im Atelier. Der ist total befreit. Der ist nicht mehr in irgendwelchen Schulen, in irgendwelchen Traditionen oder klar definierten Moden gefangen. Alles ist gleichzeitig möglich. Und so muss auch er sich, wenn er sich nur vors Blatt setzt, schon fragen, will ich lieber malen, oder will ich lieber collagieren oder will ich zwischen den Medien springen? Aus dieser Auflösung aller Bewertungskategorien entsteht eine große Unsicherheit am Kunstmarkt. Auch in der Bewertung der Qualität der Kunst.

Was sind für Sie, der Sie mit den Alten Meistern aufgewachsen sind, Kriterien für Qualität in der Kunst des 21. Jahrhunderts?

Der Preis ist es jedenfalls sicherlich nicht. Gelegentlich kommt mir der ein oder andere Galerist oder Künstler entgegen mit den Worten: Ich kann doch so gut altmeisterlich malen oder ich hab hier einen, der würde doch so gut neben die Altmeister passen. Als Sammler, der ich ja groß geworden bin mit dem Kanon der Alten Kunst, musste ich erst einmal lernen, dass das zwar schon ganz viel ist, so malen zu können wie ein Alter Meister, aber eben auch nicht alles. Eine Zeit lang habe ich gedacht, dass sei zumindest eine notwendige Voraussetzung für gute Kunst, auch wenn da noch sehr viel mehr dazukommen muss, Kreativität, Fantasie, die Fähigkeit, mit Vorstellungen zu brechen. Heute, muss ich sagen, stell ich auch das infrage. Man braucht es gar nicht. Man kann trotzdem gute Kunst schaffen, auch ohne im klassischen Sinne Malerei zu beherrschen. Bacon konnte das schließlich auch nicht. Aus dem Inneren heraus eine Ausdrucksweise finden kann man auch so.

Was war Ihr erster zeitgenössischer Kunstkauf?

Auf dem Akademierundgang Düsseldorf habe ich mir 2004 die Paranoisch-zölibatäre Maschine vonAlexander Gehring gekauft, von dem ich seitdem nicht mehr viel gehört habe. Ich wusste damals noch nicht, wie wichtig der Galerist als Stabilisierungsfaktor für die Biografie eines jungen Künstlers ist. Auch den Lifteffekt der Galerien gibt es bei den Altmeistern so nicht. Das musste ich auch erst einmal lernen: Welche Bedeutung es für einen zeitgenössischen Künstler hat, von welcher Galerie er vertreten wird. Nehmen Sie beispielsweise die TEFAF Maastricht. Da gibt es immer drei bis vier Bilder von Van Goyen, mal beim einen, mal beim anderen Händler. Es spielt keine Rolle, wer sie anbietet. Das ist bei den Zeitgenossen vollkommen anders.

Um wie viele zeitgenössische Arbeiten haben Sie die Sammlung seit Ihrem ersten Kunstkauf 2004 mittlerweile erweitert?

Über 1.000 zeitgenössische Bilder sind es.

Das ist eine Menge. Sie müssen furchtbar gerafft haben.

Das sagt sich so. Wenn Sie sich aber den Erwerbszeitraum von bedeutenden Privatsammlungen angucken, ist der Nukleus von fünf bis zehn Jahren typisch. So ungewöhnlich ist das nicht. Ich musste mir ja auch das Handwerkszeug des Sammelns nicht mehr beibringen und brauchte keine Warmlaufphase. Allerdings ist mir letztlich noch nicht klar, nach welchem Kriterium ich in meiner Sammlung des 21. Jahrhunderts selektionieren könnte. Ich bin auf der Suche. Wenn ich mir die Kriterien erschlossen habe, werde ich mich auch von Bildern trennen. Unterbewusst findet das vielleicht schon statt. In Oelde bespielen wir vier Häuser mit Kunst, in Berlin hängt viel und wir leihen oft aus. Andere Werke stehen im Keller. Vermutlich ist das schon meine Art der Selektion.

Selektieren Sie beim Kunstkauf nach finanziellen Aspekten? Darf Kunst auch Geldanlage sein?

