All posts in Kunstreich

100 MEISTERWERKE – TEIL 3: Cornelia Schleime & Jacob van Mosscher

ma%cc%88dchen-mit-blatt-im-mund-1998-acryl-schellack-asphaltlack-leinen-145-x-120-cm

Cornelia Schleime, Mädchenportrait, 1998, 145 x 120 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie nimmt ein Blatt in den Mund. Sehr nonchalant, wie es nur ein Mädchen von der Hand Cornelia Schleimes tun kann.

Nahsichtig, das quadratische Bildformat nahezu ausfüllend, konfrontiert uns dieses sympathische Mädchenwesen mit seiner Freundlichkeit. In klassischer nach links gewandter Porträtansicht wird sie in höchst unklassischer Technik präsentiert: keine glatte Lasur sondern eine durch Asphalt und Schellack aufgeworfene, teilweise fleckenhaft verdunkelte Farboberfläche bricht das liebliche Motiv. Man kann gar nicht anders als ihr lächelnd zu begegnen. Der Schalk steckt nicht nur unsichtbar unter den kurzgeschnittenen, braunen Haselnusslocken im Nacken, sondern sitzt ihr auch sichtbar in den hübschen Augenwinkeln. Es ist erstaunlich auf welch elegante Weise, der sie sich selbst noch nicht bewusst ist, ihr anmutiges Lächeln durch das horizontal geschwungene Blatt über die gesamte Komposition hinweg verteilt. Adrett ist sie zurechtgemacht: mit ihrer exakten Haartolle, dem weißen Kragen und dem himmelblauen Kleid scheint sie von ebensolch adretter Gemütsverfassung zu sein. Keine Scheu, kein Arg ist erkennbar, kein Unwillen von uns betrachtet zu werden. Wenn das in der letzten Zeit allzu sehr strapazierte Wort der Authentizität auf jemanden angewandt werden dürfte, dann auf dieses Mädchen. Laut der Künstlerin hat sich ihr Bildmotiv die Freiheit dieses Blatt in den Mund zu stecken, einfach selbst herausgenommen und davon auch kein großes Aufheben gemacht. Ein Grund vermutlich, warum dieser Gegenstand so völlig selbstverständlich zwischen ihren Lippen wirkt. „Kunst“, sagt Cornelia Schleime, „ist auch immer etwas um den Abstand zum Realen zu definieren. Etwas zu machen, was eigentlich nicht gebraucht wird.“ Besser und bildlicher könnte man es unserem Mädchen nicht in den Mund legen.

diego_velazquez_027

Diego Velazquez, “Infanta Margarita Teresa in a Blue Dress,” 1659

In welcher Ahnenreihe steht nun ein Mädchenporträt der Künstlerin, die in diesem Jahr den ehrenvollen Hannah Höch Preis erhält? Von sich selbst sagt Cornelia Schleime die Heroen der Kunstgeschichte zu lieben und stellt sich damit „bewusst in den Kontext der durch Männer geprägten Traditionslinie der Malerei“. Wagen wir also einen kleinen Rückblick auf die sonst stets von Männerhand geschaffenen Mädchenschönheiten, auch wenn zu befürchten steht, dass das Unsrige fröhlich aber bestimmt aus dieser Reihe treten würde, mit seinem Blatt fest zwischen den Zähnen. Nur nebenbei gesagt, so lang wäre diese Reihe aus der sie heraustreten könnte, nicht. Wann wurde je ein Mädchen um seiner selbst Willen dargestellt, von einem Mädchen mit einem Blatt im Mund noch gar nicht zu reden? Kinder oder Heranwachsende, noch dazu Mädchen, finden bis ins 17. Jahrhundert in der Kunstgeschichte nur ihren Platz, wenn sie von genealogischer Wichtigkeit waren.

In ihrer direkten Selbstbewusstheit erinnert das Blattmädchen denn auch an die stolze kleine Infantin Margarita Teresa, die von niemandem je so verletzlich und stark ins Gedächtnis der Betrachter gebannt wurde wie von Diego Velazquez. Wusste eine spanische Habsburgerin im 17. Jahrhundert welche politische Last auf ihren Schultern ruhte, so weiß unser Mädchen, dass es sich nur mit Blatt im Munde dem Betrachterauge stellen will. 

ferdinand-georg-waldmuller-kleines-madchen-in-einem-von-weinlaub-umrankten-fenster

Ferdinand Georg Waldmüller, Kleines Mädchen, in einem von Weinlaub umrankten Fenster (um 1830)

In ihrer Fröhlichkeit hingegen scheint das Schleime Mädchen verschwistert mit den vielen freundlichen naturverbunden Mädchen, die vor allem die deutsche Genremalerei des 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Das kleine artige Mädchen in der Weinlaube eines Ferdinand Georg Waldmüller würde jedoch nie auf  den Gedanken kommen eines dieser sie umrankenden Blättchen kurzerhand in den Mund zu stecken. 

boucher040

François Boucher, Junge Frau mit einem Rosenstrauss, (um 1750)

Sowohl an den strengen Damen im Halbprofil mit exakter Flechtfrisur der Frührenaissance, deren eleganten Nachfolgerinnen des ausgehenden 16. Jahrhunderts sowie den üppigen Frauen des Barock scheint unser Mädchen ebenso lächelnd vorbei geschritten zu sein wie an den stets leicht frivolen Schäferinnen des Rokoko, mit denen sie ja zumindest ihre augenscheinliche Liebe zur Natur gemein hätte. Aus phänotypischer Perspektive dürften wir hier eine Parallele sehen, genotypisch jedoch haben diese beiden künstlerischen Verbindungen von junger Weiblichkeit und Natur nicht viel gemein.

ma%cc%88dchen-mit-blatt-im-mund1-1998-acryl-schellack-asphaltlack-leinen-145-x-120-cm

Cornelia Schleime, Mädchenportrait (Detail), 1998, 145 x 120 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Dient der Rokokodame die Natur stets ihrem Schmuck und Vergnügen, so scheint es Cornelia Schleimes Mädchen eine persönliche Notwendigkeit von großer Wichtigkeit gewesen zu sein, sich mit dem grünen Attribut auszustatten. Ein normales, schlichtes Blatt wählte sie dazu, keine dekorative Rose oder eine andere exotische Blume, sondern ein Blatt, das in seiner alltäglichen Schlichtheit nicht über sich hinausweist und auch keine weiterführenden Schlussfolgerungen erlaubt. 

Genauso war es vor einigen Jahren der Künstlerin eine höchst eigensinnige und nicht erläuterungsbedürftige Notwendigkeit, dieses Bild, das sie im Messestand ihrer Galerie auf der Art Cologne der Öffentlichkeit zum Erwerb preisgegeben sah, kurzerhand selbst in ihren Privatbesitz zurückzukaufen.

 Cornelia Schleime ist eine Malerin, die keine Phobie vor dem Wort „Schönheit“ hat, sonst gäbe es vermutlich auch nicht eine derart große Anzahl anmutiger Mädchen in ihrem Oeuvre, bekanntlich ja durch viele Epochen hindurch DAS Synonym für Schönheit schlechthin. Hingegen hegt sie gewisse Vorbehalte gegen eine Kunst die dem Zeitgeschehen zu sklavisch verhaftet ist. Neben den kleineren Aquarellformaten, in denen der Malerin die verschlungenen Zöpfe der Mädchen in Gesellschaft ihrer Hasen und Füchse einfach so zufliegen, braucht sie die Großformate um sich „selber lebendig zu erhalten.“ Die Künstlerin sagt von sich selbst ein einziger Widerspruch zu sein. Eine Aussage, die sich auch in der Erschaffung dieses Mädchenbildes widerspiegelt: ein Motiv, wie es lieblicher nicht sein könnte mit einer kleinen frechen Zutat versehen, wird von ihr nach dem malerischen Farbprozess mit Schellack und Asphalt übergossen und damit einem chemischen Prozess ausgesetzt von dem die Künstlerin nie wissen kann welches Ergebnis er letztendlich hinterlassen wird, ob er das gerade Entstandene nicht vielleicht sogar zerstören wird. Cornelia Schleime zeigt hier radikal die Ambivalenz ihres Kunstschaffens auf, das vom fürsorglichen, die Privatsphäre des Bildes schützenden Rückerwerb bis hin zur in Kauf genommenen Zerstörung reicht.

mossja_m_1-001

Jacob van Mosscher, Rastendes Bauernpaar unter hohen Bäumen, nach 1640, 47,5 x 65 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Vermutlich wäre Jacob van Mosscher beim Malen seines „Rastenden Bauernpaares unter hohen Bäumen“ nicht auf diese Idee gekommen. Von Ambivalenzen, Widersprüchlichkeiten oder gar Zerstörung scheint dieses Gemälde des 17. Jahrhunderts weit entfernt. Entspricht es doch vielmehr dem typischen Geschmack dieser Zeit. Erst knappe 200 Jahre zuvor hatte die Landschaft als Motiv sich dergestalt emanzipiert, dass sie nun ohne oder nur mit kleiner Figurenstaffage alleinig bildwürdig geworden war. 

Die holländische Ausprägung dieser Gattung im 17. Jahrhundert ist keine laute, spektakuläre, die Idealansichten mit effektvollen Naturspektakeln komponiert. Stattdessen haben die Maler ein feines Auge und Gespür für das eigentümliche und einmalige der ihnen durch ihren eigenen Alltag bekannten Umgebung ausgebildet.

Um die subtilen Farbnuancen der heimischen, niederländischen Gegend mit dem Pinsel einzufangen, bedarf es zudem einer sorgfältigen malerischen Vorgehensweise.

Mögen diese Gemälde für das Auge des heutigen Betrachters auf den ersten Blick vielleicht eintönig aufgrund der reduzierten Farbpalette und wenig aufregend durch das kleine Figurenpersonal wirken, so sind es Werke, die eben nicht für das schnelle Hinsehen gemalt wurden. Auch wenn die Bilderproduktion im sogenannten Holländischen Goldenen Zeitalter zahlenmäßig einen Höhepunkt erreichte und sich englische Touristen erstaunt darüber zeigten, wo sie überall Gemälde zu Gesicht bekamen, beispielsweise in den Werkstätten der wohlhabenden Handwerker, so war der damalige Mensch sicherlich bereit mehr Zeit und Muse auf die Betrachtung eines solch reduziert-eleganten Werkes aufzuwenden als wir es heute gewohnt sind. Bilder wie uns Mosscher hier eines vor Augen führt, waren damals hoch in Mode und zeichnen sich durch ein gedämpftes Kolorit aus, das keinen zu großen Kontrast entstehen lässt zwischen luftiger Höhe und erdiger Bodenzone.

Jacob van Mosscher, Rastendes Bauernpaar unter hohen Bäumen (Detail), nach 1640, 47,5 x 65 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Jacob van Mosscher, Rastendes Bauernpaar unter hohen Bäumen (Detail), nach 1640, 47,5 x 65 cm, Öl auf Holz, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Tief ist die Horizontlinie durch die Komposition gezogen, wobei der vom rechten Bildrand weit und hoch ins Bild hineinragende Baum eine gelungene Verbindung schafft zwischen Himmel und Erde. Verschattet und höhlenartig beginnt er in seinem Wachstum um in luftiger Höhe mit seiner filigranen Krone die Wolkenformationen hinter ihm aufs Schönste nachzuahmen. In seinem Schatten, auf leicht erhöhtem Terrain, nahe einem halbverfallenen Mauerrestes, hat sich ein Bauernpaar rastend niedergelassen. Es ist eben im Begriff den mitgebrachten Korb zu leeren, während der schwarzweiße Hund seinen Durst an einem im Vordergrund vorbeifließenden Bachlauf stillt. So zwanglos ihr Gebaren erscheint, so fügen sie sich auch in diese Landschaft ein. Sie sind ein Teil von ihr. Den nicht sonderlich gut ausgebauten Weg der sich in der Weite der linken Bildkomposition verliert, haben sie bis zu ihrem Rastplatz zurückgelegt um sich nun unter dem Ruhe und Schatten spendenden Baum niederzulassen. Hoch ragt darüber der sommerliche zart blaue Himmel auf von semitransparenten Wolken durchzogen, mit deren Leichtigkeit, die unten am Boden fein gewachsenen Sträucher mit durchsichtigem Astwerk korrespondieren. Die Stadtsilhouette Haarlems mit der angedeuteten St. Bavokirche ist nur äußerst schemenhaft in der Ferne auszumachen. Das sich am Frieden und der Ruhe der Natur erfreuende Paar hat den Stadttrubel im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich gelassen. 

Mit künstlerischer Klugheit hat Mosscher in diesem Gemälde sowohl die Formen und Farben seiner Heimat eingefangen und was vielleicht noch wichtiger ist, auch ihre Atmosphäre: das Spiel von Licht und Schatten, die nur mäßig sich aufwerfende Landschaft, deren Farben kein Feuerwerk entzünden sondern in ihrer Gemäßigtheit nicht nur dem Auge Ruhe schenken. In völliger Selbstverständlichkeit darf der Mensch sich an diesem Ort bewegen, wobei er jedoch nicht in eine spielerisch-künstliche Naturkoketterie eines Fete galante verfällt wie später im Rokoko üblich.  

ma%cc%88dchen-mit-blatt-im-mund-1998-acryl-schellack-asphaltlack-leinen-145-x-120-cm

Cornelia Schleime, Mädchenportrait, 1998, 145 x 120 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Die Künstlerin erwarb ihr eigenes Bild auf der Art Cologne zurück und es blieb einige Jahre in ihrem Privatbesitz. Erst der Sammler Thomas Rusche erschien ihr Jahre später als geeigneter Besitzer dieses besonderen Bildes.

Mit völliger Selbstverständlichkeit trägt auch das Mädchen von Cornelia Schleime ein Stück Natur im Mund. Auf den ersten Blick scheinen ja ein zeitgenössisches Figurenbild von spektakulärer Technik, ausschnitthaft und nahsichtig auf den Betrachter hin ausgerichtet und ein fernsichtig komponiertes, feinmalerisch ausgeführtes Landschaftsgemälde typischer holländischer Prägung wenig Gemeinsamkeiten zu haben. In der exakten Umkehr des Verhältnisses von Natur und Figur ist eine Bezugnahme deshalb nicht auf formaler Ebene spannend sondern auf inhaltlicher. Mensch und Natur sind über die Jahrhunderte hinweg die relevanten Bildthemen, mit denen sich die Künstler auseinandersetzen. Dass der Mensch sich heute nicht mehr in sie einfügt sondern die Natur eher als Zugabe zum menschlichen Dasein wahrnimmt, könnte ein Gedanke hinsichtlich der veränderten Gewichtung in diesen zwei Bildern sein. Beiden Gemälden ist jedoch die ruhige Übereinkunft von Mensch und Natur gemein. Eine sinnlich dargestellte Harmonie finden wir sowohl bei Mosscher als auch bei Schleime: nutzt das rastende Paar die es umgebende schöne Natur als schützenden Rahmen für sein fröhliches Picknick zu dem es sich auf dem Boden niedergelassen hat, so geht das Mädchen noch einen Schritt weiter indem es die Natur nicht nur spürt, sondern sich auf einen noch intimeren Kontakt, nämlich das Schmecken einlässt. Ein geradezu provozierender Akt in Zeiten einer Umweltverschmutzung, die durch unseren unbedachten und ausbeuterischen Umgang mit der Natur verursacht ist. Ermutigt uns die Schönheit der Natur gerade angesichts ihrer Bedrohung sie in den Blick zu nehmen, so wie das Mädchen das Blatt in den Mund nimmt? Wie ein symbolhaftes Zeichen erscheint das Blatt im Munde des Mädchens. Ohne das Blatt wäre dieses Bild nicht vollständig genau wie der Mensch ohne die Natur nicht lebensfähig wäre. Vielleicht hat sich das Mädchen sein Blatt von einem kleinen Ausflug durch ein holländisches Landschaftsgemälde als kleines Andenken mitgebracht, einer Zeit vor allen Umweltskandalen.

Ich danke Cornelia Schleime herzlich für die Charakterisierung ihres Blattmädchens.

IMG-20160824-WA0008

Dr. Teresa Bischoff (*1979) studierte Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Geschichte in Erlangen und Rom. Kürzlich erschien ihre Dissertation “Kunst und Caritas” über Leben und Werk der Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Emilie Linder. Nach Dozententätigkeiten in Erlangen, Ansbach und Nürnberg ist sie nun wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

www.cornelia-schleime.de

http://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen-berlin/vorschau/cornelia-schleime/

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

Hans-Joachim Raupp (Hrsg.): Landschaften und Seestücke. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Münster 2001. S. 180-183.

Artikel im Kontur Magazin: Thomas Rusche – Kunst macht Lust auf Leben

 

Kontur No.15 - Das Cover der neuen Ausgabe. Foto, Tecklenborg Verlag

Kontur No.15 – Das Cover der neuen Ausgabe. Foto, Tecklenborg Verlag

Genau weiß nur er, wie viele Kunstwerke er sein eigen nennen kann. Mal heißt es voller Ehrfurcht und mit Bewunderung, seine Kunstsammlung umfasse 3.000, dann wieder liest man, es seien sogar mehr als 4.000 Werke. Unternehmer Thomas Rusche kennt sie alle. Viele hat er selbst erworben. Sie gehören zur SØR Rusche Sammlung mit Sitz in Oelde und Berlin.

Thomas Rusche – Kunstsammler und Unternehmer in Personalunion.

Thomas Rusche – Kunstsammler und
Unternehmer in Personalunion.

Es sind wirkliche Schätze, die in den zurückliegenden Jahrzehnten der Familiengeschichte zusammengekommen sind und die Thomas Rusche hütet wie seinen eigenen Augapfel. Das hindert ihn allerdings nicht, sie gerne auf Reisen zu schicken, um sie in den Kunstvereinen, Ausstellungshallen und Museen der Welt in immer neuen Konstellationen und Kombinationen auszustellen. Rusche teilt gerne – vor allem Anregungen und Gedanken. Besitz ist für den Unternehmer kein Selbstzweck, sondern Verpflichtung. Darin schließt er die private Kunstsammlung ebenso mit ein wie das eigene Bekleidungsunternehmen SØR, das er mit Erfolg führt. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 60jähriges Bestehen, was in diesen turbulenten Zeiten durchaus bemerkenswert ist. SØR gilt als der deutsche Marktführer im Premium-Segment der Herrenausstatter und ist mit rund 60 Topmarken breit aufgestellt. Rusche weiß um seine Verantwortung für seine rund 300 Mitarbeiter und arbeitet konsequent an Strategien für die Zukunft des Unternehmens. Neben dem stationären Handel hat man sich bereits gut im Onlinehandel etabliert. Kunst und Klamotten sind für Rusche keine Gegensätze, sondern etwas, das sich, wie er findet, wundervoll ergänzt und inspiriert. „Vier Generationen meiner Familie leben nun schon von der Mode und für die Kunst“, sagt der Unternehmer.

Einzelne Kunstwerke werden auch in den SØR Filialen wie hier am Neuen Wall in Hamburg präsentiert: Das traditionelle SØR Sofa und zwei Werke von Carlos Perez und Michal Jankowski.

Einzelne Kunstwerke werden auch in den SØR
Filialen wie hier am Neuen Wall in Hamburg
präsentiert: Das traditionelle SØR Sofa und zwei
Werke von Carlos Perez und Michal Jankowski.

Im Mittelpunkt steht ein weitgefasstes Verständnis von Kultur, das für ihn und sein Leben sinnstiftend ist. Mode und Kunst machen in seinen Augen das Leben nicht nur bunt, sondern lebenswert. „Ich glaube, dass Kunst die Lust am Leben vergrößert.Wir alle stecken in einem Hamsterrad der Reproduktion unserer Lebensbedingungen.Wir gehen alle morgens zur Arbeit, gehen abends nach Hause, kochen, was im Kühlschrank ist, hoffen, dass die Partnerschaft halbwegs okay ist. In diesem Hamsterrad richten wir uns ein und merken gar nicht mehr, dass wir darin stecken. Um daraus auszubrechen ist Kunst ein unglaublich tolles Vademecum. Es zeigt uns, wie wir eine Bresche schlagen für das ganz Andere,“ so Rusche. Nicht von ungefähr werden regelmäßig Gemälde der Sammlung in den SØR-Filialen aufgehängt. Die Kunst soll Mitarbeiter und Kunden beflügeln, so wie er selbst inmitten von alter und neuer Kunst lebt und sich beflü- geln lässt. Er freut sich darüber, dass die Sammlung immer in Bewegung ist und die Bilder immer dann auf- und abgehängt werden, wenn sie den Anforderungen des Ausstellungsbetriebes folgen und ausgeliehen werden. Ein Lieblingsbild kann er nicht nennen: „Dafür wechseln die Kunstwerke selbst in meiner engsten Umgebung zu häufig, als dass ich mich in eines verlieben könnte“, sagt er. In dem halbjährlich erscheinenden Kundenmagazin, dem SØR Journal für Bekleidungskultur, inspiriert der Firmenchef seine Leser neben der Vorstellung aktueller Mode mit klugen Gedanken zur Kunst und präsentiert in Wort und Bild einzelne Meisterwerke seiner Sammlung. Die Liasons von Kunst und Mode inspiriert Rusche bei der Zusammenstellung der typischen SØR-Kollektion und bei seinen Ansprüchen an die Qualität der Bekleidung: „Mit derselben Hingabe, mit der ein Künstler immer wieder seinen Pinsel mit Bedacht auf die Leinwand setzt, erschaffen unsere Designer und Schnittmeister ihre großartigen textilen Kreationen.“ Die „Schönheit“ der Kunst ist zugleich Maßstab für die Kleidung, die er gerne verkaufen möchte und wie die „Innovationen“ und die „Diskussionswürdigkeit“, die er als Kriterien für das Erkennen von guter Kunst heranzieht, kommen ihm ähnliche Stichworte in den Sinn, wenn er über seine Mode spricht. „Gelungene Mode besticht durch handwerkliche Perfektion – von der Auswahl feinster Tuche bis hin zu ihrer meisterlichen Verarbeitung. Ebenso wichtig ist Innovation. Denn erst durch eine außergewöhnliche Idee, durch die Lust am Einsatz neuartiger, funktionaler Materialien und Schnitte werden Entwürfe von morgen geschaffen“, schreibt er in seinem Kundenjournal.

In den Räumen der Sammlung in Berlin herrscht durch die zahlreichen Antiquitäten und die Alten Meister eine ganz besondere Atmosphäre. Foto, Lars Beusker

In den Räumen der Sammlung in Berlin herrscht
durch die zahlreichen Antiquitäten und die
Alten Meister eine ganz besondere Atmosphäre. Foto, Lars Beusker

Seit er neben den Kabinettformaten der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts auch zeitgenössische Werke sammelt, reizt es ihn, alte und neue Kunst in einen Dialog treten zu lassen. Unter diesem Titel hat er schon einige vielbeachtete Ausstellungen initiiert, darunter beispielsweise in diesem Sommer „Blühendes Leben“ im Caspar Ritter von Zumbusch Museum in Herzebrock. Unter dem Titel „Wahrheit“ präsentierte die Abtei Liesborn in Wadersloh Anfang dieses Jahres eine Ausstellung, die in fünf Kapiteln versuchte, der Wahrheit auf die Spur zu kommen – mit 57 Künstlern und ihren Werken aus der SØR Rusche Kunstsammlung. Die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass bei solchen Gegenüberstellungen mehr Besucher angesprochen werden. „Bei Ausstellungen, die alte und neue Werke aus meiner Sammlung vereinen, kommen doppelt so viele Besucher wie sonst“,freut sich Rusche über die positiven Effekte der durchaus gewollten Provokationen. Die SØR Rusche Sammlung mit Standorten in Oelde und Berlin zählt zu den größten privaten Kunstsammlungen in Deutschland. Schwerpunktmäßig zunächst der Malerei gewidmet, umfasst sie heute Grafiken, Skulpturen, Fotografien, Installationen und Videos. Mehr als 2.000 Kunstwerke sind in den vergangenen Jahren an über 100 Museen und Kulturinstitutionen verliehen und in Ausstellungen gezeigt worden. Beinahe täglich erreichen Thomas Rusche Anfragen nach einzelnen Motiven, bestimmten Genreszenen und Arbeiten einzelner Meister. In einem mehr als 15 Jahre währenden Forschungsprojekt sind die Gemälde der Sammlung kunsthistorisch aufgearbeitet worden. In mehreren Publikationen wurden sie inzwischen unter kunsthistorischen Kategorien der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie heißen „Genre“, „Landschaften und Seestücke“, „Stillleben und Tierstücke“ und „Historien und Allegorien“.

v An den Wänden der SØR Rusche Sammlung in Berlin zeigt sich ein inspirierender Dialog zwischen alter und zeitgenössischer Kunst. Foto, Lars Beusker

v An den Wänden der SØR Rusche Sammlung in Berlin
zeigt sich ein inspirierender Dialog zwischen alter und
zeitgenössischer Kunst. Foto, Lars Beusker

An den Katalogen mag man das überaus breite Spektrum der Sammlung und die überragende Qualität der Kunstwerke ermessen. Die Familie Rusche, die vor vier Generationen im Münsterland mit dem Handeln von Textilien begann, legte Ende des 19. Jahrhunderts den Grundstein für die Sammlung – zunächst mit Westfälischer Kunst und Antiquitäten. Mitte der 1950er Jahre übernahm Egon Rusche in dritter Generation den Textilhandel in Oelde, gründete die SØR Rusche GmbH und spezialisierte sich darauf, Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts zu sammeln. Thomas Rusch trat frühzeitig in die Fußstapfen seines Vaters. Schon als Kind wurde er in den Aufbau der Kunstsammlung einbezogen und gewissermaßen mit dem Virus Kunst infiziert. „Mein Vater hat mir die Möglichkeit gegeben, als erste Spielwiese Kupferstiche zu kaufen. Ich habe mit sechs Jahren mein ganzes Taschengeld in alte Druckgrafik investiert“, erzählt Rusche. „Dann war er klug genug, mir mit 14 den Eindruck zu geben: Ich kaufe kein Bild mehr, ohne dich zu fragen.“ Später folgen Reisen nach London, wo er an Auktionen von Sotheby’s und Christie’s teilnimmt und einzelne Werke für die Sammlung ersteigert. Sein kunsthistorisches Fachwissen ist so groß, dass er schon bei den Vorbesichtigungen erkennt, welche Gemälde für einen Ankauf lohnen, auch weil sie mitunter mehrere Restaurationen heile überstanden haben. „Es macht einen großen Unterschied, ob ein Altmeistergemälde in – wie die Amerikaner sagen – mint condition ist, als würde es frisch aus dem Atelier kommen oder – und das ist der Normalfall – das Gemälde hat schon zehn Restaurationen in vier Jahrhunderten gesehen, die alle den Dreck mit viel zu scharfen Lösungsmitteln runtergewaschen haben. Dabei fließt dann Blut, nämlich die Originalsubstanz“, bedauert Rusche in einem Interview. Heute kommen pro Jahr nur noch ein oder zwei Alte Meister zur Sammlung hinzu, nicht zuletzt weil der Zustand viele alter Gemälde, die in den Kunsthandel gelangen, nur noch beklagenswert ist. Dr. Thomas Rusche ist eine überaus faszinierende Sammlerpersönlichkeit. Seit 2004 sammelt er als Ergänzung zu den Niederländischen Meistern zeitgenössische Kunst aller Medien – darunter Arbeiten von Norbert Bisky, Marlene Dumas, Jonathan Meese, Neo Rauch, Norbert Thadeusz, Daniel Richter oder David Schnell.