Meinen Freunden, die immer so herum mäandern, auch gerne einmal ein Kunstwerk kauften aber Angst vor der Geldausgabe haben, sage ich immer: Jetzt fangt doch erst mal an! Wenn Ihr den ersten Schritt macht, kommt alles auf Euch zu. Dann wird das Bild Signale senden, Ihr wollt mehr wissen, dann kauft Ihr irgendwann das zweite Bild. Wenn man ständig darüber nachdenkt, welches Bild irgendwann einmal mehr wert sein wird, dann kauft man doch gar nichts. Ich habe großes Verständnis dafür, dass man, wenn man denn einen fünf-oder sechsstelligen Betrag für ein Kunstwerk einzutauschen bereit ist, auch nach der Wertentwicklung fragt. Ob man das jemals wiedersehen wird? Die Frage ist total legitim. Aber dies ist nur eine von mehreren Fragen, die dann in einen Entschluss münden müssen. Auch mit wenig Geld kann man große Kunst kaufen – in der Druckgrafik beispielsweise oder bei noch jungen Künstlern, die gerade von der Akademie kommen. Da muss man sich dann auch nicht ständig die Frage stellen, ob man das Geld jemals wiedersieht.

In ihren eigenen Kaufaktivitäten konzentrieren Sie sich seit 2004 vornehmlich auf die Zeitgenossen?

Ja, diese frechen zeitgenössischen Bilder von beispielsweise Daniel Richter, Neo Rauch, Gabi HammMoritz Schleime, Norbert Schwontkowski, Jonas Burgert, Martin Eder oder Katharina Otto haben mir ganz viel Input gegeben. Ich hatte eine große Bildungslücke und kannte die zeitgenössische Szene überhaupt nicht. Nach meinem Erlebnis in Düsseldorf bin ich dann zu all jenen Galeristen und in all jene Museen gegangen, die mir nicht so vertraut waren. Und so landete ich in einer Sonderausstellung von Ruprecht von Kaufmann in der Kunsthalle Mannheim. Die hat mich unglaublich beeindruckt, so dass ich Kontakt zu von Kaufmanns Galeristen Christian Ehrentraut aufgenommen habe. Der hat mir dann den Spiegel vorgehalten.

Hat er das?

Ja, Christian Ehrentraut hat zu mir gesagt: „Thomas, mit Deinen Alten Meistern mache ich eine Ausstellung in der Berliner Brunnenstraße.“ Dann hat er sich zwölf Alte Meister von uns genommen und hat sie mit Zeitgenossen kontrastiert. Das hat bei mir einen Katalysatoreffekt ausgelöst. Was man mit den Alten Meistern im Dialog mit den Zeitgenossen alles tun und machen kann, war mir bis dahin nicht bewusst. Bald darauf folgte auf meinem Vorschlag hin die erste Dialogausstellung in Gera, die eigentlich erst eine Altmeisterausstellung werden sollte.

Der dortige Kurator hat nicht düpiert auf Ihren Vorschlag reagiert?

Das habe ich auch erst befürchtet. Was sagt der jetzt zu meinen zeitgenössischen Landschaften? Deine Alten Meister zeige ich ja gerne, aber die Zeitgenossen kannst Du Dir in den Keller hängen? Aber nein, er war begeistert. Ein halbes Jahr später kommt dieAnhaltische Gemäldegalerie in Dessau auf mich zu und fragt nach Stillleben. Ich hab wieder den Kloß im Hals und zeige denen auch die Zeitgenossen. Und wieder Begeisterung. Und so haben mittlerweile ein halbes Dutzend dieser Dialogausstellungen realisiert.

Wie reagiert das Publikum auf die Ausstellungen?

Mir wird immer versichert, es seien die bestbesuchten Ausstellungen. Weil sie mit einem Mal die beiden Gemeinden, einmal die große Gemeinde, die sich für die Zeitgenossen interessiert, aber dann eben auch die immer noch sehr lebendige, kleine, bildungsbürgerliche Gemeinde, die sich für Alte Kunst interessiert, ansprechen. Auf einer Ausstellungseröffnung auf Schloss Corvey beispielsweise hatte ich ein mittlerweile legendäres Kloerlebnis. Da hat mich ein älterer Herr am Pissoir angesprochen, der offenbar niemals zuvor in einer Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst gewesen war. Die Ausstellung sei ein Seherlebnis, wie er sich das überhaupt nicht habe vorstellen können, sagt der mir an diesem merkwürdigen Ort.

Auf der letztjährigen Biennale von Venedig ist der Versuch, Alte Kunst mit aktueller in den Dialog treten zu lassen gründlich misslungen.

Ja, aber das hatte einfach Gründe. In Venedig haben sie klassische, ganz handwerkliche Fehler gemacht, die Dialogausstellungen immer zum Platzen bringen: Die White Cube-Hängekultur, die riesige weiße Wand, funktioniert da nicht. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich hat vor Kurzem geschrieben, die Bilder müssten in Dialogausstellungen „einem Augenblick wahrnehmbar sein“ und ich gebe ihm recht. Und was machen die in Venedig? Zeigen Tintoretto und schaffen den Dialog nicht, weil in dem Saal kein einziges zeitgenössisches Werk hängt. Dass man es auch anders machen kann, hat die letzte documenta bewiesen. Bei meinen lieben alten Holländern des 17. Jahrhunderts auf der Wilhelmshöhe hing da erstmalig zeitgenössische Kunst. Die waren so mutig und haben in die klassische Altmeisterhängung den Zeitgenossen gehängt. Der Dialog war in einem Augenblick möglich. Die antiseptische White Cube-Atmosphäre ist nichts für Dialogausstellungen.

Öffnet sich die zeitgenössische Szene denn auch den Alten Meistern?

Ich habe den Eindruck, dass die zeitgenössische Kunstszene die Dialogausstellungen sehr goutiert und sich die jungen Leute der Altmeisteratmosphäre öffnen, ja. Junge Künstler, die sich vor der Tabula-rasa-Situation befinden mit dem quälenden Gedanken, wo anzusetzen, finden diese klassischen Themen zum Teil so herausfordernd, dass sie damit arbeiten oder sie weiter bearbeiten. Die zeitgenössischen Künstler lieben zum Beispiel unsere Ausstellungskataloge mit Alter Kunst als Quelle kunsthistorischen Anschauungsmaterials. Auch meine Führungen durch die Sammlung erfreuen sich bei denen großer Beliebtheit.

Bekommen Sie da keinen Schrecken? Davon, dass manch Künstler offenbar erst nach dem Abschluss des Hochschulstudiums mit derlei Themen in Kontakt kommt?

In einem knappen Kanon der Zeit bekommen die jungen Künstler an manchen Hochschulen das entsprechende Handwerkszeug der Kunstgeschichte ja noch vermittelt, bei Professor Matthias Bleyl in Weißensee beispielsweise. Aber die müssen auch so viel lernen. Und sich am Ende eben auch dafür interessieren und sich wirklich angesprochen fühlen. Isoliert in einem Hörsaal Alte Meister als Fotos anschauen? Ich kann mir auch Spannenderes vorstellen.

Was sind die Unterschiede zwischen dem zeitgenössischen und dem Markt für Alte Meister?

Das soziokulturelle Biotop ist ein ganz anderes, die Codes des Miteinanderumgehens ganz unterschiedlich. Bei den Altmeistern wird immer alles ganz diskret behandelt, ganz zurückhaltend. Wenn man als Sammler dort einen anderen Sammler besucht, bekommt man manchmal gar nicht alle Bilder zu sehen. Bei der Armory Show in New York wird man beim Private View von Susan und Micheal Hort ins Schlafzimmer geführt, um dort die Arbeit von Matthias Weischer zu bewundern.

Bei den Zeitgenossen findet man eine ganz andere Herzlichkeit und Offenheit, die vermutlich damit zu tun hat, dass die Künstler noch leben. Bei den Altmeistern kenne ich die Künstler nur aus den Lexika. Der Künstler gibt der zeitgenössischen Kunstszene eine große Dynamik.

Und ganz konkrete wirtschaftliche Unterschiede?

Bei den Alten Meistern gibt es ein sehr heikles Kriterium, das des Erhaltungszustandes eines Bildes. Dieses Thema spielt in der zeitgenössischen Kunst überhaupt keine Rolle. In der zeitgenössischen Kunst darf man grenzwertigerweise, wenn man einen Künstler kennt, schon mal nach einem Foto kaufen. Aufgrund von Fotos oder Digitalabbildungen kann ich persönlich allerdings keine Bilder von Künstlern reservieren, deren Arbeitsweise ich nicht kenne. Bei den Alten Meistern verbietet sich das aber vollkommen.

Weitere Unterschiede?

Für einen Altmeistersammler ist es kommerziell schlichtweg unverständlich, dass in der zeitgenössischen Kunst Preise, wie bei einer Salami in der Metzgerei, nach der Länge eines Bildes definiert werden. Je größer das Bild, desto teurer. Altmeistersammler würden vom großen Schinken sprechen, den keiner will. Das kleinere Kabinettformat ist hier das gesuchte Stück. Zumal das große Format, wenn es dann in einer Auktion einmal auftauchen sollte, sich oft als schlechter weiterverkäuflich erweist. Und überhaupt! Ihr Meisterschüler von morgen, wer soll das ganze Zeug eigentlich einmal ausstellen, wenn Ihr immer nur drei mal vier Meter malt? So ähnlich hat es Eduard Beaucamp kürzlich formuliert. Nehmt Euch ein Beispiel an Max Ernst und Paul Klee und versucht, Euch am kleinen Format zu vervollkommnen!