Thomas Rusche bei dem Maler Christian Achenbach in dessen Atelier in Berlin. Foto, Lars Beusker

Thomas Rusche bei dem Maler
Christian Achenbach in dessen Atelier in Berlin. Foto, Lars Beusker

Gerne schaut er sich in den Kunstakademien in Nürnberg, Berlin und Düsseldorf um, kauft Arbeiten von Studenten und Absolventen, die in sein Suchmuster passen und interessante Impulse innerhalb der Sammlung ermöglichen. Zu Vernissagen geht er inzwischen deutlich seltener. „Ich bekomme so viele Einladungen, dass ich kaum eine freie Minute mehr hätte, würde ich allen folgen“, sagt er schmunzelnd. „Und meine Leber würde sicherlich ebenfalls aufbegehren.“ Er hat die Angst abgelegt, dass er etwas verpassen könnte. „Ich vertraue darauf, dass mich der liebe Gott bei der Hand nimmt und mich dorthin führt, wo ich etwas entdecken soll.“ Wer meint, dass Kunst zu sammeln, im ständigen Austausch mit Kunsthistorikern zu sein und Ausstellungen zu inspirieren, alleine ein Geschäft sei, das einen Menschen komplett ausfüllt, der springt im Fall des Thomas Rusche wohl zu kurz. Parallel und dabei nicht weniger engagiert ist er nämlich Bekleidungsfachmann, Herrenausstatter, geschäftsführender Gesellschafter des SØR Unternehmens mit 60 Filialen zwischen Aachen und Wiesbaden, praktizierender Katholik und Familienvater. Und alledem widmet er sich mit unglaublich viel Enthusiasmus, so dass man sich fragt, ob für ihn der Tag vielleicht einfach doppelt so viele Stunden bereit hält. Neben der Kunst, die an seiner ansteckenden Gelassenheit unzweifelhaft einen großen Anteil hat, ist es dem eigenen Verständnis nach der Glaube, der ihm Kraft, Motivation und Antrieb zugleich ist. Thomas Rusche tritt für die christliche Sozialethik ein, weil er eine fortschreitende „Verschattung der frohen Botschaft“ fürchtet. So beklagt er angesichts des Hungers in der Welt eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“. Als Mensch und Unternehmer mag er vor den Konflikten und Problemen in der Welt jedenfalls nicht die Augen verschließen. Er zählt zu einem ausgewählten Kreis von Experten, die in der päpstlichen Centesimus-annus-Stiftung an der Frage arbeiten, wie sich die Kirche zur Wirtschaft stellen soll.

Autor: Dr. Jörg Bockow

 

Thomas Rusche wurde 1962 in Münster geboren. Er studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Katholische Theologie an der Université de Fribourg und an der Freien Universität Berlin. Im Jahr 1988 übernimmt er die Geschäftsführung der SØR Rusche GmbH und wird 1996 nach dem Tod seines Vaters alleiniger geschäftsführender Gesellschafter. 1991 wird er in Freiburg zum Dr. rer. pol. und 2002 an der FU Berlin mit der philosophischen Arbeit „Aspekte einer dialogbezogenen Unternehmensethik” zum Dr. phil. promoviert.

http://www.tecklenborg-verlag.de/index.php/cat/c51_kontur.html

http://instagram.com/soer_rusche

http://www.soer.de

100 Meisterwerke – Teil 2: Pieter Verelst & Steve Viezens

Steve Viezens, Me and myself (Detail), 2012, Öl auf Leinwand

„Wer bin ich und wenn ja, wieviele?“ fragte vor knapp 10 Jahren der Philosoph Richard David Precht auf dem Cover seines Bestsellers. Allein bis ins Jahr 2013 erhofften sich mehr als eine Million Leser vom Inhalt des Buches eine Antwort. Nur wenige andere grundsätzliche, das menschliche Sein betreffende Fragen scheinen den Menschen so zu beschäftigen. Sind es heute philosophische Bücher, die uns den Weg weisen, kannten auch frühere Epochen Mittel und Wege, sich dem eigenen oder fremden Ich in seiner Vielschichtigkeit zu nähern. Da das Antlitz stets auch als Spiegel des Inneren gesehen wurde, entwickelte sich das Abbilden des Menschen zu einer der vornehmsten Aufgaben von Malerei und Bildhauerkunst. Rapide nahm seit dem 15. Jahrhundert die Anzahl der Porträts zu, wobei der Kreis der Dargestellten immer weiter gefasst wurde. Waren es zu Beginn ausschließlich hochstehende Würdenträger, vergrößerte sich die Gruppe der Porträtwürdigen im Laufe der Zeit immer mehr.

Angestrebt wurde zunächst jedoch nicht die Individualität des Einzelnen abzubilden, sondern gewisse Fähigkeiten und Tugenden zum Ausdruck zu bringen, die mit dem Stand, dem diese Person angehörte, assoziiert wurden. Herrscher zeigten sich beispielsweise stets durchsetzungsstark und entschlossen, die zugehörigen Ehefrauen zumeist tugendhaft und fromm. Dabei spielte die Memoria, die Erinnerungsfunktion, eine unleugbar große Rolle, waren doch Bilder im Gegensatz zu heute weder mit minimalstem Aufwand zu erstellen noch jederzeit digital verfügbar. Kaiser Maximilian brachte es auf den Punkt als er im Blick auf sein von Albrecht Dürer angefertigtes Porträt sagte: ,,Wer sich im Leben kein Gedächtnis macht, wird mit dem Glockenton vergessen.”

Albrecht Dürer, Kaiser Maximilian I, datiert auf 1519, Öl auf Lindenholz, 74 x 61,5 cm, im Besitz der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien, Gemäldegalerie

Die repräsentative Rolle, die ein klug gemaltes Porträt sowohl zu Lebzeiten als auch für die Nachwelt spielte, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Von Friedrich dem Weisen ist bekannt, dass er strengstens darüber wachte, welches Bild die Menschen sich von ihm machten, indem er kontrollierte, welche Porträts von ihm in Umlauf gebracht wurden. 

Nicht mit einem Herrscherbildnis, das fest gezirkelten Vorstellungen entsprechen muss, ja vermutlich nicht einmal mit einer wirklich identifizierbaren Person, haben wir es nun bei dem Gemälde eines „Jünglings mit Federbarett“ von Pieter Verelst aus dem Jahr 1633 zu tun. Im 17. Jahrhundert fand in den Niederlanden aufgrund der umwälzenden politischen Verhältnisse auf dem gesamten Kunstmarkt und damit einhergehend auch in der Porträtkunst ein tiefgreifender Wandel statt. Neben den an der Ikonografie von Adelsporträts orientierten bürgerlichen Standesporträt, kommt eine neue Gattung von Bildnissen auf, die nicht primär repräsentative Zwecke erfüllt, sondern das menschliche Wesen tiefgreifend in den Blick nehmen soll. Derartige Menschenstudien, Charakteranalysen, Wesenserkundung werden seither unter dem Begriff der Tronie zusammengefasst. Es ist die Darstellung eines Gesichtes, bei der es nicht um die Identifizierung einer bestimmten Person geht, vielmehr um ein allgemeines Erkunden der menschlichen Physiognomie, sei es Bauer oder Bürger, Soldat oder Bürgermeister. Ohne zu wissen um wen es sich handelt, nimmt uns das tronienhafte Gesicht des Pieter Verelst gefangen.

VEREPI_M_1.002.O

Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett, 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Erstaunt, mit leicht geöffnetem Mund, hochgezogenen Augenbrauen und dadurch gekräuselter Stirn, wendet sich uns der aufwändig gekleidete junge Mann aus dem Oval zu, das in den rechteckigen Rahmen eingemalt ist. Anmutig und elegant erscheint sein feingeschnittenes Gesicht, von links oben sanft beleuchtet. Schräg sitzt die gebauschte rote Samtkappe auf den ebenfalls rechts volumiger ausfallenden Locken, die jedoch so weit zurückgenommen sind, dass der fein glänzende Ohrhänger sichtbar wird. In fulminantem Schwung, kostbar von einer Agraffe an der Krempe des Baretts gehalten, ragt die Feder weit über die Kopfbedeckung hinaus. Halsnah bis über die Brust trägt der junge Mann ein in kleinen Falten angelegtes Tuch, dessen Bewegtheit sich in der weiter unten über dem Oberkörper liegenden, kostbar mit Juwelen besetzten Goldkette wiederholt. Bis zum unteren Bildrand verschwindet der Oberkörper immer weiter in einer dunklen Zone, genau wie die abgewandte linke Gesichtshälfte. 

PV_1

Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett (Detail), 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Subtile Verschattungen, die den Betrachter stets in der Unsicherheit lassen, ob der Dargestellte sich nicht vielleicht gleich darin der Sichtbarkeit entzieht, sind ebenso Anleihen an Rembrandts Porträtkunst wie die der Fantasie entsprungenen Kostümierung. Ungewöhnlich früh adaptiert Verelst die Neuerungen seines großen Kollegen und findet dabei eine ganz eigene Handschrift. Meisterhaft schmiegt er die Konturlinien, das Licht- und Schattenspiel, die fein ausgearbeitete, variantenreiche Stofflichkeit, das brillante Funkeln der Juwelen und das weiche Kolorit in das dafür so passend erscheinende Oval. Die Vielheit in der Einheit ist seit der Renaissance einer der höchsten Ansprüche an die Komposition eines Künstlers. Augenlust und Neugier erzeugt Verelst mit seiner Vorgehensweise. Und dennoch lässt sich dieses Bildnis nicht auf eine elegante Oberfläche reduzieren. 

PV_2

Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett (Detail), 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Wie bereits Rembrandt in seinen berühmten Selbstporträts, nutzt auch Verelst die Abbildung des menschlichen Gesichts zu Charakterstudien, verschwendet sich aber nicht am luxuriös-eleganten Äußeren, sondern legt das Augenmerk des zweiten Blicks dezidiert auf das Innere der Persönlichkeit. Der Jüngling präsentiert sein Antlitz in einer Beredtheit, dass man seine prächtige Aufmachung fast darüber vergisst. Noch interessanter erscheinen uns doch das Innenleben und die Gedankenwelt des jungen Mannes, die sich im Gesicht spiegeln. Inwieweit wir bei der Interpretation des Minenspiels unser eigenes Innenleben darauf projizieren, sei dahingestellt. Den nötigen Spielraum der Deutung lässt Verelst vor allem durch die bemerkenswerte Tatsache entstehen, dass der Jüngling am Betrachter vorbeiblickt. Er wähnt sich unbeobachtet. Von unserer Anwesenheit scheinbar unbeeinflusst schenkt er uns einen authentischen Eindruck seines Wesens, das sich in den sprechenden, feinnervigen Gesichtszügen zeigt. Ein Vergleich mit Gesichtern aus anderen Gemälden Verelsts, die von Hans-Joachim Raupp als Selbstbildnisse identifiziert wurden, schließt jedoch aus, dass der Künstler wie Rembrandt sein eigenes Gesicht zu Studienzwecken herangezogen hätte. 

VIEZST_M_28.001.O_2

Steve Viezens, me and myself, 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Ganz im Gegensatz zu Pieter Verelst lässt Steve Viezens bei seinem im Jahr 2012 entstandenen Selbstporträt keinerlei Unklarheiten aufkommen. „Me and myself“ hat er es betitelt, wodurch jegliche Spekulation um wen es sich dabei handeln könnte im Keim erstickt wird. Halbfigurig nach links gewandt, in fast aufdringlicher Nahsichtigkeit, präsentiert sich der Künstler. Der Hintergrund bleibt dunkel, die Lichtquelle fällt auf das Gesicht und den entblößten Oberkörper und leuchtet diese Partien stark aus. Seine rechte Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger hält er dem Betrachter provozierend entgegen. Dazu passt der leicht überhebliche Gesichtsausdruck, mokant mit angedeutetem Lächeln. Auf dem Kopf trägt er eine üppige aus Weinlaub und Trauben gewundene Krone.

SV_1

Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Dass der Künstler sein eigenes Antlitz zum Bildmotiv erhebt hat eine lange Tradition. Versteckten sich die Maler des 15. Jahrhunderts noch häufig innerhalb ihrer Kompositionen, war Dürer um 1500 vermutlich der erste Künstler, der sich nachweislich in einem autonomen Bildnis festhielt. In diesen Gemälden geht es um Stolz auf das eigene elegante Aussehen, den Status und natürlich um den Beweis der bravourösen Pinselführung, ausgeführt am eigenen Konterfei. Während der 500 Jahre, die zwischen Dürer und Viezens liegen, wird die Produktion von Künstlerselbstbildnissen immer reichhaltiger. Da Erschaffer und Motiv identisch sind, ist es eine der spannendsten Gattungen überhaupt. Der Betrachter bekommt den Eindruck von größter Unmittelbarkeit, da es sich um DAS Bild handelt, das der Künstler selbst von sich hat. So und nicht anders möchte er sich seinen Zeitgenossen zeigen und der Nachwelt überliefert wissen. Das Eigenbild  wird in diesen 500 Jahren zunehmend privater, intimer, es wird zweifelnder, bisweilen verzweifelter, es fordert den Betrachter heraus. Jeder Künstler, der etwas auf sich hielt, hat sich selbst im Bildnis festgehalten. Rembrandt wiederum ist aus der Reihe der Künstler herauszugreifen, da er so häufig wie kein anderer sein eigenes Antlitz zum Bildmotiv erkoren hat. Von jung bis alt, von stolz, wohlhabend und erfolgreich bis hin zum von Schicksalsschlägen gezeichneten, nachlässig gekleideten Mann reichen seine ungeschönten Selbstdarstellungen, in denen doch stets die Aufmerksamkeit auf das Wesensinnere gelegt wird. 

SV_2

Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Steve Viezens präsentiert sich nackt, abgesehen von der Laubkrone, die diesen Zustand noch zu unterstreichen scheint. Er braucht keine Verkleidung mehr. Er zeigt sich offen und schonungslos. Schützen ihn sein autonomes Künstlerdasein und seine provokante Geste ausreichend? Ich und ich selber, so könnte man etwas holprig den Titel des Bildes übersetzen. Viezens belässt es nicht bei einem Abbild seiner selbst, sondern verrät durch den Titel, dass wir es hier wohl mit seinem alter ego zu tun haben. Der Künstler versteckt sich hinter seinem Kunstschaffen und ist deshalb nur mittelbar im Bild vorhanden. Die öffentliche Fremdwahrnehmung trifft auf das Selbstverständnis des Künstlers.  Auf dieses Spannungsverhältnis geht Viezens ein. Wenige Berufe erzeugen bei Außenstehenden so viele Assoziationen, wie das Künstlerdasein. Seit dem 19. Jahrhundert ist es nicht mehr der gelehrte, vornehme und distinguierte Kunstschaffende, der sich in den oberen Gesellschaftsschichten zu bewegen weiß, sondern der Mann, der sich den bürgerlichen Normen aufgrund seines künstlerischen Genies entzieht und durch diesen andersartigen Lebenswandel die Fantasie seiner Zeitgenossen anregt. Als „poetisch, phantastisch, bacchantisch, erotisch, antikisch, physisch und geometrisch“ beschrieben beispielsweise Cezannes literarische Zeitgenossen den Malerfreund und fanden damit die treffenden Worte für ein Künstlerimage, das bis heute nachzuwirken scheint, wie auch Steve Viezens selbst betont: „Auch wenn das Bild vordergründig den Anschein erweckt, entspreche ich nicht dem Klischee des Künstlers mit nie enden wollenden bacchantischen Festen, Wein, Weib und Gesang und trotzdem werde ich häufig mit diesem Klischeebild konfrontiert,“ sagt der Künstler zu seiner Selbstdarstellung. „Meine Meinung dazu habe ich in diesem Gemälde deutlich dargestellt.“

SV_3

Steve Viezens, me and myself (Detail), 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Motivisch ist Viezens’ „me and myself“ mit Caravaggios Bacchantendarstellungen verwandt, die ebenfalls mit Weinlaub bekrönt und halb entkleidet, erscheinen. Je nach Gesundheitszustand (von Caravaggio ist ein jugendlicher und ein kranker Bacchus erhalten) bieten sie dem Betrachter entweder ein Glas Wein dar oder halten eine Weintraube umklammert. Vielen Kunsthistorikern erscheinen sie als versteckte Selbstporträts des italienischen Barockmalers. Halten sich Caravaggios Gesellen jedoch in höflicher Distanz zum Betrachter, so drängt Viezens sich frech auf. Man kann ihm nicht entkommen und gleichzeitig macht er einem deutlich, was er davon und überhaupt vom Betrachter seiner selbst, hält. War es in der Antike verbreitet, dass auf den Inschriften von Kunstwerken die Ichform verwendet wurde, beispielsweise um den Künstler zu betiteln, oder das Gegenüber zu grüßen, hält Viezens Ebenbild sich nicht mehr an solche überkommenen Höflichkeitsformen. Sogar deutsche Vizekanzler bedienen sich mittlerweile dieser Mittelfingergeste und machen sie damit fast schon gesellschaftsfähig.