Am kleinen Format hängt Ihr Herz. Auch bei den Zeitgenossen?

Gute Bilder machen die Räume weit, schlechte machen die Räume eng. Und große Bilder machen die Räume eng, das ist meine Meinung. Darüber könnte man sich auch einmal mit dem Sammler Harald Falckenberg unterhalten. Der sagt immer, die Kunst im White Cube, die müsse ihn direkt anspringen. Ich glaube, es ist wie bei der Popmusik. Die Lieder, die die Charts füllen, die einen anfangs sofort von den Bänken reißen, kann man bald schon nicht mehr hören. Anders ist es bei der klassischen Musik. Die Stücke, die ewig währen, auf die muss man sich einlassen, da muss man sich öffnen, Ruhe haben und zuhören. Und so ähnlich ist es in der Bildenden Kunst. Das kleine Format bietet mir ein ganz anderes Erleben.

Die Zeitgenossen kaufen Sie beim Galeristen, die Alte Kunst auf Auktionen?

Vorwiegend, ja. Seit meiner frühesten Kindheit bin ich auf Auktionen unterwegs und habe überhaupt keine Berührungsängste. Mein Vater und ich haben früher eigentlich immer nur auf Auktionen gekauft. Sehr zum Ärger der Händler übrigens. Die mögen es gar nicht, wenn der Sammler auf Auktionen kauft. Das war früher noch stärker, als die Auktionen noch der Großhandel der Kunstwelt waren. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren haben sich die Auktionshäuser auf den Endverbrauchermarkt gestürzt. Die nehmen den mit Vernissage und Cocktails an die Hand, Beratungsgesprächen und kostenlosen schriftlichen Expertisen. Bis vor zwanzig Jahren hieß es hammerhart „wie gesehen, so gekauft!“. Kundenservice war da nicht.

Und wie haben sich die Händler der neuen Situation angepasst?

Die Händler waren früher zersplitterter, jeder hat da sein Ding gemacht und konnte sich das auch leisten. Nachdem die Alte Kunst aber so teuer geworden ist, die wenigen guten Objekte so selten, stürzen sich die Händler nun weltweit auf diese wenigen, hervorragenden Objekte und machen etwas, was die Sammler erst noch erfinden müssen: Sie bilden Ringe. In den meisten Fällen wirklich auch legale, gemeinsame Partnerschaften. Nun bieten sich der Londoner, der Pariser und der New Yorker Händler sich nicht gegenseitig hoch, sondern sie kaufen gemeinsam. Je nach Kapitaleinsatz gehört dann jedem ein Anteil an dem Bild. Nach einer gewissen Marschroute wird dieses Gemälde dann an den verschiedenen Handelsorten gezeigt. Von dem Erlös partizipiert man, je nachdem, wie hoch der Einsatz war.

Geht es nur um die Bündelung der finanziellen Kraft?

Nein, das hat auch ganz andere Gründe. In Kontinentaleuropa finden jedes Jahr auf dem Land hunderte von kleinen Auktionen statt, die, gerade in Deutschland, noch viel Substanz zutage bringen. Da fahren nicht alle Händler hin, da macht sich einer aus der Clique auf den Weg. Und diese Händler haben eben eine gewisse Aversion gegen Sammler, die sich selber in die Auktion setzen. Der soll doch bitte in der Galerie kaufen. Oft führt das dazu, dass sehr hoch geboten wird und der Sammler seine Lust verliert. Der Händlerring kauft dann manchmal zu immensen Preisen ein Bild.

Und verkauft es auf der Kunstmesse mit einem kräftigen Aufschlag?

Naja, das ist verständlich. Das Bild wird dann schließlich bestenfalls kunsthistorisch aufgearbeitet, gesäubert, transportiert. Und lange nicht jedes Bild, das eingekauft wird, kann auch mit hoher Marge weiterverkauft werden. Der Galerist hat immer Gemälde, die sich nach der Reinigung als schlecht erhalten herausstellen. Die muss er auch noch irgendwie wegdrücken. Auf der Messe zeigt er ja nur die Crème de la Crème und keine Durchschnittsware.

Trotzdem ist die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis gelegentlich extravagant. Wie verhandelt man da?

Es ist ja so: Bei den zeitgenössischen Galerien bekommt jeder zehn Prozent, wenn er sich nicht ganz dumm anstellt. Es bedarf dort aber schon einer gewissen Überzeugungskraft, um bei 20 Prozent anzukommen. 25 bis 30 Prozent zu erreichen gelingt mir nur, wenn ich mich auf die eben genannte, verrückte Preisgestaltung beziehe und sage, nur weil das Format jetzt so groß ist, bezahl ich doch nicht so viel. Bei den Altmeistern geht das Spiel ganz anders. Da ist das Handeln in der Preisangabe des Händlers von Vorneherein inbegriffen. Zehn Prozent bekommt da jeder, 20 Prozent auch. 30 Prozent bekommt derjenige, der nicht herumlaviert sondern mit den Worten „das ist ein bindendes Angebot!“ das Geld auf den Tisch legt. Rumreden hilft hier nicht viel.

Gilt das nur für den ganz hochpreisigen Bereich? Oder kann das auch der Anfänger wagen?

Versuchen Sie es mal! Es ist auch eine Frage des Zeitpunktes. Ganz am Anfang der Messe kann man gut handeln, denn der Händler möchte seine Kosten wieder rein bekommen, am Ende, wenn die Messe vielleicht nicht gut gelaufen ist, sind die Aussichten auch gut. Was die Händler für Alte Kunst aber scheuen ist, sich in Preisgespräche zu verstricken, nachzugeben und nachzugeben und am Ende kommt es nicht zum Kauf. Wer sich von Anfang an bindet, kommt auch an die 50 Prozent heran.

Ist es nicht ungehörig, den Preis derart zu drücken?

Ich kenne es nicht anders und frage mich, was der Maßstab für die Gehörigkeit wäre.

Sie sind gläubiger Christ, bezeichnen sich selber als „katholischen Unternehmer“ und haben Bücher zum Thema Wirtschaftsethik veröffentlicht. Wie ist es um die Ethik im Kunstmarkt bestellt?

Wenn Sie mich als Christen ansprechen: Ich habe kein Problem damit, dass ich auch im Kunstmarkt ständig auf Sünder treffe, weil ich selber einer bin. Ein Problem habe ich eher damit, auf viele Menschen zu treffen die glauben, sie könnten sich in unserer Konsumwelt, und dazu gehört auch der Kunstmarkt, selbst erlösen. Sie könnten sich mit der zeitgenössischen Kultur selber auf immer und ewig ein glückliches Leben erschaffen. Früher wussten die Menschen noch um ihre eigene Sündhaftigkeit und um ihre Erlösungsbedürftigkeit. Es gibt wenige Religionen, die erkennen, dass wir uns nicht selber erlösen können. Ich bin ja nun auch kein Gutmensch, der über alle Schlangengruben erhaben ist. Aber ich erkenne mich in meiner Sündhaftigkeit und weiß, dass es die Erlösungstat Christi gibt, der mich aus den Mühsalen dieser Welt errettet. Daraus kann ich befreit leben. Ich kann befreit leben und aus der christlichen Befreiung mit meiner eigenen Sündhaftigkeit umgehen. Das sind die Lebenskräfte, die heute in der Kultur so walten wie vor Jahrhunderten.

Und die Kunst hält eine Antwort auf das alles bereit?

Ja, das meine ich! Sie entsteht aus dem Spannungsverhältnis, aus der meines Erachtens alle große Kunst entsteht: aus dem von Eros und Thanatos. Begierde, Werden, Leben schaffen. Dieser Kreislauf waltet in allem. In allem Schönen, Coolen, Geilen, Tollen ist immer auch schon das Vergehen, das Sterben angelegt. Dieser Gedanke ist unserer Kultur verloren gegangen. Dem entgegenzuwirken scheint mir aber der größte Auftrag der Kunst, ihre größte Bedeutung zu sein. Natürlich kann man jedem und auch mit Abweichungen von proklamierten Idealen vorwerfen, aber wer das tut, verkennt, dass das ganze Leben voll davon ist. Sonst hätte sich Jesus nicht für uns ans Kreuz nageln lassen müssen. Ich habe eine große heitere Gelassenheit durch meine christliche Überzeugung. Letztlich kann nichts schief gehen.

http://www.artnet.de/magazine/sammlerinterview-thomas-rusche/

Adriaen von Nieulandt, Der Kampf der Tugendhelden gegen die Laster, 1655 Öl auf Leinwand 96,5 x 79,3 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Ruprecht von Kaufmann Die Erbschaft, 2007 Öl auf Leinwand 180 x 230 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Edwaert Collier Trompe-l'Oeil mit dem Porträt von Erasmus von Rotterdam, 1690/1700 Öl auf Leinwand 35,5 x 30,5 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Daniel Richter Bühnenhölle, 2006 Öl auf Leinwand 41 x 32 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jos van Craesbeek Paar beim Wein, um 1650 Öl auf Holz 28,5 x 19,5 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Neo Rauch Pendel, 2009 Öl auf Leinwand 35 x 50 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Martin Eder Masstab, 2009 Öl auf Leinwand 100 x 70 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