Während Verelsts Jüngling mit seinem Bildnis den Eindruck erweckt, als wäre es gar nicht für den Betrachter geschaffen worden, lässt Viezens keinen Zweifel daran, dass er sich genau an selbigen richtet. Er konterkariert mit dieser Haltung die Intention aller früheren Selbstbildnisse, die ihr Künstlertum zur Schau stellten und zumeist auf ein harmonisches Verhältnis zu ihrem Gegenüber abzielten.

VEREPI_M_1.002.O

Pieter Verelst, Jüngling mit Federbarett, 1653, Öl auf Holz, 64 x 48,5 cm, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

VIEZST_M_28.001.O_2

Steve Viezens, me and myself, 2012, 50 x 40 cm, Öl und Ei-Tempera auf Leinwand, Courtesy of the SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Beide Bilder stellen sich der Situation des Betrachtetwerdens. Verelsts Jüngling negiert sie durch seine volle Konzentration auf ein Sehen und Erleben, das mit dem Betrachter in keinerlei Verbindung steht. Viezens nutzt hingegen die Taktik des Angriffs als beste Verteidigung.  Offensiv und frech tritt er dem Betrachter gestisch vor das Schienbein, bevor dieser überhaupt in der Lage ist auf das Bild zu reagieren. 

Beide Gemälde rezipieren ungewöhnlich stark die gattungsrelevanten, kunsthistorischen Aspekte: die subtile Balance zwischen inneren und äußeren Attributen, das Spiel von Offenlegen und Verbergen, die Beziehung zum Betrachter. Innovativ mit diesem Vermächtnis jonglierend stehen beide Porträts stellvertretend für ihre Zeit. Bei Verelst ein Wegbewegen von den repräsentativen, auf Standesäußerungen abzielenden Bildnissen in der Rezeption Rembrandts, bei Viezens, die Einreihung in die Vielzahl der Künstlerselbstporträts, an deren großem Erbe er aber nicht scheitert, sondern fröhlich dazu seine Meinung kundtut.  Auf höchst eigenwillige Weise versuchen sich beide Künstler der Vielschichtigkeit des (eigenen) menschlichen Wesens und damit der Frage: Wer bin ich und wenn ja wieviele? zu nähern. Und stellen damit auch uns als Betrachter diese Frage.

Adriani, Götz: Paul Cezanne. München 2006. S. 9.

Bredekamp, Horst: Theorie des Bildakts. Berlin 2010. S. 60-69.

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Genre. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1996.  S. 248-251.

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Portraits. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1995.  S. 142-145.

Ich danke Steve Viezens herzlich für die freundliche Erläuterung seines Selbstporträts.

IMG-20160824-WA0008

Dr. Teresa Bischoff (*1979) studierte Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Geschichte in Erlangen und Rom. Kürzlich erschien ihre Dissertation “Kunst und Caritas” über Leben und Werk der Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Emilie Linder. Nach Dozententätigkeiten in Erlangen, Ansbach und Nürnberg ist sie nun wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

 

http://instagram.com/soer_rusche

http://soer.de

http://www.galeriekleindienst.de/kuenstler,steve_viezens,138.html

100 Meisterwerke – Teil 1: Jan Asselijn & Nicola Samori

Jan Asseljin, Reiter am Brunnen in einer Felsenkluft, nach 1648, Öl auf Leinwand, 75,5 x 95,2 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Jan Asselijn, Reiter am Brunnen in einer Felsenkluft, nach 1648, Öl auf Leinwand, 75,5 x 95,2 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Herzlich Willkommen zu ,,100 Meisterwerke” der neuen Serie im SØR Blog! Die Kunsthistorikerin Dr. Teresa Bischoff untersucht in dieser Reihe jeweils 50 Kunstwerke von zeitgenössischen Künstlern und Niederländischen Meistern des 17. Jahrhunderts und stellt diese gegenüber. Das Resultat ist ein spannender Dialog und ein neuer Blickwinkel, der  zeigt welche überraschende Nähe zwischen den Werken herrscht, obgleich sie über 400 Jahre Kunstgeschichte trennen.

Rätselhaft geht es zu in Jan Asselijns Gemälde „Reiter am Brunnen in einer Felsenkluft“, das nach 1648 entstanden ist. Nur partiell beleuchtet erschließt sich dem Betrachter der felsig-verschlungene, höhlenartige Schauplatz. Ein vornehmer Herr hat hier Rast eingelegt, um sich und seinem nicht minder vornehmen Pferd ein wenig Erholung am Brunnen zu verschaffen. Prächtig gekleidet steht er in dekorativer Seitansicht, die den Glanz und trefflichen Faltenwurf seines kostbaren roten Reisemantels ganz besonders zur Geltung bringt. Auf sorgfältig frisierten Locken sitzt ein hochaufragender schwarzer Hut, mit einer gelben Schleife gewagt verziert. Ein schlichter weißer Kragen schmiegt sich zwischen Wams und Kinn. Eng anliegende Beinkleider und Sporen an den Schuhen sowie ein schmaler Degen komplettieren die Reisegarderobe.

Vertraut und in menschlicher Kommunikationshaltung hat sich das Pferd seinem Herrn zugewandt und scheint ihm aufmerksam zu lauschen. Auf seinem Rücken trägt es einen bequemen Sattel. Reiter und Tier legen augenscheinlich weite Strecken zurück. 

Rechts von den beiden schöpft ein Mann Wasser aus einem Brunnen. Dieser befindet sich am rechten Bildrand vor einer nur notdürftig durch einen Bretterverschlag verschlossenen großen Felsöffnung, die über den Bildrand hinausragt. In gebeugter Haltung, den linken Fuß auf den unteren gestuften Brunnenrand gestellt, reckt sich uns in caravaggesker Manier das mit schmutzig-gelben Hosen angetane Hinterteil des Mannes entgegen. Derbe Schuhe, grobe Strümpfe, eine im Rücken zusammengeknotete Schürze, ein graublaues Wams und ein dunkler Hut sind für seine Tätigkeit die angemessene Arbeitskleidung. Während er mit seiner rechten Hand an der Brunnenschnur zieht, geht seine Aufmerksamkeit neugierig nach links in Richtung Reiter und Pferd. Fast scheint es, als wolle er mithören und ein Wörtchen der Zwiesprache zwischen diesen erhaschen. 

Im Gegensatz zu dieser hell beleuchteten Szene nimmt sich der linke vordere Bildgrund dunkel und verschattet aus. Die dortige Feuerstelle ist erkaltet, ebenso wie der Felsofen, der sich weiter hinten im linken Bildraum befindet. Die Brote sind mit langen Holzschubern herausgeholt worden und liegen auf dem halbrunden oberen Abschluss des Ofens. Ungeklärt bleibt, weshalb ein weiterer Mann mit seinem kleinen Hund achtlos an ihnen vorübergeht. Er schreitet eine in den schmalen Felsspalt gehauene Treppe empor, an deren Ende ein Esel geduldig wartet. Über ihnen leuchtet ein kleiner blauer Himmelsausblick auf. 

As_detail_esel

Jan Asselijn, Reiter am Brunnen in einer Felsenkluft (Detail: Mann mit Hund und Esel), nach 1648, Öl auf Leinwand, 75,5 x 95,2 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Geschickt setzt der Maler das Mittel der Kontrastierung ein, das die Augenlust des Betrachters reizt: Raumpartien werden hell ausgeleuchtet oder verschwinden nahezu in der Finsternis, die ruhige vornehm-aufragende Haltung des roten Reiters steht in subtiler Spannung zu dem geschäftigen Treiben der einfachen Männer, die nahsichtig gezeigte Flanke des Pferdes setzt einen Kontrapunkt zum hellen Himmelsausblick.

Aber nicht nur  in der Kompositionsgestaltung legt Asselijn größte Sorgfalt an den Tag, sondern auch in der Darstellung der Oberflächen. Haptisch minutiös gearbeitet leuchtet der rote Mantel dem Betrachter prachtvoll entgegen. Vermutlich hatte der Maler  dieses Kleidungsstück real vor Augen. In mindestens zwei anderen Gemälden Asselijns spielt dieser Mantel eine optisch herausragende Rolle: In der Darstellung des Bruchs des St. Anton Dammes aus dem Jahr 1651, heute im Rijksmuseum in Amsterdam zu sehen, ist der dramatisch gebauschte leuchtend rote Umhang der Kontrapunkt zum grandiosen Naturspektakel, das sich in der Bildmitte entlädt. Ebenfalls koloristisch virtuos setzte er besagten Mantel in einer farblich eher zurückhaltenden Winterlandschaft ein. Keines dieser Bilder jedoch zeigt das kostbare Kleidungsstück in so exquisiter Nahsicht wie das vorliegende Gemälde. 

Wahrscheinlich folgt der Umhang der französischen Mode. Nicht mehr die strengere spanische und damit kürzere Variante, die im 16. Jahrhundert weit verbreitet war, wählt der ursprünglich aus Dijon stammende Asselijn, sondern die aktuelle, französische Mantelform, deren Stofffülle in Gemälden gern dekorativ drapiert erscheint.

As_detail_mantel

Jan Asselijn, Reiter am Brunnen in einer Felsenkluft (Detail: Reiter mit Mantel und Pferd), nach 1648, Öl auf Leinwand, 75,5 x 95,2 cm, Courtesy SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Kreisrund  und stoffreich gearbeitet mit gelegtem Kragen, länger geschnitten als das spanische Vorgängermodell, ohne Ärmel, je nach Witterung und Geldbeutel mehr oder weniger prächtig gefüttert, war er über viele Jahrzehnte hinweg die in Europa gängige Mantelform. Modische Kleidung dieser Art war im 17. Jahrhundert ein Distinktionsmerkmal der höheren Schichten. Teures Material, raffinierte Schnitte, aufwändige Farben und eine luxuriös-üppige Verarbeitung konnten ein Kleidungsstück rasch zum kostbaren Kleinod machen. Für jedermann erschloss sich auf den ersten Blick, welchem gesellschaftlichen Stand das Gegenüber zuzuordnen war. Falls der Maler im Besitz eines solchen luxuriösen Gegenstandes gewesen war, hatte er also jeden Grund, diesen häufig in seinen Werken zu zeigen. 

Soviel Mühe Asselijn sich gibt, dem Betrachter die „Oberflächen“ darzubieten, soviel verbirgt er darunter. Man fragt sich: Was macht ein so teuer gekleideter vornehmer Herr an einem augenscheinlich so düsteren und kargen Ort? Wo kommt er her, wo will er hin? Was verbirgt sich hinter der Bretterwand? In welcher Beziehung stehen die Männer zueinander?

Letztendlich gesteht uns Asselijn nicht mehr Informationen zu als dem wasserschöpfenden Mann am rechten Bildrand. Zwar bildimmanent und in nächster Nähe zu den beiden Hauptprotagonisten Reiter und Pferd gesellt, gelingt es ihm offenbar nicht, Kontakt mit diesen aufzunehmen. Repoussoir-Figuren, selbst wenn sie sich noch so harmlos an den Bildrand schmiegen, nehmen immer auch die Position des Betrachters ein. Und so steht der wasserschöpfende Knecht für unsere eigene Neugier, die Jan Asselijn jedoch nicht befriedigen wird.  Selbst wenn wir uns als Betrachter „im Bild“ befänden, würden wir das Rätsel um den Reiter in der Felsenschlucht nicht lösen können.

Kein Historienbild mit identifizierbarem Figurenpersonal und eindeutiger Handlung malte Asselijn. Er schuf aber auch kein Genrebild im typischen niederländischen Sinne, wo oftmals hinter den einfachen Alltagsgegenständen noch eine zweite Sinnebene versteckt und ein großer Spekulationsraum eröffnet wird. Der Künstler geht einen anderen, klareren Weg, indem er dem Betrachter seine Unwissenheit malerisch virtuos, aber sehr deutlich bis ins letzte Detail vor Augen stellt. 

Nicola Samori, Mem, 2015, Öl/Kupfer/Muschel, 100 x 100 cm, Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin

Nicola Samori, MeM, 2015, Öl/Kupfer/Muschel, 100 x 100 cm, Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin

Ähnlich rätselhaft bleiben auch die Bilder des Ausnahmekünstlers Nicola Samori. Auffallend häufig spielt er in seinem Oeuvre mit scheinbar geläufigen Bildmotiven, die dem 17. Jahrhundert entliehen sind. In frommer barocker Theatralik präsentiert sich uns die 2015 entstandene Arbeit „MeM“. Nah wird der Heilige an den Betrachter herangerückt. Über einem schlichten dunklen Untergewand wirft sich der subtil in kühlem Weiß und Grau changierende Umhang in fast metallisch anmutender Haptik um den Oberkörper des Dargestellten. In frommer Haltung sind die Hände betend aneinandergelegt. Es ist ein Bildmotiv, das sich hundertfach in der Kunstgeschichte wiederholt. Samori hat sich für sein Werk von der Darstellung des Hl. Jakob von Guido Reni inspirieren lassen, einem italienischen Barockkünstler des 17. Jahrhunderts, der trotz der üppigen Dramatik seiner Draperien für die sanfte Anmut seiner Heiligendarstellungen berühmt ist. 