Jonas Burgert Trotzer, 2008 Öl auf Leinwand 120 x 100 cm Courtesy of SØR Rusche Sammlung, Oelde/Berlin

 

Ganz sicher nicht halbseiden: ASCOT- seit über 100 Jahren feinste Krawatten made in Germany

 

Jan Moese ASCOT Photo by Lars Beusker

Seit 1908 krönt ASCOT mit seinen handgenähten Krawatten und Schleifen die Garderobe des stilvollen Herrn. In der über einhundertjährigen Unternehmensgeschichte haben sich Farben, Muster und Formen unzählige Male der Mode anpassen müssen, aber ASCOT ist sich und der Seiden-Stadt Krefeld treu geblieben. “Made by hand in Germany” steht seit 1908 auf dem Etikett der Krawatten und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Jan Moese führt in der vierten Generation das Familienunternehmen mit seinen 60 Mitarbeitern. Zeiten, in denen das erbarmungslose Modediktat die Krawatte in die Verbannung schicken wollte, wurden überstanden weil die ASCOT Produkte von so hoher und exzellenter Qualität sind und ein Mann mit Stil einen guten Anzug nicht ohne Krawatte trägt!

Photo by ASCOT

Herr Moese, Sie leiten in der vierten Generation Ihr Familienunternehmen ASCOT, muss man sich Ihre Kindheit ungefähr so vorstellen: während andere noch versuchten mit Bauklötzen Türme zu bauen, beherrschten Sie schon den doppelten Windsorknoten?

Nein, überhaupt nicht! Meine Kindheit verbrachte ich weitgehend krawattenfrei, allerdings trug ich bei gewissen Anlässen eine schöne ASCOT-Strickkrawatte, die gut zu den Knicker-Bockers passte, in denen meine Mutter mich so gerne sah! Ich fand die Strickkrawatte gut, die Hosen hätte ich persönlich auf jeden Fall länger gewählt. In diesem Outfit baute ich dann auch Türme aus Legoklötzchen! Im Gegensatz zu meinem Sohn beherrschte ich in diesem Alter den doppelten Windsorknoten jedenfalls nicht!

Stand für Sie schon früh fest, einmal das Unternehmen zu übernehmen?

Nein, nicht wirklich! Ich hatte zu gewissen Zeiten ganz andere Dinge im Sinn, habe viel ausprobiert und bin erst über Umwege in die Firma gekommen. Während meines Betriebswirtschaftstudiums kam mir der Gedanke, mit Fahrrädern mein Geld zu verdienen. Der in den Achtziger Jahren aufkommende Mountainbike-Boom schwappte zu dieser Zeit über den großen Teich und faszinierte mich so, dass ich einen Bike-Store eröffnen wollte. Mein Vater fand die Idee auch gut, allerdings fragte er mich damals, ob ich nicht zunächst einige Monate in das Familienunternehmen kommen wollte. Danach könnte  ich ja immer noch meine Ideen verwirklichen. Aus einigen Monaten werden dieses Jahr zwanzig Jahre. Die Fahrradleidenschaft ist geblieben, aber ich kann mir bis heute keinen schöneren Beruf vorstellen, als denjenigen, den ich jetzt ausübe!

ASCOT Produktion Photo by Lars Beusker

ASCOT produziert Krawatten und Schleifen ausschließlich in Deutschland, besser gesagt direkt in Krefeld. Ich denke sie besetzen damit eine recht einsame Position in Deutschland auf die Sie aber sehr stolz sein können oder?

Dies ist gleichzeitig eine Bauch- und Kopfentscheidung. Wir sind heute mehr denn je vom Produktionsstandort Krefeld überzeugt. Auf der einen Seite verkaufen wir ein Produkt mit einer authentischen Philosophie, die bei uns lautet: Familienunternehmen in vierter Generation produziert seit über 100 Jahren in Deutschland! Auf der anderen Seite führen wir ein effizientes Unternehmen mit hochqualifizierten Mitarbeitern, das weltweit Seinesgleichen sucht!

Wie denken Sie, wird sich die Zukunft entwickeln, glauben Sie, dass Deutschland irgendwann einmal Produktionsstätten ins Land zurückholt? Wie schätzen Sie diesbezüglich den Markt ein?

Ich glaube, im Moment ist weltweit die Wertschätzung von “Made in Germany” sehr hoch, allerdings hauptsächlich bei Automobilen und Maschinen. Ich bin der Meinung , dass man dieses Vertrauens- und Qualitätsgefühl auf weitere Produkte übertragen kann. Für mich steht außer Zweifel, dass ein Qualitätsvorsprung bereits seit Langem besteht. Da kommt es am Ende auch nicht mehr darauf an, dass die Produktionskosten in Deutschland höher sind. Dafür ist die Produktivität und das Know-how auf einem sehr hohen Niveau!

Stimmen Sie zu, wenn man sagt ein Mann ohne Krawatte ist eine Beleidigung an das Oberhemd?

Ich bin eher der Meinung, dass ein Mann sich selber beleidigt, sobald er Businessanzug und Oberhemd ohne Krawatte ausserhalb seiner Behausung trägt. Mich erinnert das an Servicepersonal, das seinen Gästen in Birkenstocks gegenübertritt. In beiden Fällen muss das Selbstwertgefühl leiden! Aber, ein schönes, kariertes Hemd zu Kordhose und Pullover getragen, verlangt abhängig von der Situation sicher nicht unbedingt nach einer Krawatte!

Photo by ASCOT

Keiner kann es besser beurteilen als Sie: geht die Tendenz wieder zur Krawatte und Schleife? 

Ja, bitte unbedingt! Nein, Spass beiseite, ich bin nach langen Jahren des Zweifelns wieder mehr denn je davon überzeugt, dass der Krawatte ein grosses Comeback bevorsteht. Ein untrügliches Zeichen ist, wenn junge, Indie-Bands wieder Krawatte und Schleife tragen, weil sie Ihre Väter seit 20 Jahren nicht mehr mit einem solchen Kleidungsstück gesehen haben. Dadurch setzt man sich ab vom Bekannten und Etablierten. Außerdem ist die Krawatte noch immer der einzige männliche Schmuck, neben einer schönen Armbanduhr!

 

Was macht eine gute Krawatte aus?

Eine gute Krawatte zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Träger es als überaus angenehm empfindet, sie zu tragen! Idealerweise schaut er in den Spiegel und findet sich und seine Krawatte super, ja unwiderstehlich! Außerdem vervollständigt die Krawatte das Outfit, was aber auch heißt, dass sie dazu passen muss. Nichts schlimmer als eine Satinkrawatte zum Tweedsakko oder eine Regimentalkrawatte zum Nadelstreifenanzug.

Was halten Sie von kuriosen Erscheinungen wie Holz-, Leder- oder sonstigen absurden Krawatten-Erfindungen?

Diese Entgleisungen sind genauso gruselig wie ein Spoiler an einem Vintage-Oldtimer vom Schlage eines Porsche 356! In beiden Fällen gilt: Modernität ist da oder nicht, sie kann aber nicht erzwungen werden!

Wie wichtig sind für Sie Traditionen? Gerade im Bereich Partnerschaften, wie zum Beispiel zu SØR,  für  die Sie seit über 75 Jahren Krawatten produzieren oder  Ihre Strickkrawatten für Hermès?  

ASCOT & SØR Photo by Lars Beusker

Diese Partnerschaften bedeuten für uns auch immer Vertrauen und das entsteht nicht über Nacht! Vertrauen wächst auf beiden Seiten erst mit dem Erfolg, den man über die Jahre miteinander erzielt. Deswegen ist Tradition eines der wichtigsten Stichworte, die unsere Unternehmens-philosophie prägen.

Sie kommen gerade von der Pitti in Florenz, wie wird Herbst/Winter 2012 an den Hälsen der Herren aussehen?

Für mich gibt es da drei Stichworte: Wollkrawatten, Strickkrawatten und Schleifen. Idealerweise sieht der Mann aus, als ob er zur Jagd, zum Angeln oder zum Holzhacken geht! Dabei trägt er allerdings Krawatte, Strickweste und Sportsakko. Perfektioniert wird der Look mit Nerdbrille, einer Kopfbedeckung und einem gepflegten Vollbart! Smart Gentlemen Outdoors eben! Halten Sie mal Ausschau nach solchen Typen im nächsten Herbst und suchen Sie nicht unbedingt im Wald nach Ihnen!

  http://www.ascot.de

http://www.soer.de

http://www.beusker.com

 

Das Binden von Krawatten und Schleifen

Die Mutter aller zeitgenössischen Krawattenknoten ist der Four-in-hand. Ausweis seiner Eleganz ist die kleine Falte unterhalb des Knotens: Dazu steckt man den Zeigefinger beim Zuziehen von unten in den Knoten! Weiterlesen →