Wie virtuos der italienische Künstler des 21. Jahrhunderts nun jedoch mit diesem kunsthistorischen Erbe spielt! Nur auf den ersten flüchtigen Blick scheint man es bei seinen Bildern mit Altbekanntem zu tun zu haben. 

So wird der delikate Kupfergrund, ebenfalls eine Reminiszenz an vergangene Zeiten, der normalerweise nach der Fertigstellung des Bildes unsichtbar wird und lediglich im besonders subtilen Glanz des Kolorits erkennbar bleibt, offengelegt, weil Samori seinen Schaffensprozess wieder rückgängig macht, indem er die Farbhaut abrollt. Dies verwundert umso mehr, da das Bild von brillanter handwerklicher Meisterhaftigkeit und erhabener Schönheit zeugt. Ein Künstler, der es versteht, Stofflichkeit von dieser Opulenz zu erzeugen, macht in höchstem Maße neugierig, von welcher Physiognomie wohl der Dargestellte gewesen war. Die Antwort hatte er bereits gegeben, der sandgestrahlte Metallgrund zeugt von einer, ebenso wie die Gestalt, ausgearbeiteten Antlitzpartie des Heiligen. Des Künstlers höchst individueller Wille ist es nun jedoch, selbst zu bestimmen, in welchem Moment er seinen Schaffensprozess unterbricht oder vielleicht, wie in diesem Fall, wieder rückgängig macht. Ungeschehen macht er ihn nicht, sondern auf eine ganz andere Weise sichtbar, als es dem Betrachter vertraut ist. Dieser Prozess geschieht nicht zufällig, sondern im Einklang mit der gemalten Komposition des Bildes. Wie beiläufig nimmt die Aufwerfung der abgeschälten Farbe die Konturlinien des Motives wieder auf. 

Die Freiheit des Spieles mit traditionellen Motiven treibt Samori mit der beweglich im Betrachterraum hängenden Muschel subtil auf die Spitze. In der christlichen Ikonografie ist die Muschel das Erkennungszeichen des Hl. Jakob. Der Legende nach predigte dieser in Spanien. Seine angebliche Grabesstätte in Santiago de Compostela entwickelte sich zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte überhaupt. Unter den Reisenden wurde es bald Brauch, die Muschel, die man praktischerweise aufgrund ihrer Größe als Trinkgefäß nutzte,  sich nun zum Zeichen der Pilgerschaft sichtbar an die Kleidung zu heften. 

Nicola Samori, Mem (Detail Muschel und Kupfergrund), 2015, Öl/Kupfer/Muschel, 100 x 100 cm, Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin

Nicola Samori, MeM (Detail Muschel und Kupfergrund), 2015, Öl/Kupfer/Muschel, 100 x 100 cm, Courtesy of the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin

Die Muschel wurde aufgrund ihrer perfekt von der Natur geformten Schönheit vor allem auch bei Künstlern der Renaissance hoch geschätzt. Man kennt sie als Kalotte, also als rahmendes und raumstiftendes Element, die die symmetrische Harmonie idealer Renaissanceräumlichkeiten im Kleinen zeigt. Laut eigener Aussage  ließ sich der Künstler von Piero della Francescas um 1470 für Federico da Montefeltro gefertigter Sacra Conversazione in der Pinacoteca di Brera in Mailand inspirieren. Unter einer kassettierten Tonnenwölbung thront die Muttergottes mit dem Jesuskind. Hoch über ihrem Haupt schwebt vor einer Muschelkalotte ein frei aufgehängtes Straußenei als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit. Samori fasst nun diese beiden, für die italienische Renaissancekunst so typischen idealen Naturformen in seiner Komposition zusammen, indem er eine reale Muschel mittig vor seinem Hl. Jakob anbringt.  In seiner äußeren Rippenstruktur wiederholt das kleine, ornamenthafte Naturobjekt die aufgeworfenen, geschwungenen Farbwellen und verdeutlicht damit die Struktur der gesamten Komposition noch einmal im Kleinen.

Meisterhaft versteht Samori die Kunst der Verschränkung aller Bildelemente sowohl auf inhaltlicher, formaler und auch historischer Ebene. Nichts wird dabei dem Zufall überlassen. Selbst der Titel, als Palindrom gewählt (ein Wort, das vorwärts und rückwärts gelesen werden kann) spielt auf die nie enden wollenden Möglichkeiten des Betrachtens von Bildern an. Es spiegelt mit seiner symmetrischen Form sowohl die gesamte Bildkomposition als auch die Form der Adoranz: Die beiden  groß geschriebenen „M“  umschließen das kleine „e“ wie die betenden Hände, den zarten Raum dazwischen.

Sowohl Asselijn als auch Samori verfügen über eine brillante handwerkliche Technik. Sie ist die Basis des individuellen künstlerischen Prozesses beider Künstler. Asselijn nutzt sie, um hinter dieser Oberfläche seine inhaltlichen Geheimnisse zu verstecken und in ästhetisch formvollendeter Klarheit dem Betrachter sein Rätselbild vor Augen zu stellen. Der prächtig auffallend präsentierte rote Mantel steht hierfür wie ein pars pro toto. Samori geht noch einen Schritt weiter, indem er den Betrachter dieser eindeutigen Klarheit der optisch unversehrten, perfekten Oberfläche beraubt und nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form selbst zum Rätsel macht. 

In ihrer jeweiligen Zeit spielen beide Künstler handwerklich perfekt höchst innovativ mit der Erwartungshaltung des Betrachters. Mühelos gestalten sie uns den Einstieg. Bei Asselijn blicken wir auf ein scheinbar typisches niederländisches Genregemälde, bei Samori auf das Werk eines zeitgenössischen Künstlers, der barocke Heiligendarstellungen rezipiert. In beiden Fällen erlebt der Betrachter den Sehprozess jedoch nicht als etwas Klärendes, sondern als etwas zunehmend Rätselhaftes, das letztendlich nur vom Künstler, als dem Initiator dieses Geheimnisses, gelöst werden kann.

IMG-20160824-WA0008

Dr. Teresa Bischoff (*1979) studierte Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Geschichte in Erlangen und Rom. Kürzlich erschien ihre Dissertation “Kunst und Caritas” über Leben und Werk der Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Emilie Linder. Nach Dozententätigkeiten in Erlangen, Ansbach und Nürnberg ist sie nun wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

Literatur:

Raupp, Hans-Joachim (Hrsg.): Genre. Niederländische Malerei der SØR Rusche-Sammlung. Münster 1996. S. 24-27.

Steland-Stief, Anne Charlotte: Jan Asselijn nach 1610 bis 1652. Amsterdam 1971. S. 138.

Für die freundlichen Erläuterungen zu „MeM“ danke ich sehr herzlich Nicola Samori.

Hilfreiche Hinweise bezüglich des roten Mantels bei Jan Asselijn gab mir Frau Dr. Zander-Seidel.

http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=1343&clang=0

http://instagram.com/soer_rusche

60 Jahre SØR – Eine Chronik des guten Stils

60Jahre_414x380

In 60 Jahren ist  SØR zu einer wahren Institution der Kleidungskultur gewachsen und verbindet die angesagten Trends mit den Klassikern der Damen- und Herren-Mode. Dabei schöpft das Familien-Unternehmen, das heute in der 4. Generation von Thomas Rusche geführt wird, aus seiner langjährigen Erfahrung als Marktführer im Premium-Segment und einer Tuchhändler-Tradition, die bis 1897 zurückreicht und seinen Nachkommen das Kleidergen vererbt hat.

Seit 60 Jahren dient SØR der Kleidungskultur und steht für höchste Qualität und exzellente Beratung. Foto, Lars Beusker

Seit 60 Jahren dient SØR der Kleidungskultur und steht für höchste Qualität und exzellente Beratung. Foto, Lars Beusker

1956 Egon Rusche eröffnet am 17. Mai den ersten SIR-Herrenausstatter im Bielefelder Ratscafé. Unterstützt wird er bei diesem mutigen Schritt von Doris Menke, einer jungen und talentierten Mitarbeiterin aus dem väterlichen Unternehmen. Nach einigen Hürden bezüglich der Finanzierung gelingt es den beiden ihre Vision, von einem eleganten Herrenausstatter, in der traditionsreichen Textil- und Wäschestadt Bielefeld zu realisieren. Die Geschäftsidee, internationalen Chic ohne Chichi in Ostwestfalen zu etablieren, scheint durchaus chancenreich. Das Sortiment richtet sich an Herren mit Geld und Geschmack, und die sind in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders reichlich vorhanden. Zwar wird am Tag der Eröffnung nur ein einziges Paar Strümpfe im Wert von 4,90 DM verkauft, doch davon lässt sich das junge Unternehmerpaar nicht entmutigen.  Mit Fleiß, guten Ideen und einem besonders ausgeprägten Sinn für guten Stil verwandeln Egon und Doris ihren Herrenausstatter in ein umsatzstarkes Unternehmen.

Doris und Egon Rusche 1961. Voll und ganz zufrieden genießen die beiden ihren Sylt-Urlaub. Kein Wunder, die Geschäfte laufen bestens und beiden sind frisch vermählt. Foto, SØR

Doris und Egon Rusche 1961. Voll und ganz zufrieden genießen sie ihren Sylt-Urlaub. Kein Wunder, die Geschäfte laufen bestens und die beiden sind frisch vermählt. Foto, SØR

Die 1960er Jahre

Mit gerade mal 25 Jahren eröffnet Egon Rusche seine 4. SIR Filiale neben Bielefeld, Hannover und Osnabrück in Minden. 1961 heiraten Egon und Doris und ziehen in die erste Etage des Oelder Kaufmannshauses Am Markt, in dem Egon auch die erste SIR-Verwaltung einrichtete. Doris Rusche kümmert sich fortan um den Einkauf für die Filialen. Mit ihrem unnachahmlichen Gespür für elegante Mode, die einen Mann nicht verkleidet, sondern seine Persönlichkeit unterstreicht, öffnet sie sich die Türen zu den großen internationalen Luxusmarken. Das von Doris Rusche zusammengetragene SIR Sortiment entspricht der klassisch britischen Ausstattertradition, die sie mit einer italienischen Note zu verfeinern versteht.

Feine SIR Seiden-Krawatten aus den 1950er Jahren. Fotos, SØR

Feine SIR Seiden-Krawatten aus den 1950er Jahren. Fotos, SØR

Neben vielen Sortiments-Innovationen gelingt es ihr, als weiblicher Pionier der Herrenmode, die angelsächsischen Boxershorts in Deutschland einzuführen. Egon Rusche erfüllt sich seinen persönlichen Business-Traum und übernimmt den traditionsreichen Hamburger Herrenausstatter Oscar Lenius samt Schneideratelier.

1968 erfüllt sich Egon Rusche seinen Traum und übernimmt das 1897 gegründeten Luxus-Herrenausstatter Oscar Lenius in Hamburg. Foto, SØR

1968 erfüllt sich Egon Rusche seinen Traum und übernimmt den 1897 gegründeten Luxus-Herrenausstatter Oscar Lenius in Hamburg. Foto, SØR

Sein Vater Anton Rusche II stirbt 1964 und hinterlässt seinem Sohn eine umfangreiche Sammlung alter Gemälde. Auf Rat des Kunstexperten Dr. Walter Bernt entscheidet er sich zukünftig auf das Sammeln von Niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts zu konzentrieren. Kurz bevor das erfolgreiche Unternehmen sein 10jähriges Bestehen feiert, zieht das Bielefelder Geschäft vom Ratscafé in das historische und weitaus größere Crüwellhaus um. Weit seiner Zeit voraus, etabliert das junge Unternehmen die SIR Eigenmarke. Mit ihrem Team entwickelt Doris Rusche stilsichere Kollektionen von perfekter Passform und Verarbeitung.

Die Einflüsse der britischen Kleidungskultur sind deutlich zu erkennen. Eine Werbe-Kampagnen von SØR in den 1970er Jahren. Foto SØR

Die Einflüsse der britischen Kleidungskultur sind deutlich zu erkennen. Eine Werbe-Kampagne von SØR in den 1970er Jahren. Foto SØR

Zum Ende des Jahrzehnts wird es noch einmal unruhig – nach einem dreijährigen Rechtsstreit mit dem Dufthersteller 4711 muss Egon Rusche seinen Firmennamen an das Herrenparfüm SIR abtreten. Nach einigen nicht zufriedenstellenden Namens-Alternativen überkommt ihn beim Frühstück dank des SmØrebrØd (Knäckebrot) der rettende Gedankenblitz. So soll SIR in Zukunft als SØR buchstabiert werden. Dieser identitätsstiftende Schub lanciert den neuen Namen zum Markenzeichen: Das Ø ist bis heute der prägnante Bestandteil des Logos.

Aus SIR wird SØR! Das norwegische Ø stilisiert das neue Logo. Foto, SØR

Aus SIR wird SØR! Das norwegische Ø stilisiert das neue Logo. Foto, SØR

Die 1970er Jahre

SØR überschreitet die 10 Millionen DM Umsatzmarke. Neben weiteren Filial-Eröffnungen in München, Nürnberg und Würzburg  bekennt sich Egon Rusche zu seiner Heimatstadt Oelde und baut das Stammhaus (1490 erbaut) der Familie Rusche zum SØR Herrenausstatter aus.

1652_14

Die kompetente und diskrete Beratung, die hochwertigen Materialien und die exzellenten Kollektionen ziehen viele berühmte Persönlichkeiten in den modischen Bann. Große Namen wie Heinz Rühmann, Herbert von Karajan, der Schah von Persien, Axel Springer, Wim Tölke und der Fürst von Thurn und Taxis finden sich im Stammkunden-Verzeichnis. In den neugestalteten SØR Häusern in München und Wiesbaden wird erstmals Carrara-Marmor im Schachbrettmuster verlegt.

Der Schachbrettboden aus Carrara Marmor ist bis heute eine prägnantes Detail des Innendesigns der SØR Häuser. Foto, Lars Beusker

Der Schachbrettboden aus Carrara Marmor, wie z. B. im SØR Flagship-Store Hannover, ist bis heute eine prägnantes Detail des Innendesigns der SØR Häuser. Foto, Lars Beusker

Eine Bordellszene des niederländischen Barockmalers Hendrik Gerritsz inspiriert Egon Rusche zu diesem Boden-Design, welches bis heute, neben den original englischen Antiquitäten,  das Ambiente der SØR Häuser deutschlandweit bestimmt. Erstmals erscheint 1977 der SØR Katalog und beflügelt die Umsätze. SØR übernimmt das Modehaus Kock in Oldenburg. Eine Entscheidung, die Egon Rusche erstmals gemeinsam mit seinem damals 16jährigen Sohn Thomas Rusche trifft. 

Die 1980er Jahre

Dieses Jahrzehnt beginnt mit der sortimentspolitischen Profilierung. Ab sofort gibt es bei SØR das NOS-Sortiment (Never out of Stock). Dazu zählen der SØR Tuchblazer, die SØR Flanellhose, der SØR Budapester-Schuh, das SØR Businesshemd und der SØR Lederlumber, die unabhängig von saisonalen Modeströmungen für den unverfälschten SØR Stil stehen. Das Niederlassungsnetz ist auf 20 Geschäfte angewachsen. Dennoch, nach 25 Jahren Erfolgsgeschichte, muss SØR im Jahr 1982 ein Umsatzminus verkraften und das seit Bestehen schwierigste Geschäftsjahr meistern. Egon und Doris Rusches Sohn Thomas beginnt das Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Philosophie an der Universität Fribourg in der Schweiz. Das Oscar Lenius Haus in Hamburg zieht vom Ballindamm an den Neuen Wall.

Der jungendliche Thomas Rusche (mitte) wird schon parallel während des Studiums zum Top-Manager. Mit auf dem Bild, die stolzen Eltern Doris und Egon Rusche. Foto, SØR

Der jugendliche Thomas Rusche (Mitte) wird schon parallel zu seinem Studium zum Top-Manager. Mit auf dem Bild die stolzen Eltern Doris und Egon Rusche. Foto, SØR

Die Universität Osnabrück veröffentlicht eine Studie bezüglich der Verweildauer vor Schaufenstern, sie ist vor keinem Fachgeschäft so hoch wie bei SØR. Thomas Rusche steigt parallel zu seinem Hauptstudium in das Familienunternehmen ein. Neben der Entwicklung des SØR Leitbildes führt er die Computertechnologie in das Unternehmen ein. Kurz darauf übernimmt er die Präsidentschaft der International Menswear Group (IMG) und richtet im Folgejahr die Weltkonferenz der Herrenausstatter in Hamburg, Hannover und Oelde aus. Neue SØR Häuser in Frankfurt, Mannheim und Berlin werden eröffnet. Zeitgleich wird die Werbekampagne Klassiker der Moderne entwickelt, in der zeitlos gültige Herrenausstattungen mit Möbeldesignklassikern von Marcel Breuer, Charles Rennie Mackintosh, Eileen Grey u.a. zu einer imagefördernden Einheit verschmelzen. 

Zwei Klassiker der Moderne - Der SØR Dopplereiher und der ''Wassily'' Chair von Marcel Breuer, vereint in einer SØR Werbekampagne von 1989. Foto, SØR

Zwei Klassiker der Moderne – Der SØR Dopplreiher und der ”Wassily” Chair von Marcel Breuer, vereint in einer SØR Werbekampagne von 1989. Foto, SØR

Die 1990er Jahre

Thomas Rusche verfasst unter dem Pseudonym Oscar Lenius das SØR Brevier der Kleidungskultur, welches 1991 auf der Frankfurter Buchmesse erscheint. In kurzer Zeit avanciert das kleine Büchlein zum internationalen Klassiker unter den Ratgebern und wird zur Diplomatenausbildung wie auch zur Personalschulung von SØR Mitbewerbern eingesetzt.

Kleines SØR Brevier der Kleidungskultur

Kleines SØR Brevier der Kleidungskultur

Gemeinsam mit Christiane Herzog initiiert Thomas Rusche die SØR Benefiz Galakonzert-Reihe mit internationalen Solisten und Orchestern zugunsten der Mukoviszidose-Hilfe. SØR wird zu den Marken des Jahrhunderts gezählt und in die Königsklasse deutscher Produkte aufgenommen.

Wappen klein

Das SØR Wappen wird entwickelt und erhält das Motto Vestis Virum Reddit – Das Kleid macht den Mann (Quantilian). Prof. Dr. Hans-Joachim Raupp veröffentlicht als Herausgeber eine 5-teilige Dokumentationsreihe zu den Werken Niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Internationale Museen u.a. in North Carolina, Rotterdam, Athen, Haarlem stellen Gemälde der Sammlung aus.

CD's der Reihe SØR Meisterkonzerte. Foto, SØR

CD’s der Reihe Internationale SØR Meisterkonzerte. Foto, SØR

Überraschend stirbt mit 61 Jahren Egon Rusche, der SØR von der ersten Minute bis zum letzten Tag geprägt und mit seinem Lebenswerk ein Fundament für die Zukunft des Unternehmens erschaffen hat. Im Rahmen des 45. Weltkongresses der International Menswear Group wird die SØR Ausstellung der Kleidungskultur in Berlin eröffnet. Thomas Rusche lernt auf einem Empfang den niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder kennen und lädt ihn zu den Brioni-Schneidertagen ins SØR Haus Hannover ein, und die Geschichte des Brioni-Kanzlers beginnt. Die SØR Verwaltung zieht innerhalb Oeldes um und nennt sich ab sofort  SØRVICECENTER. Der neue Firmensitz ist ein im Bungalowstil der 50er Jahre gebautes Industrie-Objekt, umgeben von viel Grün und mit viel Platz. 

Die 2000er Jahre

Mit Christoffer Siebert und Thomas Knoerich kommen zwei neue Manager in die Geschäftsführung, die ein gemeinsames Ziel haben: das Vertriebsnetz der  SØR Geschäfte zu optimieren. Thomas Knoerich erweitert das Sportswear-Segment, und der Umsatz verdreifacht sich. In den Urlaubsregionen Sylt, Norderney und Timmendorf werden SØR Häuser eröffnet, deren Fokus im Sortiment sich auf Freizeitkleidung richtet.

Ausgezeichnet zum Wissensmanager 2005 Dr. Thomas Rusche (rechts). Foto Commerzbank

Ausgezeichnet zum Wissensmanager 2005 Dr. Thomas Rusche (rechts). Foto Commerzbank

 

Thomas Rusche wird von der Financial Times, dem Wirtschaftsmagazin Impulse und der Commerzbank zum Wissensmanager 2005 gekürt und beginnt die Niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts seiner Sammlung mit Zeitgenössischen Werken junger Künstler aus Berlin und Leipzig in den Dialog zu stellen.  SØR eröffnet die Filialen am Frankfurter und Düsseldorfer Flughafen. Und das 50. Firmenjubiläum wird groß im ersten SØR Store in Bielefeld zelebriert.

50 Jahre SØR - Das gotische Crüwellhaus in Bielefeld während der Jubiläumsfeier 2006. Fotos, SØR

50 Jahre SØR – Das gotische Crüwellhaus während der Jubiläumsfeier 2006. Fotos, SØR

SØR startet mit dem  SØR Woman Konzept. Thomas Rusches Sohn Heinrich Rusche nimmt zum ersten mal am Weltkongress der International Menswear Group in Toronto teil. In Gera findet die erste Dialogausstellung mit den Alten Meistern und Zeitgenossen der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin statt. Fast zeitgleich zeigt das Landesmuseum Hannover zum Thema Kleidungskultur die SØR Ausstellung Begehrte Männer. Und Thomas Rusche führt 2009 beim ersten  SØR Kunstgang durch die Berliner Sammlungs-Repräsentanz. Ein Jahr später findet auch in der Galerie des Oelder Stammhauses der erste Kunstgang statt. Der SØR Online Store wird aktiviert.

Die Ausstellung ''Eros & Thanatos'' mit den Werken der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin wird 2012 zum Frühlingsrundgang der Baumwollspinnerei eröffnet und lockt tausende Besucher an. Foto SØR

Die Ausstellung ”Eros & Thanatos” mit den Werken der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin wird 2012 zum Frühlingsrundgang der Baumwollspinnerei eröffnet und lockt tausende Besucher an. Foto SØR

Zum Auftakt des Frühjahrsrundgangs der Baumwollspinnerei Leipzig eröffnet auf dem Gelände die große Ausstellung Eros & Thanatos mit den Werken der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, kuratiert von Prof. Wolfgang Ullrich und den Studierenden der Kunsthochschule Karlsruhe. The Label Book of Clothing Culture erscheint im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

"The Labelbook of Clothingculture", Herausgeber Thomas Rusche, erschienen im Daab Verlag, Photo by SØR

“The Labelbook of Clothing Culture”, Herausgeber Thomas Rusche, erschienen im Daab Verlag, Photo by SØR

Herausgeber Thomas Rusche vereint in diesem kapitalen Werk die besten Manufakturen, die sich der Kultur des Kleidens widmen. Große Namen wie Ludwig Reiter, Borsalino, van Laack und Barbour sind genauso vertreten wie die hidden Champions der Kleidungskultur.  Das erste SØR Woman/Man Journal mit spannender Mode für sie und ihn und interessanten Features zum Thema Kunst und Mode erscheint.

Christian Achenbachs Bild »Lille Pige ved vinduet«, 2013, Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm, SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, ziert das aktuelle Cover des SØR Magazins Photo by SØR

Christian Achenbachs Bild »Lille Pige ved vinduet«, 2013,
Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm, SØR Rusche Sammlung
Oelde/Berlin, ziert das aktuelle Cover des SØR Magazins Photo by SØR

 In Nürnberg findet auf dem ehemaligen AEG Gelände die Ausstellung ”Gute Kunst? Wollen!” statt. Die von der Kunsthistorikerin Dr. Teresa Bischoff kuratierte Ausstellung zeigt auf 5.000 qm Werke und untersucht anhand der Werke der SØR Ruscha Sammlung Oelde/Berlin, welche Kriterien gute Kunst ausmachen. Der Hamburger SØR Flagship-Store Neuer Wall 50 eröffnet wieder nach einer Umbauphase und integriert im Haus den neuen windsor. Shop. 

windsor. bei SØR - Am Neuen Wall in Hamburg. Foto, Lars Beusker

windsor. bei SØR – Am Neuen Wall in Hamburg. Foto, Lars Beusker

2016

Mit Art meets Fashion startet SØR ein Projekt, in dem die Kunst und die Mode sich gegenseitig bereichern sollen – zukünftig sollen alle 62 SØR Häuser deutschlandweit mit Werken der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin kuratiert werden. Den Auftakt machen das SØR Haus in Nürnberg und in Hamburg am Neuen Wall. SØR feiert sein 60jähriges Bestehen mit außergewöhnlichen Jubiläumsangeboten, besonderen Events und exklusiven Kunstführungen.

Im SØR Flagship-Store Neuer Wall, Hamburg wird die elegante Mode jetzt umrahmt von guter Kunst

Im SØR Flagship-Store Neuer Wall, Hamburg wird die elegante Mode jetzt umrahmt von guter Kunst

 

Feiern Sie mit uns und lassen Sie sich ein, auf eine spannende Reise durch 60 Jahre guten Stil!

http://shop.soer-online.de/

http://shop.soer-online.de/Storefinder

https://www.instagram.com/soer_rusche/

https://www.facebook.com/soer24

Art meets Fashion – Die SØR Rusche Sammlung zu Gast bei SØR

IMG_9119

In guter Gesellschaft – befindet sich der klassische SØR Anzug mit den Werken von Wolfgang Ellenrieder und Markus Saile

Mit Art meets Fashion startet SØR ein einzigartiges Projekt, welches die Kunst und Mode unter einem Dach vereint.

Bisher wurde die über 5.000 Werke der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin ausschließlich in internationalen Museen, namenhaften Institutionen oder in der Berliner und Oelder Repräsentanz der Sammlung gezeigt.
Der Kunstsammler und SØR Inhaber Thomas Rusche ist jedoch schon immer der Meinung, dass sich die Kunst und die Mode sehr bereichern können, man muss sie nur zusammenführen.
SØR_Journal_Wand

Das Werk ,,Durchgang II” von Daniel Behrendt

Und genau das wird jetzt bei SØR geschehen. Die über 60 Filialen deutschlandweit werden, nach und nach, von namenhaften Kuratoren mit erstklassiger Kunst der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin versehen. So bildet SØR in Zukunft einen kulturstarken Rahmen für elegante Mode und bietet seinen Kunden ein anspruchsvolles und kreatives Ambiente.

Englische_ecke

Werke der Malerin BEZA und des polnischen Künstlers Michal Jankowski zieren die Englische Sitzgruppe

Der Sammler und SØR Inhaber Thomas Rusche während der Führung durch die kuratierten Räume des SØR Hauses am Neuen Wall - Mode und Kunst zusammen zu führen ist sein Anliegen. Friederike zu Solms (links) und Prof. Dr. Michaeal Göring (rechts) hören gespannt zu.

Der Sammler und SØR Inhaber Thomas Rusche während der Führung durch die kuratierten Räume des SØR Hauses am Neuen Wall – Mode und Kunst zusammen zu führen ist sein Anliegen. Friederike zu Solms (links) und Prof. Dr. Michael Göring (rechts) hören gespannt zu.

Den Auftakt machten der SØR Flagship-Store Hamburg, Neuer Wall 50 und das SØR Haus Nürnberg, Kaiserstraße 10. mit den Werken von folgende Künstlern:
Blusen_Stange

Ein Bild von Stefan Kübler

Hamburg:

Basia Bańda | Grant Barnhart | Daniel Behrendt | BEZA | Ina Bierstedt | Steven Black | Carlos De los Ríos | Marc Desgrandchamps | Wolfgang Ellenrieder  |Ralph Fleck | Marcel Gähler | Philip Grözinger | Thea Gvetadze | Gabi Hamm | Julius Hofmann | Kurt Hofmann | Nicolai Huch | Michał Jankowski | Joanna Jesse | Bernd Kirschner | Henning Kles | Anna Kott | Peter Krauskopf | Stefan Kübler | Wen Ling | Dieter Mammel | Kylie Manning | Bettina Marx | Jochen Mühlenbrink | Justine Otto | Florian Pelka | Carlos Perez | Olaf Quantius | Claudia Rößger | Markus Saile | Titus Schade | Robert Seidel | Tanja Selzer | Stefan Stößel | Kathrin Thiele | Johannes Tiepelmann | Alexander Tinei |  Steffi Weigel

Ansicht aus dem SØR Haus Nürnberg

Ansicht aus dem SØR Haus Nürnberg

Nürnberg:

Donata Benker | Jenny Brillhart | Lukas Bugla | Tom Ellis | Slawomir Elsner | Kai Klahre | Pawel Ksiazek | Jan Muche | Gavin Nolan | Martin Schepers | Torsten Solin | Christine Streuli | Steve Viezens | Alexander Ernst Voigt

 

Der SØR Flagship-Store Hamburg ist jetzt ein Haus der Mode und der Kunst

Der SØR Flagship-Store ist jetzt ein Haus der Mode und der Kunst

Die Arbeit von dem Leipziger Künstler Robert Seidel integriert  sich perfekt in das modische Ambiente.