Materialien und Dessins der Krawatte

Krawatten aus reiner Seide sind für den anspruchsvollen Herrn selbstverständlich. Der Charme einer Seidenkrawatte wird durch keine Synthetikfaser erreicht. Seide schmückt, ist geschmeidig weich und zugleich von ausreichender Widerstandsfähigkeit, um die Krawatten-form zu halten. Die Farbnuancen sanft glänzender Seide sind ohnegleichen. Interessante Materialien entstehen aus der Mischung von Seide und Wolle…

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Historie der Krawatte

Soldat des Kaiser Seih Huang-ti

Die früheste kostümgeschichtliche Überlieferung für “Krawattenträger” ist belegt  durch Thronfiguren aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. sie zeigen Soldaten des chinesischen Kaisers Seih Huang-ti, Weiterlesen →

Kleine Einführung in das Brevier…Thomas Rusche über Kleidungskultur…

Brevier

Kleidungskultur beginnt mit der Frage: “Wie kleide ich mich wozu?” Dieser kulturelle Kleidungsanspruch steht dem Modediktat diametral gegenüber. Die Tyrannen der Mode erklären im hektischen Wechsel unterschiedliche Extreme zum “Muss”. “In” und “out” sind beliebte Vokabeln des Modediktats. Kleidungskultur hingegen sucht mit Aristoteles die tugendhafte Mitte zwischen den modischen Extremen der Weiten und Breiten. Jenseits der wechselnden Extreme entspricht die Kleidungskultur dem jeweiligen Anlass und dem persönlichen Stil des Menschen. Anlassgerechte Kleidung ist keine Frage des Alters, sondern des persönlichen Anspruchs. Hat der Mensch die kulturelle Dimension der Kleidung erkannt, wird er sich ihre verpflichtet fühlen und selbst Kleidungskultur schaffen wollen. Ein jeder Mensch ist eine Persönlichkeit und für jede Persönlichkeit gibt es einen vollkommenen Kleidungsstil. Habe ich meinen Kleidungsstil gefunden, gibt es keinen Grund, ihn zu wechseln, sondern nur unterschiedliche Anlässe, meinen Stil zu vaiieren und kulturell auszuformen.

Kleines SØR Brevier der Kleidungskultur

Mit diesem “SØR Brevier der Kleidungskultur” kann erstmals eine kleine Enzyklopädie der internationalen Kleidungskultur vorgelegt werden, die sich der zeitlosen Gültigkeit des guten Geschmacks verpflichtet fühlt. Möge dieses Organon dem gültig gekleideten Herrn als Ratgeber zu Seite stehen.

Oelde im Januar 2012, Dr. Dr. Thomas Rusche                                                                                                                                                                                                                

Das kleine SØR Brevier der Kleidungskultur erschien erstmals 1991. Die englische Übersetzung verdeutlicht, dass es Dr. Dr. Thomas Rusche, als einer von wenigen Autoren gelungen ist, mit seinem Werk auch im Heimatland des Anzugs Beachtung zu finden.

Dr. Dr. Thomas Rusche, geboren 1962 in Oelde Münsterland, ist Geschäftsführender Gesellschafter der SØR Rusche GmbH, promovierter Wirtschaftswissenschaftler, promovierter Philosoph und Kunstsammler. Die einzigartige und umfangreiche SØR Rusche Sammlung Olede/Berlin stellt Niederländische Meister des 17. Jahrhunderts, wie  z. B. Abraham van Beyeren, Jan van Goyen und David Teniers, in den Dialog mit zeitgenössischen Werken von Martin Eder, Neo Rauch, Jonas Burgert und Jonathan Meese. Thomas Rusche war viele Jahre lang Präsident und Vizepräsident des Weltverband der Herrenausstatter (IMG-International Menswear Group). Neben dem Kleinen SØR Brevier der Kleidungskultur verfasste Thomas Rusche auch Literatur zu den Themen Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Ethik in der Wirtschaft.

,,In diesem Sinne ist mein Studium Generale des Lebenswerten und Lebens-wichtigen. Das steht für mich über allen, ob es die Philosophie ist, die Kleidungs-kultur, die Kunst oder die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge.” (Thomas Rusche, Quelle: indipendant collectors)

Radio Bremen Interview mit Thomas Rusche vom 25. Juni 2012

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/gespraechszeit/audio90346-popup.html

Dr. Dr. Thomas Rusche Photo by Lars Beusker

http://www.soer.de