Die Arbeit von dem Leipziger Künstler Robert Seidel integriert sich perfekt in das modische Ambiente.

Totale_Damen

Als gehörten sie schon immer dazu – Arbeiten der Künstlerinnen Tanja Selzer und BEZA

Hofmann

Ein Plädoyer für Kunst und Mode – der ”Mund” des Malers Julius Hofmann

Schleiefnschrank

Daniel Behrendt ”Hole”

Steven_black

Ein Werk des australischen Künstler Steven Black

 

 

Eine Arbeit des moldavischen Künstler Alexander Tinei krönt die aktuelle SØR Woman Kollektion.

Eine Arbeit des moldavischen Künstler Alexander Tinei krönt die aktuelle SØR Woman Kollektion.

Kleine, individuell mit original englischen Antikmöbeln eingerichtete Sitzecken , laden zum Verweilen und Entdecken ein.

Kleine individuell, mit original englischen Antikmöbeln, eingerichtete Sitzecken laden zum Verweilen und Entdecken ein.

Ganz exklusiv führte Thomas Rusche, Kunden und Gäste aus der Kultur und Wirtschaft durch die kuratierten Räume des Hamburger Flagship Stores am Neuen Wall. Anhand einer erlesenen Auswahl von über 60 Werken, erläuterte er die Verbindung zwischen Mode und Kunst.
Thomas Rusche führt die Besucher exklusiv durch die Räume des Hamburger SOR Hauses am Neuen Wall

Thomas Rusche führt die Besucher exklusiv durch die Räume des Hamburger SOR Hauses am Neuen Wall

Der Hamburger Künstler Henning Kles mit Stephan Rath von Soulsville und Buback Tonträger

Der Hamburger Künstler Henning Kles mit Stephan Rath von Soulsville und Buback Tonträger

Die Kunsthistorikerin Dr. Teresa Bischoff mit dem Filmemacher Peter Sempel

Die Kunsthistorikerin Dr. Teresa Bischoff mit dem Filmemacher Peter Sempel

Der Künstler Daniel Behrendt (rechts) und Harald Wieser, Journalist und Autor (mitte)

Der Künstler Daniel Behrendt (rechts) und Harald Wieser, Journalist und Autor (mitte)

David Pohle Herausgeber und Chefredakteur von ''der Hamburger''

David Pohle Herausgeber und Chefredakteur von ”Der Hamburger”

Prof. Dr. Michael Göring, Schriftsteller und Vorsitzender der ZEIT Stiftung

Prof. Dr. Michael Göring, Schriftsteller und Vorsitzender der ZEIT Stiftung

Galerist Ralf Krüger, Künstler Henning Kles und Filmemacher Peter Sempel

Galerist Ralf Krüger, Künstler Henning Kles und Filmemacher Peter Sempel

Haug von Kuenheim, Journalist und Autor

Haug von Kuenheim, Journalist und Autor

Thomas Rusche erläutert das Werk von Philip Grözinger

Thomas Rusche erläutert das Werk von Philip Grözinger

 Genießen Sie gute Kunst und elegante Mode und überzeugen Sie sich selbst, wie sich diese beiden Genres unter einem Dach bereichern können. Wir laden Sie herzlich ein in unsere kuratierten Häuser nach Hamburg und Nürnberg!

Das traditionelle SØR Sofa und zwei Werke von Carlos Perez und Michal Jankowski

Das traditionelle SØR Sofa und zwei Werke von Carlos Perez und Michal Jankowski

http://shop.soer-online.de/

http://shop.soer-online.de/Storefinder

https://www.instagram.com/soer_rusche/

http://shop.soer-online.de/STORIES/

Thomas Rusche empfiehlt Issue No.1

Thomas Rusche empfiehlt : In dieser Kolumne wird Thomas Rusche von seinen saisonalen Trends und Tips berichten. Foto Lars Beusker

Thomas Rusche empfiehlt : In dieser Kolumne wird Thomas Rusche von seinen saisonalen Trends und Tips berichten. Foto Lars Beusker

Als leidenschaftlicher Kunstsammler und Naturliebhaber fasziniert mich, wie es der Natur gelingt, die Kunst immer wieder aufs Neue zu prägen. Die Mode fügt dieser spannenden Liaison eine weitere Komponente hinzu: Sie bedient sich der Farb- und Formenvielfalt der Natur sowie der Kunst. Feinste Baumwoll- und Seidenstoffe werden zur Leinwand für florale Drucke, Nylonjacken und Polo-Shirts reflektieren Farbtöne von Öl und Gouache.

Thomas Rusche trägt im Fotoshooting: eine SØR Jeans, ein SØR Sakko aus Wolle, Leinen und Seide sowie ein weißes Oxford Hemd und weiße Sneaker von SØR. Foto Lars Beusker

Thomas Rusche trägt im Fotoshooting: eine SØR Jeans, ein SØR Sakko aus Wolle, Leinen und Seide sowie ein weißes Oxford Hemd und
weiße Sneaker von SØR. Foto Lars Beusker

Doch: Die Natur ist der Meister unter den Künstlern. Sie bringt Makellosigkeit hervor, wie sie niemand sonst erschaffen kann. SØR nimmt sich diese Vollkommenheit zum Vorbild. Von der Auswahl feinster Tuche für geschmeidige Sakkos, Kaschmirgarne für Lieblingspullover, Ziegenvelours für Jacken oder beste Baumwolle für Hemden – ständig sind wir für Sie auf der Suche nach dem Nonplusultra der Mode.

Schon jetzt ein Klassiker – der lässige SØR Blouson aus feinstem Ziegenleder

Schon jetzt ein Klassiker – der lässige SØR Blouson aus feinstem Ziegenleder. Foto Lars Beusker

Das zeigen die herrlich entspannten Kreationen im angesagten Washed-out-Look und die fantastischen Flower-Designs ebenso wie die modernen Janker, die jetzt absolut metropolentauglich sind – und die Liebe zur Natur, zum Outdoor-Living kennzeichnen.

Psychedelische Muster, Flower-Power und Naturmaterialien bestimmen die Mode in diesem Sommer: Hose von Cambio, Bluse von Herzensangelegenheit und Espandrilles von Palomitas

Psychedelische Muster, Flower-Power und Naturmaterialien bestimmen die Mode in diesem Sommer: Hose von Cambio, Bluse von Herzensangelegenheit und Espandrilles von Palomitas. Foto Lars Beusker

Die Hippies in den 1960er Jahren prägten ihre Generation mit freier Liebe, aber auch mit einer starken Naturverbundenheit, die sich in ihrer Kleidung reflektierte. Viel Denim, bodenlange Kleider, Kaftane und Tücher. Psychedelische Muster und Flower-Power Prints. All das finden wir auch in den aktuellen Damenkollektionen wieder – mit dem Unterschied, der Neo-Hippie legt großen Wert auf Eleganz und edle Materialien.

IVI Kleider setzen frische Akzente: Neo-Hippie Kleid aus Seide in frischen Farben und Feder-Muster

IVI Kleider setzen frische Akzente: Neo-Hippie Kleid aus Seide in frischen Farben und Feder-Muster. Foto Lars Beusker

Das junge Kölner Label IVI ist ganz neu im SØR Sortiment und besticht mit einer Luxus-Hippie Kollektion. Auch neu im SØR Woman Programm ist die Denim-Marke Bella Dahl aus LosAngeles. Die Jeanshemden, Wickelkleider und Jumpsuits in superweich fallenden Baumwoll- und Viskose-Qualitäten, haben längst die Kleiderschränke der großen Stars erobert. Perfektionieren Sie Ihren Hippie-Look z.B. eine Fransen-Lederweste von Ibana und Plateau Espandrilles von Palomitas.

Bella_dahl

Der neue Star aus L.A.: Bella Dahl Items verzaubern und mit super soften Denim-Qualitäten aus Organic Cotton. Foto Lars Beusker

Ibana_weste

Für echte Urban-Hippies – Die Fransenweste aus Veloursleder von Ibana. Foto Lars Beusker

Besonders hervorheben möchte ich in dieser Frühlings-Saison bei den Herren, die SØR Jersey Hemden. So elegant und hochwertig wie ein klassisches Hemd, so komfortabel wie ein lässiges T-Shirt– wird das SØR Jersey Hemd zum universellen Lieblings-Item. Kombinieren Sie es mit sommerlichen Chinos, Loafern und einem Sakko.

m_22-1

Kein Sommer ohne die beliebten Chinos! Sie passen perfekt zu den neuen Jersey-Hemden! Foto Lars Beusker

LB__3630

So elegant wie ein Hemd, so bequem wie ein T-Shirt – Das SØR Jersey-Hemd. Foto Lars Beusker

Im Business ist er mittlerweile das Nonplusultra für den stilvoll gekleideten Herrn – der blaue Anzug. Das SØR Model ist dezent gestreift und mit zwei Knöpfen versehen, aber bitte schließen Sie immer nur den obersten. Wählen Sie dazu ein klassisches Hemd in weiß oder helllila. Krawatte und Einstecktuch dürfen in knackigen Farben gewählt werden.

m_55-1

Schwarz war gestern – Der blaue Anzug strahlt frische Eleganz aus! Foto Lars Beusker

In der Mode ist der Frühling eine agile Zeit, in der die Lust auf fröhliche Farben, neue Schnitte und leichte Materialien von der Sehnsucht nach dem Sommer erzählen. Auch in der Kunst ist diese Zeit eine spannende Phase. Bedeutende Messen und Ausstellungen stehen in den nächsten Wochen und Monaten an, wie die ART Basel im Juni oder die Ausstellung ”Wahlverwandschaften” in der Kunsthalle des Lettischen Nationalmuseums Riga. Die von Mark Gisbourne kuratierte Retrospektive Deutscher Kunst von 1960 bis zur Gegenwart, gilt schon jetzt als ein Highlight des Kunst-Sommers.

https://www.artbasel.com/

http://www.lnmm.lv/en/aeh

Hervorzuheben ist die Ausstellungsreihe SEIN.ANTLITZ.KÖRPER – Kirchen öffnen sich der Kunst. Für dieses Projekt werden 9 Kirchen in Berlin, darunter der Berliner Dom, die Kirche St. Thomas von Aquin oder die Neue Synagoge in Berlin-Mitte, zu Museen für zeitgenössische Kunst. Auch die SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin ist als Leihgeber einer Vielzahl von Werken in dieser Ausstellungsreihe vertreten.

Sein.Antlitz.Körper. 9 Berliner Kirchen werden zu spannenden Ausstellungsorten. Am 5. Mai eröffnet die Ausstellung Ecce Homo? Ecce Homo! In der St. Canisius Kirchen mit einer Vielzahl von Werken aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

Sein.Antlitz.Körper. 9 Berliner Kirchen werden zu spannenden Ausstellungsorten. Am 5. Mai eröffnet die Ausstellung Ecce Homo? Ecce Homo! In der St. Canisius Kirchen mit einer Vielzahl von Werken aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin

http://sein-antlitz-koerper.de/

Genießen Sie einen aufregenden Frühling und einen fröhlichen Sommer voller spannender Kunst und anziehender Mode.

Herzlichst – Ihr Thomas Rusche

http://shop.soer-online.de/

http://instagram.com/soer_rusche

Kunst, Mensch und Natur – Der Kunsthistoriker Mark Gisbourne im Interview mit Thomas Rusche

Thomas Rusche im Gespräch mit dem Kunsthistoriker Mark Gisbourne, in der Berliner Repräsentanz der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Foto, Lars Beusker

Thomas Rusche im Gespräch mit dem Kunsthistoriker Mark Gisbourne, in der Berliner Repräsentanz der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Foto, Lars Beusker

Mark Gisbourne lebt und arbeitet in Berlin. In Stratford-upon-Avon geboren, von William Shakespeare nicht nur sprachlich geprägt. In Kunstgeschichte promoviert. Forschungsprojekte zu Alten Meistern. Universitätsdozent am ersten Lehrstuhl für zeitgenössische Kunst, Courtauld Institute, University of London, Slade School of Arts. Zuvor britischer Bobby, Teppichhändler, Franziskanermönch und Streetworker in London. Philosoph und Theologe. Ehem. President of the British Art Critics Association (AICA), Organisator des World Congress of Art Critics. Renommierter Buchautor und Kurator. Seine Biografie umfasst über 500 Publikationen und Ausstellungen. Im Sommer 2016 realisiert er eine Retrospektive zur deutschen Kunst in Riga.

TR: Mark, kannst du dich noch daran erinnern, wann Du das erste Mal mit Kunst in Kontakt gekommen bist?

MG: Ja, daran kann ich mich gut erinnern. Als sechs- oder siebenjähriges Kind bekam ich zum Geburtstag oder zu Weihnachten Puzzles geschenkt, und ich mochte vor allem jene, die Reproduktionen von Kunstwerken zeigten. (lacht)

TR: Dein herausragender Wissensschatz deckt viele Jahrhunderte der Kunstgeschichte ab. Welche Epoche würdest du persönlich als die herausfordernste beschreiben und warum?

MG: Dass ich einen vom Pantheon zur Pop-Art reichenden Überblick habe, verdankt sich dem System des Courtauld Institute of Art, London. Das ist ein außergewöhnlicher Ort: Jeder, der dort studiert, liebt ihn für seinen hohen Ausbildungsstandard mit kleinen Klassen von zuweilen nur drei oder fünf Studenten. Ich schätze einige Phasen der Kunstgeschichte sehr, aber ziehe keine einer anderen vor.

Mark Gisbourne. Foto, Lars Beusker

Mark Gisbourne. Foto, Lars Beusker

TR: Die bildende Kunst hat die Mode über die Jahrhunderte hinweg beeinflusst. Es gibt Modestile, die in großem Maße von künstlerischen Bewegungen beeinflusst oder Modeerscheinungen, die tatsächlich von Künstlern geprägt wurden.

MG: Es ist richtig, dass Warhol, Hamilton und zahllose Künstler des Pop in den 1960er Jahren einen gro- ßen Einfluss auf die Mode hatten. Das war aber nichts Neues, hatten doch schon die Romantiker, ob nun Dichter oder Maler, die Mode ihrer Zeit beeinflusst. Es gibt da eine lange Tradition: die Gecken im 18., die Dandies im 19. Jahrhundert, und so setzt sich das fort bis zu den Teddy Boys in den 50ern, den Mods und Rockern in den 60ern, dem Glam Rock und Punk der 70er, dem New Romanticism-Look der 80er – und immer so weiter. Heute fließen, ganz unabhängig davon, ob man nun über Musik, Kunst, Mode oder Film spricht, alle Stile ineinander, denn die traditionellen Begrenzungen sind porös geworden.

TR: „Kunst und Natur“ lautet das Motto des neuen SØR Journals. In welchem Verhältnis stehen beide zueinander?

MG: Kunst und Natur lassen sich thematisch nur sehr schwierig einkreisen. Meiner Ansicht nach lag Hegel nicht richtig, als er die Kunst über die Natur stellte, während er doch zugleich die offensichtliche Kraft der natürlichen Schönheit von Landschaft und Natur wahrnahm. Übereinstimmend mit Kierkegaard würde ich sagen, dass die relevante Sprache der Kunst eine ästhetische ist, die notwendige Sprache der Natur hingegen eine ethische. Das bedeutet, dass die natürliche Welt und die in ihr anzutreffenden Lebensformen von uns in moralischer Hinsicht gehegt und gepflegt werden müssen. Wir begegnen im Klimawandel der dringlichsten Aufgabe unserer Zeit. Kunst jedoch ist nicht Natur, entsteht sie doch aus mentaler und visueller Transformation, wohingegen alle Systeme der Natur bereits immanent sind; Tiere beispielsweise haben ihre Instinkte. Die Kleider, die wir tragen, sollten aus natürlichen Materialien erzeugt oder von ökologischer Herkunft sein. Ich mag da eine altmodische Haltung haben, die sich vielleicht auch aus einer religiösen Empfindsamkeit ableitet, aber ich glaube fest daran, dass die Menschheit in ihrem Potenzial Größeres ist als nur ein Widersacher der Naturgewalten. Um auf Nietzsches ästhetische Einteilung zu verweisen, würde ich sagen, dass das Verhältnis der Kunst zur Natur apollinisch sein muss (harmonisch und voneinander abhängig), zugleich lässt sich allerdings festhalten, dass viele Kunstwerke der letzten hundert Jahre aus einem dionysischen Impuls heraus entstanden sind (Verwirrung der Sinne).

BEZA, Water 2011, Bild 2

BEZA, Water II, 2011, Öl auf Holz, 21,2 x 30 cm

TR: Du hast zahlreiche Monografien über KünstlerInnen verfasst. Nach welchen Kriterien entscheidest du, ob du über einen Künstler schreibst?

MG: Es ist ein simples Kriterium. Die Frage ist stets: Interessiert mich die Kunst? Daran schließt sich jedoch die Frage an, was dieses „es interessiert mich“ bedeutet. Das meint keinesfalls: „Mag ich die Kunst?“ Es ist schon eher die Frage, ob ich durch das Schreiben über die jeweilige Kunst etwas hinzulernen kann. Ob das jedoch geschieht, weiß ich nicht immer, wenn ich mit dem Schreiben beginne. Ich habe oft Texte über Arbeiten von Künstlern geschrieben und anfänglich angenommen, die Arbeiten hätten große Tiefe und wären aufregende Entdeckungen, um dann eines Besseren belehrt zu werden. Andererseits habe ich mit dem Schreiben über das Werk mancher Künstler nur widerwillig begonnen, schließlich aber eine innere Qualität in den Arbeiten entdeckt, die mich beglückte.

TR: In einem deiner neueren Texte, einem monografischen Essay über die Künstlerin Beza beschäftigst du dich intensiv mit „Mensch und Natur“. Worin lag dabei die Herausforderung?

MG: Ich glaube, in diesem Fall habe ich nicht so sehr an die natürliche Welt gedacht, sondern eher an die innere Natur von Beza als Künstlerin. Ihre Arbeiten sind sehr körperlich. Als ich von ihren Landschaftsarbeiten schrieb, erzeugte ich eine Verbindung zu den belebten Aspekten der Natur. Ich verwendete sinnliche und flüssig anmutende Formulierungen, wie „schlangengleiche Oberfläche des Wassers“ und entwarf Gleichnisse zu ihrem Bildgegenstand der körperbasierten Posen. Das Schreiben über das Fließen der Dinge, das Im-Fluss-Sein und den körperlichen Wandel rief bei mir auch die Feststellung hervor, dass Beza ein starkes Gespür für ihr Frausein hat und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Gaia-Prinzipien, die alle Facetten der Künstlerin leiten.

BEZA_F_10.001.O

BEZA, In between Bread, 2012, Diasec, 66 x 100 cm

TR: Beza beschäftigt sich auch mit religiösen Bildgegenständen, heute oftmals ein Tabuthema. Was glaubst du, in welcher Hinsicht kann spirituelle Kunst relevant und aussagekräftig bleiben?

MG: Nun, auch die größten Skeptiker, denen man heute begegnen kann, kommen ins Wanken, wenn sie der Beschränkung gegenüberstehen, die das Mysterium des Lebens mit sich bringt, und ziehen sich zu Voltaires „Wenn es Gott nicht gäbe, so müsste man ihn erfinden.“ zurück. Obwohl religiöse Kunst und ihre traditionellen Bildgegenstände mit verklärten Schichten der historischen Wiederholung angereichert sind, bewahrt sie sich doch die grundsätzlichen Themen unseres heutigen Alltagslebens anzusprechen. Wahre religiöse Kunst resultiert aus Reflexion und innerer Tiefe, und das muss heute nicht mehr notwendigerweise im Rahmen einer festgelegten institutionellen Struktur geschehen. Auf jeden Fall ist die Kirche, so, wie wir sie verstehen sollten, die Welt und nicht ein Gebäude. Die Relevanz der religiösen Kunst also, um auf deine Frage zu antworten, liegt darin, dass das Spirituelle immer bedeutsam ist. Bezas Bildgegenstand mag traditionell sein, aber sie fügt ihm eine hochgradig persönliche katholische Einsicht hinzu.

BEZA_M_63.001.O

BEZA, Jesus, 2010, Öl auf Holz, 20 x 16 cm

TR: Du kennst Bezas Arbeiten seit Jahren. Wie würdest du sie beschreiben?

MG: Ich glaube, in gewisser Hinsicht ist Beza eine experimentelle Künstlerin. Und wie bei allen experimentellen Zugriffen ist ihr Schaffen von unterschiedlichem Erfolg gekrönt. Bezüglich ihres Zugriffs auf den Bildgegenstand verfügt sie über ein breites Spektrum: Porträts, durch Reflexion erhöhte Landschaften, Stillleben, religiöse Themen, figurative Beschäftigungen mit dem Körper – und das alles verbunden mit einer Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart. Einige ihrer aktuellen Experimente an der Schnittstelle von Fotografie und Malerei sind sehr originell und innovativ. Sie hat deutlich das, was manche einen zeitgenössischbarocken Zugriff nennen.

TR: Was glaubst du, macht die SØR Rusche Sammlung im allgemeinen Sinne aus? Wie fruchtbar ist der Dialog zwischen Alten Meistern und zeitgenössischer Kunst?

MG: Ich halte die SØR Rusche Sammlung insofern für einmalig, als die zwei repräsentierten Zeiträume sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Die Motive der Künstler sind heutzutage ebenso unterschiedlich wie die Kunstkontexte. Die frühere Zeit war auf Werkstätten ausgerichtet, wohingegen die Arbeiten der Künstler heute auf persönlicher Subjektivität basieren. In der SØR Rusche Sammlung stehen die Künstler, zumeist MalerInnen, in keinem hierarchischen Verhältnis zueinander. Zudem sammelst du die Arbeiten vvon einzelnen Künstlern mit Ausführlichkeit und großer Tiefe, was einen guten Überblick erlaubt. Der Dialog zwischen dem Alten und dem Neuen ist wie alle Dialoge abhängig vom Ort, an dem er geführt wird. Alles nimmt den Klang seiner jeweiligen Zeit an, das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart befindet sich immerzu im Fluss.

Lesen Sie das komplette Interview in Englisch:

Mark-Gisbourne-Interview-english-version-long

Noch bis zum 8. April 2016 ist die Solo Ausstellung ”BEZA – Bilder” in der Galerie Hübner + Hübner zu sehen.

 http://www.galerie-huebner.de/ausstellungen/aktuell

https://vfmk.org/de/shop/beza

 

 

 

Relaunch SØR Nürnberg – Tradition und Zeitgeist unter einem Dach

Der neu gestaltete SØR Store Nürnberg, setzt die Highlights der Saison gekonnt in Szene!

Der neu gestaltete SØR Store Nürnberg! Hier werden die Highlights der Saison und Kunst gekonnt in Szene gesetzt!

Am 17. Februar eröffnet, nach fast dreiwöchiger Umbauphase, der neu gestaltete SØR Store im Herzen Nürnbergs. Tradition und Zeitgeist unter einem Dach –  Angesagte Brands wie zum Beispiel Belstaff, COLMAR und Dolomite, treffen auf die Klassiker von Barbour, van Laack oder LBM 1911 (eine der ältesten Konfektionsmarken Italiens).

In die Schaufenster des Nürnberger Stores ist der Frühling eingezogen!

In die Schaufenster des Nürnberger Stores ist der Frühling eingezogen!

Feinste englische Antiquitäten bieten ein ansprechendes Pendant zu den modern gestalteten Präsentationsflächen. Erstmals setzt SØR auf eine komplette LED Lichtvisualisierung, welche die Highlights der Saison gekonnt in Szene setzt und äußerst Energiesparend ist. Zu dem typischen SØR Schachbrett-Marmorboden, gesellt sich jetzt edles Eichenparkett.

Tradition trifft Zeitgeist - der typische SØR Schachbrett Marmorboden, englische Antiquitäten, zeitgenössische Kunst und angesagte Mode, verwandeln des Store zu einem Salon der Gegenwart.

Tradition trifft Zeitgeist – der typische SØR Schachbrett Marmorboden, englische Antiquitäten, zeitgenössische Kunst und angesagte Mode, verwandeln des Store zu einem Salon der Gegenwart.

Auch in Sachen Kunst spielt der Store gekonnt mit dem Thema ”Alt und Neu” – Kupferstiche aus den vergangen Jahrhunderten treten in den Dialog mit beeindruckenden Werken von Zeitgenössischen Künstlern wie von Kai Klahre (Galerie Sturm, Nürnberg), Alex Tennigkeit, Stefan Stößl, Alexander Voigt und Christine Streuli.

P1090345

Kuratorin Dr, Teresa Bischoff in ihrem Element! Für den SØR Store stellte Sie eine wunderbare Auswahl von Kunstwerken aus der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin zusammen! Hinter ihr an der Wand hängt eine Arbeit der Schweizer Künstlerin Christine Streuli, vor ihr liegen Werke von Lukas Bugla. Foto Michael Rabenstein

Kuratiert wurde die Kunst im Store von Dr. Teresa Bischoff, die schon im vergangenen Jahr die große Ausstellung ”Gute Kunst? Wollen!” aud AEG Nürnberg, mit den Werken der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin kuratiert hatte.

Coole Eleganz für den stilvollen Herren, jetzt in Nürnberg!

Coole Eleganz für den stilvollen Herren, jetzt in Nürnberg!

Store Manager Andreas Schmid und sein Team haben die letzten drei Wochen Beachtliches geleistet und das Nürnberger SØR Haus in einen Ort verwandelt, der zum Verweilen einlädt. Der perfekte Rahmen für die neue Frühjahrs-Kollektion!

Andreas Schmid und sein Team (im  Workwear Look) haben Beachtliches geleistet.  In knapp drei Wochen haben den Store in einen visuellen Leckerbissen verwandelt!

Andreas Schmid und sein Team (im Workwear Look) haben Beachtliches geleistet. In knapp drei Wochen haben den Store in einen visuellen Leckerbissen verwandelt!

 

Bis spät in die Nacht wurde am Tag vor der Eröffnung das handwerkliche Können der SØR Mitarbeiter unter Beweis gestellt!

Bis spät in die Nacht wurde am Tag vor der Eröffnung das handwerkliche Können der SØR Mitarbeiter unter Beweis gestellt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMG-20160217-WA0002

https://shop.soer-online.de/Storefinder

 

 

Gute Kunst? Wollen! – Das Making of!

 

Am 19/20. September eröffnet die Ausstellung Gute Kunst? Wollen! Auf AEG in Nürnberg. 500 Kunstwerke der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin werden auf 6.000 qm Ausstellungsfläche gezeigt. Dr. Teresa Bischoff kuratiert die Ausstellung gemeinsam mit Studierenden der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Dabei untersuchen sie Alte Meister und Zeitgenossen an Hand von fünf Kriterien:

Handwerkliches Können

*

Schönheit

**

Kunstwollen

***

Innovation

****

Diskurswürdigkeit

*****

Der Film eröffnet uns die Dimension dieser Ausstellung und macht große Lust auf das Resultat!

Zur Ausstellung erscheint die Publikation Gute Kunst? Wollen! im MMKoehn Verlag mit Texten von Dr. Teresa Bischoff und einem Vorwort von Prof. Dr. Horst Bredekamp, herausgegeben von Prof. Dr. Ulrich Großmann, Prof. Dr. Lars Blunck und Thomas Rusche.

,,Die Kunst negiert immer neu, was ihr in ermüdender Wiederholung als Hauptbestimmung zugesprochen wird: als permanenter Ursprung die Geschichte abzustreifen und gleichsam bedingungslos das jeweilige Jetzt zu spiegeln. Sie hat jedoch immer neue Absagen an die Ideologie des Nullpunkts formuliert, und hierfür ist die Ausstellung ein Zeugnis.”  

Prof. Dr. Horst Bredekamp 

Cover der Publikation Gute Kunst? Wollen! erschienen im MMKoehn Verlag, Cover Photo by Lars Beusker

Cover der Publikation Gute Kunst? Wollen! erschienen im MMKoehn Verlag, Cover Photo by Lars Beusker

 19. September bis 17. Oktober 2015

Öffnungzeiten Do. – So. 12:00 – 19:00 Uhr

Auf AEG, Muggenhofstraße 132/135

Fürther Str. 244-254

90429 Nürnberg